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XVII Jahrgang

Marburg, Dienstag, 5. September 1882

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Hälfte der Habsburger Monarchie noch ein kräftiger und gefchlosfener Staat bleiben? Wie wir oben erwähnt haben, denkt man in diesem Punkte in Budapest über das unga­rische Staatswesen genau das Gegenteil. Wenn nun auch nicht gerade der Zentralismus, wie er zur Zeit in Ungarn gehandhabt wird, als scgenbringend für die österreichische Staatshälfte erklärt werden muß oder kann, so sollte man doch in Wien daran denken, daß jeder Staat ein Zentrum, ein Rückgrat bedarf, woran sich seine Glieder organisch zu fügen haben, daß aber ohne Zentrum und ohne Rückgrat die Glieder nicht gedeihen, ja nicht einmal existieren können.

Die preußische Spionin.

Eine Geschichte aus Sedan von Robert von Hagem (Schluß.)

Armands Verwundungen waren glücklicher Weise nicht lebensgefährlich. Der Schuß ins Bein hatte keine Knochen- beschädigunq herbeigcführt, und der Schuß durch die Wan­gen war nicht gefährlich. Die Aerzte trösteten, daß die Sprache gar nicht leiden und auch das Gesicht keine Ent­stellung erleiden würde im Notfall aber ein tüchtiger Backenbart, zu dem Aussicht sei, alles verdecke.

Da faß denn das deutsche Mädchen am Krankenbette des französischen Offiziers bereits etwa seit vierzehn Tagen. Das Sprechen war dem Kranken verboten; er ließ sich daher eine Schiefertafel geben und schrieb darauf, was er zu haben wünsche. Eines Tages verlangte er wieder die Schiefertafel, sah seiner schönen Wärterin recht tief und innig in« Auge und schrieb auf die Tafel:Wie gut, wie seelensgut Sie sind, Mademoiselle Louise I

Pflicht I" wisperte die Gouvernante und senkte die

Und wieder einige Tage später ließ er sich dw Schiefer­tafel reichen und schrieb darauf mit fieberhafter Eil . «Louise, Louise ich kann nicht länger verschweigen, Louise, ich liebe Sie von ganzem Herzen, aus ganzer Seele I"

Sie las eS. Hoch wallte die Brust Blässe über­zog ihr Gesicht. Sie eilte aus dem Krankenzimmer.

Ehrwürdige Schwester,' sagte sie zu der Nonne, die draußen im Lehnstuhle geschlummert hatte,mir ist nicht wohl, bitte, vertreten Sie mich!" Dann flog sie in ihr Zimmer, schloß sich ein, und in einen Thränenstrom auö-

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Die nationalen Bewegungen in Oesterreich-Ungarn.

Die nationalen Bewegungen in Oesterreich-Ungarn bieten weit über die Grenzen des Habsburger Kaiserstaates ein ^rvorragcndeS Interesse dar, denn die Nationen und LöiAn welche in Oesterreich nach mehr Freiheit und Selbständigkeit ringen, finden mit der einzigen Ausnahme der Ungarn sich in ihren politischen Wahlverwandtschaften mit einer Reihe von Nachbarvölkern zusammen, dazu ist Oesterreich - Ungarn europäischer Zentralstaat und da er- iabrnngsmäßig nationale Strömungen lawinenartig wachsen können, so muß man sowohl in Oesterreich selbst, als auch in den Nachbarländern nicht ohne Besorgnis auf jene nationalen Strömungen blicken.

