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Marburg, Mittwoch, 20. September 1882

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kam der Athcm aus der Brust des Sterbenden, plötzlich aber öffnete er weit die dunklen Augen und ließ sic lange auf den jugendlichen Zügen der vor ihm Knieenden ruhen.

Kommst Du wieder, Beroni? — hauchte er in den seltsamen Tönen, die bekunden, daß der Geist weit ab ist, 0, ich weiß wohl, daß Du mich nicht einsam sterben lassen wirst, Dein Herz ist gut und nur der andere, der andere, Gott kann ihn nicht ungestraft lassen, der hat Dich von mir fortgezogen, immer weiter und weiter fort, bis ich Dich nimmer fand. Aber ich suchte Dich, Beroni, Dich und den andern, in Brunnen, in Flüelen, in Luzern, bis ich Dich von weitem sah, auf der Tells Platte, weißt Du Beroni, wo Du mir einst die Alpenrose gabst, die Du am Mieder getragen, und ich Dir em Kcttengehäng aus Hellem Silber umhing, wie Du's gewohnt warst, Dich zu schmücken daheim in dem Kanton Bern, aus dem Du stammst.

Eine Pause trat ein, die feuchtkalte Hand deS Ster­benden streckte sich aus, als sehnte sich der Mann, etwas Liebes, Bekanntes mit seinen Fingern zu umspannen, und wortlos legte Toni ihre kleine, weiße Rechte in sie hinein. Wortlos, aber der schlanke Körper des Mädchens zitterte und als müsse es so sein, legte der Ungar seinen Arm um sie, und sie schmiegte sich wie hülfesuchend dicht an seine Schulter.

Sepp schien cö nicht zu sehen, sein Geist beschäftigte sich augenscheinlich noch mit den glückseligen Traumgebilden, die er hcrausbcschworen, und denen er festere Gestalt verlieh, nun er die Hand eines Mädchens in der seinen

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Für das vierte Quartal werden Be­stellungen auf die e

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mit ihnen tausende von Menschen auS Leipzig und^Um­gegend nach dem bei Lützen belegenen Gustav Adolf- Denkmal. Auch aus Halle, Merseburg, Weißenfels, Zeitz, Naumburg und Markranstädt war die Einwohnerschaft sehr zahlreich erschienen. Die Feststädt Lützen hatte ein fest­liches Gewand angelegt. Auf dem Marktplatze in putzen ordnete sich gegen 9 Uhr vormittags der Festzug, um sich zu dem Denkmal zu begeben. Der Zug hatte folgende Reihenfolge: Musik, die Schützengesellschaft, die Schulen und Lehrer aus der Stadt und Ephorie Lützen, die Ehren- ungfrauen, die Ehrengäste, die Deputation deö studentischen Gustav Adolf-Bereins aus Leipzig, daS Festkomitee, die städtischen Behörden, die Geistlichkeit im Ornat, Musik, die Bäckerinnuug von Leipzig mit ihren beiden Fahnen, daS Weißenfelser Seminar, die Gymnasien von Zettz und Merseburg, Musik, die Kricgervereine der Umgegend und die Turner des Nordostthüringischen GauverbandeS. Unter den Ehrengästen bemerkte man den schwedischen Gesandten am Kaiserlichen Hofe, Baron von Bildt, der im persön­lichen Auftrage des Königs von Schweden zu der Jubel­feier erschienen war. Die gottesdienstliche Feier am Gustav Adolf-Denkmal wurde durch den Gesang deS Liedes: „Em feste Burg ist unser Gott" eingeleitet. Alsdann betrat Dr. von Gero! (Stuttgart) die Tribüne, um die Festrede zu halten, in welcher derselbe das Andenken des Königs Gustav Adolf, dessen Denkstein der Grundstein zum Gustav Adolf-Verein geworden sei, verherrlichte. Nachdem der Redner geendet, sang die ganze Versammlung: „So kommet vor sein Angesicht". Alsdann ordnete sich der Festzug wieder, um den Einmarsch in die Stadt Lützen zu unter­nehmen. Auf dem Marktplatze daselbst angelangt, be­grüßte zunächst der Bürgermeister Große (Lützen) die Fest­versammlung. Oberprästdent von Wolff überbrachte den Gruß der König!, preußifchen Staatsregierung und erklärte Es gereiche ihm zur besonderen Freude, folgendes ihm zu­gegangene Telegramm aus Dresden zur Kenntnis der Fest­versammlung zu bringen. Das Telegramm lautet! Ich beauftrage Sie, die heutige Festversammlung zur Gedenk- feier deS vor 250 Jahren gefallenen großen Schweden­königs und des 50jährigen Bestehens des Gustav Adolf- Vereins In Meinem Namen herzlich zu begrüßen. Wilhelm. — Oberpräsident von Wolff brachte auf Se. Majestät den Kaiser ein Hoch aus, in welches die Versammlung dreimal begeistert einstimmte. — Es erfolgten hierauf noch ver­schiedene Ansprachen und die Ueberreichung der in Lützen gestifteten Liebesgaben. Eine zu der Feier in unerwarteter Weise eingetroffene Deputation aus Helsingfors überreichte eine prächtige Fahne aus weißer Seide, in welcher Gustav Adolfs Namenszug und Finnlands Wappen erglänzte, mit der Inschrift in Goldbuchstaben: „Finlandia gloriosi laboris olim consors 1632—1882“. Die Feier endete auf dem Marktplatz mit Gesang. — Inzwischen war in Leipzig noch folgendes Telegramm eingetroffen: Ich habe

