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Marburg, Freitag, 25. August 1882
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Ein empfindliches Versehen ist von der englischen Armeeleitung bet Einschiffung des Expeditionskorps in Alexandrien begangen. Alles Eiscnbahnmaterial, wie schon damals die Berichte hervorhoben, wurde mitgenommen; aber man hat die Maschinen vergessen. Eine Depesche General WolseleyS aus Jsmailia vom Montag sagt, die Truppen würden so rasch als möglich auSgeschifft; auch habe er eine genügende Menge Wagen zur Zusammensetzung eines Eisenbahnzuges zusammenbringen können; es fehle ihm aber an einer Maschine. So ist in einem Augenblick, wo alles von Schnelligkeit abhängt, in die Operationen empfindliches Stocken gekommen, das für Arabi von großer Bedeutung werden kann. Ehe die Maschinen von Alexandrien anlangen, hat er nun vollauf Zeit, nach der veränderten Sachlage seine Dispositionen zu ändern und die Hauptmacht nach der bedrohten Linie vorzuführen. Zwar veröffentlichen die Londoner Abendblätter am Montag eine Depesche, in welcher das Gerücht, Arabi wolle seine Truppen zurückziehen, für unrichtig erklärt wird; Arabi befestige im Gegenteile seine gegenwärtigen Positionen und werfe neue Erdwerke auf. Aber sie sind gar nicht im stände zu beurteilen, ob das Hauptkorps der Egypter zurückgeblieben ist. Selbstverständlich wird Arabi Kafreldofar mit einem Teil seiner Truppen behaupten und es noch mehr befestigen lassen, um die englische Division in Ramleh zurückzuhalten. Ueber die Zahl der dort noch vorhandenen Truppen haben die englischen Rekognoszierungen nichts ergeben; auch Dienstag nachmittag unternahm eine kleine, etwa 600 Mann zählende englische Truppenabteilung vom Bahnhofe von Gabrial bei Ramleh aus eine Rekognoszierung gegen die Stellung der Egypter. Gleichzeitig wurden die Egypter von der auf dem Hügel der Wasserstation postierten englischen Artillerie beschossen; die Egypter erwiebertcn, das Geschützseuer erst nach der dritten Salve, die Engländer brachten darauf vor den Linien von Ramleh schwere Geschütze ins Gefecht.
Von weiteren Ereignissen auf dem Kriegsschauplatz am Kanal wird bis jetzt nur gemeldet, daß die englischen Truppen Serapeum (20 Klm. südlich von Jsmailia), welches die Egypter verlassen hatten, am Dienstag besetzten. Auf dem Suezkanal fuhren vier Kanonenboote auf und ab, welche das Gestade von Arabern säuberten, die nach allen Richtungen flohen. In Nefishe fanden die Truppen viele Tote und zahlreiche Geschütze; letztere waren zum teil demontiert, zum teil zum Weitertransport durch die Eisenbahn nach dem Innern des Landes fertig gestellt und dann von den Egyptcrn bei dem Eindringen der Engländer im Stiche gelassen. Nach einem Berichte aus Suez vom 22. wurden etwa 12 Engländer vom Sonnenstich getroffen; der englische Admiral bat den französischen Konsul, die Fürsorge für die Erkrankten zu übernehmen, welchem Ersuchen der Konsul auch entsprach.
Der Khedive hat ein neues Dekret erlassen, in welchem den egyptischen Behörden empfohlen wird, dem General Wolseley, welcher gekommen sei, die Ordnung und Ruhe in Egypten wiederherzustellen, Gehorsam zu leisten. Die zur Begleitung der englischen Expeditionstruppen bestimmten egyptischen Offiziere haben sich gestern über Port Said zu den englischen Truppen begeben.
