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XVII Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 16. September 1882

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Möglichkeit würde aber aufhören, sobald die Frage ernstlich erwogen werden sollte, die gesamte Klassensteuer und nicht nur einzelne Stufen derselben zur Aufhebung gelangen zu assen, und den bisherigen Gesamtertrag der Klassen- und Einkommensteuer künftighin den Einkommensteuerpflichtigen allein aufzuerlcgen. Selbst bei Festhaltung bet, jetzigen Veranlagungs- und Einschätzungsgrundsätze würde in diesem Falle die LeistungSsähigkeit der Einkommensteuerpflichttgen, wie kaum von einer Seite bezweifelt werden wird, nicht ausreichen, um die auf mehr als das doppelte steigende Mehrbelastung zu tragen, und es würde eine derartige Maßregel, namentlich auch mit Rücksicht auf die neben der StaatSsteucr cinhergehenden und in der Regel als Zu­schläge zu derselben erhobenen verschiedenen Kommunal­steuern thatsächlich zur Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz eines großen Teils der jetzigen Einkommensteuer- pflichtigen führen müssen. Noch greller würde aber dies Mißverhältnis hervortreten, wenn der gegenwärtige gleich­mäßige Prozentsatz der Einkommensteuer nach oben hin geändert, die Kapitalrente ihrerseits eine besondere Be­steuerung erleiden, und endlich zur Sicherstellung eincS möglichst hohen Ertrages die Offenlegung der Vermögens- und Einkommensteuerverhältniffe erzwungen werden sollte.

Eine derartige Kumulation würde immer voraus­gesetzt, daß ein vollständiger Ersatz der Klassensteuer ohne Abminderung deS gegenwärtigen Betrages der Klassen- und Einkommensteuer durch letztere allein herbeigeführt werden soll mithin schlechterdings nicht denkbar sein, und ledig­lich aus den auf dieser Voraussetzung beruhenden Er­wägungen gelangte der Artikel, unter Verwerfung der Progression, sowie der übrigen empfohlenen Maßregeln zu dem Schluß, daß der Ersatz der ausfallenden Klassen­steuer ebenfalls durch indirekte Abgaben beschafft wer­den müßte. .

Es würde zu weit führen, an dieser Stelle in eine nähere Besprechung über die Auferlegung einer Kapital- rentenstcuer, über die Progresstvbesteuerung, sowie über die Frage wegen Einführung der Selbsteinschätzung und ähn­licher zur genaueren Ermittelung des Einkommens dienender steuerlicher Maßregeln cinzutreten. Die vorstehenden An­deutungen werden genügen, um den Zweck und die Tendenz des vielbesprochenen Artikels, welcher eine rein theoretische Erörterung abschli-ßen sollte, allseitig klarzustcllen und weiteren daran sich knüpfenden Vermutungen und Konjek­turen entgegenzutreten.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- 8. Daube u. Co- in

sollen, und namentlich ist auch nicht andeutungsweise aus­gesprochen worden, daß die Staatsregierung ihrerseits diesen Weg für einen zulässigen überhaupt nicht erachte. Hat doch Fürst Bismarck in seiner letzten Rede vom 14. Juni d. I. selbst erklärt, als von einem Zuschlag auf die Kapitalrente die .'Hebe war:Es ist ganz natürlich, baß wir daraus zurückkommen können und in Ermangelung anderer Mittel darauf zurückkommen müssen, denn ist die einzige direkte Steuer, die wir überhaupt noch auslegen können, daß wir das fundierte Einkommen, welches bloß durch Koupons- abschneiden erworben wird, höher besteuern, wie daö mit der Arbeit des Geistes, der Hände und der Feder oder des Kapitals durch Gefahr und Risiko mühsam verdiente und unsichere/

