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xvii Jahrgang

Marburg, Sonntag, 10. September 1882

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»rfAeint täalick außer an den Werltaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonutagSblatt* durch die Expedition l« o ch'sche Erscheint tagnch autzer an den W«na^en mia> ^sonn ubcg Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr., - InsertionSgebühr für die gespalten- Zeile 10 Pfg.

Buchbruaere.) bezogen »/. »»rr^ou w ^^dition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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hier, wie bei den Taubstummen, die Israeliten eine exzep­tionelle Stellung ein, indem sie einen verhältnismäßig sehr großen Prozentsatz Geisteskranker unter sich haben. Während

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He Peitsche sauste wieder durch die Luft und der Knall verhallte wie ein leises Aechzen in den Felsen, hält' ich ihn gern mit mir zurückgenommen von der Fahrt, die er am Morgen mit mir angetreten. Aber er war eigensinnig, hartnäckig an der Stelle, wo jetzt das Kreuzlein steht, ausgestiegen, nahm seine Zeichenmappe und setzte sich am Wege nieder, um drüben am jenseitigen Ufer das Monu­ment zu malen, das die schweizer Kantone dem Sänger Tells, Friedrich Schiller, gesetzt. Wie ich auch bat und in ihn drang, bei ihm rasten und bleiben zu dürfen, er litte nicht, er trieb mich heimwärts und winkte mir noch mit der Hand, als ich mit meinem Gefährt um die nächste Felsenbiegung verschwand. Am Abend fanden wir ihn nimmer, auch am andern Morgen nicht, mittags aber sahen wir die Zeichenmappe auf den Wellen schwimmen, sie war

den grauen Reiseschleier herabgelassen, aber durch ihn hin­durch sah ich zwei Helle Thränen über die erblaßten Wangen rollen, und mir selbst war wundersam beklommen zu Mute.

Ich konnte die Empfindungen meiner Gefährtin s.hr leicht begreifen, die sie nach dem Strauße blühender Blu­men greifen ließen, die wir auf der halbmondförmigen mit Erde befahrenen Felsenplatte gepflückt, von der Tell der­einst den kühnen Sprung in den See gewagt, als er vom Geßler gefangen genommen worden, die Empfindungen, die es veranlaßten, daß sie den Strauß in die blitzenden Wellen deö SeeS gleiten ließ, als wolle sie das Grab eines lieben Verstorbenen damit schmücken. War mirS doch, als sähe ich einen Augenblick lang ein blondes, lockiges Jüng­lingshaupt aus den Fluten auftauchen, das mit verlangen­den Augen den blühenden Rosen entgegenschaute, die ihm das Leben bot und ich wurde nur gewaltsam in die Wirk­lichkeit durch den Jauchzer zurückgerusen, der halb wie Schluchzen, halb wie Jubel klang und den der wunderbare Mann, der uns fuhr, zu den Mähern heraufsandte, die an Leinen gebunden, .damit sie nicht herabstürzten, von Flächen, die kaum groß genug schienen, dem Fuße Raum zu gewähren, das Gras abschnitten. Weiter gings auf der Axenstraße und mit uns glitt das blendende Himmels­licht, kletterte an den schroffen, vielzackigen Felsen empor, die diesseits und jenseits des SeeS ihre Häupter erhoben, lagerte sich auf die Dächer der Hotels, die Dächer der Almenhütten, die wie Vogelnester darauf klebten, zauberte tausend und abertausend Sterne auf die kleinen, krausen Wellen, die murmelnd ans Ufer sprangen und beleuchtete daS vielfarbige Gestein der Felswände uns zur Seite, das sich je nach den besonderen Felsarten tafelförmig überein­ander schichtete und hier größtenteils aus dem sogenannten Gotthardögranit bestand.