Die Handelsschiffe passieren den Kanal wieder, gegen die Verzögerung der Fahrt wurde von denselben Protest erhoben. Auch LessepS giebt jetzt seinen zwecklosen Widerstand auf. In einer aus Port Said am 21. d. Mts. nach Paris gerichteten Depesche sagt er, da die Ausschiffung von englischen Streitkräften in Port Said und Jsmailia eine vollendete Thatsache sei und nachdem ein modus vivendi hergestellt sei, der einen regelmäßigen Betrieb des Verkehrs auf dem Kanal gestatte, werde er demnächst nach Paris zurückkehren. Die Gerüchte von seiner Erkrankung erklärt er selber für unbegründet.
Die Proklamation des General Wolseley an die Egypter wird jetzt im Wortlaut bekannt. Sie lautet sehr anders als jener abgeschmackt dürftige Auszug:
Der die britischen Streitkräfte befehligende General wünscht bekannt zu machen, daß der Zweck Ihrer Majestät Regierung in der Entsendung von Truppen nach diesem Lande die Wiederherstellung des Khedives ist. Die Armee kämpft demnach nur gegen diejenigen, welche in Waffen gegen Se. Hoheit stehen. Alle friedlichen Einwohner werden mit Güte behandelt und ihnen, ihrer Religion, ihren Moscheen ober ihren Familien keine Gewalt angethan werden. Ihr Eigentum wird geachtet werden. Für irgend welche Vorräte, welche erforderlich sein dürften, wird Zahlung geleistet werden, und die Einwohner werden eingeladen, dieselben herbeizubringen. Der kommandierende General wird sich freuen, Besuche von den Häuptlingen zu erhalten, welche willens sind, in der Unterdrückung der Rebellion gegen den Khedive, den vom Sultan ernannten Herrscher Egyptens, behilflich zu sein.
Aus Kairo fehlen seit mehreren Tagen alle Nachrichten. Am Dienstag ist auch die Telegraphenverbindung mit Konstantinopel, angeblich durch die Engländer, unterbrochen. Tulba Pascha, ein Mann von schlimmem Einfluß auf Arabi, der auch den Befehl zur Plünderung und Einäscherung Alexandriens gegeben haben soll, ist in Kairo gestorben.
Große Besorgnis herrscht in den Kreisen aller Altertumskundigen über das Schicksal deö Museums von Bula bei Kairo, dessen Sammlungen von unvergleichlichem Reichtum und unschätzbarer Bedeutung für das egyptische Altertum sind. Die „Nat.-Ztg." glaubt nach eingezogenen Erkundigungen versichern zu können, daß das Museum bis jetzt intakt geblieben ist, wie überhaupt Exzesse in Kairo noch nicht vorgefallen sind. Gefahr würde die Sammlung
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Mu Fraueuherz.
Orignial-Erzählung von ... .
(Fortsetzung.)
Die Besitzung, welche Lindenau vor den Thoren ihrer Vaterstadt hatte, war ein LieblingSort Albertinens gewesen, und manche Veränderungen in dem Park hatte der Graf nach ihren Angaben getroffen. Dort befanden sich die schönen Treibhäuser, welche er für die Bälle plünderte, und die MooSrosen, welche ihr allein Blumen spendeten. Lindenau wußte, daß sie diesen Ort liebte, den er der ganzen Stadt als Sonntagspromenade gestattete, und wie oft hatte er davon gesprochen, ihr hier ein kleine« Paradies zu schaffen!
Es sollte in fremde Hände übergehen, was sie als zweite Heimat betrachtete; konnte er damit etwas anderes wollen, als das letzte Band der Erinnerung zerreißen?
Albertine war Braut. DaS Glück schien von ihrer Stirn zu strahlen, aber zuweilen war eS, als werde sie von einem seltsamen Schauder befallen. Die Stirn um- wölkte sich, das Auge starrte vor sich hin, dann schrack sie plötzlich auf, als erwache sie aus einem Traum, und antwortete dem besorgten Bräutigam lächelnd, „e« ist nichts, und wurde heiter bis zur Ausgelassenheit.
