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Marburg, Freitag, 15. September 1882.

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tigungsscheines ist innerhalb der in der Ersatzordnung be­stimmten Frist bei der zuständigen Prüfungskommission für Einjährig-Freiwillige anzubringen. Die Versäumung dieser Frist hat in der Regel den Verlust des Anrechts auf den einjährig-freiwilligen Dienst zur Folge. Da ferner für die Feststellung der Diensttauglichkeit der Einjährig-Freiwilligen besondere Bestimmungen gelten und diese gemäß des Reichs- militärgesetzes von der Teilnahme an der Losung ausdrück­lich ausgeschlossen sind, so darf sich ein Militärpflichtiger, der von seinem Anrecht auf den einjährig-freiwilligen Dienst Gebrauch machen will, der allgemeinen Musterung und Losung nicht unterziehen. Thut er dies gleichwohl und hat er vorher die Berechtigung zum einjährig - freiwilligen Dienst nicht nachgcsucht, so geht er des Anspruchs, seiner aktiven Dienstzeit in dieser Weise genügen zu dürfen, ver­lustig. — Morgen findet Hierselbst eine freikonservatwe Delegiertenversammlung statt, welche das Wahlprogramm beraten wird. — Die „Voss. Zig." schreibt: Trotz des De­mentis der „Breslauer Ztg." wird unS heute aus Breslau telegraphiert: „Es fällt im Publikum allgemein auf, daß die erzherzoglichen und großfürstlichen Herrschaften noch keine Höflichkeitsbesuche mit einander gewechselt haben. Der Großfürst Wladimir begleitet den Kaiser Wilhelm nach Dresden, Kronprinz Rudolf verläßt mit seiner Gemahlin heute abend Breslau." Wir brauchen wohl nicht besonders darauf aufmerksam zu machen, daß der russische Großfürst schon vor Wochen wußte, daß er in BreSlau mit dem öster­reichischen Kronprinzen zusammentrcffen würde. Der Groß­fürst ist Chef des 14. österreichischen Husarenregiments. — An Stelle des Herrn v. Schlözer ist der bisherige Gesandte in Japan, Herr v. Eisendecher, zum Gesandten in Washinton

nung von ihm, der uns zuerst so angenehm gewesen, er­wünscht sein ließ.

Heftiger wurden, nachdem wir das italienische Dorf schon eine bedeutende Strecke hinter uns hatten, Regen und Sturm, hin und wieder zuckte ein falber Blitz durch die Nacht und enthülte den schmalen Streifen des Himmels, dem die hohen, gewaltigen Felsen nur durchzublicken ge­statteten, der Donner weckte ein vielfaches Echo in den Felsen und unser Pferd verfiel in eine so langsame Gang­art, daß es uns vorkam, als würde es in jedem Augen­blicke stille stehen.

Vorwärts mein Schimmel, nur mutig, es dauert nicht mehr allzu lange, dann giebts Graubrot und Wasser, so viel Du immer magst, so hörte ich den Kutscher seinem Tiere zusprechen, aber eS half nichts, das Pferd war er­müdet, die Kraft erlahmt, selbst das Heruntersteigcn Josephs blieb ohne Nutzen und mit einem Gefühle, das ich in seiner Freudigkeit nicht zu beschreiben vermag, hörten wir das Rollen eines herannahenden Wagens, das Kommen unserer Freundinnen, die wir so lange entbehrt.

Vorwärts! — wie ein Schrei aus gequältem Menschen- hcrzen klang das Wort auS Josephs Brust, der Stiel der in der Hand umgekehrten Peitsche traf den Rücken des Rosses und in seltsamem Widerspruch mit seinem harten Gebühren stand die Rede des Mannes: Mein armes Tier, ich mache morgen alles, alles wieder gut! —

In diesem Augenblicke rief die helle Stimme einer un­serer Gefährtinnen aus dem uns nachfolgenden Wagen unfern Namen, wir antworteten und da der Schimmel seinen sanften, langfamen Tritt beibehielt, entspann sich ein rasches Wechselgespräch, weshalb wir so rasch gefahren, daß es fast einer Flucht gleich gesehen, weshalb wir nicht ge-

