XVII Jahrgang
Marburg, Freitag, I. September 1882.
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zusehcn, etliche aber, Venen die Frauensperson verwandt ist, sehen übel aus und dürfen bisweilen mit diesem unzeitigen Tänzer Händel und Streit anfangen. Ist aber die Frauensperson also daran, daß sie aus wahrer Erkenntnis GotteS den Tanz hasset, und dem Tänzer den Tanz abschlägt, oder aus anderen Ursachen mit ihm zu tanzen weigert, so lst das Ei zertreten. Dann fängt der Tänzer an zu fragen, oder beschickt die Frauensperson durch seine Freunde, was sie für Ursache habe, ihm den Tanz zu verweigern, ob er nicht redlich, ehrlich oder gut genug dazu sei u. s. w. Zuweilen wartet der Tänzer nicht so lang, daß er die Beschickung kann fürnehmen, sondern schämt sich auch nicht, die Jungfrau oder Frau, sobald sie ihm den Tanz verweigert hat, wider alle Billigkeit und Recht aufs Maul zu schlagen. Etliche geben dem Schläger Recht und verteidigen seine lose Sache mit dem Spruche: einem ehrlichen und redlichen Manne muß und soll man keinen Tanz weigern. Darum ist der Person recht geschehen u. s. w. Andere aber halten dies-» für eine solche unbescheidene, tyrannische That, daß sic wert sei, daß die ganze Gesellschaft derselben sich annehme und sie räche. Daraus denn endlich solch Werk erfolget, das ohne Blutvergießungen und stetigem Hasse nicht wohl oder kaum kann begleichet und verglichen werden. Wenn aber die Person bewilligt hat, den Tanz mit dem Tänzer zu halten, treten sie beide herfür, geben einander die Hände und umfangen und küssen sich nach Gelegenheit des Landes, auch wohl recht auf den Mund und erzeigen sich sonst mit Worten und Geberden die Freundschaft, die sie vor langer oder kurzer Zeit gewünscht haben, einander zu erzeigen. Darnach, wenn eS zum Tanze selbst gekommen ist, halten sie ernstlich den Vortanz, derselbe geht etwa mit ziemlicher Gravität ab. Es kann aber in diesem Vortanze das Gespräch und Unterredung derer, die sich lieb haben, besser gebraucht werden,
organisation der provinzialständischen Verwaltung innerhalb des Rahmens der bestehenden Gesetze vorgenommen werden soll. Der Plan geht im speziellen dahin, die in verschiedene selbständige Zweige verteilte provinzialständische Verwaltung, entsprechend den Verhältnissen der übrigen Provinzen, zusammenzufassen und zu diesem Zweck auf statutarischem Wege durch Einsetzung eines LandesauSschusieS, dem die gesamte provinzialständische Verwaltung zu übertragen wäre, und eines Landesdirektors für die Geschäfte der laufenden Verwaltung zu begründen. Die mehrseitig dahin gehenden Wünsche haben ihre Berechtigung, indem die Provinz Posen allein einer solchen zusammcngefaßten Organisation entbehrt, deren wirtschaftliche und geschäftliche Vorteile nicht zu verkennen sein dürften. Hierüber wurde in Posen unter Zuziehung der Dirigenten der verschiedenen provinzialständischen Verwaltungen konferiert. Jedenfalls aber werden noch weitere Erwägungen stattfinden, ob und in welchem Maße den betreffenden Wünschen Rechnung getragen werden kann. — Rach der im Kaiserlich Statistischen Amte aufgestellten Uebersicht der Preise der wichtigsten Lebensmittel — Korn, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Stroh, Heu, Fleisch, Fett, Butter und Eier — stellten sich dieselben bei vierzehn derselben