Am Hochzeitsmorgen brachte ihr Tiesen ein Bouquet von MooSrosen. Schon bei dem Anblick der Blumen war sie erbleicht, sie prüfte das Bouquet, und ihre Hand zitterte; solche Blumen hatte niemand in der Stadt, sie waren aus Lindenaus Garten.
Der Blick der Mutter brachte sie wieder zu sich; Albertine fühlte, daß sie nahe daran gewesen, das Geheimnis zu verraten, welche« sie tief in ihrem Herzen verschlossen.
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einem anderen gehört? — Du bist ihm Wahrheit schuldig, ehe Du vor Gott das Gelübde ablegst, mache Dich nicht elend durch falsche Scham."
„Ich bin nicht unglücklich," rief sie, nach Fassung ringend, und versuchte zu lächeln, „es war nur eine Schwäche, sie ist vorüber."
„Tinchen — ich beschwöre Dich! "
„Es ist vorüber!" und ihre Stimme klang rauh, „eö ist Thorheit, daß ich an ihn denke."
Damit streifte sie sanft den Arm der Mutter ab, ging auf Tiefen zu und reichte ihm die Hand.
Bleich, aber stolz aufgerichtet wie eine Lilie, trat sie vor den Altar.
Als die Ceremonie vorüber war, sank sie laut schluchzend an die Brust der Mutter. „Glaube mir," flüsterte sie, „ich hoffe noch glücklich zu werden. Nie, niemals hätte mein Stolz es vermocht, Jemanden die Hand zu reichen, der mich verstoßen konnte. Ich habe ihn geliebt, aber ich will ihn vergessen."
„Das ist jetzt Deine Pflicht," seufzte die Mutter, „Gott möge Dir helfen!"
Das Verhältnis, in welchem Graf Lindenau zur Familie Emsbach stand, ist genügend angedeutet worden. Anton, Graf Lindenau war der einzige Sohn des Grafen Kurt, der ein Kriegskamerad des Herrn von Emsbach gewesen. Anton hatte in früher Jugend seine Mutter verloren, und der vertraute Umgang, welcher zwischen seinem Vater und der Famile Emsbach bestand, ließ ihn Frau von Emsbach fast wie eine zweite Mutter betrachten; denn bei ihr holte sein Vater sich in allen Dingen Rat, für welche früher seine Gemahlin Sorge getragen hatte.
(Fortsetzung folgt.)
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C«. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invaliden»-ort in
Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in
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Illustriertes Sonntagsblatt von allen Post-Anstalten, anf dem Land- auch den Landpostboten, entgegengenommen.
Egypten.
Wenn die Pforte jetzt dem siegreichen England plötzlich it neuen Bedingungen entgegentritt, mit solchen, deren rörterung der englische Unterhändler für Zeitverschwendung rklärt, so läßt sich fast nur annehmen, daß der Sultan ine Militärkonvention und eine türkische Beteiligung am (2241Lricge nun überhaupt nicht mehr will. Aufhalten kann die Ereignisse nicht mehr, noch weniger sie nach seinem unsch lenken; so will er sich wenigstens in den Augen mnhamedanischen Welt das Gehässige einer derartigen ampfgenossenschaft ersparen. Er soll sogar gegen Eng- nd äußerst aufgebracht sein. Auch die Anhaltung eine« t das britische Heer tu Smyrna angekauften Maultier- ?,„I;' ?^anspyrts weist auf eine hochgradige Spannung. Anderer- .oensjapter,^ . Dienstag der „Vakit" wegen eines gegen
M.^^Ungland gerichteten Artikels unterdrückt worden. An dem- t '(6en Tage begaben sich Ahmed Effad Pascha und Mumir
„Du kennst diese Blumen, sagte lächelnd Tiefen, der ihre Bewegung nicht bemerkt hatte, da er voll von der Ueberraschung war, die er ihr bereiten wollte; „ich habe da« Gut gekauft, welche« Du so gern besuchst, und bringe es Dir zur Morgengabe."
