hatte dem Pferde das Kvpfgeschirr abgcstreift und hielt ihm ein kleines Gefäß mit Wasser vor, während in seiner anderen Hand ein großes Stück Graubrot ruhte, das seinem Schimmel wohl auch zu gute kommen sollte. In tiefe, kummervolle Gedanken versunken schien mir der Mann, er schaute nicht auf, als meine Schritte schon ganz in seiner Nähe erklangen, er rührte sich nicht, als ich dicht hinter ihn trat und erst, als ich meine Hand auf seine Schulter legte, wandte er sich erschreckt um und starrte mich zuerst an, als erkenne er mich gar nicht wieder.
Was giltS Joseph, Sie fahren uns auch noch weiter nach Andermat, wenn Ihr Schimmel erst satt ist und Sie selbst ein wenig geruht haben? —
Ich sagte es mit einer Zuversicht, die nach meiner Meinung von vornherein jeden Widerspruch Josephs niederschlagen mußte, in Wahrheit schien aber von einem Bedenken bei ihm gar nicht die Rede zu sein.
Ah, Sie stnds Madame, sagte er, wie aus einem Traume erwachend, ich will gern die Tour mit Ihnen unternehmen, aber für fünf Damen reicht ein Einspänner auf der weiten Fahrt nicht aus, und ich kanns nur thun, wenn Sie einen zweiten finden, derö mit uns macht.
Da nun in betreff der Kosten kein merkbarer Unterschied war, ob wir cs so machten, wie cs der Sepp vorschlug, oder uns einen mit drei Pferden bespannten Wagen nahmen, wie es denn solche nur noch für die Bergtour giebt, entschlossen wir uns zu ersterem, und zwei Damen blieben noch etwas zurück, nachdem Toni, deren Mutter und ich schon wieder bei unserm alten Freunde eingestiegen waren, denn der andere Kutscher, den wir nach vielem Umhersuchen gefunden, mußte erst noch zu seinem Herrn, ihm die bevorstehende Fahrt zu melden.
In Altorf, der Hauptstadt des Kantons Uri, das um seiner reizend freundlichen Lage wegen uns stets im Gedächtnis bleiben wird, auch ohne deS Folgenden, das sich bald nach unserer Ankunft für uns darin zutrug, hielten wir auf dem Marktplatze still, um unsere Gefährtinnen abzuwarten, die uns in dem zweiten Wagen folgten. Vor uns erhob sich die kolossale Statue Wilhelm TellS, die ihm die Schweizer aus Dankbarkeit errichteten, nicht weit davon der Brunnen, der Geßlers Standbild trägt, das sich der Gestrenge selbst setzen ließ, und in der Nähe der Turm, der auf der Stelle erbaut sein soll, wo Tell seinem Knaben den Apfel vom Kopfe geschossen.
Kaum zehn Minuten hielten wir auf dem Platze, als näherkommendes Rädergerassel uns von der Ankunft des ersehnten Wagens belehrte, und beim Umwenden sahen wir auch schon in der Ferne das Wehen der Schleier, die unsere Bekanntinnen trugen.
Auch der Joseph hatte sich umgewandt, was er erblickte, mußte aber sicher nichts Freundliches, nichts Erfreuendes für ihn sein, denn seine sonst so ruhigen Züge verzerrten sich auf eine grauenerregende Weise, die nervige, gebräunte Faust umklammerte krampfhaft den Stiel der Peitsche, die weißen Zähne biffen sich fest aufeinander und durch sie hindurch zischte er: Heiliger Himmel, nur das nicht I
Es war mir damals unverständlich, was der Mann mit seinem Ausrufe meinte, ich faßte es harmlos auf, schob eS auf irgend ein unangenehmes Ungefähr, das der Weg darböte und wollte eben in bezug daraus eine Frage an den Joseph stellen, als ein Peitschenhieb, so scharf, so schneidend durch die Luft sauste, daß er mir einen AuSruf des Bedauerns ablockte und — der Schimmel vorwärts stürmte. (Fortsetzung folgt)
xvn Jahrgang
Marburg, Dienstag, 12. September 1882
r 21»
IS
OlittliksMk jcitmig
tie
)be
ke
1 re
rav
geliebten Hingabe harren, deutschen horsame
cn M
sse, yiils edri Ja
illi irlil ier
len für: werter,
bauer# ’