Auf deu Höhe« vo« Andermal.

Der Wirklichkeit nach erzählt von A. Gnekow.

(Fortsetzung)

Die Laterne vor dem großen Hotel auf Andermat be­leuchtete an jenem Abend ein junges Menschenpaar, dessen Züge das erste Erwachen der Liebe widerspiegelten und rch glaube, die Leutchen hätten trotz der ungünstigen Witterung noch lange im Freien gestanden, wenn es uns nicht hinein­getrieben in die behaglich erleuchteten Räume, und wenn wir nicht allgemach ein warmes Verlangen danach getragen hätten zu hören, wie es mit unserem Patienten stehe.

Er war zu Bett gebracht worden, auch den Doktor hatte man zu ihm gerufen und er log nun nachdem ihn dieser verlassen, mit einem so stillen, friedfertigen Ausdrucke in den weißen Betten, als sei ihm wie einem müden Kinde der Schlaf und die Ruhe von Herzen erwünscht gekommen. Der Arzt hatte bei seinem Kommen den Kranken schon bei Bewußtsein getroffen, ihn gehörig untersucht und dann Hoffnung gegeben, daß er nach Wochen wieder gesund se n würde, aber Joseph glaubte mcht daran. Es war, als suche seine tastende Hand an dem wunden Körper die Stelle, die ihn am meisten scherzte, und als sie dann schließlich auf dem Herzen ruhen blieb, fest,.fest, J 8 läge dort alles Leid begrabm, flog ein trübes Lächeln über seine Züge, bis sich ber wehe Ausdruck besänftigte, und ihm tm Schlafe Beruhigung und Friede kam.