dessen, was er seinen Besitz nennt, besonder» reichliche Veranlassung. Zum zweitcnmale seit Wiederherstellung de» Reiches dringt vom Sonnenaufgange her Waffenlärm zu den Sitzen der europäischen Kulturvölker, und abermals dürfen wir, denen sonst jede größere kriegerische Verwickelung eine Gefährdung der Sicherheit des heimisches Herde» androhte, im Genuß ungestörten Friedens die innere Arbeit fortführen, welche unseren wahren Beruf bildet. Den führenden Staaten des Weltteils freundschaftlich verbunden, hat das Deutsche Reich in jüngster Zeit erneute Gelegenheit gehabt, die eminent friedliche Bedeutung seiner Wiederherstellung zu bewähren und durch die That zu bezeugen, daß seine berechtigten Jntereffen mit denjenigen der übrigen Völker nirgend in Widerstreit stehen. Der mächtige Bau, zu welchem der 2. September 1870 den Grundstein legte, hat nicht nur seine Stellung inmitten des Weltteils behauptet, sondern sich dem Organismus desselben so glücklich eingefügt, daß er für den deutschen und den europäischen Frieden gleich unentbehrlich geworden ist. „Wenn heut ein Geist hernieder stiege", ihm würden die Irrungen und Verwirrungen des Tages nur als leichtes Gewölk erscheinen, das sich vor ein Bild gedrängt hat, welche« an allen entscheidenden Punkten das Gegenteil deS BildeS darstellt, welches der Sänger von 1816 in seinem historisch gewordenen Gedichte aufrollte. Braucht der Deutsche doch keines der an seinen Grenzen wohnenden Völker um ein wirkliches Gut zu beneiden, dessen nicht auch er sich rühmen dürfte. Der Freude am Vaterlande, die uns Jahrhunderte lang getrübt gewesen, wird sich auch heute nur entziehen, wer über der Beschäftigung mit verbittertem Parteihader den freien Blick in und über die Wirklichkeit verloren hat. Unverändert steht die Nation aus dem festen und freien Boden, den sie in blutigem Ringen erworben hat, unverändert kann sie sich um die erhabene Gestalt deS Kaiser« scharen, der die Jahrhunderte lang zerstückelten Teile unsere« Volkes zu einem unlösbaren Ganzen vereinigt hat.
Bromverg, 29. Aug. Die Ergebnisse der hiesigen NeichStagswahl zeigen eine Ausnahme von der Regel, daß Nachwahlen radikaler auszufallen pflegen, als die Hauptwahlen. Trotzdem die Fortschrittspartei alles Erdenkliche aufgeboten hat — aus Berlin waren die Herren Munckel und Hermes, aus Königsberg Dr. Moeller verschrieben, dazu der Stab untergeordneter Agitatoren — ist nicht nur die allgemeine Beteiligung, sondern auch die Stimmenzahl für die Fortschrittspartei erheblich gesunken, während die Konservativen gewannen und die Polen unverändert blieben. Die Wahlbeteiligung war bei der ersten Wahl 1881 — 68,1 pCt., jetzt nur 57 pCt. der Wahlberechtigten. Von den abgegebenen Stimmen entfielen auf den Fortschritt damals 41,5, jetzt nur 38,1 pCt., auf die Konser-
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Ein Ball vor 300 Jahre«.
