Einzelbild herunterladen
 

Marburg, Mittwoch, 6. September 1882

Hr ao»

xvn Mrgaeg

(Olirrlicffifdic ZitiiW

itsbat,

61850

)ct. M längs;« 119.^

15. ( Toftettf!

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS TountagSblatt" durch die Expedition (St o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Psg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; JSaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche sBuchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux 0, Th. Dietrich u. Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Woffe in Berlin, Frank­furt a. UL rc.

wagt» uipagn isitelij «d- 464 <

: ä M 8’/s

>onnt« , hoch D?änntt

Her, ts-S» hlt l, zar. Ledi g inb R i Derlei! s-Makl

önnen mit

sen 708

«hoi-

sucht. I

l. [2

mm Erke« ienSpe len, f< und eil >ereitun

ms.

Harbern leg. L<

rkchtt ktmpl

rüber

tbillij

Egypten.

In Alexandrien wurde angenommen, wie man der „Times" am 2. von dort telegraphiert, daß General Wol- seley, durch die schottische Brigade verstärkt, Sonntag oder Montag einen allgemeinen Angriff machen wird. Aehnlich meldet auch der „Standard", die Aktion jenseits Kaffasstn stehe unmittelbar bevor, da Arabi den Süßwasserkanal neuerdings abdämmen lasse, wodurch der englischen Armee wieder Wassernot drohe. Ebenso ein amtliches Telegramm aus Jsmailia vom Sonntag:

„Aus Kaffasstn wird die Ankunft einer Gebirgsbatterie mit Sübenpfündern, welche einen Teil des indischen Kon­tingents bildet, gemeldet. Die Proviantvorräte für die Truppen langten nunmehr mit großer Beschleunigung an, die Ingenieure sollen Erdwerke um daS Lager daselbst Her­stellen. Der Vormarsch sei täglich zu erwarten, der Ge­sundheitszustand der Truppen sei fortdauernd ein guter."

Wir geben diese Nachrichten, wie sie überliefert werden. Am 1. September stand in Kaffasstn Graham mit 4 In­fanterie - Bataillonen und Artillerie, Lowe zu Massamieh mit einer ganzen Kavallerie-Division und Artillerie, Willis bei Mahuta mit 3 Garde-Bataillonen. Andererseits wird behauptet, wegen der starken Befestigungen Tel - el - Kebirs dürfte der Vormarsch erst nach Ankunft der schweren Be­lagerungsgeschütze stattfinden; bis dahin würde nur die Truppenlinie verstärkt.

Zur Beförderung des Belagerungsparks aus Woolwich wird eins der größten Dampfschiffe, welche existieren, er­forderlich sein, da er mit den dazu gehörigen Kanonen, Lafetten, Waggons, Munition u. s. w. ein Gesamtgewicht von 2000 Tons repräsentieren wird. Die Bedienungs­mannschaft des Parkes wird einschließlich der Offiziere 1136 Mann stark sein. Der Park wird aus 10 vierzig- pfündigen Belagerungsgeschützen, 10 fünfundzwanzigpfün« bigen Kanonen, 6 siebenpfündigen Kanonen und 10 Hau­bitzen, im ganzen aus 36 Geschützen bestehen. Die Handwaffen-Equipierung des Parkes besteht aus 1088 Ar­tillerie Karabinern, 1104 Säbelbajonetten und 21760 Pa­tronen. Eine Novität, die sogenannte „Stern - Granate", wird mit den Haubitzen ausgesandt werden. Diese Granate, die dazu bestimmt ist, in die Luft gefeuert zu werden, ent­hält eine Anzahl von Magnesium-Kugeln, welche sich ent­zünden, wenn die Granate platzt, und ein brillantes Licht ausstrahlen, welches die umliegende Gegend in beträchtlicher Ausdehnung erhellt und für Rekognoszierungszwecke sehr geeignet ist. Dem Belagerungsparke werden etwa 100 dieser „Stern-Granaten* beigegeben werden.

