xvii Jahrgang
Marburg, Dienstag, 19. September 1882
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vor gänzlicher Verwüstung und sichert auch einigermaßen den ungeheuren Besitz und die Anrechte, welche europäische Kaufleute und Kapitalisten in Egypten haben, auch wird, wenn die Engländer ihre Ansprüche auf die Hoheitsrechte in Egypten nicht zu hoch stellen und sich in der Hauptsache mit der Wiederherstellung der Autorität des Vizekönigs unter sicheren Bürgschaften begnügen, die rasche Niederwerfung des egyptischen Aufstandes die diplomatische Ordnung in Egypten begünstigen. Anders würden sich allerdings die Dinge gestalten, wenn England Egypten als gute Prise in den Sack stecken wollte, dann wären europäische Verwickelungen zu fürchten, doch gerade dieser Umstand wird auch England wohl vorsichtig und maßvoll machen. Die inneren Slngelegenheiten EgyptcnS sind natürlich bis auf weiteres nicht, ohne den thatkräftigen Beistand Englands zu ordnen und muß das Nilland zunächst von den aufrührerischen Elementen gründlich gesäubert und an den Rädelsführern ein abschreckendes Exempel statuiert werden, damit nicht nach einigen Monaten der Vizekönig sich wiederum als willenloses Werkzeug in den Händen der Paschas befindet. In Kairo wird deshalb auf Anordnung des Vizekönigs ein Gerichtshof gebildet, welcher über die Teilnehmer am Ausstande strenges Gericht halten wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 16. Sept. Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge ist das Befinden der Kaiserin wesentlich unverändert. Die Kaiserin muß den größten Teil dcS Tages noch liegend zubringen. Der Gipsverband konnte jedoch entfernt werden. Die Heilung der erlittenen Kontusionen nimmt einen die Aerzte willkommenen befriedigenden Verlauf. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." bespricht die Meldung der Blätter, wonach Fürst Bismarck auf eine Anfrage der Freikonservativen aus dem Wahlkreise Schlawc - Rummelsburg, wen sie wählen sollten, geantwortet hätte, gegenüber dem ultra-konservativen Kandidaten v. Puttkamer-Ncukolzi- glow wären ihm die beiden Freikonservativen doch lieber, und sagt, die Antwort sei vollständig aus der Luft gegriffen. Der Reichskanzler habe vielmehr erklärt, er teile als Privatmann seinen Einfluß für einen Kandidaten der frcikonservativen und einen der altkonservativen Partei, habe aber als Minister keinen Beruf, die Wahl von Mitgliedern beider Fraktionen zu bekämpfen und enthalte sich deshalb auch innerhalb dieser Grenzen jeder Einflußnahme; er bitte auch, seinen Namen dazu nicht zu verwenden. Nur wenn der Wahlkreis Gefahr liefe, durch einen Freihändler vertreten zu werden, würde er sich verpflichtet halten, vor einer solchen Schädigung der Landesinteressen als Urwähler und Minister durch alle erlaubten Mittel zu warnen. — Den Angriffen der „Nationalzeitung" gegen den Artikel der „Prov.-Korresp." über die Auflösung der Berliner Stadtverordnetenversammlung gegenüber weist die „Nordd. Allgem. Zig." auf den Paragraphen 79 der
Städteordnunq hin, wonach die Stadtverordnetenversammlung durch Königliche Verordnung auf Antrag des Staatsministeriums auflösbar ist und weist die beleidigende Beschuldigung einer politischen Gelegenheitsmaßregel, wofür als Beweis dienen solle, daß das konservative Zentralkomitee die Auflösung auf seine Tagesordnung gesetzt habe, zurück. Man könne ebensogut den Freunden der „National- Zeitung" vorwerfen, daß sie die Auflösung bekämpfen, weil sie einen, politischen Schaden für ihre Partei fürchteten. Die Regierung stehe über solchen Erwägungen, die auf Erfolge Rücksicht nehmen, die niemand verbürgen könne, Die Regierung habe allein über die Erfüllung des Zweckes der Städteordnung zu wachen. — Der „Voss. Ztg." zufolge sind die Direktoren der StaatSeisenbahnen zu Umfragen darüber veranlaßt worden, ob die Ausfuhr deutschen Sprits nach Frankreich, nach der Schweiz und nach Italien durch Gewährung von Ausnahmetarifen gehoben werden könne. — Ober-Konststorial-Rat August Friedrich Georg Winter zu Berlin ist zum Geheimen Ober-Regierungs- Rat und vortragenden Rat in dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ernannt.