Ein großer Kardinalunterschled in der Haltung der österreichischen und ungarischen Regierung den nationalen Bewegungen diesseits und jenseits der Leitha gegenüber ist nun, der uns für ganz besonders bedenklich für die Zukunft des österreichisch.ungarischen Staatswesens erscheint. Denn während man in Budapest mit Energie und Nach­druck die Parole hochhält, daß in der ungarischen Halste der Habsburger Monarchie zentralisiert und magyarisiert wird und Deutsche, Siebenbürger, Rumänen und Serben in Ungarn mit allen möglichen Mitteln, selbst denjenigen ihrer Sprachbekämpfung sür den ungarischen Staatsgedanken auch äußerlich gewonnen werden sollen, geschieht in der österreichischen Hälfte genau das Gegenteil und wie l Deutsche und Czechen liegen sich in Böhmen und Mähren in den Haaren, Polen und Ruthenen in Galizien, und die Slowenen machen ihre Rechte in Kärnthen, Krain u. s. w. geltend, aber in diesen Kämpfen handelt es sich nicht um die Er- reichung eines großen, gemeinschaftlichen Zieles, sondern jeoer Volksstamm strebt nach einem besonderen nationalen Ziele. Daö Ministerium des Grafen Taaffe in Wien ist nun allerdings der Meinung, daß etwas für die Gleich­berechtigung aller Nationen in Oesterreich geschehen muffe. Aber sind denn die Czechen, die Mähren, die Polen, dre Ruthen, die Slowenen für sich jedes eine Nation? Die betreffenden Völkerstämme mögen es sich einbilden, aber in Wirklichkeit ist nicht der Fall und kann nicht einmal der Fall sein. Zunächst besitzen jene Völkerstämme schon gar nicht die quantitativen und qualitativen Eigenschaften einer Nation, was schon einfach daraus hervorgehen mußte, wenn man annimmt, daß es ein souveränes Czechenreich, ein souveränes Mährenreich, Slowenenreich u. s. w. gäbe- Würden solche Reiche nicht die bemitleidenswerte Nolle wie Serbien, Bulgarien, Montenegro und dergleichen Staaten spielen und bei weitem sich nicht derjenigen Kultur erfreuen können, die sie unter habsburgischem Szepter genießen. Zu was soll es aber schließlich führen, wenn sich die Völkerschaften Oesterreichs immer mehr untereinander ent­fremden und die slawischen Stämme immer mehr Recht

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Deutsches Reich.

Berlin, 2. Sept. Der Kaiser hat gestern die Ge- sandten Graf Brandenburg und v. Radowitz empfangen und zur Tafel gezogen. Heute nahm er die gewöhnlichen Vorträge und eine Reihe militärischer Meldungen entgegen und arbeitete dann mit dem General v. Albedyll. Um Mittag machten die heute früh eingetroffenen kronprinz- lichen Herrschaften dem Kaiser und der Kaiserin einen Besuch. Das Befinden der Kaiserin giebt nach Ver­sicherungen von verläßlicher Seite in keiner Welse Anlaß zu Bedenken; die Hinzuziehung des Professors Madlung aus Rostock erfolgte auf Wunsch der Kaiserin, weil diese zu dem genannten Arzte, der sie mit dem Professor Busch zu Coblenz während der letzten Erkrankung behandelte, ganz besonderes Vertrauen hat. Diese Berufung hatte dem völlig unbegründeten Gerüchte Nahrung gegeben, daß die Kaiserin einen Rückfall ihres früheren Leidens erlitten hätte. Professor Madlung wird nur vorübergehend in Babelsberg verweilen. Die Kaiserin, durch die Ver­zögerung ihrer Wiederherstellung an der Begleitung des Kaisers nach Breslau verhindert, ersuchte die Kronprin­zessin, ihre Vertretung zu übernehmen. Zur Vertretung des Hofstaats der Kaiserin werden Kammerherr Graf von Magnis, die Palastdame Gräfin v. Oriola und die Ehren­dame Gräfin von Oppcrödorff am kaiserlichen Hoflager in Breslau anwesend fein. Aus Anlaß der Sedanf-ier fanden in allen Schulen Festakte statt, mittags ertönte vom Rathausturme Festmusik, nachmittags und abends waren von Vereinen und Korporationen besondere Fcst- seiern, sowie in vielen öffentlichen Lokalen Volksbelusti­gungen veranstaltet; in den Theatern finden Festvorstel­lungen statt. Die Häuser der Stadt find mit Flaggen, viele Schaufenster mit den Büsten deö Kaisers und des Kronprinzen geschmückt und die Straßen seit frühem Morgen von einer festlich erregten Menge gefüllt. ES ist neuer­dings wiederholt vorgekommen, daß vorläufig in die Heimat beurlaubte Rekruten zur Eheschließung zugelassen sind, ohne die vorgeschriebene Genehmigung des betreffenden Landwehr-