Die englischen Geschütze sind bekanntlich insgesamt Vorder­lader, während die Egypter Kruppsche Hinterlader führen, allerdings nach einem älteren als dem gegenwärtig in der deutschen Armee eingeführten System. Bei Kaffasstn ver­wandten die Engländer auch eine erbeutete Kruppsche Kanone

Noch etwas zur Präposition „vor".

it

97

ife

225*

ift

vuv tcuviiiyiu „uvi. UVV |IU/ yui) ) anders, so könnte ja der Mann den AuS-

76

69

304

101 106

101 id 101

101

76

94

102

Hardt

chh.

noch jetzt beobachtet, keiner der nach Marburg will sagt, „ich will nach Weidenhausen" und keiner der nach Weiden- Hausen will sagt „ich will nach Marburg". Es ist also nicht wohlgethan, die beiden Begriffe oder Wohnplätze ohne weiteres zu identifizieren, das hieße sowohl über die Alt­zeit als über die jetzige sich hinaussetzen.

2) Ist es aber auch nicht richtig, daß die Eigentums­verhältnisse bei solchen Fragen in betracht gezogen werden mußten, es kommt vielmehr für den Sinn des Wortes „vor" darauf nichts an. Ein paar ganz populäre Bei-

‘. b*e Gasse einer Stadt liegt offenbar in demselben Weichbilde, auf demselben Stadtgrund und Boden, wie das an diese Gasse stoßende Haus; wenn nun ein Ehemann auf der Gasse sagt „vor unserm Hause steht ja meine

cht

larbur . 44.

2. I

?91 kJ-'L' 1° kommt gewiß zuerst die Frau (der Teil, welcher 100 Wörtchen „vor" nicht vor sich hat) und dann das loof t 2tU6 (bct Teil, welcher das Wörtchen „vor" vor sich hat); tzE wate die Sache « - - - - - - —

Gegen unsere Auffassung in Sachen der Brücke „vor Weidenhausen" ist geltend gemacht worden, daß Weiden- hausen zn Marburg gehörte und deshalb mit einer Brücke „vor Weidenhausen" nur eine außerhalb Marburgs und Weidenhausens gemeint sein könne. Hiergegen ist aber

1) Gewicht darauf zu legen, daß Weidenhausen nicht Marburg genannt wird und Marburg nicht Weidenhansen, der Gebrauch der beiden verschiedenen Namen läßt immer einen Unterschied zwischen beiden verbleiben. Er ist in der Urkunde, denn warum sagt diese nicht „vor Marburg", wenn denn Weidenhausen ein integrierender Teil von Mar­burg war? Er ist aber auch im Volksmunde und wird

......=■= —|--— —--T J ---—

gegen den Feind. Dir erste Ladung explodierte und ver­letzte einen der Kanoniere, welche offenbar mit dem Hinter­lader nicht umzugehen wußten. Bald aber fanden sich die Artilleristen mit dem Laden zurecht. Das Geschütz leistete ausgezeichnete Dienste.

„ Nicht ohne Einfluß auf den beabsichtigten Vormarsch würde es ferner sein, wenn sich die Nachricht bestätigte, daß Arabi in Salihiye, 35 Km. nordwestlich von Jsmailia, ein Lager bilde, wodurch die rechte Flanke der Engländer bedroht würde. Englische und indische Kavallerie rekognos­zierte gegen Salihiye, bemerkte jedoch nur schwache feindliche Abteilungen.

Die Berichte über das Verpflegungswesen lauten seit dem 2. günstiger. Die Truppen an der Front sind er­quickt durch viertägige Rast, genährt durch frisches Ochsen­fleisch und Kartoffeln; Arbeiter ans Cypern sind ange­kommen, um die Ausschiffung und den Transport zu unter­stützen. Sultan Pascha verhandelte mit Beduinen so erfolgreich, daß sie als Zeichen der Freundschaft 200 Schafe zu den Vorposten brachten. Bis dahin war der Tranöport- und Jntendanturdienst entsetzlich schlecht bestellt. Die „Times" meldet, selbst die ärztlichen Apparate und die Medikamente langten in Kaffasstn erst einen ganzen Tag nach dem Gefecht an, sodaß verwundete Soldaten elendiglich umkamen. In Kaffasstn und Mahsameh leben Offiziere und Soldaten von spärlichen Spenden von Reis, Fleisch­konserven und Zwieback; den Pferden fehlte zwei Tage das frische Futter, wie der Mannschaft schon seit langem das frische Wasser. Nur eine Truppengattung ist rüstig auf den Beinen, die Indier. Sie sind in ihrem Elemente; denn nicht allein, daß das Klima spurlos an ihnen vor­übergeht, sie verstehen es auch, für sich und ihre Tiere in der Sandwüste frische Nahrung und frisches Gras zu ver­schaffen, eine Leistung, welche eie übrigen mit Bewunderung und Neid erfüllt. Unerklärlicherweise wurden sie bis jetzt ge chont, während die armen Leibgardisten ins Vordertreffen kamen. Die schon längst angekündigte Plage der Sand- fliegen hat sich in reichlicherem Maße eingestellt, als man erwartete; wahrscheinlich angelockt durch Blut- und Aas­geruch sind sie Tag und Nacht bei der Hand, nisten sich in Nase, Mund, Augen und Ohren ein und rauben dem Müden den ihm unentbehrlichen Schlaf. Zum Glücke sind Zelte für die Kavalleristen angelangt, unter deren Schutz sie der egyptischen Plage einigermaßen trotzen können.