Wilhelmshaven, 16. Sept. Prinz Heinrich ist als Vertreter Sr. Majestät des Kaisers zu der Enthüllung des dem Prinzen Adalbert gewidmeten Denkmals gestern nachmittag hier eingetroffen und durch die Admirale Berger und Graf Monts, den Oberpräsidenten v. Leipziger, den Geheimen Rat Erdmann, Vertreter des Großherzogs von Oldenburg, den Bürgermeister und den Magistrat empfangen morden. Se. König!. Hoheit hielt alsdann unter dem Donner der Salutbatterie und unter den jubelnden Begrüßungen der Bevölkerung seinen Einzug durch die prächtige, von der Stadt erbaute Ehrenpforte und die festlich geschmückten Straßen nach seiner Wohnung im Gebäude deö Stationschefs. Heute früh brachten die Bürgergesangvereine dem Prinzen ein Ständchen dar. Das Wetter ist prachtvoll, der Fremdenzufluß vom Lande und der See her ist ein großer. — Die feierliche Enthüllung des Prinz Adalbert-Denkmals fand heute mittag um 12 Uhr in Gegenwart des Prinzen Heinrich, des Chefs der Admiralität, der Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und des Seeoffizierkorps statt. Unter dem Donner der Kanonen von den Kriegsschiffen und den Landbatterieen fiel auf einen Wink des Prinzen die Hülle, die Matrosen und Seesoldaten, welche im Paradeanzug das Denkmal umstellt hatten, präsentierten das Gewehr, während die Musik die Nationalhymne spielte. Vizeadmiral Bätsch hielt die Weiherede und übergab schließlich das Denkmal der Stadt. Alsdannn erfolgte ' der Stapellauf des Aviso „Ersatz Grille" von der kaiserlichen Werft. Der Prinz Heinrich vollzog im Namen des Kaisers die Tau^e und nannte den neuen Aviso „Pfeil". Dem glänzenden Schauspiel wohnte eine zahlreiche Volksmenge bei, welche Se. König!. Hoheit lebhaft begrüßte.
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Das Ende des egyptischen Aufstandes.
Der Ausstand Arabi Paschas und seiner Parteigänger gegen die Herrschaft des Vizekönigs in Egypten hat mit Hilfe der englischen Waffen ein jähes Ende genommen. Arabis Truppen sind von den Engländern bei Tel-el-Kebir überrascht, vollständig geschlagen und in alle Winde zerstreut worden, Arabi Pascha und Tulba Pascha, die Führer des Aufstandes, wurden in Kairo von dem Polizeipräfekten und den inzwischen angekommenen Reiterscharen des Generals Lowe gefangen genommen, gegen 12 000 Aufständische haben auch bereits die Waffen gestreckt; Kairo hat sich unterworfen und Damiette, Abukir und die übrigen festen Plätze werden bereits das Gleiche gethan haben. Europa und
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einige Zeit zu verteidigen. Ja, auch die mit Kruppschen k * Kanonen ausgerüstete egyptische Artillerie hat nur erbärm-
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is licheS geleistet. Rechnet man eben mit dem Mangel an ’ Ordnung, Ausbildung, Verpflegung, Tapferkeit und mora-
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egyptischen Volkes stand dem eigentlichen Getriebe des Aufstandes fremd, ist auch gar nicht reif und fähig dazu, seine Freiheit zu erkämpfen und wurde nur durch falsche Vorspiegelungen zu den Feindseligkeiten gegen die Ausländer getrieben. So ist es denn auch gekommen, wie es kommen mußte. Arabi Pascha und seine ersten Ratgeber wollten bis aufS Messer kämpfen, aber ihr aus den armseligen, ausgehungerten und an Mehrtausendjährige Sklaverei gewöhnten Fellahö und räuberischen Beduinen gebildetes Heer leistete nicht den geringsten Widerstand, die Egypter rissen zwar nicht bei dem ersten Kanonenschuß aus, flohen aber bei jedem scharfen Angriffe der englischen Reiterei und Infanterie und hatten nicht einmal Tiut und Kraft genug, um sich hinter den Schanzen von Tel-el-Kebir erfolgreich