„Du hast es gekauft!" tief sie in einem so eigenen Tone, daß er bestemdet aufschaute, und daß sie selbst davor er- schrack. „Ich glaubte Dich nicht so vermögend," setzte sie errötend hinzu, „das ist zu viel!"
„ES ist ja für uns beide," erwiederte er. „UebrigenS habe ich auch bei dem Kauf Glück gehabt. ES waren bereit« fünzigtausend Thaler geboten, als eS plötzlich hieß, Graf Lindenau wolle nicht verkaufen. Gestern wurde mir das Gut für die Hälfte angeboten. Der Graf scheint Geld nötig zu haben."
Albertine schaute bei diesen Worten unwillkürlich auf ihre Mutter und sah in dem Auge derselben eine Thräne perlen. Der trübe Blick der Mutter ließ ihr keinen Zweifel, daß sie dasselbe fühlte, was ihr Herz in diesem Moment überwältigend ergriff: Lindenau verkaufte nur, damit sie in dem Hause wohne, das er für sie eingerichtet, und das ihr so lieb von Kindheit an gewesen, und wo Lindenaus verstorbener Vater sie so oft scherzend die zukünftige Herrin von Lindenau genannt.
Sie vermochte eS nicht, die Thränen ins Auge zurück« zudrängen, kein Wort der Erklärung dem betroffenen Baron zu geben; Alles, was sie seit jenem Tage gefühlt, wo Lindenau von ihr geschieden, bestürmte das Herz und ließ e« bluten.
„Du bist unglücklich;" flüsterte die Mutter, während Tiefen auS Zartgefühl zurücktrat; „noch ist es nicht zu spät — Tinchen, soll ich e« ihm sagen, daß Dein Herz
[tueigen nimmt entgegen: Expedition d. BlatteS, owied.Anuoncen-Bureaux 0. Th. Dietrich u. Co. rn «asset und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M-. Berlm Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frankfurt a. M- io.
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BuÄ.1, ck e?ei) bez°aen^S?. ^rark?durch die Postämter des Deutschen Reiche« 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.» - Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Buchdeuckere.) bezogen 4»karr, °urq u ^heilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-
kt) zu Lord Dufferin, um demselben im Namen des Mans eine persönliche Mitteilung zu machet,.
i Die offiziöse „Polit. Korr." bringt an der Spitze ihrer hieften Nummer folgendes Kommunique: „Wie man nnS jus Berlin meldet, erblickt man daselbst in maßgebenden Kreisen in der durch die englischen Truppen vollzogenen Zesetzung von Port Said, Kantara und Jsmailia eine laturgemäße Konsequenz der nunmehr mit vollem Ernste ^«/röffneten militärischen Operationen Englands, für welch ere EinM letzteres erklärlicher Weise jene strategische Basis zu gewinnen 12^ suchte, welche durch das einstimmige Urteil aller Fachmänner 1 die sicherste und geeigneteste bezeichnet worden war."
---)as offiziöse Organ setzt dieser Mitteilung folgende weitere ■■ .nzu: „So weit unsere Informationen reichen, scheinen inenlarfa lch in dieser Auffassung, welche auch in hiesigen (Wiener) ULOIdfle jplomatischen Kreisen allseitig geteilt wird, die Kabinette sicht, von,u begegnen. Es wird zugleich daraus hingewiesen, daß r Nervender den Reserven, mit denen das Kabinett von St. James • F"nst(dem bekannten Konserenzbeschlnsse in betreff des Suezkanals reitet von curQt, eine dahin gelautet hatte, baß der Freiheit der eng- lin, Neue^chx,, Truppen in ihren militärischen Operationen durch Per Psb. Den itt g^be stehenben Konferenzbeschluß kein Abbruch ge- (Malzx schien darf." ährmitto * ............ ■