Ursprünglich hatten wir beabsichtigt, nur eine Nacht auf Andermat zu bleiben und am mnern Tage wieder hinabzufahren nach Flüelen, aber der Zustand SeppS ließ dies nicht zu, da eS uns hartherzig erschien, den armen

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Sept. Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Meldung der Blätter, daß der Kaiserin nach Abnahme des Gvvsverbandes ein Drahtverband angelegt wurde, alS unbegründet; ein weiterer Verband habe sich nicht als er­forderlich erwiesen. Die Aerzte seien mit der zunehmenden Beweglichkeit der kontusionierten Gliedmaßen durchaus zu­frieden. Das Allgemeinbefinden der Kaiserin habe infolge der Schmerzen und der langwierigen Behandlung natur- aemäß gelitten; die Kaiserin werde längerer Schonung und Erholung bedürfen. Die spätere Ueberstedelung nach Baden-Baden zur Herbstkur solle nach tote vor in Aussicht genommen sein. - Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ein Schreiben der Generaldirektion der elsaß-lothringischen Elsen- bahnen, welche« die Meldung der Blätter von Verhand- lunaen zwischen den Generaldirektionen der badischen und der Reichs - Bahnen bezüglich der Ersatzpflicht str das Eisenbahnunglück bei Hugstetten für unrichtig erklärt. Der verunglückte Zug war von beidell Verwaltungen gemein­schaftlich arrangiert. Die badische Verwaltung fuhr den- elben mit ihrer Maschine und ihrem Personal, die Ver­waltung der Reichsbahnen stellte dazu nur die Wagen zur Naturalausgleichung gegen einen früher von Freiburg mit badischen Wagen nach Straßburg gefahrenen Extrazug. Außerdem gab der Stationsvorsteher in Colmar zwei Bremser zur Verstärkung des badischen Personals mit. Die badische Verwaltung machte in keiner Weise die Reichs­bahnen für das Unglück und die daraus entspringenden Entschädigungs-Forderungen rerantwortlich. Es schweben folglich keinerlei Verhandlungen darüber zwischen beiden.— In betreff des sogenannten Kultur-Examens teilt der Evan­gelische Ober - Kirchenrat in seinem amtlichen Blatte den Inhalt des Ministerial-Erlaffes über die Ausführung deS Artikels 3 des neuesten kirchenpolitischen Gesetzes mit und bemerkt! „Denjenigen Kandidaten, welche bereits ihr aka­demisches Studium abgeschlossen haben ober am Ende des­selben stehen, ohne die wissenschaftliche Prüfung abgelegt zu haben, bleibt die Wahl, entweder auf gründ einzuholender UniverfitätSzeugnisie den Nachweis zu führen, daß sie Vor­lesungen aus dem Gebiete der Philosophie, Geschichte und deutschen Litteratur mit Fleiß gehört haben, oder sich zur

Menschen im ersten Stadium seiner Leiden zu verlassen, ohne daß wir fernerhin Kenntnis davon erhielten, welchen Verlauf seine Krankheit nehme. Dazu kam noch, daß Zoseph nack der ersten Nacht auf Andermat, die er ziem­lich ruhig verbrachte, in eine fast tobende Aufgereiztheit verfiel, die nur abnahm, sobald Toni in sein Zimmer trat und sich zu seinem Lager setzte, und abwechselnd mit dieser war es der Ungar, der sich deS Kranken annahm und ihn

lörmer Joseph, — er hatte recht geahnt, ber Tov sollte dock kommen und ich weiß nicht einmal, ob ihm das Schei­den von einer Welt, in der er das Liebste verloren^.nicht zu gönnen gewesen, ob er im Sterben nicht ein Gluck gc- unden, das ihm die Erde nicht mehr zu bieten vermochte ! Es war in seiner Scheidestunde, die Fenster eine« ZunmerS standen weit geöffnet, balsamisch drang die wnrz.ge Luft herein und die Sonne koste mit den spärlichen, braunen Locken, die man dem Sterbenden gelassen, als unbarmherzig die Scheere fast alles Haar von den Wunden des Kopses abgeschnitten. c „

Ich hatte mich im Hintergründe deö Zimmers fest an die Wand gelehnt und verharrte regungslos, während Tom am Lager des Kranken kniete und die schlanke Gestalt des Ungarn dicht an ihrer Seite stand.

