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ZNarburg, Dienstag, 29. August 1882.

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lanböb in bezug auf die KolonifationSpolitik viel von Eng- land zu erreichen ist - das ist.uns fraglich; England bebält da alle« am liebsten selbst; aber immerhin ist eS sowohl im Hinblick auf die Ost- als die Westgrenze Deutfch. ands angenehm, im Nordwesten einen guten Freund ober wenigstens einen freundlichen Neutralen zu haben, und schon das kann unS angenehm sein, daß sich die Allianz zwischen Frankreich und England angesichts der Pyramiden aufgelöst hat. Wenn eS gerade nicht aus dem eigenen Leder geht, so dürfte am Ende, wenns fein muß, England auch in bezug auf Kolonieen Deutschland noch etwas zu­kommen lassen. Da ist z. B. der von den Berliner M ssio- naren besetzte Teil von Afrika, ziemlich so groß wie Deutsch­land, den die Engländer noch nicht so fest besitzen vielleicht ließen sie sich den als Maklergebühr für Egypten

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T-Nlfch-S Reich.

Berlin, 26. Aug. Der „Reichsanzelger" veröffent­licht eine von Babelsberg, 24. August datierte Königliche Verordnung auf gründ des Artikels 63 der VerfassungS- urkunde, betreffend die Vertretung des Lauenburgifchen LandeSkommunalverbandeS. — Der preußische gesandte beim Vatikan, Herr Dr. v. Schlözer, ist bereits heute abend von Varzin hierher zurückgekehrt. Wenn kurze Entschlüsse nach dem Sprichwort immer auch gute Entschlüsse wären, so hätten wir ja wohl Anlaß, die Kürze des Aufenthaltes des Gesandten beim Fürsten-Neichskanzler als ein gutes »eichen zu betrachten. — An verschiedenen Einnahmen des Reiches sind für die Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis zum Schluß des Monats Juli 1882 (verglichen mit der Einnahme in demselben Zeiträume des Vorlahres) ver­einnahmt worden: in der Post- und Telegraphen-Ver- waltung 47 613 374 M. (Plus 1775 758 M.), m der Reichseisenbahn - Verwaltung 14181400 Mark (Plus 337755 M.). — Es ist darauf hingewiefen worden, das alle Personen, welche nicht in Preußen geboren und nicht als Preußen naturalisiert sind, keine Berechtigung zur Landtagswahl haben. Die Naturalisierung macht aber nicht viel Schwierigkeiten, denn das Polizeibureau verab­reicht Gesuchschemata zur Naturalisation und nach Aus­füllung derselben mit Einreichung deö Geburtsscheines und

heimuis vor ihm habe, fand jedoch bei reiferer Ueberlegung, daß ihm dadurch eine unangenehme Auseinandersetzung er« spart sei; eS schmeichelte seiner Eitelkeit, daß er einen Sieg erfochten, und daß Albertine um seinetwillen einen Kampf mit ihrem Herzen focht. , „ „

Er sah, daß er sich auf sie verlassen könne, daß sie niemals einen Fleck auf seine Ehre werfen werde, und weiter forderte er nichts.

Das Stillleben in O. war ihm langweilig geworden, sein Ehrgeiz strebte nach Rang und Würden, eS konnte ihm daher lieb sein, daß Albertine ebenfalls Lust hatte, ihre Heimat zu verlaffen.

Baron Tiefen zog mit seiner Frau nach der Residenz und feierte hier den Triumph, daß sie von den höchsten Personen gefeiert wurde, fein HauS war von fürstlichen Herrschaften besucht, und jedermann war entzückt, über die elegante und liebenswürdige Art, mit welcher die schöne, geistvolle Baronin repräsentierte.

Und Albertine? Wäre sie eine herzlose Kokette gewesen, die Triumphe, welche sie jetzt feierte, hätten ihrem Herzen jenes schimmernde Glück verleihen müssen, welches die Eitelkeit schwelgen läßt und dessen Zauber so großen Neid erweckt.

Lindenau hätte nichts besseres finden können, ihr Herz zu prüfen.

Sie war Königin aller Feste, man huldigte ihr ebenso mit übertriebener Galanterie, wie mit wirklicher Verehrung und Bewunderung; aber je beneidenswerter sie erschien, desto mehr schwand ihr Ucbermut, man bemerkte auch nicht die leiseste Koketterie, und ihre Laune gefiel sich nicht mehr in SarkaSmen. (Fortsetzung folgt).

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Illustriertes Sonnlagsblatt on allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch on den Landpostboten, entgegengenommen.