1. Mai
1. Nov.
schlief. In Euer Majestät Heldengestalt erblicken die StammeSgenoffen aller Länder der Erde die edelste Verkörperung deutscher Kraft und deutscher Ritterlichkeit. Von Euer Majestät geführt wird Deutschland, so lange verkannt, den anderen Nationen im Wettkampf ehrender Arbeit für die höchsten Ziele der Menschheit immerdar voranleuchten. Wir wissen, daß Euer Majestät für das deutsche Volk eine Zukunft der Macht und des Glanzes, deS friedlichen Wohlseins und der sittlichen Größe planen, gegen welche die gepriesensten Zustände vergangener Zeiten erbleichen. Den Dank, den jedes deutsche Herz Euer Majestät freudig schuldet, vermag Breslaus Studentenschaft, die im Morgenrot des neuen thatenfrohen TageS steht, nicht besser darzubringen, o/s indem sie das Gelübde zu den Stufen deS Thrones niederlegt, daß sie den ManneS- tugenden, der Hoheit des Denkens und Handelns ihre»
Ob es späterhin vielleicht möglich sein wird, die Aufnahmen in längeren Terminen sich folgen zu lassen, mag vorläufig dahingestellt bleiben. Jedenfalls ift, es behufs Korrektur der ersten Aufnahmen dringend wünschenswert, für die zweite Aufnahme nicht über einen fünfjährigen Termin hinauszugehen. Aber auch abgesehen von dem Werte einer Wiederholung der Anbaustatistik für die Erntestatistik wird jene in ihrem Vergleiche mit den ersten Aufnahmen wertvolle Schlüsse auf etwaige Aenderungen in der -Dichtung der gesamten Bodenkultur erlauben, und jede Wiederholung ist geeignet, der Verwaltung und der Ackerbau betreibenden Bevölkerung wertvolle Fingerzeige zu geben. E« wird daher beantragt: der Bundesrat wolle für ven Sommer 1883 eine Wiederholung der Aufnahme einer Anbaustatistik des Deutschen Reichs verfügen und über die für dieselbe auf der Anlage entworfenen Bestimmungen Beschluß fassen." — Den Morgenzeitungen zufolge beauftragte der Magistrat in seiner gestrigen Sitzung den Wahldezernenten Schreiner mit der sofortigen Aufstellung neuer Wahltableaux. — Die „Kreuz.-Ztg." schreibt: „Bei den letzten Verhandlungen über die Militärkonvention und über die Proklamation gegen Arabi hat Lord Dufferin, wie man uns aus Konstantinopel schreibt, neuerdings Veranlassung genommen, der Pforte die beruhigsten Erklärungen über Englands Absichten in betreff Egyptens zu erteilen." — Unter der Ueberschrift: „Ein feines Geschäft", schreibt die „Kreuz- Zeitung": „Die Verwüstung Alexandriens, von welcher Seymour trotz der Gesamtvorstellung der dort domizilierten Konsuln sich nicht abhalten ließ, hat ungeheuere Opfer gekostet und allerwärtö Reklamationen der Beschädigten hervorgerufen, welche, wenn der Sultan seinen damaligen Protest gegen die angedrohte Gewaltthat aufrecht erhalten hätte, den Engländern sehr unbequem werden könnten."
Breslau, 8. Sept. Eine Deputation der Breslauer Studentenschaft, welche eine Adreffe an Se. Majestät den Kaiser überreichen wollte, wurde heute im Auftrage des Kaisers von dem Kronprinzen empfangen. Die Deputation, bestehend aus den Herren stud. theol. Bone (Verein Deutscher Studenten), Graf Ballestrem (Winfridia), cand. med. Methner (Corgs) und stud. phil Schube (Burschenschaften) überreicht folgende, von stut. jur. v. Schramm vom „Verein Deutscher Studenten" nach Vereinbarung mit dem Akademischen Turnverein verfaßte, von der gesamten Studentenschaft einstimmig angenommene Adresse: „Aller- durchlauchstigster Kaiser und König I Allergnädigster König und Herri Euer Majestät naht sich in Ehrfurcht die studierende Jugend der Universität Breslau, um, Hand in Hand mit dem gesamten treuen Schlestervolke, dem Begründer deuscher Einheit, dem Vater des Vaterlandes ihre unterthänigsten Huldigungen zu Füßen zu legen. Euer Majestät haben herrlich vollendet, was seit Jahrhunderten als heiligster Traum in der Erinnerung der Deutschen
innere künstlerische Ausstattung der Adresse war Herrn Maler KoSka und Herrn Lithographen Pietsch übertragen worden; der Einband, von Hofjuwelier Somme,.trägt auf kornblumenblauem Sammet den deutschen Reichsadler inmitten eines silbernen Eichenkranzes. — Die Auffahrt zur Audienz erfolgte in vier vierspännigen Wagen, welche von je vier Reitern der betreffenden Korporation in vollem Wichs geleitet wurden, durch die Alte Taschenstraße, die Ohlauer- und Schweidnitzerstraße bis zum Schloß.