Der Artikel beschäftigt sich sodann in seinem ferneren Teile mit Herrn von Bennigsen. Bekanntlich hatte Herr von Bennigsen in seiner Rede bei der Beratung über das Tabakmonopol sich im wesentlichen auf den Standpunkt des von dem früheren Finanzminister Bitter ausgearbelteten und ihm bekannt geworbenen Steuerreformentwurfes gestellt. Wie Herr von Bennigfen näher aussührte, sollten danach unter Beibehaltung des bisherigen Ertrages der Klassen- und Einkommensteuer die untern und mittleren Klassen der letzteren bedeutend erleichtert werden gegenüber denjenigen, welche sich in einer besseren Lebensposition befinden. Es sollte ferner eine beffere Form der Veranschlagung herber- gesührt, und endlich sollte ein Unterschieb zwischen demjenigen gemacht werben, was bet Einzuschätzenbe in ben einzelnen Jahren erwirbt, einerlei aus welcher Thätigkeit, unb dem­jenigen, was er aus ererbtem ober früher erworbenem Vermögen an Zinsen unb Renten einzunchmen hat. Gegen tiefe Vorschläge, welche noch bahin ergänzt worben sind, baß unter Erleichterung bet unteren Klassen auch bie gänz­liche Befreiung eines Teils bei unteren Klassensteuerstusen I zu begreifen sein würbe, wenbet fich ber Artikel betPro- vinzial-Korresponbenz" insofern, als er einerseits bie Mög­lichkeit, auf bem von Herrn von Bennigsen empfohlenen I Wege einen geeigneten Ersatz für die zu gewährenben Steuererleichterungen in dem in den früheren Artikeln vor­ausgesetzten Umfange zu erhalten, überhaupt verneint; anbererseitS aber gegen eine Progressivsteuer, sowie gegen ein vexatorisches Einbringen in die Einkommensverhältnisse Widerspruch erhebt.

Dabei hat indessen keineswegs in Abrede gestellt werden sollen, und ist auch thatsächlich nicht in Abrede gestellt worden, daß eine Reform der Klassen- und Einkommen­steuer in denjenigen engen Grenzen, welche sich Herr von Bennigsen gesteckt hatte, in der von ihm vorgeschlagenen Weise bewerkstelligt werden kann, da bei diesem ProM die Summe der zu gewährenden Erleichterungen bezw. I Ausfälle eine verhältnismäßig geringe sein würde. Diese

als sein leises Stöhnen mein Ohr erreichte, er sich halb ausricktete und mit leiser, furchtsamer Stimme fragte: Kam er schon wieder herauf?"Der Joseph, der Joseph Heimbacher?" mußte ich noch fragen, obgleich mir bie Antwort ja ganz klar war, und dann rannte ich vor­wärts, immer der Richtung folgend, die mir die Hand des Feiglings gezeigt, der jetzt zitterte, nun er bie Folgen seiner Handlungsweise übersah, warf mich platt auf ben Boden und mit halbem Oberkörper über dem Abgrund liegend, rief, nein schrie ich hinunter:Joseph, Joseph, an welcher Stelle liegen Sie und was sollen wir thun, Ihnen zu helfend» Kein Laut, nur bet Wind jagte in wilden Stößen daher, nut der Regen fiel mit monotonem Ge­räusche auf mich herab und wie dumpfes Grollen scholl bas Gebrause der Reuß zu mir heraus.

Meine Gefährtinnen waten herzugetreten und hielte mich ängstlich am Kleide fest, instinktiv fühlte jch auch t Nähe bei Mannes, dessen Hand ben Stoß dort hinab führt unb mich umwendend, zog ich ihn mit einer @ner über bie ich mich heut noch rounbere, bis dicht, zu m Seite hin. So zeigen Sie doch, wo der Unglückliche fern mag, ben Sie ins Elend gestürzt, helfen Sie ihm doch heraus auS dem Abgrund, ober meinen Sie, man würde Sie nicht als Mörder strafen, wenn das arme Opfer dort unten elend verkommt und nicht aufgefunden wird?

Ich rief es dem Manne in Paufen zu, denn der Athem versagte mir und in eine ber Pausen hinein war es mir, als hörte ich Stöhnen, leises, kaum erkennbares Stöhnen, nicht neben mir, nicht von meiner Umgebung herrührend, sondern klaftertief unter mir, aus dem Abgrund herauf und ich sprang auf und jubelte laut: Er lebt, ganz gewiß, er lebt und nun gitts ihn zu retten!

(Fortsetzung folgt.)