die höheren Altersklassen. Unter 10000 Personen 15 Jahren waren 7,3 (1871 7,7) geisteskrank, 10000 von 1550 Jahren 31,2 (187129,9) und ebensoviel Personen über 50 Jahren 38,6 (31,0). das Glaubensbekenntnis anlangt, so nehmen auch

war. Die daraus folgenden vierzehn Wagen waren teils vollständig ineinander und aufeinander geschoben, so daß bei einigen der obere Teil Wagenkasten nicht mehr vor­handen oder in einzelne Atome zerdrückt war, teils umge­worfen und die Stirnwände eingedrückt; nur die 4 letzten Wagen waren nicht entgleist und der 5. Wagen vom Schluß stand nur mit einer Achse außerhalb des Geleises. Im ganzen können 9 Wagen des Zuges als unbeschädigt ange­sehen werden. Der Oberbau an der Unfallstelle war voll­ständig zerstört, die Schwellen zum Teil zermalmt, die Schienen gebogen, einzelne beinahe halbkreisförmig. Der Haupttrümmerhaufen pp. 8 Meter hoch, lag über einem kleinen Wafferdurchlaß, welcher mit einem eisernen Ueberbau versehen und mit Bohlen bedeckt war. Infolge der Ent­gleisung verunglückten über 150 Personen, von denen 52 auf der Stelle getötet und 7 bis zum 7. d. M. ihren Ver­letzungen erlegen find. Nahe an 100 mehr oder weniger schwer und leicht Verwundete befinden sich in ärztlicher Behandlung im akademischen Spital in Freiburg. Mehrere leicht Verwundete sollen mit dem von Kolmar in der Nacht requirierten Zug von Hugstetten direkt nach Hause gefahren sein. Die ärztliche Hilfe wurde in ausreichendem Maße und in der aufopferndsten Weise durch die Aerzte und Pro­fessoren Freiburgs geleistet, so daß nachts 2 Uhr kein lebender Verletzter auf der Unglücksstätte sich mehr befand, sondern fast alle in dem akademischen Spital und dem früheren Blatternhaus in Freiburg untergebracht und in ärztliche Behandlung genommen waren. Die eingehendsten Untersuchungen an Ort und Stelle haben ergeben, daß der Bahnkörper und der Oberbau in gutem Zustande sich be­finden. Schwellen und Schienen find von guter Beschaffen­heit, auch deren Verbindung eine betriebssichere. Die Spur­weite auf der intakt gebliebenen Strecke vor und hinter der Unglücksstätte ist überall richtig befunden. Der Oberbau der Bahnstrecke zwischen Freiburg und Hugstetten wird all- mälig umgebaut und hat zur Zeit zur Hälfte und zwar auf der dem Bahnhofe Freiburg zunächst liegenden eiserne Querschwellen und auf dem andern Teil, wozu auch die Entgleisungsstelle zählt, hölzerne Querschwellen. Die bisherigen Erhebungen und Untersuchungen geben nach An­sicht des Kommissars der Vermutung ziemlich sicheren An­halt, daß der Lokomotivführer die vorgeschriebene Geschwin­digkeit nicht unwesentlich überschritten haben dürfte und daß event. auch daS Brunserpersonal nicht mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Dienstfunktionen nachgekommen sein wird. Gericht und Staatsanwalt sind in vollster Thätigkeit. In dem Zirkularerlaß des Ministers des Innern für die Vorbereitungen zu den Wahlen heißt es, daß auch die Aufstellung und Auslegung der Abteilungslisten überall dergestalt beendet werde, daß die Wahl der Wahlmänner zu anfang des Monats Oktober anberaumt werden könne.

Nach Information derKreuz-Zeitung* dürfte ein Ver­wendungsgesetz nicht wieder dem Landtage vorgelegt werden. DaS Blatt bemerkt dazu:ES scheint neuerdings an maß­gebender Stelle die auch von uns wiederholt vertretene Ansicht mehr gewürdigt zu werden, daß die Lösung der brennenden Steuerfragen in Preußen sich im Wege einer organischen Gesetzgebung leichter werde erreichen lassen, als durch die bisher beliebte Form der Verwendungsgesetze. Es steht jetzt fest, daß bei der Wiedereröffnung der Reichs­tags-Session der ReichShaushaltS-Etat für zwei Jahre vor­gelegt werden wird. Die bezüglichen Arbeiten find im ReichS-Schatzamte ihrem Abschlüsse nahe. Was den Militär­etat anlangt, so hat sich vermutlich die Reichsregierung eine zweite Etatsaufstellung vertraulich von den LandeS-Re- gierungen verschafft, und die offiziellen Vermittelungsstellen hatten davon nichts erfahren. ES wird nun Sache der Entscheidung für den Reichstag werden, ob er auf die Beratung beider Etats eingehen will oder nicht. Der Papst hat gestern Herrn v. Schlözer in Privataudtenz empfangen.