Pferde. Nach gehaltener Kritik fuhr Se. Majestät mit dem Kronprinzen Rudolf nach Breslau zurück. — Bei dem heutigen Diner im Schlosse führte Se. Majestät der Kaiser Ihre K. K. Hoheit die österreichische Kronprinzessin zur Tafel, während Kronprinz Rudolf neben Ihrer K. K. Hoheit der deutschen Kronprinzessin saß. Außer den fürst­lichen Herrschaften, deren Gefolge und den fremdherrlichen Offizieren waren hervorragende Persönlichkeiten aus der Stadt und der Provinz zur Tafel geladen, insbesondere die Mitglieder des Komitees für die Festlichkeiten zu Ehren Sr. Majestät des Kaisers. Im ganzen nahmen ca. 200 Personen an dem Diner teil. — Heute abend fand das Sr. Majestät dem Kaiier von der Stadt Breslau gegebene Fest im Stadttheater statt. Der Zuschauer- und Bühnen­raum waren durch Herstellung eines Podiums in einen großen Saal verwandelt, aus welchem eine Freitreppe nach dem ersten Rang führte, wo für den Kaiser ein Sammet­baldachin errichtet war. Se. Majestät der Kaiser und die anderen hier anwesenden Fürstlichkeiten trafen gegen 8'1» Uhr im Theater ein und wurden vom Oberbürgermeister Friedenöburg, dem Stadtverordneten-Vorsteher BeyerSdorf und dem Festkomitee empfangen. Das Konzert fand unter Leitung der Musikdirektoren Scholz und Schäffer statt. Nach Beendigung deö Konzertes begann das Souper.

— 13. Sept. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Oesterreich beabsichtigen heute abend 8V2 Uhr nach Prag zurückzureisen. Großfürst Wladimir wird Se. Majestät den Kaiser morgen nach Dresden begleiten, während die Großfürstin sich nach Koburg begeben wird. Heute früh 9 Uhr begab sich Se. Majestät mit dem Kronprinzen Rudolf und der Kronprinzessin Stephanie zum Manöver nach Groß-Raake. Da« Befinden des Generals v. Tümpling hat sich gebessert. — Ueber das gestrige Fest im Stadt­theater wird weiter gemeldet: Auf die Begrüßungs-Ansprachen des Ober-BürgermeisterS und des Stadtverordneten - Vor­stehers beim Empfange Sr. Majestät erwiderte der Kaiser mit herzlichen Worten, indem er aussprach, wie sehr ihn das ganze Verhalten der Bevölkerung Breslaus, dieser Empfang und viese Kundgebungen aufrichtiger Volksliebe und Treue erfreut und gerührt hätten, und wie dankbar er der Stadt und ihren Vertretern dafür sei. Se. Majestät stieg sodann die Treppe hinauf und wandte sich im Mittel- faalc deö Foyers zu den Ehrenjungfrauen und der Frauen- Deputation, an deren Spitze die Frau deö Stadtverordneten- Vorstehers Beyersdorf und Frau Stadträtin Korn die Honneurs machten. Nachdem im Foyer der Thee einge­nommen war, betrat Se. Majestät der Kaiser mit dem österreichischen Kronprinzen und den übrigen Fürstlichkeiten unter den Klängen der Nationalhymne die große Mittelloge und nahm mit den übrigen Fürstlichkeiten und dem Gefolge Platz, worauf daö Konzert begann. Während desselben saß Se. Majestät der Kaiser zwischen der deutschen und

im Leben und im Tode.

Joseph, wie weit haben wir eö noch bis Andermal, Joseph, ist die Teufelsbrücke, die über den Reußfall führt, gefährlich zu passieren, giebt eS auch Fremde, die den Weg hier herauf zu Fuß machep, sind die Hotels aus Andermal

Himmel, d. h. Sinn und um unfern Kutscher davon zu achten, nur um einen zu verhüten, die, wie ich

Auf de« Höhe« von Audermat.

