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Marburg, Donnerstag, 14. September 1882

xvii Jahrgang

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Handverkaufs in den Apotheken ist unter den augenblick­lichen Verhältnissen weder wünschenswert, noch geboten. 2) Die Verwendung eines nicht pharmazeutisch gebildeten Hilfspersonals involviert offenbar eine Gefährdung der Zuverläfsigkeit und Sicherheit deS Apotheker-Betriebes. 3) Mit einem niederen pharmazeutischen Hilfspersonal wird zugleich ein Herd für die Entstehung von pharma­zeutischen und Kurpfuschern geschaffen, die nicht bloS für den ärztlichen und Apothekerstand, sondern auch im hohen Grade für die Allgemeinheit von unheilvollem Einfluß werden können. 4) Der deutsche Apothekerverein giebt sich der Hoffnung hin, daß die übrigen deutschen Staaten be­züglich jener Verordnung nicht dem Beispiele Sachsens folgen werden, und daß das Königlich sächsische Ministerium die Ucberzeugung gewinnen werde, daß es mit jener Ver­wendung eine große Gefahr nicht bloS für den Apo­thekerstand heraufbeschworen hat.*

Breslau, 11. Sept. Se. Majestät der Kaiser kehrte mit dem Kronprinzen Rudolf, Ihre K. K. Hoheit die Kronprinzessin mit der Kronprinzessin Stephanie, der Großfürstin Wladimir und der Prinzessin Albrecht, Se. K. K. Hoheit der Kronprinz mit dem Großfürsten Wladimir nachmittags 33/< Uhr im besten Wohlsein in offenen vier­spännigen Equipagen unter dem Jubel der Bevölkerung vom Manöver bei Trebnitz zurück. Se. Majestät hatte dem Manöver über drei Stunden zu Pferde beigewohnt. Dem heutigen Manöver lag die Idee zu gründe, daß ein Nordkorps (5. Armeekorps) von Schrimm gegen Breslau im Vorrücken begriffen, mit seinen Spitzen Trebnitz er­reicht hat. Ein Südkorps (6. Armeekorps) steht zur Ver­teidigung von Breslau in der Linie Zedlitz-Schön-Ellguth und hält den Lohebach besetzt. Der Vormarsch wurde durch eine Rekognoszierung seitens einer aus den fünften Schwadronen aller Kavallerie-Regimenter des 6. Korps zusammengesetzten Abteilung eingeleitet. Nach Abweisung dieses Vorstoßes durch Artillerie entwickelte sich das 6. Korps zum Angriff auf den großen Buchenwald bei Trebnitz, der, vom 5. Korps besetzt, das Hauptobjekt des Kampfes war. Es kam zu starkem hin- unv herwogendem Jnfanteriegefecht, in das auch die Artillerie einzugreifen Gelegenheit fand; es endete mit dem Rückzug des 5. Korps vor dem Abbruch des Manövers.

11. Sept., abends. Dem Diner, welches um 5Vz Uhr im Königlichen Schlosse stattfand, wohnten Se. Majestät der Kaiser, Ihre K. K. Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin, sowie der Kronprinz Rudolf von Oesterreich und seine Gemahlin, sämtliche andere hier an­wesenden Fürstlichkeiten, die Generalität und die fremd­herrlichen Offiziere bei. Abends fand das Provinzialfest im Museum statt, zu welchem gegen 1500 Einladungen ergangen waren. Se. Majestät der Kaiser erschien um

Weg, den wir passierten, immer steiler, die Reuß, die so friedlich neben uns g flössen, und die wir jetzt tiefer unter uns sahen, immer tosender, ungeberdiger und wilder, dazu lag der Pfad, den wir zurückzulegen hatten und zu über­sehen vermochten, in Schlangenwindungen fünf bis sechs Etagen hoch über einander führend vor uns, der Schluß wie durch ein Felfenthor versperrt, es war grausig, wenn man dazu den bleichen Kutscher, das rastlose Vorwärts­treiben, die nervöse Hast bedenkt, mit der Joseph nur immer weiter und weiter zu kommen gedachte.