Daß die Zahl der Geisteskranken in erheblicher Zunahme begriffen sei, wird durch die Ergebnisse der letzten Volkszählung bestätigt: Nach derSt. K." betrug am am 1. Dezember 1880 die Zahl der Geisteskranken in Preußen 66345, und zwar 34309 männliche und 32036 weibliche; am 1. Dezember 1871 waren vorhanden gewesen 55043 Geisteskranke, darunter 28002 männliche und 27041 weibliche. Die Zahl der Geisteskranken ist also in den 9 Jahren um 20,5 pCt. gestiegen, während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum nur um 10,6 PCt. ge­wachsen ist. 1871 kamen auf 448 Personen ein Geistes­kranker, 1880 schon auf 411. Beim männlichen Geschlecht ist die Zahl der Geisteskranken verhältnismäßig größer und steigt auch in stärkereui Maße, als beim weiblichen Geschlecht: 1871 war unter 443 Männern und 462 Frauen 1 geisteskrankes Individuum, 1880 dagegen unter 391 Männern und 432 Frauen. 17636 Personen sind als geisteskrank geboren aufgeführt, 32365 als erst später geisteskrank geworden. Aus diesen Zahlen läßt sich aber ein Schluß auf die Vererbung der Geisteskrankheit nicht ziehen, zumal bei 16344 Personen der Zeitpunkt des Eintritts der Geisteskrankheit nicht angegeben ist. Die Vermehrung der Geisteskrankheit trifft bemerkenSwerter-

Licht, hell und farbenprächtig alles um uns herum, See, Felsen und Schneegebirge und heiter und frohäugig auch die Menschen, die uns begegneten, was wunder, daß langsam der Schauer wich, den die Erzählung Josephs in uns geweckt, daß wir wieder Interesse gewannen für die Wunder Gotte", die sich unfern Blicken darboten, und für die Wunder auch, denen der menschliche Geist die mensch­liche Energie Gestalt und Leben verlieh.

Gab es doch bald hier, bald da neben uns in der Felswand einen tiefen Schacht, in den der Sonnenschein nicht einmal bei Tage fällt und in dem doch Menschen unermüdlich emsig arbeiten, um das große Riesenwerk zu fördern, einen Tunnel mitten durch die Fclscnmassen hin­durch zu arbeiten, die die Schweiz von Italien trennen. Aufhören wird es dann, daß große sechsspännige Wagen Säcke mit Getreide, Fässer mit Oel und allen möglichen Artikeln die Bergstraße entlang führen, denn dann pfeift die Lokomotive und zieht die Waggons in ewig langen Tunnels fort, da die Eisenbahn nur an sehr seltenen Stellen ans Tageslicht kommen wird.

Die Schachten, denen wir nun hin und wieder auf der Axenstraße begegneten, waren vorläufig nur da, um zu erkundigen, wie das Gestein allerorten beschaffen ist um wirksam bei der Ausarbeitung derselben vorgehen zu können, Zeichen von roter Farbe, in ganz bedeutender Höhe, oder auch niedriger an den Felsen angebracht, dienen dazu, an­zuzeigen, wie hoch die Bahn hier und dort laufen muß, man staunt, wie sorgsam, mit tvie vielem Nachdenken die Unternehmer des Werkes vorzugehen haben, man bekommt eine Idee davon, was für Zett die Vorarbeiten allein er­forderten und kann es begreifen, daß die Bahn, von der so lange gesprochen, erst in dem Jahre 1882 fertig wer­den wird. (Fortsetzung folgt.)

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Auf den Höhe« von Andermal.

Der Wirklichkeit nach erzählt von A- iSnekojw.

(Fortsetzung)

Ich fuhr ihn oft in jenen Tagen, wo das Glück hell auS seinen Augen leuchtete, schloß der Erzähler in der seltsam eintönigen Weise, in der er zu sprechen begonnen, mochte er doch keinen anderen Kutscher nehmen wie mich, der ich fast in einem Alter mit ihm stand und eins war mit ihm in den Reden der Liebe, Treue und Glückseligkeit.