Der Wirklichkeit nach erzählt von A- Gnekow- (Fortsetzung)

Bleiben wir also in Göschenen, fiel ich schnell ein, die Lichter des Dorfes blicken ja schon zu uns herüber, ein paar Stunden Aufenthalt können uns gar nicht schaden, währenddessen legt sich der Aufruhr in der Natur, wir haben den Vorteil wieder mit unfern Gefährtinnen zu­

wartet, weshalb wir uns und auch ihnen, die uns um jeden Preis hätten nachfolgen wollen, so sehr den Genuß an der schönen Natur verkürzt rc. rc.

Toni und ihre Mutter antworteten, aber was es war, was sie sagten, weiß ich nicht, da ich meine ganze Auf­merksamkeit unscrm Sepp zuwandte.

Er war dicht an unfern Wagen herangetreten, hatte den Kragen seines Mantels in die Höhe geschlagen und war eben dabei, sich noch eine Pferdedecke um den Kopf zu wickeln, als ein greller Blitz herabzuckte, und ihn, uns alle, den nachfolgenden Wagen und dessen Kutscher, eine große, breitschultrige Figur im braunen Sammetwams, hell beleuchtete.

Der nachfolgende Donner verschlang den Schrei, den, wie ich wohl allein nur deutlich hörte, sowohl Joseph wie der fremde Kutscher ausstießen; als er verhallte, tönte aber von dem anderen Gefährt her ein spöttisch höhnendes Wort, von dem wir nur so viel verstanden, daß es sich um ein Mädchen handelte, das dem Sepp auch lieb gewesen sein

abzubringcn, auf den Fremden Kampf zwischen zwei Männern _ ...

nun deutlich empfand, sich feindlich gesinnt waren, feindlich

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O, der Elende, knirschte der Sepp zwischen den Zähnen, eine namenlose Angst, ich

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Mattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonG L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermans che ^Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidevdank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

Ich konnte den Satz nicht zu Ende bringen, denn Joseph fiel mir fast ungezogen ins Wort: In Göschenen ..wollen Sie bleiben, in dem Dorfe, in dem nur italienische Arbeiter mit Weib und Kind wohnen, um den Gotthard- tunnel zu bauen, in Göschenen, wo der Schmutz in den > Straßen fußhoch liegt, die Hotels und die Gasthäuser schwarz und unsauber von Innen und Außen sind? Thun i Sies nicht, Madame, die Leute dort sind, wenn auch schwach o°n Körper, mit Revolver und Messer bald bei der Hand, thun Sie« nicht, der Joseph Heimbacher wäre sonst die längste Zeit Ihr Kutscher gewesen.

Was sollten wir anderes beginnen, als uns dem Willen unseres Kutschers fügen und weiterfahren. Wir hatten kein Auge mehr für die Lokomotive, die die Arbeitswagen pfeifend und keuchend in den Schacht deS Gotthardtunnels g hineinfuhr, kein Auge für die Bewohner GöschenenS, "schlanke, bärtige Männer, die auf der Straße herumlager- 2 ten, Bochia spielten, sich zutranken, lärmten, jubelten und j sangen, wir strebten jetzt mit gleicher Hast vorwärts wie f Joseph, denn ohne daß wir eS uns damals zuzestanden, Jtoor in uns allen ein Bedenken über das sonderbare Wesen -7 Sepps wach geworden, ein Bedenken, das uns eine Tren-

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Breslau, 12. Sept. Dem heutigen Manöver lag die Idee zu gründe, daß das Nordkorps (5. Korps), das Verstärkungen erhalten, das SüdkorpS (6. Korps) an­greifen soll, um es von Breslau abzudrängen, letzteres sollte in fester Stellung, die fortifikatorisch noch vertei- digungsfähiger gemacht, auf der Linie Langenau-Paschkowitz- Ramischau den Angriff erwarten. DaS Nordkorps ging mit vorgezogenem rechten Flügel (10. Division), die Ka­vallerie als Echelon hinter dem linken Flügel (9. Division) vor. Wegen der langen Marschlinien kam es erst um 1 Uhr zur Hauptaktion vor der Verteidigungslinie des SüdkorpS; eS wurde ein kurzes sehr heftiges Gefecht von der Infanterie und Artillerie geführt. Die Kavallerie fand auch heute wenig Gelegenheit zur Aktion. An dem überlegenen Feuer der Artillerie und der Infanterie des, Südkorps, das sich in günstigen Positionen befand, brach sich ter Ansturm des Gegners. Als dieser die Reserven einsetzen wollte, wurde die Uebung. gegen 3 Uhr abge­brochen. Se. Majestät der Kaiser folgte dem Manöver, I welches von dem schönsten Wetter begünstigt war, zu