— 8. Sept., abends. Die „Schles. Ztg." berichtet: Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin, begleitet von der Palastdame Gräfin Oriola, dem Staatsminister a. D. Friedenthal, dem Kammerherrn Graf Seckendorff, machte heute eine dreistündige Rundfahrt durch die Stadt zum Besuch von Wohlthätigkcitsanstalten. Im Krankenhause Bethanien besichtigte Ihre K. K. Hoheit, empfangen von dem Oberpräsidenten v. Scydewitz und dessen Gemahlin, eingehend die Krankenanstalt, das alte Siechenhaus und den Neubau. Im Kloster der barmherzigen Brüder geleitete der Fürstbischof von Breslau, der mit der Frau Herzogin von Ratibor Ihre K. K. Hoheit die Frau Kronprinzessin begrüßt hatte, dieselbe durch die Säle. Die Frau Kronprinzessin bekundete besonderes Interesse für die Station der kranken Kinder, unterhielt sich liebevoll mit denselben und wies reiche Geschenke an. In der Volksküche des Vaterländischen Frauenvereins prüfte Ihre K. K. Hoheit, von der Frau Generalin v. Tümpling empfangen, die schmackhafte Kost und die reiche Portionsverteilung und äußerte sich darüber sehr befriedigt. Im ältesten Breslauer Kindergarten sah die Frau Kronprinzessin dem Spiele der Kinder zu und ließ sich über die Kindergartensache
greisen Kaisers nacheifern, in unerschütterlicher an das gottgesegnete Haus der Hohenzollern ver- ihr Leben dem deutschen Volke, der Größe deS Reiches 'weihen wird. Euer Majestät trmge- Studenten der Universität Breslau." — Die
^üllun : solch
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Sept. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist mit dem Befinden deS Reichskanzlers noch keine befriedigende Besserung cingetreten. Der Reichskanzler enthalte sich auf ärztliche Vorschrift aller Geschäfte und beschränke sich auf die notwendigsten Unterschriften. — Dem Bundes- rat sind folgende Anträge Preußens, betreffend die Vornahme einer Viehzählung, sowie die Erhebung einer Anbaustatistik im Deutschen Reich, zur Beschlußnahme vorgelegt worden: „I. ES erscheint dringend wünschenswert, daß im Jahre 1883 eine allgemeine Viehzählung für das Deutsche Reich vorgenommen werde. Nachdem im Januar des MreS 1873 die letzte Zählung stattgefunden hat, würde sine Wiederholung im Jahre 1883 die Veränderungen innerhalb eines zehnjährigen Zeitraumes aufweisen, somit ür die statistischen Vergleichungen sehr zweckmäßig liegen. Mit der Anbanstatistik, deren Ausführung im Jahre 1883 einem besonderen Anträge vorbehalten bleibt, kann die Viehzählung nicht füglich verbunden werden, da erstere zweckmäßiger Weise nur im Sommer erfolgen kann, während letztere im Winter stattfinden muß, schon um die Vergleichbarkeit der neuen Angaben mit den früheren zu ermöglichen. Als geeigneter Termin für die Viehzählung ist etwa der 10. Januar zu bezeichnen. Für die Vornahme einer solchen im Jahre 1883 hat der Reichstag sich in einer Resolution vom 23. Januar 1882 gelegentlich des Paascheschen Antrages bereits ausgesprochen, wobei allerdings die Verbindung der Viehzählung mit einer landwirtschaftlichen Ge- werbizählung ins Auge gefaßt war. Letztere dürfte sich indessen durch die inzwischen stattgehabten berufsstatistischen Aufnahmen im wesentlichen erübrigen. ES wird daher beantragt: der Bundcörat wolle für den Januar des Jahres 1883 die Vornahme einer allgemeinen Viehzählung für das Deutsche Reich verfügen, und über die hierzu auf der Anlage entworfenen Bestimmungen Beschluß fassen." „II. Die Ergebnisse