JKatßurg, Freitag, 22. September 1882
xvil Jahrgang
Nr 22»
GerMche Jfitinifi
off«
'N
und
ntftral
lösisi
dium
miscl
t
ft
st
ischei aniscl
von von
T erla; ig-
n d'r o nett aoch T
enthal'i
Systei :htsmitte verseni ä 50 P len erst Lectioi
deren Gratisbeilage
Illustriertes SonntagsblaU allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch den Landpostboten, entgegengenommen.
15 Si infen. !., 20 er Clq
wollte man ein und dasselbe bezeichnen, ohne sich durch den Gebrauch der ersten statt der zweiten Form eines Fehlers schuldig zu machen. Als Beleg hierfür mögen nachstehende Beispiele dienen:
1. Ich lodewig hertichen burger zcu Marpung — Bekennen — In diesem briefe Als die — Burgemeister zcu Marpurg vnS gegonnet Han einen plaen an vnßerm huße gelegen an deme grinde zcu 6innen, des sollen — wir — von dem plaen alle Zar — eyn halp pund waßes — geben — zcu dem heiligen crutze uff der brogken vor widenhusen gelegen zcu deme geluchte daselbis — Datum Anno Domini 1423 In feste PenthocosteS.*)
2. Wir die Burgemeister Scheffen Rath vud gantze gemeyne zcu Marburg bekennen — daz wir — verkaufst Han — den beiden — Sychhusern vor Marpurg gelegen — zcwene Rinische golden — cf sent laurentien tag Anno Domini 1477.
3. Wir die Burgemeister Scheffen Rait vnd gantze gemeynde der Stait Marpurg Bekennen — das wir — verkaufst Han — vier — gülden — jerlichcr rente — die — wir — geben — wolln — in die zcwey — sichen huser vor widenhusen der vorstede marpurg gelegen — Anno Domini 1498 am sonabint noch sent peters tag ad vincula.
4. Wir — ludwig rulen — prister wonhaftig zu marpurg vnd Jacob Blanckenheim Burger daselbst Bekennen — So als bruder Heinrich Bickel Borfeessr ordens zu Marpurg gegeben — alle sin gütet — In die Ehre Gottes
*) Es ist dieses die vom Verfasser jenes Artikels in Nr 205 der Oberhessischen Zeitung citierte, von mir aufgesundene Urkunde, welche sich in der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Jahrgang 1875, abgedructt findet.
gefördert werde, der muß für die Wahl von Männern wirken, welche, den entschiedenen Willen haben, auf dem bereits d betretenen Wege der Aussöhnung der streitenden Gegensätze weiter zu gehen.
.Die konservative Partei hat sich bisher als die beste Stütze der Selbstverwaltung erwiesen: sie flieht ihre besten Kräfte dazu her, um sie ins praktische Leben hinüberzuführen und tritt für die ganze Verwaltungsreform mit Eifer eht Aber es wäre ein Fehler, wenn sie gegen offenbare Mängel blind sein wollte. Die wahren Freunde der Selbstverwaltung sind diejenigen, welche die Revision der Ver- waltungsgesetzgebung in denjenigen Punkten, in welchen sich dieselbe nicht bewährt hat, auf ihre Fahne schreiben, um dadurch diese Gesetzgebung mit den Forderungen des praktischen Lebens in Uebereinstimmung zu stellen und sie vor den Gefahren der praktischen Unbrauchbarkeit zu schützen.
Als die wichtigste Aufgabe aber muß die Steuerreform angesehen werden. Es ist Zeit, daß nun endlich einmal auf diesem Gebiet ernst gemacht wird. Alle Pläne und Bemühungen der Regierung sind bisher an der Neigung zu theoretischen Einwänden und Aufstellung von Gegenvorschlägen gescheitert. Die einzige Folge hiervon ist, daß sich die Steuerzahler und Gemeinden noch immer unter dem Steuerdruck befinden, welchen die Regierung ihnen abnehmen wollte. Hier hat der Wähler diesmal ganz sicher zu gehen. Er muß seine Stimme denjenigen Wahl- männern resp. Abgeordneten zuwenden, welche nicht bloß den bestehenden Steuerdruck der ärmeren Klassen und der Gemeinden anerkennen, sondern auch bestimmt erklären, daß sie für die Beseitigung der anerkannten Uebclstände Sorge tragen wollen, ohne sich von den Marktschreiern beirren zu lasten, welche die Steuern überhaupt abschaffen zu wollen versprechen.