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BeM«, 13. Sept. Die „Tribüne" hat sich beeilt, einem von dem „Czas" unter dem Titel „Fürst Bismarck über die polnische Frage" zutage geförderten Lügengewebe Verbreitung in der deutschen Presse zu verschaffen. Man muß, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg. , vom Parteihaß so verblendet sein wie die „Tribüne" und ihre Urheber und Geistesgenossen, um einer solchen müßigen Erfindung, lediglich weil sie die Politik des Reichskanzlers schädigen und verwirren soll, auch nur cum beneficio inventarn einen Platz in einem preußischen Blatte zu gönnen. Das Recht der Zeitungsschreiberei, zu erfinden und zu lügen, wird ja nach unserer Gesetzgebung als ein unbeschränktes angesehen. Es ist aber für keinen Menschen möglich, soviel Lügen zu berichtigen, wie über den Reichskanzler in die Welt gesetzt werden. Von den nicht berichtigten aber wird später gesagt „nach einer bisher nicht widersprochenen Nachricht u. s. w.". Aus diesem Grunde und bei dem geringen Grade politischer Bildung, auf den wir bei den Lesern der „Tribüne" rechnen, fühlen wir uns gemüßigt, jenen kümmerlichen Lückenbüßer der Sommerzeit ausdrück­lich für eine Erfindung und obenein für die eines urteils­losen Feuilletonschreibers zu erklären. Der angebliche Be­such eines Polen in Varzin und die angebliche Unterredung haben niemals stattgefunden, und der angebliche Brief des Reichskanzlers, mit dem der Schwindel eröffnet wird, wäre, wenn er vorgezeigt würde, ein Falsum, welches den Straf­richter interneren könnte. —Militärpflichtige junge Männer, welche auf gründ ihrer Schulzeugnisse auf den einjährig- freiwilligen Dienst int Heere Anspruch machen können, haben sich in letzter Zeit häufig mit den anderen Militär- —-J pflichtigen der allgemeinen Musterung und Losung in der len alle Absicht unterzogen, erst von dem Ergebniffe derselben die ------- Wahl des einjährig - freiwilligen Dienstes abhängig zu machen. Es scheint hierbei die Ansicht unterzulaufen, daß schon der Besitz des die erforderliche wissenschaftliche Be­fähigung nachweisenden Z-ugnisseS ohne weiteres die Be­rechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste verleihe und _____g_daß man sich deshalb vor Geltendmachung derselben ohne ^TäTte Nachteil die größere oder geringere Wahrscheinlichkeit zu ------Nutze machen könne, welche die Teilnahme an der Muste­rung und Losung für die gänzliche ober teilweise Befreiung von der aktiven Dienstpflicht bietet. Im Interesse aller Beteiligten macht die „Voff. Ztg." auf daS Irrtümliche einer solchen Auffassung nachdrücklichst aufmerksam. Nach den Bestimmungen der Ersatzordnung erlangen auch die­jenigen, welche wegen ihrer durch Schulzeugnisse bestätigten Vorbildung ein Anrecht auf den einjährig-freiwilligen Dienst haben, die wirkliche Berechtigung hierzu klst dadurch, daß ihnen dieselbe durch Erteilung eines Berechtigungsscheines zuerkannt wird. DaS Gesuch um Erteilung dieses Berech- I

«meia-n nimmt entgegen: 5-, Spedition d. Blattes.

d.Annoncen-Bureaux n Th. Dietrich u. Co. in ffflff •[ und Hannover; Th. Di'leich in Frankfurt a.M.; (idüfenftcin u. Vogler in Lcntfurt a. Ai , Berlin, Kjrug, Köln 20.; Rudolf Messe in Berlin, Frank­

furt a. M- 2C.

Buqvkuaerei- --zogen wi« Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.