Auch die Dämmerung hatte sich allgemach herabgesenkt, Schneevögel, Finken, Spatzen und Krähen, die einzigen Vögel hier, hatten sich zur Ruhe begeben, großartiger denn je erschien die erhabene Schöpfung, die in dem Zwielicht unendlich düster und schauervoll blickte. Längst schon schwieg der Mund der blonden Toni, auch ihre Mutter war verstummt, und nur um mich vor dem Unheimlichen des völligen Stillschweigens zu bewahren, richtete ich hin und wieder eine Frage an den braunen Joseph. Nach den wunderbaren Felsen, die uns gegenüber lagen, und die ihre Umrisse scharf vom nächtlichen Himmel abhoben, hatte ich mich schon erkundigt, und eben noch hinzugefügt, ob die Felsen den Fremden als besondere Merkwürdigkeit ge­nannt und bezeichnet würden, als der Mann mich zu mir wandte und in fliegender Hast erwiderte: Sicher, Madame, vom Pfaffensprung ist auch in den Büchern die Rede, die die Reisenden immer mit sich führen, aber selten sprechen sie davon, wie die Sache zusammenhing, die den Steinen den Namen gegeben. Und'S war doch auch eine Liebes­geschichte, lachte er gell hinaus, ein Priester, dem das Herz unter der Kutte entbrannte, ein Mädchen, das sich von ihm entführen ließ und mit ihm von einem Felsen zum andern sprang, als die Verfolger ihre Spur entdeckt

neu erfundenen technischen Bezeichnungen nur ungenau, wenn nicht gar unrichtig würde wiedergeben können. Ein Eisenbahn - Fachmann schreibt: Wenn bisher bei den deutschen Eisenbahnen größere Unfälle zu den Seltenheiten gehörten, so dürfte dies wohl hauptsächlich der strengen Handhabung der für den Betriebs- und Sicherheitsdienst erlaffenen Vorschriften seitens des BeamtenpersonolS zuzu­schreiben sein. Allein eben dadurch, daß solche Vorkomm­nisse in solch geringer Anzahl stattfinden, wird daS Per­sonal in den Zustand eines gewissen Sicherheitsgefühls derart versetzt, daß das Unterlassen auch nur einer der gegebenen Vorschriften für den Betrieb verhängnisvoll werden kann. Es sind eben nur drei Hauptpunkte, durch welche der Betrieb einer Bahn die größtmöglichste Sicherheit er­reichen kann. Zunächst nämlich muß den Zügen in den Bahnhöfen speziell beim Einfahren und Durchfahren der Weg durch die zu passierenden Weichen in bestimmter Weise vorgeschrieben sein und muß nicht allein die richtige Weichen­stellung gesichert, sondern auch dafür gesorgt fein, daß andere Züge während der Ein- und Durchfahrt dem be­treffenden Zuge unmöglich in den Weg kommen können. Zweitens muß eine Kontrolle ausgeübt werden darüber, daß der Lokomotivführer auf der Strecke die vorgeschriebene Geschwindigkeit nicht überschreitet, um den Zug nicht zu gefährden. Und drittens, wenn durch irgend welche Ur­sachen der Zug gefährdet werden sollte, muß eine schnell und kräftig wirkende Bremsvorrichtung unter der Kontrolle des Maschinenführers und des Zugpersonals vorhanden sein, wodurch der Zug seitens des Ersteren ober irgend eines Schaffners, sogar bei Zugstrennungen infolge von Kuppelungsbrüchen durch automatische Wirkung möglichst rasch seiner gefährlichen Geschwindigkeit beraubt wird. Wie uns weiter mitgeteilt wird, sollen solche Vorrichtungen bei verschiedenen Bahnen löblicherweise bereits Eingang gefunden und sich trefflich bewährt haben. Angesichts der in letzter Zeit leider vorgekommenen entsetzlichen Unglücks­fälle dürfte es Pflicht der Behörden sein, von den Bahn- Verwaltungen, ohne Rücksicht auf event. entgegenstehende pekuniäre Opfer, zu verlangen, daß überall derartige Einrichtungen eingeführt werden, um energisch der Wieder­holung solch schrecklicher Vorkommnisse vorzubeugen. Die General-Versammlung des hier versammelt gewesenen deutschen Apotheker - Vereins hat nachfolgende Erklärung beschloffen:Der deutsche Apotheker-Verein fühlt sich gegen­über der Verordnung des Königlich sächsischen Ministeriums des Innern vom 13. Mai d. I., betreffend die Ver­wendung eines nicht pharmazeutisch gebildeten Hilfspersonals in den Apotheken zum bloßen Handverkauf und den damit in Verbindung stehenden Verrichtungen, zu folgender Er­klärung veranlaßt: 1) Die Schaffung eines pharmazeu­tischen Hilfspersonals zweiter Klasse zur Besorgung des