Im einzelnen werden sich ja noch manche Fragen ergeben, die der Erörterung bedürfen. Aber die allgemeine Richtschnur für die Erfüllung der Aufgaben der Zukunft und bei den Wahlen ist hiermit gegeben: möge sie auch von den Urwählern unseres Wahlbezirks befolgt und beherzigt werden.
Anfang einer großen Epoche bezeichnen, welche unter schweren inneren und äußeren Kämpfen zu unserer nationalen Wiedergeburt und zur Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches führte: per aspera ad astral Welche Anstrengungen und welche Erfolge bilden den Inhalt dieser für daö Leben des Menschen so langen, für daö Leben der Nationen so kurzen Epoche von zwanzig Jahren, und welche Lehren für alle Zeiten in dem Ringen deö großen Staatsmannes um diese Erfolge, die er nicht als reife Frucht vom Baume schütteln konnte, sondern, getragen allein von dem Vertrauen seines erhabenen Monarchen, mit der vollen Energie eines von einem großen Gedanken erfaßten Patrioten und mit der an Hülfsmitteln unerschöpflichen Kunst eines unvergleichlichen Politikers Schritt vor Schritt erobern mußte, selbst von Denen auf daö Heftigste angefeindet, welche, nachdem er die staunende Welt mit seiner großen That überrascht hatte, nachträglich sich brüsteten, dasselbe gewollt zu haben, was er ausgeführt. ES ist nicht immer die Bosheit, welche sich in großen Plänen und Entwickelungen entgegenstellt; dieselben haben in der Regel einen noch schlimmeren Gegner in der Kurzsichtigkeit, welche daS Werdende mit schonungsloser Kritik, die sich den Anschein geistiger Ueberlegenheit giebt, zu stören sucht und sich hinterher der verdienten Beschämung dadurch zu erwehren sucht, daß sie, ohne zu bedenken, welches Zeugnis sie sich selbst damit auSstellt, zu ihrer Rechtfertigung sagt: ja, wenn wir gewußt hätten 1 Wenn wir aber sagen, daß eine große Politik an der Kurzsichtigkeit einen noch schlimmeren Gegner habe, als an der offenkundigen Bosheit, so haben wir die so natürliche Ermüdung und den Ekel im Auge, von welchem jeder große schöpferische Geist wohl befallen werden könnte, wenn er außer mit den auS der Sache selbst sich ergebenden Schwierigkeiten, Schritt vor Schritt auch noch mit dem Unverstand zu kämpfen hat, welcher einen Teil der geistigen Kraft, welche vollinhaltlich den großen Absichten zugewendet bleiben sollte, für sich in anspruch nimmt. Glücklicherweise liegt kein Grund vor, einer solchen Hypothese die praktische Anwendung zu geben, und wenn Fürst BiSmarck leider oft genug Veranlassung findet, auf die körperlichen Beschwerden hinzuweisen, welche ihm die Last der Geschäfte drückend machen, so ist er sich seiner geschichtlichen Mission und Verantwortlichkeit zu wohl bewußt, als daß er in den Aufgaben, welche er sich gestellt: in der Konsolidierung des Deutschen Reiches, in welchem ganz Europa eine Garantie des europäischen Friedens schätzen gelernt, sich jemals durch Bosheit oder Unverstand ermüden lasten könnte. Wenn wir aber heute an die beiden Gedenktage: den 23. Sept, und 8. Oktober 1862, erinnern, so geschieht dies in der Ueberzeugung, daß, wenn jemals — so in der zwanzigjährigen Geschichte des Ministeriums Bismarck die Gelegenheit wie die Aufforderung gegeben ist: die Erinnerung zum Prüfstein der Gegenwart
Aufgaben für die Wahlen.
