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Marburg, Mittwoch, 30. August 1882

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schanzt und nach seinem kühnen gestrigen Angriffe glaubte ich, er würde heute seine Stellung behaupten; indessen zog er gestern seine Kanonen, deren er 12, nicht wie ich angab, 10 hatte, zurück. An Streitkräften waren zu meiner Ver­fügung die erste Division und die ganze Kavalleriebrigade mit 16 Kanonen. Ich betraute gestern und heute den General Willis mit dem Oberbefehl, welcher seine In­struktionen zur größten Zufriedenheit ausführte. Meine Absicht war, mich links auf dem gestern genommenen Damme zwischen Magsar und Mahuta einzuzapfen und die Rechte herumzuschwenken, um den Feind in der Flanke zu fassen und in den Süßwasserkanal zu drängen; zugleich sollte die Kavallerie um feindliche Stellungen herum die Eisenbahn mit der Nachhut besetzen und womöglich eine Lokomotive und das vorhandene Eifenbahnmaterial abfassen. Diese Operation wurde gut ausgeführt. Die fchwierigste Arbeit fiel der Kavallerie und der Artillerie unter General Lowe zu; er griff die feindliche Nachhut an, nahm ein großes Lager bet Mahsameh und die Eisenbahnstation, schlug den Feind mit beträchtlichem Verlust und erbeutete 5 Kruppsche Kanonen, 75 mit Vorräten beladene Eisen­bahnwaggons, viel Munition und zahlreiche Remington­gewehre. Viele von unseren Pferden, die erst gestern^ ge­landet worden, waren kaum dem schweren Marsche über den tiefen wegelosen Wüstensand gewachsen. Trotz des großen Marsches, welchen alle gestern zur Front beorderten Verstärkungen gemacht hatten, bin ich mit den Erfolgen sehr zufrieden, obgleich ich während einiger Tage nicht über Mahuta hinaus vorzurücken beabsichtigte. Der Kavallerie- Erfolg war so groß, daß ich morgen die Besetzung der Kaffastn-Schleuse am Süßwasserkanal versuchen werde; sie liegt 21/» Meilen westlich von der Mahsamehstation; sein Besitz sichert den Marsch über die Wüste zwischen Jsmailia und dem bebauten Deltaland. Der Feind scheint so demoralisiert und furchtsam vor einem Jnfanteriangriff, daß er kaum den vermuteten Widerstand leisten wird, bevor wir Sagasig erreicht haben werden. Die Gardebrigade unter dem Herzog von Connaught machte gestern einen anstrengenden Marsch durch die Wüste, sie wurde wacker von Sr. königl. Hoheit tagüber geführt; an Verluste hatte sie ungefähr 7 Tote und 15 Verwundete; 18 Pferde wurden getötet, 48 Fälle von Sonnenstiche kamen vor, davon ver­lief einer tötlich. Sir Beauchamp Seymour unterstützte uns nach Kräften; er sandte eine Pinasse mit einem Neunpfünder kanalaufwärts, welche uns sehr geholfen hätte, wenn der Feind seine frühere Stellung behauptet hätte. Seymour organisiert jetzt einen Bootdienst den Kanal entlang, welcher uns ausschließlich die Provisionen zuführen wird, bis unsere Lokomotiven arbeiten werden. Alle Schichten der Marine vom Admiral bi« zu den Matrosen arbeiteten angestrengt für uns; die Armee schuldet ihnen hohen Dank für ihre Unterstützung.