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Deutsches Reich.

Berlin, 14. Sept. TieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Im Widerspruche mit entgegengesetzten Lokalnachrichten müssen wir mit Bedauern bestätigen, daß das Befinden

Scheine des Feuers, das ber Himmel entsandte, unsere nächste Umgebung sehen zu können, aber es blieb völlig finster unb bie lautlose Stille wurde immer unheimlicher. Hand in Hand mit einer meiner Gefährtinnen tappte ich vorwärts, prüfend den einen Arm ausgestreckt, um zu son­dieren, ob wir auch nicht gegen Felswände liefen, während andererseits sich ber Fuß nur zögernd weitersetzte, weil jeder Schritt vielleicht in bodenlose Tiefen führen konnte.

Es waren entsetzliche Minuten, in denen wir das Ter­rain rechts und links abmaßen, Minuten, bie uns eine Ewigkeit bünkten, bis wir, eine ganze Strecke oonun« ent­fernt, so weit hatte ber Kampf die Männer wohl geführt, mit bem Fuße einen menschlichen Körper berührten ber regungslos auf bem schlüpfrigen, aufgeweichten Erdboden lag. Joseph, sind SieS? so sprechen Sie doch um Gottes willen, sind Sie verwundet, unb wo ist der andere, wie sollen wir nur weiterkommen, wir, die wir den Weg nicht kennen unb bcS Fahrens völlig unkundig sind?

Keine Antwort, ber Mann rührte sich nicht, er lag mit dem Gesichte nach oben und als mich bemühte, seine Züge zu erkennen, fiel eben ein schwacher Schein des Mondes, der zwischen den Wolken hervortrat, darauf und ich sah, daß es nicht Sepp war, ben wir gefunden.

Ein wehes Gefühl krampfte mein Herz zusammen, denn mochte auch schließlich der Beginn des Kampfes von un- serm Kutscher ausgegangen sein, ich konnte ihm meine Achtung nicht versagen, die Achtung, daß er zunächst den Feind, dessen niedrigen Charakter er kennen mußte, mit der äußersten Energie geflohen, um nicht mit ihm zusammen- zu geraten, bie Achtung vor seiner Selbstbeherrschung, mit ber er auch noch bei Beginn ber Hänseleien beö andern geschwiegen und sich bemüht, ruhig zu bleiben. Fast wider­willig wanbte ich mich von bem am Boben liegenden ab,

Auf den Höhen von Andermal.

Der Wirklichkeit nach erzählt von A. Gnekow (Fortsetzung)

<tn piestm Augenbick stand der Schimmel, von jäher Hand in ber Seine gezogen, plötzlich still, ber Sepp wanbte sich um unb mit einer Stimme, bie nichts menschliches mehr hatte, rief er Gottes Zorn auf den Verruchten herab, der einem Armen bie Braut gestohlen.

Mochte es sein, baß auch bie anberen Damen jetzt etwas von bem Unheil ahnten, bas in ber Luft lag, seis, bast sie nur bie unheimliche Stimme des atmen Mannes tckrcckte genug, es entstand ein Chaos von bittenden, drohenden und lamentierenden Lauten, die durch den Auf- rnhr in der Natur noch an «engstlichkett gewonnen, und durch sie hindurch klangen hüben unb drüben bie Schmäh­reden bis ein Wort, härter als alle anbcrn, bas Ohr bes Sepp erreicht haben mußte, denn die Leine bie er gehalten, sank zur Erbe, in Nacht und Finsternis stand der Wagen unbehütet unbewacht, hart am Rande deS vierhundert Fuß tiefen Abgrundes, in dem bie Reuß donnernd dahrnschoß, ein paar flüchtige Fußtritte erschollen, ein ^>^1, ein Ringm, Brust an Brust, Faust gegen F°ust'^n Stöhnen Keuchen, bann ein Fall und tiefe, at^emlofe ®UQe 0 geschah alles schneller als ich eS hier nteberzuschretben vermag.

Barmherziger Gott, waS thun? . .