der Anbaustatiftik für das Deutsche Reich vom Jabre 1878 dienen als Grundlage für die gesamte Erntcstatistik; denn die für die einzelnen Früchte ermittelten Erträge pro Hektar werden mit den bei der Bodenaufnahmestatistik festgestellten bezüglichen Anbauflächen multipliziert, um den Betrag der ganzen Ernte herzuleiten. Aus diesem Grunde ist es nötig, die Angaben über das Anbauverhältnis der einzelnen Früchte so zuverlässig alö möglich zu ermitteln. Dies kann aber nur durch eine in nickt zu langen Zwischenräumen sich wiederholende Aufnahme der Flächen erreicht werden. Während die ersten Ermittelungen naturgemäß noch mangelhaft ausfallen mußten, so läßt sich bei einer Wiederholung von 5 Jahren und nachdem die Resultate der ersten Aufnahme in den beteiligten Kreisen inzwischen gründlich erörtert worden sind, eine erhebliche Verbeffernng der ersten Angaben erwarten.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; H ermans che ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: E- Schlotte in Bremen.
Srickeint täglich autzer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wdchentlichen Beilage „JllustrirteS EonutagSblatt- durch di- Expedition 0 ch sche Erscheint tagUch autzer an oen „k, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (excl. Bestellgebühr.) - ^nsertionsgebühr für die gespalten- Zeile 10 Pfg.
Buchdruaer-i) bezogen w.arrR Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
<in,eigen nimmt entgegen: ; ' Expedition d. Blattes, ('Lh d.Annoncen-Bureaux 1 Dietrich u. So. in Ms st und Hannover; Th. xie-rich in Frankfurt a.M.;
>asenstein u. Vogler in rsantfurt a- M., Berlin, feig- Köln k.; Rudolf Messe m Berlin, Frankfurt a. M- rc.
van
53.
ckli
R. 3,5( bet t
Ott«
t35$
60 ,
shaufo
Matz $
Wiebe
pr. iw M.l-50
„ 2.-1
>olver >,
- u. 3N
enins.
«g-
erm. |2
Auf den Höhe« vou Andermal.
Der Wirklichkeit nach erzählt von A- G neko'w.
(Fortsetzung)
Auf der Axenstraße passierten wir zwei Kantone der Schweiz, Schwyz und Uri, deren Grenze ein Felsenbach bildete, der mir wie aus unermeßlicher Höhe herabzustürzen schien und der im Frühjahre oft so angeschwollen sein soll, daß er die Gegend verwüstet, den Verkehr völlig hemmt. Jetzt war er ganz sanftmütig und ruhig, jetzt begleitete uns sein murmelndes Geplätscher wie ein leises Lied hinüber auf das Gebiet von Uri, dessen Wappen, der Ochfen- kopf, unö vom Eingänge eines großen Tunnels entgegenleuchtete. Nach der Ausfahrt aus dem Tunnel dauerte es nur noch ganz kurze Zeit und wir befanden uns in Flüelen, unter der Veranda des hart am See gelegenen Hotels und ließen uns von der ebenso modisch gekleideten, wie vornehm aussehenden Wirtstochter, die aber trotzdem die Gäste Persönlich bediente, ein Frühstück vorsetzen.
Ucber Joseph war, seitdem wir uns dem Orte genähert, von wo aus wir voraussichtlich einen anderen Wagen nehmen mußten, um nach Andermat zu gelangen, eine seltsame Unruhe gekommen. Er hatte sich mehrmals nach uns umgedreht, uns zuweilen mit eigentümlichen Bucken gemessen und uns, als wir vom Wagen abgestiegen, mit den wunderbaren Worten entlassen: Sie haben mir gut gefallen. — Erst nachdem wir uns restauriert, fiel es mir ein, daß der Sepp vielleicht nicht abgeneigt gewesen wäre, uns auch noch weiter zu fahren und ich verließ schnell die strünbelaubte Veranda in der Hoffnung, ihn noch aufzu- finden. In der That stand er mit seinem Gefährt ganz in der Nähe des Platzes, an dem die Dampfschiffe landeten,