Wie eS auf einem Balle des sechszehnten Jahrhunderts zuging, davon berichtet der markgräflich badische Rat und Obervogt iu Pforzheim, Johann von Münster, in seiner 1594 abgefaßten Schrift „gottseliger Traktat vom ungott- seligen Tanz" mit folgenden Worten: „Die deutsche allgemeine Tanzform besteht hierinnen, daß, nachdem bei den Pfeifern und Spielern der Tanz zuvor bestellt ist, der Tänzer aufs zierlichste, höflichste, prächtigste und hoffärtigste herfürtrete und au» allen allda gegenwärtigen Jungfrauen und Frauen eine Tänzerin, zu welcher er eine Affektion trägt, jene wähle, dieselbe mit Reverenz, als mit Abnahme des Hutes, Küssen der Hände, Kniebeugen, freundlichen Worten und anderen Ceremonicn bittet, daß sie mit ihm einen lustigen, fröhlichen und ehrlichen Tanz halten wolle. Diese hochnötige Bitte schlägt die begehrte Frauensperson nicht leicht ab, unangesehen auch der Tänzer der den Tanz von ihr begehrt, bisweilen ein schlimmer Pflugbcngel, oder ein anderer unnützer, vollgesoffmer Esel und die Frauensperson eine stattliche vom Adel oder eine andere ansehnlich, denn reiche Frau oder Jungfrau ist. E» wäre denn, daß sie um eines Verstorbenen Willen trauerte oder Leid trüge. In dem Fall ist sie und auch eine Mannesperson ent- schuleigt. Sofern noch bei dem, der den Tanz begehrt, soviel Verstandes übrig ist, daß er diese Entschuldigung annehmen will. Ist aber der Kerl gar voll und toll, der den Tanz begehrt, so muß die Frauensperson eben wohl fort. Will sie nicht tanzen, so mag sie schleifen, will sie im Tanz nicht lachen und fröhlich springen, so mag sie weinen und sauer und traurig aussehen. Denn er verläßt sie nicht, weil er sie bei der Hand hat, sondern er zieht mit ihr immer fort zum Tanze, wie mit einem Widder zur Küche. Darüber lachen etliche, die dabei stehen und
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Deutsches Reich.
Berlin, 30. Aug. Die heutige Parade des Garde- korpS hat trotz anhaltenden Regens vor dem Kaiser statt- gesunden. Der Kaiser, von einem zahlreichen Publikum enthusiastisch begrüßt, ritt die Front ab, von einer glänzenden Suite begleitet, worauf ein einmaliger Vorbeimarsch in Regimentskoloune erfolgte. Sämtliche hier anwesende Prinzen und Prinzessinnen wohnten der Parade bei. — Die neueste Nummer des „Militär - Wochenblatts" meldet die Dienstentlassung des Prinzen August von Württemberg in folgender Weise: „Schloß Babelsberg, den 24. Aug. 1882. Prinz August von Württemberg, König!. Hoheit, General- Oberst von der Kavallerie, auf sein Gesuch um Versetzung in den Ruhestand, von der Stellung als kommandierender General des Gardckorpö und von den Funktionen als Oberbefehlshaber in den Marken entbunden; derselbe verbleibt ä. la suite des 1. Garde-Regiments z. F. und des Garde-Kürassier-Regiments, sowie in dem Verhältnis als Chef des Posen. Ulanen-Regiments Nr. 10 und wird auch ferner in den Listen der aktiven Generalität der Armee geführt.« — Die Morgenblätter teilen eine Nachricht der „Berliner Politischen Nachrichten" mit, wonach eS sich in der gestrigen Sitzung deS StaatSmintsteriumS um Anordnung der Neuwahlen und Ansetzung des WahlterminS gehandelt haben soll. Diese Nachricht ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, eine leere Erfindung und absolut aus der Luft gegriffen; die erwähnte Angelegenheit ist, wie wir hören, auch nicht mit einem Wort zur Sprache gekommen. Desgleichen wird die Reise, welche der Herr Minister des Innern am Montag mit Räten seines Ministeriums nach Posen unternahm, von den Blättern mit Vorarbeiten für eine Kreis- und Provinzialordnung für die Provinz Posen in Verbindung gebracht. Auch dies ist eine völlig unbegründete Vermutung. Die Reise deS Herrn Ministers hatte lediglich den Zweck, mit dem Herrn Oberpräsidenten über den von dem Provinzial - Landtage von Posen angeregten Plan zu konferieren, wonach unbeschadet und vor der späteren Einführung der Provinzialordnung eine Re-
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Protestantismus zur Schau
Preußens würden es nie und nimmermehr dulden, daß auch nur auf einem Fuß breit preußischer Erde ein kanonischer Satz in kraft bestehe, durch welchen eine giftig cin- gegangene protestantische Ehe für nichtig und die daraus hervorgegangenen Kinder als Bastarde erklärt werden.