brechend, zitterten auf ihren Lippen die Worte:Er liebt mich! O Gott, o Gott! ist es denn möglich?"

Die Krankheit nahm einen schnellen günstigen Verlauf. Louise konnte sich nun wieder ganz der Erziehung der Kinder hingeben. Armand war Reeonvaleszent. Er zählte natürlich zu den Kriegsgefangenen, doch war ihm der Auf­enthalt im Hause seines VaterS weiter gestattet worden. Eines TageS erschien ein stattlicher preußischer Offizier, geziert mit vielen Ehrenzeichen, im Hause des Bürger­meisters. Er wurde in das Krankenzimmer geführt. Ehe er jedoch ein Wort sprechen konnte, wurde plötzlich die Thür aufgeriffen, und alles Zeremoniell vergessend, stürzte die Gouvernante in den Gartensaal.

Friedrich!"Louise!" ertönte es gleichzeitig, und Bruder und Schwester lagen sich in den Armen.

Armand wurde leichenfahl die Sinne drohten ihm zu schwinden 1

ES ist ihr Bruder, der Capitain Burkhart," sagte Frau Bornadelle zu dem starr dasitzenden Reconvaleszenten. Sie, die Mutter, sie hatte ja längst in dem Herzen des Sohnes gelesen sein Geheimnis erraten.

Ueberspriugen wir nach dieser Szene einen Zeitraum von zwölf Jahren. Es ist in Faxe, Kanton Seltne, auf deutsch-lothringischem Gebiete. In dem herrlichen Garten einer reizenven Villa, über deren Eingang in goldenen Let­tern der NameLouise" prangt, sitzt der alte Papa Borna­delle, früherer Bürgermeister von Sedan, schmaucht behag­lich seinen petit Corporal und sieht lächelnd zu, rote seine beiven Enkelkinder Charles und FredericFranzose und Preuße" spielen.Papa, Papa," ruft Charles,Friedrich

den Sonntag verlegt.

Breslau, 2. Sept. Zur Feier des Sedantages ist die Stadt bis in die entferntesten Straßen auf das fest­lichste beflaggt. Zwischen 12 und 1 Uhr wurden vom Rathausturme herab Choräle und patriotische Lieder vor­getragen; in allen Schulen fanden Festakte statt.

Norderney, 2. Sept. Der Sedantag ist auch hier von den einheimischen Bewohnern und sehr zahlreichen Gästen, wie in früheren Jahren, aufs Glänzende gefeiert worden. In dem großen Strandetabliffement brachte nach einer zündenden Rede über die hohe, dauernde Bedeutung diefes Nationalfestes Professor Dr. Mosler aus Greifs­wald ein mit stürmischem Jubel aufgenommenes dreimaliges Hoch auf den Heldenkaiser Wilhelm, den Siegreichen,, aus. Am abend findet Feuerwerk und allgemeine Volksbelustigung vor dem Konversationshause statt. Norderney hat festlich geflaggt.