Egypten können mit diesem Resultate zufrieden sein, denn der nationale Aufstand der Egypter hat sich als ein sehr leichtsinniger und frevelhafter Streich Arabis und seiner Anhänger herausgestellt und ist weiter nichts gewesen, als das Werk der ehrgeizigen egyptische^ Paschas und einiger fanatischer mohamedanischer Parteigänger, die den ungläubigen GiaurS, den Europäern, aus unedlen Motiven in Egypten die Hälse brechen und sich zu den Herrschern des NillandeS machen wollten. Der Kern und die Masse des
Auf deu Höhe» vo» Andermal.
Der Wirklichkeit nach erzählt von A. Gnekow- (Fortsetzung)
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i lischem Halt bei den Egyptern, so braucht man sich nicht »zu wundern, daß sie den 15000 Mann englischen Kerntruppen nicht den geringsten Widerstand leisten konnten. Alle Ehre übrigens auch der englischen Energie und Tapferkeit, welche die Engländer unter General Wolselcy, zumal I bei dem Angriffe auf Tel-el-Kebir, gezeigt haben, aber eine i geradezu großartige Waffenleistung sind die Erfolge der D Engländer in Egypten nicht, denn ein feiger Feind ist J8 immer mit Leichtigkeit schmählich besiegt worden und ein ' ’■ hungriger Wolf ist kein Gegner für einen kräftigen Löwen. Die rasche Niederwerfung des Arabischen Aufstandes richx^k- ist aber ganz entschieden, wir wiederholen es, ein Vorteil für Egypten und Europa, denn sie schützt das Nilland
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Zieht an, ziehen Sie an, ich halte ihn, bin schon die erste Staffel herauf, aber ich falle zurück, wenn die Leine nicht straff wird I — Der angstvolle Ruf war nach langem Z-Harren das Erste, was wir wieder von unserem Fremden ? hörten, und all unsere Kraft nahmen wir zusammen um ihn, soweit nur irgend unser Verständnis für sein Rettungswerk ging, wirksam zu unterstützen. Und als er bann oben j war, den Sepp, der wie ein Toter lag, in seinen kräftigen j Armen haltend, und erfchöpft auf dem Wege mit ihm hin- bj sank, wer wird es uns verdenken, daß wir uns zu ihm 6 drängten, nach seinen Händen, seinen Armen griffen und ■dfyn unter Thränen Dank sagten, Worte aus tief inner; item, warm bewegten Menschenherzen.
f I ’l Es dauerte einige Zeit, bis der Fremde fich erholte, "l'sJ »und dann galt seine erste Sorge dem Verwundeten; er hob 1 r tz-ihu abermals auf und trug ihn bis zum Wagen, wo er ihn - - mit Hülfe von Decken und Mänteln weich wie auf einem mi Federlag - bettete.
Er elbst setzte sich auf den Bock und lud zwei der leptk' v Corner ein, im Koupee hinter ihm Platz zu nehmen, wäh- j rend er die andern in dem zweiten Wagen plaz-erte und r™x* g Dem Kutscher auf das Strengste anbefahl, langsam und tz vorsichtig hinter ihm, da er den Weg kenne, herzufahren, jx Er war also aus der Gegend hier, vielleicht noch einer der •t Arbeiter aus Göschenen, möglichenfalls auch ein Aufseher, da r ji. i, feine Art zu sprechen anders war als es die der schlich- :en c wahren Landleute zu sein pflegte, und sein Accent, hätte er
nicht etwas gebrochen gesprochen, hätte auch darauf schließen lassen können, daß er jenseits der Alpen zu Hause sei.