In einer Depesche vom Sonnabend meldet General Wolseley, daß er von der Front nach Jsmailia zurück- gekehrt sei und daß die Truppen reichlich mit Proviant versehen seien.

Aber eine weit schwerere Plage, nicht nur für das Heer, sondern für ganz Europa, ist in drohendem Anzuge: die Cholera. Auch die Operationen der Engländer werben davon betroffen, weil die Ankunft der noch ausstehenden

Itlll ■ ...... ■ -2. 5 . .

indischen Truppen durch die angeordneten Quarantäne« maßregeln verzögert wird.

Alexandrien, 31. Ang. Auf einem Schiff von Bombay, welches auf der arabischen Insel Kamaran an­gekommen, sind vier Fälle von asiatischer Cholera konsta­tiert; der internationale Gesundheitsrat von Alexandrien hat beschlossen, alles, waö von Bombay und Aden kommt, der Quarantäne zu unterwerfen.

In den Londoner offiziellen Kreisen herrscht große Be­stürzung wegen dieser Entscheidung. Dadurch wird das indische Kontingent von seiner Basis abgeschnitten, und die Truppen sowie Maultiere können nicht landen. Granville richtete sofort einen Protest gegen diese Entscheidung, welche möglicherweise politische Konsequenzen haben könnte, falls England trotzdem, wie nicht unwahrscheinlich, die indischen Truppen und Maultiere in Suez landen lasten würde. Die internationale Sanitätskommission hat bei nochmaliger Beratung der Quarantänefrage ihren Beschluß mit 10 gegen 6 Stimmen bestätigt. Die Quarantäne soll 7 Tage dauern. Auch in Tanger, Gibraltar gegenüber, soll die Cholera schon aufgetreten sein; doch wird durch ein Tele­gramm aus Madrid die Nachricht für unbegründet er­klärt. Dagegen herrscht in Jlo-Jlo, auf den Philippinen, seit vierzehn Tagen eine starke Choleraepidemie.

Im nördlichen Teil des Kriegsschauplatzes, bei Alexan­drien, werden die Egypter seit Abgang der schottischen Brigade doppelt kühn, so daß die Ueberschwemmung des Mariutsees jetzt ausgeführt werden soll. Zum Ueberfluß ist den Einwohnern Alexandriens seit Sonntag früh auch daS Süßwasser auSgeblieben.

Fernere telegraphische Nachrichten:

Alexandrien, 4. Sept. Die Beduinen fahren fort, bei Abukir auf der nach Alexandrien zu gelegenen Seite und ganz in der Nähe der englischen Vorpostenstellungen Verschanzungen anfzuwerfen. Der Plan, die Dämme bei Mex zu durchstechen und den trocken liegenden Teil des Mariutsees unter Wasser zu setzen, nm dadurch einen Vor­marsch der Egypter unmöglich zu machen, soll nunmehr schleunigst zur Ausführung gebracht werden, der Khedive hat jetzt seine Genehmigung dazu erteilt, die zu rate ge­zogenen Sachverständigen haben erklärt, daß die Aus­führung des Planes die landwirtschaftliche Kultur der be­treffenden Landesteile nicht verhindern werde. — Infolge eines Mißverständnisses zeigte der mit dem Signaldienst betraute Offizier gestern an, daß die Egypter tm Vor- Marsche auf Mex längs deö Mariutsees begriffen seien. Der General Drury Lowe traf alsbald entsprechende Vor­kehrungsmaßregeln, der Feind zeigte sich aber nicht. — Es herrscht hier große Besorgnis wegen des SüßwasterS, da dasselbe heute früh ausgeblieben ist.

