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Marburg, Sonntag, 27. August 1882

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wo all das Zwiespalterregende und Trennende in unserem Volke ruht und wir doch alle erkennen und bekennen müssen, das wir Glieder einer großen Familie sind, die auch große gemeinsame Interessen hat und vertreten muß, wenn sie ferner wachsen und gedeihen soll.

In diesem Sinne mag jede Stadt und jedes Dorf im deutschen Reiche am zweiten September die National­feier begehen und dieselbe auch unseren Kindern erhalten bleiben. Großartiger, theatralischer Festlichkeiten, die ohne­dies dem deutschen Geiste in ihren Uebertreibungen zuwider sind, bedarf cs zur Feier des Nationaltages nicht. Es lasten sich zu diesem Zwecke in Kirchen, Schulen und Kor­porationen einfachere und würdigere Feierlichkeiten finden und im übrigen begehe jede deutsche Gemeinde das National­fest in ihrer Weise und nach ihren Verhältnissen.

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Unsere Rationalfeier.

Hinblick auf den nun zum zwölftenmale heran- nabenden 2. September, welcher Tag mit ebenso blutigen als ruhmreichen Lettern in der Geschichte der deutschen Nation cingegraben steht, halten wir es geboten, schon vorher einiges über den Wert und die Bedeutung dieses Tages zu sagen. Daß der 2. September fort und fort als ein Ehrentag von unserer Nation begangen werden muß, darüber kann in keinem patriotischen Herzen irgend ein Zweifel bestehen, und für alle schüchtern oder kosmo­politisch angelegte Geister sagen wir auch gleich im voraus, daß wir den 2. September nicht als einen Tag blutiger Erfolge, als einen Triumph über Frankreich feiern wollen, sondern lediglich als einen nationalen Festtags wie cö der Patriotismus, die Dankbarkeit und die Weisheit verlangen. Oder sollten wir die hunderttausend deutsche Jünglinge und Männer, die im Kriege 1870/71 für das Vaterland geblutet haben, jemals vergessen können? Und müssen wir nicht auch Hunderttausende von Kämpfern ehren, die vor zwölf Jahren gegen Frankreich kämpften und glücklich heim- kchrten. Und brauchen wir nicht auch für unsere Jugend, die doch auch einmal in das Heer etntreten und leicht das Vaterland verteidigen muß, ein leuchtendes Beispiel der Verehrung gefallener Helden.

Eine kriegerische, feindselige Bedeutung für das Ausland hat unsere Feier des zweiten Septembers also durchaus nicht, es handelt sich lediglich um ein Freuden- und Dankes- fest über die Wiederherstellung deS in tausendjähriger Ohn­macht gelegenen deutschen Reiches, auch schlagen wir an dieser Stelle vor, die Feier nicht „Sedanfest" oder „Sedan­tag", sondern „Nationalfest" zu nennen, damit ist die Empfindlichkeit unserer Nachbarvölker, zumal diejenige der Franzosen geschont, gleichzeitig aber auch in unserem Volke der Feier eine weitere Bedeutung untergelegt. Und wahrlich außer den bereits erwähnten Motiven haben wir auch noch eine andere große Ursache eine Nationalfeier zu begehen. Wie viel politische, wirtschaftliche und soziale Bestrebungen üben doch einen trennenden Einfluß auf unsere Volkskrcise aus, müssen wir da nicht einen Tag im Jahre hochschätzen,

Ei« Fraueuherz.

Orignial-Erzählung Mn ... .

(Fortsetzung.)

Acht Tage vor dem Balle, auf welchem der Bruch er­folgte, erhielt Graf Lindcnau den Besuch eines UniversitätS- freundeS.

Herr von Berwitz berührte O. nur auf der Durchreise; er wohnte bei dem Freunde und war überrascht, Anton in einer gedrückten Stimmung zu finden, die derselbe vergeblich zu verbergen sich bemühte.

„Du bist verliebt, gestehe eSl" lächelte der Freund, als sie im Park promenierten; „mir ging es ebenso acht Tage vorher, ehe ich meine Frau um ihr Jawort bat. Der Zu­stand ist unerträglich; mache Deinen Antrag, besser zu früh, als zu spät. Man muß Courage haben und in's Ehejoch springen, sonst wird man hineingcspannt; also beichte, wie steht's?"

Anton erzählte, wie er Albertine wiedergesehen, wie er geglaubt, ihr Herz gewonnen zu haben, und jetzt an ihr irre geworden sei. l „

Berwitz schüttelte den Kopf. „Entweder, sagte er, als Anton geendet, „ist sie wirklich kokett, oder sie spielt mit Dir. Vor einer koketten Frau behüte Dich Gott; wenn aber ein Weib mit einem Manne spielt, so trägt dieser die Schule. Du mußt ins klare kommen, heiraten oder ab« brechen, ich rate zum letzteren, denn da Du schon jetzt, oder fivch jetzt an ihr zweifelst, hast Du sie entweder Dir für immer verdorben oder sie ist Deiner nicht wert. Hat man dem Weibe einmal Gewalt über sich gegeben, so bleibt man untem Pantoffel."