— Die „Prov.-Corresp." widmet heute der „Wiederkehr des 2. September" folgende Betrachtung: Für den Deutschen, der über die Schranken beengten und beengenden ParteiwesenS hinaus zu sehen vermag, bietet die zwölfte Wiederkehr deS denkwürdigsten und ruhmreichsten Tages der neueren deutschen Geschichte zu dankbarer Betrachtung
niedriger im Juli 1882 als in demselben Monat des Vorjahres, bei einem, Weizenmehl, war der Preis derselbe und nur bei achten war er höher. — Ein längerer in der Frage der Mischehen gegen die „Germania" gerichteter Artikel der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" führt aus, alle Versuche der „Germania", den früheren hieraus bezüglichen Artikel der „Nordd. Allg. Ztg." zu widerlegen, seien mißglückt. Das religiöse Gefühl der Protestanten sei tief verletzt dadurch, daß man eS wage, eine nach bürgerlichem Rechte eingegangene und von einem protestantischen Geistlichen eingesegnete Mischehe als ungiftig zu erklären, die Kinder aus solcher Ehe als unehelich zu brandmarken und ihnen daS Erbrecht abzusprechen. Der Artikel schließt, die protestantische Bevölkerung sei tief verletzt durch die Mißachtung, die man seitens der von der „Germania" vertretenen katholischen Kreise in hohnvollster Weise für den trage. Die Protestanten
MV» Für den Monat September werden Bestellungen auf die
Oberheffische Zeitung
als in dem Nachtanze. Dies aber haben sie gemein, daß die Tänzer, wenn sie zum Ende des Gemaches, in welchem sie tanzen, gekommen sind, wieder umkehren, und sich zu beiden Seiten, zur Rechten und zur Linken, so lang wenden und treiben, vergehen und folgen müssen, bis der Pfeifer aufgehört zu spielen und ihm gelüstet, ein Zeichen zu geben, daß der Vortanz ausgetanzt sei. Darnach ruhen sie ein wenig, stehen aber nicht lange still. Sind es gute Freunde, so reden sie mit einander von den Dingen, die sie gern hören. Ist aber die Freundschaft nicht so groß, so schweigen sie still und warten, bis der Pfeifer wiederum aufblaset zum Nachtanz. In diesem geht eS etwas unordentlicher zu als in dem vorigen. Denn allhier deS Laufens, Tummelns, Handdrückens, heimlichen Anstoßm«, Springen und bäurischen Rufens und anderer ungebührlichen Dinge, die ich ehrenwegen verschweige, nicht verschonet wird, bis daß die Pfeifer die Leute, die wohl gern, wenn sie könnten, einen ganzen Tag also tollerweise zusammenliefen, durch sein Stillschweigen geschieden hat. Da hört man dann oft einen schrecklichen Fluch über den Pfeifer, daß er viel zu bald den Tanz ausgespielt oder auch manchmal den Tanz zu lang gemacht hat. Denn sie schämen sich aufzuhören zu tanzen, ehe und bevor der Spieler aufgehört hat zu pfeifen. Die Strafe wird ihm bisweilen auch zugelegt, daß er noch einmal um dasselbe Geld (wie sie reden) aufblasen muß. Da gilt eS denn mit Tanzen aufs neu. Wenn aber der Tanz zu Ende gelaufen ist, bringt der Tänzer die Tänzerin wiederum an ihren Ort, da er sie hergenommen hat mit voriger Referenz, nimmt Urlaub und bleibt auch wohl auf ihrem Schoß (?) sitzen und redet mit ihr, dazu er durch den Tanz sehr gut, und keine bessere Gelegenheit hat finden mögen."
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