Alexandrien, 4. Sept. Heute beschoßdaSPanzer­schiff „Minotaur" die Erdbefestigungen ArabiS seitlich von

spruch gar nicht thun; denn dann wäre die Frau durch das Haus verdeckt und ir könnte sic gar nicht sehen. Eine Kirche ist gewiß i» der Gegend des Altars in demselben Eigentum als da wo die Gemeinde ihre Sitze hat: wird nun die Gemeinde während des Gottesdienstes gewahr, daß der Geistliche vor dem Altar ist, so steht doch dieser gewiß zwischen dem Altar und der Gemeinde d. h. von der Ge­meinde aus gesehen, kommt er zuerst und dann der Altar, obgleich in einer Kirche an eine Besitzgrenze gar nicht zu denken ist. Schillers Gedicht „Der Handschuh" beginnt „vor seinem Löwengarten, das Kampfspiel zu erwarten, saß König Franz", mithin ist von einem und demselben Territorium, dem deS Königs Franz die Rede (die Stelle, wo er saß, wird ihm wohl auch gehört haben); uun ver­suche man einmal den Paffus im gegnerischen Sinne zu verstehen und sehe, was dabei heraus kommt, König Franz käme gar nicht in betracht, weil er hinter den hohen Um- zäumungen des Löwengartens schlechterdings unsichtbar bleiben müßte u. s. w.

3) Kommen unserer Auffassung auch die äußeren Um­stände merkwürdig zu statten. Es ist nämlich sehr unvor­sichtig, die in und um Weidenhausen offenbar der Gerberei wegen künstlich angelegten Lohgraben mit den natürlichen Flüssen und Flußarmen in eine Linie zu stellen. Die Loh­graben um Weidenhausen können nicht eher vorhanden ge­wesen sein, als bis sich die Gerberei in Weideuhausen zu einer gewissen Blüte erhob. Nun waren im allgemeinen erst nach 1450 die kleinern Dörfer alle verschwunden, so­daß aus ihrer Zusammenziehung lauter größere vorhandm waren, die gewiß erst eine zeitlang bloß Oekonomie be­trieben haben, ehe sich deren zur Industrie erhoben. ES darf nun durchaus nicht für gewiß gelten, daß 1423 die

Gerberei in Weidenhausen schon in solcher Blüte gestanden hätte, daß die umfangreiche Arbeit des Weioenhäuser Gra­bensystems bereits als vollendet ober auch nur projektiert vorhanden war, noch weniger ist eS gewiß, daß über die Graben gleich steinerne Brücken geführt hätten, wie man denn an mehreren Stellen jetzt noch Holzstege findet. Für am meisten zweifelhaft darf aber angesehen werden, daß man über einen dieser Lohgraben d. h. auf der Brücke über ihm, eine heil. Kreuzkap.lle soll erbaut haben, während man dies auf der Hauptbrücke in Marburg unterlassen hätte. Da besagte Kapelle ohnedies nicht erst 1423 erbaut war, sondern wahrscheinlich schon längere Jahrhunderte bestand und ein bekanntes Heiltum gewesen sein dürfte, so paßt auch dies gar nicht sehr auf die Zeit der Brücke in Weiden­hausen und möchte daher gegen die letztere sprechen. N. N.

«literarische-.

Von Paul Lindaus sensationeller Broschüre: „Bay­reuther Briefe vom reinen Thoren" (Richard Wagners „Parsifal"), Verlag von S. Schottlaender in Breslau, find in wenigen Tagen bereits drei volle Auf­lagen in vielen Tausend Exemplaren gänzlich vergriffen, die vierte ist soeben erschienen und eine fünfte, sicherem Vernehmen nach, schon unter der Presse. Dieser in unserer Zeit nur sehr wenigen Büchern beschiedene glänzende Er­folg bekundet mehr als alles, das dem Gegenstände, der die ganze gebildete Welt interessiert, von Seiten des be­rühmten Autors der obigen Briefe die geistvollste, pikanteste und vielseitigste Beleuchtung zu teil geworden ist. In der That ist Paul Lindaus „Palstfal" zu lesen ein Genuß, den sich Niemand sollte entgehen lassen. Dieser kritische