Wie viel hatte der Mann für uns gethan, er hatte sein Leben in die Schanze geschlagen, hatte Kräfte, Zeit und Mühe für uns verbraucht und nicht dies allein, wie ich gefühlt, hing die Joppe zerriffen an seiner Schulter herab, Hut und Ränzel waren verloren und wir konnten nicht wissen, wie schwer cs dem Manne wurde, den wir für einen armen Bergsteiger hielten, sich.all solche Habseligkeiten wieder anzuschaffen.
Unter völligem Stillschweigen kamen wir vorwärts, denn die Sorge lastete noch schwer auf und, wie weit die Verletzungen Josephs gingen, der bisher noch als teilnahm- los gelegen, und erst, als wir die Teufelsbrücke hinter uns hatten und das donnernde Brausen des ReußfallS etwas verhallt war, begannen wir flüsternd Beratung zu halten, wie wir dem wackeru Manne lohnen könnten, der uns so treulich beigestanden.
Tonis Mutter war für ein größeres Geldgeschenk, um dem Fremden die Möglichkeit dadurch zu bieten, sich die verlorenen Gegenstände seiner Kleidung wieder zu verschaffen und auch die andern Damen unseres kleinen Kreises stimmten diesem Vorschläge bei.
Toni und ich erhoben allein Widerspruch, doch wurden wir überstimmt; als wir, auf Andermat attgekommen, vorm Hotel hielten und zusammentraten, um noch weiter zu überlegen, und während der Fremde mit Hülfe des Kellners deu Schwerverwundeten in das Haus hineintrug, bekam Toni ein Päckchen mit schnell zusammengelegten Goldstücken, um sie dem Retter Josephs in unser aller Namen zu überreichen.
Nur ich war mit dem jungen Mädchen vorgetreten, war die wenigen Schritte mit ihm zurückgegangen, die wir uns von der Thür des Gasthauses entfernt und sah nun, wie die schlanke Gestalt unserer lieblichen Gefährtin leise, fast zögernd auf den Fremden zuschritt, der schon wieder aus dem Hotel herausgekommen war, und bei dem Pferde stehend, leise über dessen dichte Mähne strich.
Er wandte sich um, nicht rasch, nicht hastig, viel, viel eher einem Manne gleichend, der ganz gewiß wußte, was nun kommen mußte, aber Toni sah ich zusammenzucken, hörte sie einen ganz kleinen Schrei ausstoßen und bemerkte gleich darauf ihre beiaen Hände in denen unseres hülf- reichen Retters ruhen, der sie festhielt, als wolle er sie in aller Ewigkeit nicht wieder lassen.
O, Sie, Sie, — stammelten dann zuerst die bebenden Lippen des jungen Mädchens, wie gut, daß gerade Sie es waren, und ihre Augen tauchten sich in die des Mannes, der ihre Hände hielt und der sie dann nur freigab, als wir uns eicht an ihn herandrängten und ihn mit Ausrufen der Verwunderung, des Erstaunens, des freudigen Wiedererkennens begrüßten.
Vergessen lag das Päckchen mit Geld am Boden, wohin es den Fingern des Mädchens entsunken, vergeffen war in diesem Augenblick selbst das Leiden Josephs, unsererS braunen Kutschers; wie ein Deus ex machina stand wieder der schlanke Ungar vor und, den eine Fußtour zu unserem Heile die Straße nach Andermal hinaufgeführt, und seine leuchtenden Blicke hafteten, wie ich es bei seinem letzten Abschiede von uns gesehen, fest an dem blonden Scheitel Tonis, die sich jetzt tief erglühend von ihm wandte. (Fortsetzung folgt.)