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/ ^Anzeigen nimmt entgegen:

1.

Auf den Höhen von Andermal.

Der Wirklichkeit nach erzählt Don A- G neko w- (Fortsetzung)

Auch die Rast ging vorüber und so unzähligemale der Joseph den Weg hinabgespäht, den wir gekommen, es schien ihm nichts Verdächtiges auszufallen und er schien seinem müden Tiere die Erholung vollauf gönnen zu können, die dies augenscheinlich nötig hatte, um wie vorher seinen be­schwerlichen Weg sortsetzen zu können. Hätte ich nur da­mals eine Ahnung von dem gehabt, was den Joseph ruhe­los vorwärts trieb, hätte ich es nicht nur für einen sonder­baren Ausfluß jenes wunderbaren Ausspruchs gehalten, der uns schon in Brunnen zu Ohren gekommen: Der Joseph wird an jedem anderen Tage fahren, nur gerade heute nicht, so aber setzte ich mich ahnungslos gleich den andern wieder in den Wagen und dachte nur darüber nach,

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und sie wie ein Wild durch Thäler und Höhen gehetzt. Mcineu Sie nicht, Madame, und er wandte mir wieder sein Gesicht zu, über das der ausgehende Mond einen fal­ben, gespensterhaften Schein breitete, meinen Sie nicht, daß der Pfaffe ein Thor war, sein Leben an den Sprung zu wagen und daß ihn die Liebste betrogen haben wirv, ob früher, ob später, weil alles tut Leben eitel, eitel Betrug ist?

Ich hatte nicht Zeit zu antworten, denn Tonis Mutter richtete sich aus der Wagenecke empor und einen fast furchtsamen Blick ringsumherwerfend, begann sie darüber zu klagen, daß wir den ganzen Tag über von unfern Ge­fährtinnen getrennt geblieben, daß die Fahrt wohl bester hätte eingerichtet werden können, und daß es jetzt am Abmd ordentlich schauerlich sei, sich so allein auf der Landstraße zu befinden.

Als wollte die Natur ihre Worte bekräftige», brauste in diesem Augenblick ein Windstoß daher, der, sich in den Felsen saugend, wie das stoßweise Aechzen und Stöhnen aus Menscheubrust klang, eine dunkle Wolke zog über den Mond, und ein paar große Regentropfen fielen aus uns nieder.

Sepp blickte zum Himmel auf und ließ seine Peitsche bann klatschend auf den Rücken des Schimmels fallen. Ein Gewitter wird's werden, sagte er in einem Tone, der nicht viel Tröstliches in sich barg, es hing schon lange über dem Teufelsstein, (seine Hand wies auf einen Felskegel, der sich unheimlich schroff und steil von einer kleinen Matte ab­hob) aber die Wolken flattertm umher, als wüßten sie noch nicht, was sie thun sollten, und ich selbst war der Ansicht, bas Wetter könne sich noch verziehen.

(Fortsetzung folgt.)

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Deutsches Reich.