In einem der dem Strande des kleinen Ostseebades Z. zunächst gelegenen Häuser, weit ab von der belebten Prome­nade, wohnt seit einigen Wochen eine Dame, der man eS ansieht, daß sie das Seebad zur Stärkung gebraucht; ihre majestätische Gestalt, von schwarzen Trauerkleidern umflossen, die stolze Haltung und die Eleganz der Be­wegungen harmonieren wenig mit dem bleichen Antlitz, dessen Miene etwas Gedrücktes verrät, und mit dem matten, trüben Blick des dunklen Auges. Der Luxus ihrer Reise- Effekten, die geschmackvolle Livree ihrer Dienerschaft und die elegante Toilette ihrer Kammerfrau, Alles dies, sowie die Krone auf dem Wagenschlag ihrer Equipagen deutet darauf, daß die Dame nicht aus äußeren Gründen die stille Zurückgezogenheit im Bade gewählt hatte, und wer ihr tiefer in das schöne Auge steht, möchte ihrem Leiden wenig Hülfe durch den Arzt versprechen und ihr Zerstreuung anstatt Einsamkeit verschreiben.

Ein kleine« Mädchen sucht Muscheln am Strande; froh und heiter springt daS Kind auf dem Sande umher, den Wellen ausweichend und nacheilend, während die bleiche Frau sinnend dem Spiele zuschaut. Das Kind möchte haschen nach den spielenden Wogen, die kräuselnd sich brechen, kommen und gehen, die mit dem Ufer kosen, wie die Tage des Lebens an das Herz schlagen, sanft und spielend, bis der Sturm das Meer bewegt, dte Wogen sich gespenstisch bäumen und über den Strand hinfluten. Das Kind steht nur das Bild des Friedens, die ernste Frau schaut tiefer in daS Meer, auch sie hat einst das Leben heiter aufgesaßt und getändelt mit den Wogen, aber dann den Ernst deS Lebens erfahren und gezittert in seinen Stürmen.

Und wie ihr Auge sich sinnend in die unendliche Ferne

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux Don®. L.Daube u. 6e. in Frankfurt a. M ; JSaersch« ' Buchhandlung daselbst;

Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin: SB. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

(Fortsetzung.)

Albertine fühlte sich unglücklich in ihrem Glück, während »lies bemüht war, ihr angenehmes zu erweisen, fehlte ihrem _____Kerzen das beste, es empfand Heimweh nach jener Zeit, vo eS von einer süßen Hoffnung getragen bangte und | ebte; im Salon fühlte sie, daß ihr die Häuslichkeit fehle, ie fühlte, daß ihr Herz ein anderes Glück fordere.

Da wurde sie Mutter.

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Die Elternfreude gibt der Ehe eine zweite Weihe, man Lunte sagen das göttliche Amen zu dem Segen des Prie- terS; was jener für äußere Anfechtungen unauflöslich >and, knüpft dieses mit dem geheimnisvollen Zuge der Qatur, und wenn die Liebe zwischen den Gatten erkaltet 1( st, wird das Kind der magnetische Pol, der Beider Herzen 1< mzieht, indem Beide sich immer wieder finden.

" Die Liebe zum Kinde wirft ihren Glutschein zurück, in 1< »er Liebe zum Kinde lernt daS Weib den Mann wieder ( »ott neuem lieben, und zwar mit einer Liebe von Sorge ' sewürzt, nicht ausflammend, aber dauernd.

J In dem Augenblick, wo sie ihr Kind und seinen Vater lmarmte, erblich in AlbertinenS Herz die Erinnerung an < Ünbenau, welche unwillkürlich in einsamen Stunden noch ' 'ie Hoffnung aufblitzen ließ, wie ein Irrlicht; jetzt hatte J ie etwas gefunden, das die Leere in ihrem Herzen füllte < md das Bedürfnis, zu lieben, befriedigte; jetzt war sie licht mehr Dame allein, sie war Weib; die Maske, welche »hr innerstes Leben verborgen hatte, fiel, und die »er- iGkümmstste, mit Thränen gepflegte Blüte entfaltete zum ^Ukrsteni^zle ihren Duft berauschend wie der Odem auS

Illustriertes Sonntagsblatt rafftlyon allen Post - Anstalten, auf dem Lande auch . von den Landpostboten, entgegengenommen.