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Bismarck jetzt eben im Orient leistet. Die weltgeschichtliche Mission des „ehrlichen Maklers" wird dadurch ungemein erleichtert. Worin besteht diese Mission aber denn eigent­lich? Unseres Dafürhalten« nicht nur in der Erhaltung des Weltfriedens für die Gegenwart, sondern hauptsächllch auch für die Zukunft, und zwar durch friedliche und gerechte Abgrenzung geeigneter Kolonisationsgebiete für alle mit Kolonisationskraft begabten Mächte, einschließlich Deutsch«

der Militärpapiere erfolgt innerhalb weniger Wochen und ohne Kosten die gewünschte Naturalisation. Erst aus Grund derselben ist eine Aufnahme in die Urwählerlisten ür Nichtpreußen zu ermöglichen. — Durch Verfügung de» HandelSministers hat das Reglement für außergerichtliche Auktionatoren folgenden Zusatz erhalten: „Die Versteigerung von Waren eines Wanderlagers darf der Auktionator nur dann übernehmen, wenn ihm die Entrichtung der ©teuer für den Wanderlagerbetrieb nachgewiesen ist. — Die Rordd. Allg. Ztg." kommt aus die Rede, die der fran­zösische Abgeordnete Bert im Trocadero am 6. August ge­halten hat, zurück und erklärt die von Bert verlesene an­gebliche Proklamation des Prinzen Friedrich Karl für eine einzige freche Lüge vom ersten bis zum letzten Wort und bemerkt dann dazu: Wir meinen die, selbstverständlich von A bis Z erfundene, angebliche Proklamation Sr. Königs. Hoheit des Prinzen Friedrich Karl, welche Herr Paul Bert öffentlich zu verlesen sich erdreistete, und die u. A. zur Vernichtung sämtlicher Franzosen auffordert. Die Erfindung ist so plump, daß man billig über den Muth Paul Berts, seinen Landsleuten so etwas ausbinden zu wollen, staunen muß; selbst deren Leichtgläubigkeit in Bezug auf deutsche Verhältniffe und insbesondere auf die von deutschen Heerführern Frankreich zugefügten Leiden muß doch etwas stutzig geworden sein, als ste vernahmen, daß diese angebliche Proklamation zur Vertilgung Frank­reichs vom Erdboden und zur Vernichtung deS französischen Volkes aufgefordert haben sollte. Doch wir habm un» nicht damit zu beschäftigen, was die Franzofen den Bänkel­sängern und Marktschreiern deS Chauvinismus glauben wollen und was nicht; ebenso wenig geht daS un» etwa« au, wenn Paul Bert in einem weiteren Hauptstück seine» zum „Auswendiglernen" bestimmten Katechismus dem alten Märchen des Verrates Bazaines in Metz weitere Verbreitung zu geben versuchte; auch wenn Herr Paul Bert empfahl, die französische Jugend vor Allem in die Kennt­nis der Heldenthaten und Erfolge der französischen Armee im Jahre 1870/71 einzuweihen, so können wir von un­serem Standpunkte daran weder etwas auSsetzen, noch die französische Jugend darum beneiden. DaS Einzige, wa» uns an dieser von Paul Bert im Trocadero aufgeführten Szene Interessiert und was wir als beachtenswert bezeichnen müssen, ist der Umstand, daß dieser erfindungsreiche Redner und Chorführer eines kritiklosen Chauvinismus zu den Intimen des Herrn Gambetta gehört und unter dem für diesmal allerdings kurzlebigen Ministerium desselben Unter- richtsminister war, und daß ohne Zweifel zu erwarten steht, Herr Paul Bert werde, sobald Gambetta wieder al» Lenker des Staatsruders austreten sollte, alsbald auch wieder eine hervorragende Stellung einnehmen. Wir werden in solchem Falle denn auch nicht im Zweifel sein können, was von Herrn Paul Bert und feinem Einflüsse inner-

Origmal-Erzählung von ... .

(Fortsetzung.)

Das ist es," seufzte Lindenau, „waö mich mit Zwei­feln "quält, diese Ungewißheit foltert mich."

Anton " sagte Berwitz teilnehmend, „Du behandelst sie s'A aber"auch falsch; dieses Wesen muß anders gewonnen wer- — L-^ den. Sentimentalität ist ihrer Natur zuwider, ste will er- mit gl cbert fein. Schieße Dich mit jemanden, der sie kokett kk such! nennt, das gewinnt sie eher, als ein verliebter Schwur.

1 Lindenau antwortete nicht, die Worte deS Freundes, die seinen Zweifel bestätigten, hatten ihn trübe gestimmt und dm Kampf der Gefühle von neuem angeregt, der schon längst in seiner Brust getobt.

Berwitz reifte ab. „Sei ein Mann 1" war der Gruß, mit welchem er schied. .

„Sei ein Mann!" dies Wort klang ihm durch die Seele, er schämte sich der Schwäche und schwur diesem Zustande ein Ende zu machen. Wir haben gesehen, wie Albertine int entscheidenden Momente seinen Zweifel be­stätigte, wie er sich losriß und aufimmer 'von> ihr sch d

Ein Freund LindenauS, der In O. ansässig war, schrieb ihm, daß Fräulein v. Ernsbach so gut wie verlobt wäre, und diese Nachricht bewog ihn, nicht wieder nach O. zurück- zukehren. Er beauftragte den Freund, den Verkauf seines Gutes anzuzeigen und Sorge dafür tragen, baß es ' tinen zufiele, sobald ihre Mutter ober ihr Bräutigam den Kauf beabsichtigten. Sollte keiner von diesen bieten, dann sollte der Verkauf unterbleiben, jenen aber sollte e« für jeden Preis zufallen. ,