Der Sterbende hatte den Wunsch ausgesprochen, die beiden jungen Leute noch einmal zu sehen und das Mas­chen dem Wunsche zitternd gewillfahrt,während ihre Mutter und auch die andern Damen es nicht über sich zu gewinnen vermochten, dem Sterben eines Menschen beizuwohnen.

In langsamen Schwingungen ging der Pendel der großen Uhr, die in der Stube hing, leise, fast unhörbar

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wissenschaftlichen Staatsprüfung nach den bisherigen Vor- fchriften zu melden, oder sofern unterstützende Gründe dafür geltend gemacht werden können, den Herrn Minister der geistlichen Angelegenheiten um DispenS von dem Erfordernis der Staatsprüfung zu ersuchen." — Der nunmehr er­schienene Wahlaufruf der Deutschkonservativen sagt u. a.: DaS zukünftige Abgeordnetenhaus wird nach dem Willen der Liberalen ein Hemmschuh werden für jeden gesunden Fort- chritt aui dem Gebiete der sozialen Reform. Keine Hilfe >en Kranken, kein Schutz den wirtschaftlich Schwachen, wie ihn die kaiserliche Botschaft verheißt. Keine Erleichterung der unteren Volksklassen und der produzierenden Stände von dem harten Druck der direkten Steuern; keine Herabminderung der schwer empfundenen Volksschullasten, keine Maßregel zur Erhaltung eines kräftigen Bauernstandes und des ehr­lichen, soliden Handwerks gegenüber der ihnen durch Wucher und schrankenloser Gewerbefreiheit drohenden Vernichtung. DaS alles wird die Frucht einer liberalen Majorität im Abgeordnetcnhause sein. Dagegen darf von einer konserva­tiven Majorität im Landtage die Förderung einer friedlichen Auseinanderfetzung zwifchen Staat und Kirche, die Erhaltung der konfessionellen Schule, die Erleichterung und bessere Ver­teilung der direkten Steuern, die Entlastung besonders von drückenden Kommunal-Abgaben, erwartet werden. In der vergangenen Legislatur-Periode sind diese für das Volks­wohl notwendigen Maßregeln angebahnt. Der neugewMte Landtag wird sie ihrer Vollendung entgegenführen. DaS Land bedarf dringend einer Politik der sozialen Versöhnung; der Liberalismus würde, wenn er zur Herrschaft gelangte, den sozialen Krieg verewigen.

Dresden, 17. Sept. Se. Majestät der Kaiser begab sich heute vormittag nach dem Dejeuner bei dem Offizier­korps seines sächsischen Grenadier-Regiments mit dem Könige und sämtlichen Fürstlichkeiten nach dem Alaunplatze und besichtigte hier die in vier Treffen mit ihren Fahnen und Mustkkorps aufmarschierten 20000 Mann starken Krieger­vereine Sachsens. Endloser Jubel der Veteranen begrüßte und begleitete den Monarchen. Nachmittags besuchte Se. Maj. der Kaiser das Albertfest in dem König!. Großen Garten und verweilte daselbst circa 2'/2 Stunden. Nach den glänzend gelungenen Aufzügen unternahm Se. MaMät der Kaiser mit der Königin eine Umfahrt durch die dicht­gedrängte Volksmenge, überall mit enthusiastischen Zurufen begrüßt. Der König folgte zu Fuß, vom Publikum eben­falls jubelnd empfangen; ihm schlossen sich die übrigen Fürstlichkeiten an. Um 6 Uhr fand Hoftafel statt, an welcher außer den Majestäten sämtliche hier anwesende Fürstlichkeiten, das Gefolge, die zum Ehrendienst komman­dierten Offiziere, die Minister u. a. teilnahmen. Vormittags hatte Se. Majestät der Kaiser noch daS Atelier deö Bild­hauers, Prof. Schilling besucht.

Leivzia, 15. Sept. Bei prächtigem Wetter begaben sich heute die zur Gustav Adolfs-Feier Versammelten und

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