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Wie zwischen den Zeilen des Berichts zu lesen ist, haben sich die Engländer am 24. gegen den heftigen An­griff von 10 000 Mann nur mit Mühe behaupten können, Sie scheinen sich sogar zurückgezogen zu haben, da am Freitag die ganze Divisionwieder" gegen den Feind vor­vorrückte. Wahrscheinlich hat der größte Teil der ersten Division ins Gefecht eingreifen müssen. ES haben sich nämlich nach des Generals eigenem Berichte an dem Kampfe von Freitag außer der Kavallerie-Brigade des Generals Dury Lowe auch noch die Garde-Jnfanterie-Brigade deS Herzogs von Connaught beteiligt, und somit ist die Be­hauptung, daß 1500 Engländer genügt hätten, die ganze egyptische Armee in die Flucht zu schlagen, gelinde gesagt, eine Uebertreibung. General Wolseley hat seine besten Truppen, nämlich lauter Garden und Marinesoldaten, im Kampfe gehabt. Die Anstrengung, welche gemacht werden mußte, um die Egypter zu besiegen, dürfte den englischen Oberkommandanten auch zu der Erkenntnis geführt haben, daß seine Armee eigentlich zu schwach ist, um [die Okku­pation von Egypten vollständig durchzuführen. General Wolseley hat nämlich um Verstärkungen nachgesucht.

Vom Sonnabend wird aus Jsmailia gemeldet: Bei den Vorposten ist alles ruhig. Die Kavallerie rückte heute bis zur Schleuse Caffasine am Süßwasserkanal vor. Durch Besetzung dieser wichtigen Schleuse kann eine er­neute Absperrung des Süßwasserkanals vereitelt werden. Vielleicht tritt jetzt eine geringe Pause in der englischen Offensive ein, welche General Wolseley zur Organisierung des Verpflegungswesens und des Nachschubsdienstes ver­wenden dürfte. Bis jetzt besitzen die Engländer nämlich eine Menge Eisenbahnwaggons, aber immer noch keine Lokomotiven. Die Vorräte müssen mit den Booten der Kriegsschiffe auf dem Süßwasserkanal transportiert werden, was sehr mühsam, zeitraubend und doch nicht ausreichend ist. Am Sonnabend sind jedoch aus Bombey Lokomotiven in Suez eingetroffen. Die Eisenbahn- und die Telr- graphenverbindung zwischen Suez und Chalouf ist wieder hergestellt und wird innerhalb einiger Tage noch weiter vervollständigt werden. Die momentane Pause ist den er- stndungswütigen Korrespondenten ungelegen; im Sturm­schritt eilen sie den Ereignissen voraus und zeigen dem englischen Feldherrn, wie sie Geschichte machen würden. DieAg. Hav." vom Sonnabend erwähnt eines ihr aus Alexandrien gemeldeten Gerüchtes, daß die englische Avant­garde Kairo besetzt und eine Anzahl Gefangene gemacht habe. Die Nachricht scheine mindestens verfrüht zu sein, setzt dieAgence" selber hinzu.

DaS Thal, durch welches die Engländer ihren Vor­marsch auf Tel-el-Kebir führt, Wadi Tumilat, ist eine ziemlich bedeutende Senkung in der arabischen Wüste. Die Egyptologen nehmen an, daß in einer geologisch verfloffenen Zeit ein Arm deS Nil hier seinen Weg durch Timsahsee verliert und der Blick träumerisch das einsame Segel am Horizont verfolgt, welches hinaustreibt auf pfadloser Bahn, vertrauend dem eigenen Steuer, da bemerkte sie nicht, daß ein Mann, der den Strand hinabwandclt, plötzlich stehen bleibt und das Kind auf eine seltsame Weise anschaut.

Betroffenheit spielt in seinen Zügen mit der Neugier, immer zärtlicher blickte das Auge, und trübe Wehmut legte ihre Schatten auf seine Stirn; 18 ist, als ob der Anblick dieses Kindes in ihm Erinnerungen wecke, die das Herz mit unwiderstehlicher Gewalt erfaffen; scheu als zittere er, daß die Erscheinung wie ein Traumbild vor seinen Augen zerfließe, tritt er näher, immer näher, er redet das Kind an, schaut tu das dunkle Auge, und eS ist ihm, als habe dies Auge schon mit brennender Glut in seinem Herze« gelesen, als wäre dieser Blick derselbe, der vor Jahren ihn mit blutendem Herzen aus der Heimat getrieben.