Das Gefühl, welches Lindenau de« Gedanken emgav, sich auf diefe Weise der ©eliebten in Erinnerung zu brin-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bnreanr oon ® L. Daube u. C». in Franlfuri a. M ; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

gen, ließ eine Ahnung sein Herz durchzittern, daß er da­durch ein Band der Erinnerung mit ihrem Herzen knüpfte, und wenn ihm ein Rachegefühl diesen Gedanken eingab, konnte er befriedigt sein; bei jedem Schritt durch einen Garten, bei jedem Blick auf die Treibhäuser mußte sie

Albert§"verlebte im Schloß Lindenau die Flitterwochen ihrer Ehe, aber ihr Herz wußte nichts, nichts von der Freude; der Rausch der Festlichkeiten betäubte das stumme Mahnen des Herzens nicht, und der Ort, den sie einst so geliebt, wurde ihr zu immer größerer Qual.

Die Reue nagte am Herzen, und daS Pflichtgefühl rief das Gewissen wach; sie suhlte, daß sie hier nicht leben könne, ohne täglich sich an dem Gelöbnis zu versündigen, das ste Tiefen vor dem Altäre geleistet. Der Baron konnte nicht lange im Zweifel über das sein, was ferne Frau so häufig zerstreut machte, daß sie kaum ferne Gegenwart be­merkte; er erriet, was in ihrem Herzen vorging, und war glücklich, als Albertine ihm dadurch entgegenkam, daß sie den Wunfch aussprach, nach der Residenz zu ziehen.

Baron Tlesen war ein Mann, der sich nicht lange über eine Sache beunruhigte, rasch entschlossen handelte und ebenso rasch vergaß, wie eS ihm leicht wurde, sich in das Unvermeidliche zu fügen. _ , u _ „ ..___

Als er die Entdeckung machte, daß in dem Herzen seiner Frau eine alte Liebe noch unter der Asche gliche, machte er sich darauf gefaßt, dem Grasen Lindenau, wenn er zurua- kehrte, entweder daS Haus zu verbieten, oder wenn eS nötig sein sollte, sich mit ihm zu schießen; als er aber sah, daß Albertine da« ihrige that, um gewaltsam mit der Erinne­rung zu brechen, war er beruhigt, er fühlte sich im ersten Augenblick unangenehm berührt, daß seine Frau ein Ge­

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Deutschland und England.

bezug auf die freundliche Haltung Deutschlands egenüber in der egyptischen Frage schreibt man der „Neuen ^'^Währen/ fast jedermann auf einen oberflächlichen Schein hinnahm, das Wesen der deutschen Freundschaft ' die Türkei bestehe in einer stillen Parteinahme gegen

berseUEngland, überrascht der Fürst Bismarck in der egyp chen '■fraae die Welt durch offenbare Akte der deutsch-englischen Freundschaft. Da die egyptlsche Frage aber die orien­talische Frage ist, so stehen wir angesichts dieses unver- fehung muteten Einvernehmens vor den Anfängen einer meltmirt« i ©ult Stilen Allianz zwischen England, der mäch igs en kosten, th reis Kolonial- und Seemacht, und Deutschland, der mächtigsten I ------

selbe I Landmacht und Kolonisationskraft. Führte nicht der jefeige r zurü deutsche Reichskanzler, sondern ein Minister gewöhnlichen

Schlages unsere auswärtigen Geschäfte, so brauchte man an diese Allianz keine in die überseeische Zukunft Deutsch­lands dringende Gedanken zu verbinden; man würde das freundliche Einvernehmen beider Mächte in Konstantinopel und Egypten für eine gelegentliche Blasenbildung diplo­matischer Fachkünste halten, wie das auch letzt die meisten Zeitungen thun, ohne dabei an die weltwirtschaftliche Trag­weite für Deutschlands kolonlsatlons - politische Zukunft zu idenken. Mit Hinblick auf den ganzen weitsehenden Charakter der Bismarckschen Politik, mit Hinblick auf die überseeischen Bedürfnisse Deutschlands und endlich mit Hinblick auf die augenblicklichen Konjunkturen der Weltlage müssen wir an cv U dm neuesten Zug Bismarcks einen höheren Maßstab legen, hccher d. h. darin neben der Freundschaft mit der Türkei einen fi wichtigen und folgenschweren Schritt nach dem Ziel einer eigenen deutschen Kolonialpolitik erblicken.

In England selbst wird die deutsche Freundschaft einen um f0 tieferen Eindruck machen, als man dort im Gegen­satz zu Deutschland sehr gut weiß, daß die sogenannte Un­angreifbarkeit Englands nur ein Märchen ist....

Die Engländer sind ganz genau von dem Gegenteil [i überzeugt. Einen desto tieferen Eindruck wird auf ihren auu 1 Verstand und ihre Empfindung der unerwartete, weil hrer- “n'b F, feite unverdiente Freundschaftsdienst machen, den ihnen

Buchdruckerei) bezogen 2‘/t ®ler,'g^ fn bcr Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme^oN-AdrefseN-werden^85^M^erech^

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