Berlin, 12. Sept. Der Reichskanzler macht bekannt, baß bie neue Ausgabe bet Pharmacopoea germanica erschienen ist und im Wege des Buchhandels zum Preise von 2 M. 30 Pf. für ein broschiertes Exemplar bezogen werden kann. DaS Arzneibuch, welches den offiziellen TitelPharmacopoea germanica. Editio altera führt, tritt bekanntlich mit dem 1. Januar 1883 innerhalb des ganzen deutschen Reichsgebietes an Stelle der zur Zeit in Geltung befindlichen Pharmakopöe aus dem Jahre 1872 in kraft, so daß von jenem Zeitpunkt ab die darin ver­zeichneten Arzneimittel seitens der Apotheken ausschließlich in der dort vorgeschriebenen Beschaffenheit und Zusammen­setzung feilgehalten und verwendet werden müssen. Das Werk ist das Ergebnis mehrjähriger sorgsamer Arbeit, an welcher sich die hervorragendsten Fachmänner Deutschlands beteiligt haben. Die 1872er Ausgabe konnte nach Lage der Verhältnisse hauptsächlich nur eine Zusammenstellung der in den damals geltenden, zum Teil schon veralteten Pharmakopö.'N der verschiedenen Bundesstaaten enthaltenen Arzneimittel geben; die neue Ausgabe beruht dagegen auf einer völlig selbständigen kritischen Durchmusterung dcö gegenwärtigen Arzneischatzes. Sie weicht daher auch von oer alten Pharmakopöe dem Inhalte nach sehr erheblich ab; namentlich ist eine große Anzahl obsoleter Mittel gestrichen, andererseits aber auch durch Aufnahme bewährter neuerer Mittel den Entdeckungen der letzten Jahre Rechnung ge­tragen worden. Ein äußerer Vergleich zeigt, daß die 1872er Pharmakopöe auf 386 Seiten splendiden Drucks 909 Artik-l behandelte, während die 1882er Ausgabe auf 308 dem Formate und dem Drucke nach gleichartigen Seiten 599 Ar­tikel aufführt. Dem Werke sind, außer einem Abdrucke bet Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 8. Juli b. I. unb einer Vorrebe, beigegeben: eine Reagentien - Tabelle, ein Verzeichnis bet zu volumetrischen Prüfungen zu ver- toenbenben Lösungen (neu), eine Maximalbosen - Tabelle, zwei Tabellen dersehr vorsichtig* unb betvorsichtig* aufzubewahrenden Medikamente (sogenannte Gifte und stark wirkende Arzneimittel), je eine Uebersicht über daS spezi­fische Gewicht der einzelnen offizinellen Flüssigkeiten unb über bie Löslichkeit chemischer Präparate in Wasser, Wein­geist unb Aether, eine Synoymentabelle unb ein Sach­register. Als offizielle Sprache bet Pharmakopöe ist bie lateinische beibehalten worben, jedoch soll auch der der lateinischen Aufgabe zu gründe liegende deutsche Entwurf demnächst dem Buchhandel übergeben und auf diese Weise dem größeren Publikum zugänglich gemacht werben, eine Maßnahme, welche von fachmännischer Seite namentlich um deswillen sehr gewünscht wurde, weil eine nachträgliche Zurückübersetzung des lateinischen Textes die vielen teilweise

di: Expedition d. Blattes, so- d.Ännoncen-Bureaux o. Th- Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.QJL; Haosenstein u. Vogler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Köln ic.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M- jc.

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^welch Leid unfern schlanken Führer gerade an dem Tage 'getroffen haben möge, an dem wir unsere Fahrt von »'Brunnen nach Andermal geplant.

I 1 Wie lieblich hier und dort zur Seite bie Häuschen

mieden grünen Fensterläden aus dem Kranze dichtlaubiger 9- ,k CO/'/äume hervorlugten, wie behende flachsköpfige Kinder n * * m°/|en Blüten der Edelweiß und Alpenrosen, mit gefüllten trügen unb Tellern mit Obst neben uns hersprangen, sehr es mich ärgerte, nirgenb mehr eine nationale i k Az *cht, überall nur den Anzug unserer bentschen Bäue- r i f.OSlien und nicht einmal hübsche, eigenartige Gesichter zu ' ' -F^pÄecn, eS ging alles verloren, es tauchte alles nur mit

1 ?g?t Zeit wie versunkene Schätze vom Meeresgründe empor g?ünb fieberhaft strebte mein ganzer Sinn, all mein Em- Aöl finden und D nken, ein Ziel zu erreichen, Anbermat, in

>em wir bie Nacht zuzubringen gedachten. Wurde doch der

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux vonG L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene? in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS TormtaaSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 21/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa.

Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.