Die Rückblicke auf die letzte Legislaturperiode des Landtags haben gezeigt, was bisher erreicht worden war und was unvollendet gelassen ist. Es ergeben sich hieraus die Ausgaben für die Zukunft, über welche sich die Wähler schon jetzt vollständig klar sein müssen.
Ohne zu wissen, welche Gesetzesvorlagen dem neuen Landtage werden gemacht werden, wird man doch annehmen können, daß sich die nächste Zukunft eng an die Vergangenheit anschließen und den abgebrochenen Faden wieder aufnehmen und fortspinnen wird. Es kommt also darauf an, daß Abgeordnete gewählt werden, welche sich bereit erklären, für litte weitere Entwicklung der Gesetzgebung in der angefangenen Richtung einzutreten und gegebenen Falls, wenn bezügliche Gesetzentwürfe vorgelegt werden, für ihr Zustandekommen zu wirken.
- Die Frage wegen der Stellung zur Eisenbahnpolitik steht hiermit im Vordergrund. Wir wissen zwar nicht, ob der Verstaatlichungsprozeß schneller oder langsamer sort- gesetzt werden soll, aber wenn die Entwicklung gegebenen Falls nicht gehemmt und aufgehalten werden soll, muffen Männer im Parlament sitzen, welche fest auf dem Boden ►her Staatsbahnpolitik stehen, über bereit Bedeutung und Richtigkeit kein Wort mehr zu verlieren ist.
Auf dem Gebiete der Kirchenpolitik wird nach wie vor eine versöhnliche Haltung unter Wahrung der StaatS- aulorität geboten sein. Wer den Segen und den Frieden der Kirche an sich kennt, weiß auch die Notwendigkeit eines regen kirchlichen Lebens für das Volk zu schätzen und wird den Wunsch hegen muffen, daß der Staat und die katholische Kirche immer mehr den Weg der praktischen Verständigung einschlagen, auf welchem die Förderung des auch für den Staat selbst unentbehrlichen religiösen Lebens am besten zu erreichen. Leider ist die kirchliche Frage von den Parteien der Linken immer mehr ihres ursprünglichen Charakters entkleidet worden; das Bedürfnis nach dem Frieden ist jetzt nicht ohne Absicht wieder mehr in den | Hintergrund gedrängt worden. Wer wünscht, daß die Frage : des kirchlichen Friedens dieser Behandlung entzogen und i dcr Friede unter Wahrung der Staatsautorität wirklich
Deutsche« Reich.
Berlin, 20. Sept. Am 23. September 1862 erfolgte die Berufung des damaligen Gesandten von Biömarck- Schönhausen zum interimistischen Vorsitzenden des Staatsministeriums an stelle des Ministers v. d. Heydt, worauf derselbe am 8. Oktober ej. zum Präsidenten des Staatsministeriums und zum Minister der auswärtigen Angelegenheiten ernannt wurde. Zwei interessante Daten, welche die Geschichte aufbewahren wird: nicht nach der konstitutionellen Gewohnheit, welche die Kabinette nach dem Tage ihrer Berufung unterscheidet, sondern weil sie den
Der Präposition „vor".
Unter diesem Titel erschien in Nr. 205 der Oberhesst- schen Zeitung ein Artikel, in welchem der anonyme Verfasser nachzuweifen sucht, daß mit der Brücke auf welcher Marburgs heil. Kreuzkapelle einst gestanden, nicht die bei dem Siechenhofe, sondern die bei der Herrenmühle in der Urkunde gemeint sei (cfr. Baudenkmäler im Regierungsbezirk Kasse! S. 361). Die Redaktion der Oberhessifchen Zeitung bemerkte dazu, wenn Weidenhaufen nicht zu Marburg gehörte, würde der Herr Verfasser wohl recht !haben, so aber dürfte seine Ausführung zweifelhaft sein. !Darauf hin hat der Verfasser jenes Artikels sich veranlaßt gefunden, weitere Beweise für seine Auffaffung in einem Zweiten Artikel in Nr. 209 obiger Zeitung beizubringen. Nach dem, was mir vom alten Marburg bekannt geworden ist, kann ich nur für jene erste Auffassung bezüglich der jBrücke stimmen, wie sie sich in den Baudenkmälern findet, mnd daß diese Auffaffung die richtige ist, will ich in nachstehendem darthun.