Bremen 2. Sept. Die heutige Sedanfeier wurde mit einem Gottesdienst eingeldtet. Um 11 Uhr begann im Bei­sein des Senats und der Bürgerschaft und unter Beteiligung zahlreicher Vereine, fämtlicher Schulen und dichtgedrängter Volksmasfen die öffentliche Festfeier auf dem Marktplatz, die mit Gesang und unter Glockengeläute und Kanonen­donner begann und schloß. Heute nachmittag findet ein

will sich nicht ergeben!"Ja, Du mußt ihn dazu zwin­gen," sagte Monsieur Armand Bornadelle, dessen zwei Wangennarben von einem schönen, dichten Backenbart be­deckt sind;dazu gehört aber nicht immer rohe Gewalt, mit etwas Klugheit gehts oft noch besser. Hab' ich Recht, Schwager Oberstlieutenant?"

Laß mich mit dem Oberstlieutenant in Ruhe!" erwidert der Oberstlieutenant Burkhart, der von Metz herüberge- kommen istwenn ich in Zivil bin, hängt der Soldat drüben in Metz im Kleidcrschrank!"

Ja, teurer Armand, laß jetzt diese Kriegserinnerungen,' wenngleich der Krieg unser ganzes Lebensglück begründet hat gehen wir ins Haus! Mama wartet schon mit dem Thee!" so spricht Frau Louise Bornadelle, geb. Burkhart.

Die Lage des wüste« Dorfes Wanoldeshause«.

Die Oberhessische Zeitung brachte vor kurzem in einer anonymen Zuschrift eine sehr scharfe PrScisterung der Prä­positionvor", auf welche gestützt der Herr Verfasser die Lage des untergegangenen Dorfes Wanoldeshausen bei Neustadt, sowie der h. Kreuzkapelle zu Weidenhausen in Marburg näher zu bestimmen suchte.

Was der Verfasser über die Präpositionvor" sagt, ist ohne Zweifel richtig; es läßt sich aber daraus nicht viel folgern, da der Sprachgebrauch in sehr vielen Fällen vor" anwendet, wo nach der Darlegung des Verfassers hinter" stehen müßte. So riefen schon die Römer, als Hannibal in die Nähe ihrer Stadt gerückt war:Hannibal ante portas! und nichtpost portas". Doch darüber will ich mit dem Verfasser nicht streiten, ich wollte mir nur erlauben, zu bemerken, daß nach meinen Ermittelungen

fordern und durchsetzen? Kann dann die österreichische Bezirkskommandeurs beizubringen. Infolge bessenlst den l Stimmungen des Zivilehegesetzes zur Pflicht gemacht wor- ' den, die bezüglichen Verhältnisse mindestens durch Befragen der betreffenden Heiratöwilligen möglichst sorgsam festzu­stellen. Bezüglich der mehrfach erwähnten Maßnahmen gegen Landstreicherei und Bettelei ist jetzt angeordnet wor­den, daß Vagabunden und Bettler nach ihrer Ueberweisung an die Polizei einer gründlichen Körperuntersuchung unter­zogen werden sollen. Man hofft, auf diese Weise rasch die Arbeitsunfähigen zu ermitteln und sie von den ArbeitS- lustigen getrennt halten zu können dadurch, daß man ihnen eine angemessene Beschäftigung giebt, während die gänzlich Arbeitsunfähigen in besondere Anstalten untergebracht wer­den sollen. DerGermania" wird aus BreSlau ge­meldet: Auf Grund eines früheren Dekretes veS aposto­lischen Stuhles hat der Herr Fürstbischof Robert nunmehr erklärt, daß diedeclaratio clementina ron nun an auch in dem Delegaturbezirke in kraft trete. Diese Aus­dehnung wäre ohne Zweifel früher schon erfolgt, wenn nicht durch die Absetzung deS Fürstbischofs Heinrich eine solche Maßregel unmöglich gemacht worden wäre. Somit ist jetzt ein gleiches Recht bezüglich der Mischehen in der gesamten Diöcese hergestellt.

Pofe«, 2. Sept. Aus Anlaß deö SedantageS fanden in allen Schulen Festakte statt, die Stadt ist reich mit Flaggen geschmückt, die Börse ist geschloffen. Der Festzug der Landwehrvereine und der Gewerke ist auf den morgen«

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