Als es dann aus war mit der Freude, ganz aus,

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Sept. DerReichsanzeiger* schreibt an der Spitze des Blattes: Se. Majestät der Kaiser hat an­läßlich der Sedanfeier, fowie im Laufe des Sommers zahl­reiche Telegramme empfangen, in welchen patriotische Vereine, Versammlungen, Krieger- und Schützen - Vereine, Wahl­versammlungen und auch der konservative Provinzial-Verein in Stettin ihre Huldigung dargebracht und das Gelübde ihrer Anhänglichkeit und Treue erneuert haben. Se. Maje­stät zollen den Bestrebungen der gedachten Vereine ihre Anerkennung und sind durch die erwähnten Huldigungen aufs angenehmste berührt worden. DieNorddeutsche Allg. Ztg." meldet: AuS dem dem Reichs - Eisenbahnamte von seinem Kommissar über den Eisenbahnunfall bei Hug­stetten von Freiburg aus erstatteten vorläufigen Berichte vom 7. d. M. find wir in der Lage nachstehendes mitzu­teilen: Der verunglückte Extrazug, welcher am 3. d. M. vormittags mit 1200 Personen aus Münster, Kolmar und den diesen benachbarten Ortschaften auf Bahnhof Freiburg eingetroffen war, sollte abends 8 Uhr 10 Minuten vom letzteren wieder zurückfahren. Nach Vermehrung der ange­gebenen Passagierzahl durch Hinzutritt verschiedener mit Tagesbillette versehener Personen fuhr der Zug 8 Uhr 15 Minuten vom Bahnhof Freiburg ab. Die vorgefchriebene Geschwindigkeit für die Rückfahrt betrug 40 Kilom. in der Stunde. Die Bahnstrecke, welche zunächst Freiburg in einer Kurve und sodann bis zur nächsten Station Hugstetten in einer geraden Linie liegt, hat Neigungen von 1:79 auf 486 M.; 1:86 auf 2211 M.; 1:111 auf 641 M.; 1:143 auf 1920 M. Länge; sodann wieder 1:111 u. s. w. 5,5 Kilom. vom Stationsgebäude Freiburg entfernt auf der in 1:143 liegenden Strecke entgleiste der aus 26 Perfonen- wagen III. Klaffe, einem Schutzwagen hinter der Maschine und einem Schlußwagen (beide waren leere Gepäckwagen) bestehende Zug fast vollständig. Sämtliche Wagen waren zweiachsig, so daß der Zug 56 Achsen zählte. Nach der Entgleisung stand die Maschine samt Tender aufrecht und anscheinend unbeschädigt circa 8 Meter vom Geleise ent­fernt aus dem nebenliegenden '/» Meter unter Schienen­oberkante liegenden Wiefengrund, in diesem etwa 7» bis 9/4 Meter tief eingewühlt. Die Wagen des Zuges waren aus dem Bahnkörper weiter gelaufen, so daß der erste Wagen (Schutzwagen) zwanzig Meter weiter, halb auf dem Bahnkörper und dessen linker Böschungsseite in vollständig umgedrehter Lage die vordere Stirnseite desselben mit dem Zugführerkoupee war nach hinten gerichtet sich be­fand, der zunächst folgende Wagen dagegen vollständig um­gestürzt und zertrümmert auf der rechten Seite des Bahn­körpers lag, während der dritte Wagen im Zuge in die Stirnwand des ersten Wagens (Schutzwagens) eingedrungen

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«geigen nimmt entgegen: bi Expedition d. Blattes, soai-d.Annoncen.Bureaux 1 Th. Dietrich u. Co. in »aff 4 und Hannover; Th. Di irich in Frankfurt a.SDL; Hausenstein ».Vogler in t antfurt a. M., Berlin, Leipzig- Köln rc.; Rudolf ajjoffe in Berlin, Frank­furt a. töt. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux Don® L.Daube u.So. in Frankfurt a. M -; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche ^Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.

76x wir die Zeichenmappe auf den Wellen schwimmen, sie war 701 auseinandergcklappt, obenauf lag daS Bild deS schönen Mädchens, das der Aermste geliebt, die lachenden, schwarzen .?29? Augen blickten gerade hinein in den Himmel, und die 12^1 Sonne schien darauf, meinen Sie nicht, Madame, daß 1011 sie an jenem Tage lieber nicht hätte scheinen sollen?

1(X« Der seltsame Mann schwieg, er schien aus keine Ant­wort zu rechnen und erhielt sie auch nicht. Toni hatte