Er frägt das Kind nach dem Namen, und fieberhaft schlagen die Pulse, als die Antwort seine Ahnung bestätigt; er streckt beide Arme aus, hebt das Kind zu sich und küßt es sein Ohr vernimmt einen leisen Schrei, daS Auge sucht den Ort, woher dieser Ton gekommen, und Anton Lindenau sieht die Geliebte wieder, die Mutter deS KindeS, das einen anderen Namen führt, als den seinen. Und das schwarze Gewand der Trauer?--

Es ist ein peinliches Gefühl, wenn das Herz über­fließen möchte und Scham dem inneren Jubel die Lippen verschließt.Suchte er dich", rief eS in der Brust Albee- tinens,da er erfahren, daß der Tod die Bande zerriffen, welche du im Trotze gegen dein Herz knüpftest, oder führt ihn ei» Zufall dir in den Weg, um dich noch un­glücklicher zu machen, als btt es warst?"

(Fortsetzung folgt).

Uebcr die Kämpfe vom 24. und 25. d. M. liegt jetzt in en an Depeschen Wolfeleys eine ausführliche Darstellung vor:

Am Abend deS 24. meldete der General dem Kriegs­ministerium: Da der Süßwafferkanal in den letzten drei r Tagen beständig fiel, glaubte ich, daß eS trotz deS Besitzes

E von Serapeum nötig fei, vorzurücken und jenen Kanal- rorj eunkt 7 Meilen westlich von Jsmailia zu besetzen, wo er mir am schwersten zu beschädigen dargestellt wurde. Ich ____ Mte vor Tagesanbruch mit der Household - Kavallerie, Land 2 Feldgeschützen, 30 berittenen Infanteristen und 100 Jn- anteristen von York und Lancaster und mit Seesoldaten >or; nach einigen Scharmützeln besetzte ich den Damm, welchen der Feind über den Kanal zwischen Magsar und Mahuta erbaut hatte und fand bald den Feind stark ver- iärkt durch seine Nachhut. Von Tel-el-Kebir konnte ich ______Züge ankommen sehen. Da ich eS nicht in Ueberein- [261 stimmung mit den Ueberlieferungen der Armee der Königin pachtete, vor irgend welcher egyptischen Truppenzahl zurück- ----zuweichen, beschloß ich, meine Stellung bis zur Ankunft lidchtl )£t erbetenen Verstärkung zu behaupten. Den ganzen Tag über hatte ich 10000 Egypter mit 10 Kanonen in der Fronte und zu meiner Rechten. DaS Feuer der feindlichen JArtillerie war gut gezielt, aber glücklicherweife feuerten die egyptischen Batterieen fast den ganzen Tag über nur ge­wöhnliche Bomben, oder wenn sie mit Shrapnels schossen, . waren die Zünder meist schlecht geschnitten worden. Die :tlrctnl feindliche Kavallerie stand in Schlachtlinie, während unsere uie,6 Pferde kurz nach dem Schiffstransporte nicht viel zu galop- l.aubt Pieren vermochten. Unsere Feldgeschütze konnten den ganzen *ctt Tag gegen die feiiidlichen nicht aufkommen, wurden aber >en 9 mutig und geschickt bedient von Leutnant Hickmann und 'M deffen Leuten, die von den Marineartilleristen unterstützt wurden. Die Verluste waren gering, die berittenen Jn- anteristen zeichneten sich besonders aus; alle Truppen be- L~bl währten sich. Ich werde morgen den Feind bei Halanhe ß6» angreifen und hoffe den dort erbauten Kanaldamm zu be- etzen. Eine zweite Depcfche General Wolfeleys vom 1 b !5. meldet: Ich rückte wiederum heute bei Tagesanbruch es a" DDti der Feind hatte feine Stellung bet Mahuta stark ver-