„Den fürchte ich nicht," entgegnete Lindenau, „denn ich werde nach ihrer Hand nur dann streben, wenn ich

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auch Rußland interessiert sich für diese Waren, doch wird der Export dorthin durch den enormen Zoll sehr einge­schränkt. In Italien, der Schweiz, Holland und Skandinavien gewinnt das deutsche Fabrikat gleichfalls immer mehr an Boden; daß aber die Hoffnung auf ein regelmäßiges Absatzgebiet in Oesterreich-Ungarn, wie man in den letzten Jahren gehofft, nicht realisiert worden, liegt an dem an und für sich hohen Zoll und vor Allem an der Art der Erhebung. Man klagt darüber, daß fast kein Geschäft dorthin flott geht, bei jeder Gelegenheit vielmehr bei der Verzollung Schwierigkeiten gemacht werden. Wenn nun im ganzen trotz alledem diese Industrie sich stetig hebt, so erkennt man darin eben mit Dank und Segen der neuen Zollgesetzgebung. — Der Handwerkerverein zu Schleswig, nicht zu verwechseln mit den dort bestehenden Innungen, hat durch seinen Vorstand Abänderungs-Vorschläge zum Submissionsverfahren ausarbeiten lassen und dieselben der König!. Regierung, der Militär- und Provinzialverwal« tung, sowie dem Magistrat als Petition überreicht. Diese Vorschläge besagen: 1. daß in Zukunft die Submissionen nicht in Generalentrcprise, sondern im einzelnen nach den verschiedenen Haudwcrkerpositionen ausgeschrieben und ver­geben werden; 2. daß die Submissionsausschreibungen immer so klar gehalten und durch Zeichnungen unterstützt werden, daß sie die Art und den Umfang der einzelnen Arbeiten deutlich erkennen lassen; 3. daß die Uebertragung der Arbeiten au den Mindestfordernden grundsätzlich aus­geschlossen werde, dagegen unter denjenigen Submittenten die Auswahl getroffen werde, deren Preisforderungen dem Durchschnitt der abgegebenen Offerten am nächsten oder zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Gebot in der Mitte liegen; 4. daß bei nicht wesentlichen Preisunter­schieden vornehmlich diejenigen Submittenten berücksichtigt werden, die ihren Wohnsitz an dem Orte haben, wo die betreffende Arbeit ausge'ührt werden soll; 5. daß als Sub­mittenten nur solche Handwerker zugelassen werden, die einer Innung angehören. — Bezüglich des Mischehen- Proklams schreibt heute die „Germania", „dasselbe sei nur für den Delcgaturbezirk Brandenburg-Pommern be­stimmt gewesen, um durch dasselbe in diesen Gegenden, wo die Katholiken nur vereinzelt leben, den verderblichen Wirkungen des Zivilstandsgesetzes zu begegnen und der katholischen Bevölkerung dadurch das Proklam der kirch­lichen Ehe recht klar und wirksam vor Augen zu führen. Das Proklam ziehe deshalb aus der tridentinifchen Ehe- fchließungsform für katholische und Mischehen die nötigen Konsequenzen; es habe auch wohl verhindert, daß der antikirchliche Sturm der Kulturkampfsperiode in den katho­lischen Gemeinden keinen größeren Schaden gethan habe. Nachdem diese Befürchtungen nicht mehr beständen, die Ansichten des Volkes über die Zivilehe sich geklärt hätten

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlaiteS, sowie d.Annoncen-Bureaux oon @ L. Daube n. Co. in Frankfurt a. M; Jigerfche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendant in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; E- Schlotte in Bremen.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. Aug. Der „Post" und der „Kreuz- Zeitung" zufolge hat der Kaiser das Abschiedsgesuch deö Kommandeur« des Gardekorps, des Prinzen August von Württemberg, nunmehr bewilligt. — Der „Reichsanzeiger" bringt folgendes Telegramm aus Port Said: Der Suez­kanal ist für die Kauffahrteischiffe wieder offen; jedoch ist die Durchfahrt wegen der darin befindlichen 50 Kriegs­und Truppentransportschiffe sehr erschwert. — Es ist von großem Intereste, den Wirkungen der neuen Zollgesetz­gebung nach allen Seiten hin nachzugehen, und eS ist dabei erfreulich, diese Wirkung als eine gute anerkannt zu sehen. So wird aus einem Kreise, in welchem namentlich die Tuch- und Buckskinindustrie blüht, aus dem Kreise Koti- bus, berichtet, daß in der vorjährigen Kampagne gegen die vorangegangenen Jahre eine entschiedene Besserung zu ^er­kennen war, wenn auch das Resultat noch kein grade glän­zendes zu nennen gewesen. Aber nicht zu leugnen ist, wie man von dort her schreibt, daß die jetzige Zollgesetzgebung den dortigen Fabrikanten sehr zu statten kommt. Die Einfuhr englischer Ware ist auf einen verschwindenden Bruchteil des früheren deutschen Konsums reduziert, nament­lich Winterware. Aber auch Sommerware wird auch nicht annähernd mehr in der Menge eingeführt, wie beispiels­weise noch vor drei Jahren. Der auf fremde Ware er-' hobcne Zoll sichert der einheimischen Industrie bei gleicher Leistungsfähigkeit immerhin einen, wenn auch durch die geringe Höhe des Zolles, namentlich auf feinere Ware, nicht allzubedeutenden Vorsprung. Daher hebt sich auch für jenen Kreis, dessen Fabrikate durch anerkannte Soli­dität und Rcellität sowie durch Billigkeit und geschmackvolle Ausführung den englischen Waren daö Terrain mit Erfolg streitig machen, der Export. So hat die Ausfuhr nach Nordamerika einige dortige Fabriken reichlich beschäftigt;