Weidenhausen war schon im anfang deS 14. Jahrhundert ein wesentlicher Bestandteil von Marburg und kein Worf mehr. Aus dem von Landgraf Ludwig von Hessen, jEischos zu Münster, der Stadt Marburg im Jahre 1311 ^teilten Freiheitsbrief ersehen wir, daß Weidenhausen unter »amtlichen Vorstädten die erste Stelle einnimmt, und daß F® nur um Vs weniger Einwohner hat, als die eigentliche petabt.
| Drücken, Häuser und Gärten als „vor Weidenhausen" fvder „vor Marburg" liegend zu bezeichnen, waren in alten inftten ganz gewöhnliche Schreibweisen und kommen in Urkunden vielfach neben einander vor. Mit beiden Formen
1011 1001 1011 1011 1001 10111 102
651 751 94$
1021 100, 28« 751
69 « J 308-f
98«
224 Ml 121’| 101,1 99» 68’
cht
arbur, . 44.
12.
DM» Mr das vierte Quartal werden Bestellungen auf die
Öberhessische Zeitung
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche ^Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. TbieneS in Elberfeld' C. Schlotte in
Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SotMtagSblatt« durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr. > — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: dj-Expedition d. Blattes, s,wi< d.Annoncen.Bureaux e xh. Dietrich u. Co. in a'aff-l und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, geizig, Köln rc>; Rudolf Moise in Berlin, Frankfurt a. M. -c.
vnd wercken der milden Barmherzigkeit — In die zwei armen Siechen hufere vor marpurg gelegen — Geben cf montag noch Sant Bartolomeustag — In dem Jare 1502.
5. Koneyen knecht hat uf eymkarn vß der statt stall uf die vßersten brogken*) vor wydenhnfen gefuret belegeholz. Stadtbaurechnung von 1472.
6. Doscnbach hat gearbeitet am steineweg vnd am were vor widenhusen. — Jacob von Muscht hat zum were vor mvenhufkn gefuret 9 fure steins. Stadtbaurechnung von
7. Meister hanS murer hat gearbeitet bie der siechen vor widenhusen. Stadtbaurechnung von 1493.
8. wigant wulffshusen vnd hen uff der loynporten beide gearbeitet 6 tage zcu widenhusen vff der brugken zcum Helligen cruce. Stadtbaurechnung von 1494.
9. Gyrhart meler zcu lone gegeben von den Helligen zcu malen vnd das hußchen vnd die gleyßer 10 gülden von beuele des radis zcu widenhusen uf der brogken. Stadtrechnung von 1494.
10. Jngenommen von dem heiligen Cruce uf der widen- huser brugken. Entphangen daselbst vß dem stocke im biewesen Jost winanis vnd caspern molnhoberS 12 Psd. 2 Denare. Stadtrechnung von 1494.
lSchluß folgt.)
♦) Diese äußerste Brücke, die auch Feldbrücke genannt wird, ist nicht mehr vorhanden. Sie lag zwischen den beiden Siechenhöfen und führte über den aus dem Lahnberg kommenden 3abl» dach Alle Wagen und Fußgänger, welche vom firummbogen die Straße herunter kamen und nach Marburg, Kappel rc. wollten, hatten diese Brücke zu passieren. Von der alten Straße ist nördlich vom Judenlirchhof noch ein Teil vorhanden.
Imühi, tefier izs-hW der -s iverhW pachte!! Bl. [|
vHÜI zu 81