Wir hatten unsere Wagen verlassen, warm ju etnanber getreten unb drängten uns wie ein Volk erschreckter Kinder dicht zusammen. Prasielnd floß ber Regen hernieder unb durchnäßte uns bis auf die Haut, wir achteten eS Nicht und hatten nur den einen Wunsch, Blitz unb Donner, die nachgelassen, sollten von neuem beginnen, um bei bem

Frankfurt a. M; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermans che Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen-

Mitzverstiinduiffe.

Der letzte Artikel derProvinzial-Korrespondmz" über die Klasimsteuer hat in ber gesamten politischen Presse die lebhaftesten Erörterungen hervorgerufen unb ZU viel achm Mißverständnissen unb Mißdeutungen teils absichtlicher teils unabsichtlicher Art Anlaß gegeben. Um diese Miß­verständnisse aufzuklären und den in seiner Tragweite fast durchweg nicht richtig aufgefaßten Artikel auf ferne wahre Bedeutung zurückzuführen, glaubt die bieswöchentliche Prov - Corr." gut daran zu thun, auf den Gegenstand nochmals rurückzukommen und fchreibt hierzu: .

Der angefochtene Artikel bildete den Abschluß einer Reihe von Aufsätzen, welche sich mit der Klasstnsteuer be­schäftigt und dieselbe vom historisch-theoretischen Standpunkte I aus beleuchtet hatten. Nachdem in den ersten derselben die Entstehung der Klassensteuer, ihre Stellung im preußischen Steuersystem und die Gründe, welche gegen ihre toettete Beibehaltung sprechen, näher dargelegt worden waren, sollte t bem letzten Artikel versucht werden, btejenigen Wege Mer anzudeuten, auf welchen bei Fortfall der genannten Steuer ein Ersatz derselben beschafft werden könnte.

Es wäre vielleicht richtiger gewesen, diese Erörterungen mit denjenigen teils eingeschränkteren, teils aber auch weiter- aehenden, insbesondere auf die Entlastung der Kommunen gerichteten Plänen in Zusammenhang zu bringen, welche bie Staatsregierung bisher verfolgt hat, und die in dem von dem letzten Landtage abgelehnten Entwürfe eines Ver- wendungsgefetzeS niedergelegt sind. Ein ausdrücklicher Hin­weis auf diesen Zusammenhang ist leider unterblieben, wenngleich die Erörterung über die Deckung des Staats- bedarss in dem ersten Teile deS Artikels selbst kaum einen Jweifel darüber lassen kann, daß dieses weitergehende ProM ü, den Rahmen der Betrachtung hineingezogen werden sollte. In dieser Beschränkung hat nun der Artikel nichts weiter sagen wollen unb gesagt, als daß, wenn zur Befriedigung eines derartig hohen Bedarfs vorwiegend daS mobile Kap tat herangezogen werden sollte, die zur Erhaltung des Volks­wohlstandes unerläßliche Kapitalsbildung nicht nur erschwert, sondern geradezu unmöglich gemacht werden wurde - e n Satz welcher weder von Freund noch Feind bestritten werben wirb. ES schien zweckmäßig, dieses Verhältn S nochmals klarzulegen unb batnlt ben Beweis zu liefern, daß zur Durchführung der angebahnten Steuerreform unter allen" Umständen der auch von der Regierung gewählte Weg der indirekten Besteuerung bestritten werden muffe. Der Frage selbst, ob das mobile Kapital in irgend einer Form sei eS im Wege der Kapitalrentensteuer, sei es im Wege einer Erbschaftssteuer, sei eS im Wege einer pro- zentualeii Börsensteuer, zur Deckung deS Staatsbedarfes bezw. zur Durchführung der Steuerreform mit heranzu- ziehen ist, hat damit in keiner Weise Prajudizrert werden

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«Zeigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, söiviu d.Annoncen-Bureaux » Tb- Dietrich u. Co. m ff.ff.i und Hannover; Th. Mch in Frankfurt a.M.; ßaafenftein u. Vogler 'n 5tflntfutt o. Al., Berlin, Gg , Köln ic.; Rudolf Msse in Berlin, Frank- , ... __

furt a. M. re. __------------------------ ,, .. SonntaaSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche

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Buchdruckerei) bezogen 8/. Mark,^durch vw ^heilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.

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