überzeugt bin, daß sie mich liebt. Aber dies macht mich unruhig; ich zweifle, ob sie überhaupt einer Liebe fähig ist, wie ich sie verlangen muß, um auch sie glücklich machen zu können. Ich will das Weib, was ich liebe, achten, ich muß an die Wahrheit seines Gefühls glauben, und Alber- tinens Wesen ist zuweilen derartig, daß ich an ihrem Ge­fühl überhaupt zweifle."

„Und dennoch liebst Du sie?"

„Ich liebe bis zur Schwärmerei, liebe so sehr ohne Egoismus, daß ick mein Glück opfern könnte, um sie glücklich zu sehen. Zugleich ist es mir, als fordere meine Liebe schon jetzt dies Opfer, als könne ich dadurch, daß ich meine Bewerbung aufgebe, ihrem Herzen näher treten, ihr ein Freund sein; aber dies zu vermögen, bin ich zu schwach; ich kann sie nicht sehen, ohne daß mir mein Herz zittert; ihr gegenüber bin ich schwach wie ein Kinv, und wenn ich einsam bin, dann schäme ich mich dessen. Die Vernunft sagte es mir längst, was Du mir geraten, jeden Tag bin ich entschlossen, ihr mein Herz zu öffnen und das ent­scheidende Ja oder Nein zu fordern; aber wenn ich beginne, meinen Vorsatz auszuführen, so hat sie schon erraten und macht eS mir dadurch unmöglich, daß sie einen Ton an­nimmt, der jedes ernste Gespräch zurückweist."

„So gehe auf ihre Scherze ein und sage Deine Er­klärung mit lachendem Munde."

„Dazu ist mir das Gefühl zu heilig; in solchem Augenblick könnte ich einen Scherz von ihr nicht ertragen."

„Wenn sie Dich liebt, wird sie nicht scherzen, sobald Du ernsthaft redest."

„Deshalb muß ich warten, bis ich ihrer Neigung ge­wiß bin."

„Lieber Anton, wie Du sie schilderst, wird sic ihre Gefühle so lange verbergen, bis Du das Ja forderst. Es

"sin«iaen nimmt entgegen: l^di- Expedition d. Blattes.

1 f omie d-Annoncen-Bureaux i o. Th- Dietrich u. Co. in ! Staffel und Hannover; Th.

"I Dietrich in Frankfurt a.M ;

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gibt Frauen, deren Gefühl erst durch ein Geständnis warm wird."

„Ein solches Weib möchte ich nicht zur Frau. Liebe muß aus dem wärmsten Gefühl kommen, aber nicht durch Eitelkeit gedeihen. Ich würde ein schlechter Gatte werden für eine eitle Frau."

„Kann ich die Dame sehen?"

„Ich wollte Dich schon fragen, ob eS Dir Vergnügen macht, heute den Castnoball zu besuchen; dort könnte ich Dich ihr vorstellen."

Berwitz sagte zu, und als die Freunde in später Nacht vom Balle heimkehrten, bedurfte es keiner Anregung von feiten Lindenaus, um Berwitz sein Urteil über Albertine fällen zu lasten. „Der Mann," sagte er feurig, „welchen dieses Mädchen liebt, ist zu beneiden, und ich verzeihe Dir jede Thorheit, die Du um ihretwillen begehst. Sie wird dich nicht allein unglücklich machen; denn sie hat eine Art zu bezaubern, die hinreißend ist und zu dem Glauben ver­leitet, daß sie denjenigen liebt, den sie anredet. Wenn ich frei wäre, könnte ich sie anbeten und mich mit Dir um ein Lächeln schießen, aber zur Frau möchte ich sie doch nicht haben, ich würde toll vor Eifersucht."

„Du findest, daß sie absichtlich kokettiert, daß sie sich darin gefällt, Wunden zu schlagen?"

„Sie macht diesen Eindruck, aber um ein Urteil zu fällen habe ich sie zu kurze Zeit gesehen. Von Einem bin ich jedoch überzeugt, und das muß ich Dir als Freund sagen, magst Du eS mir übel nehmen oder nicht: sie weiß, daß Du sie liebst und verspottet Dich; st- versteht ent« weder ein tiefes Gefühl wie Du cs hegst, gar nicht, oder sie weiß es nicht zu würdigen."

(Fortsetzung folgt).