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Marburg, Donnerstag, 24. August 1882

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Der Khedive spricht darin den Wunsch aus, die egyptische Negierung möge zur Beruhigung der durch daS Massacre, die Plünderung und die Brandstiftung so schwer heim- gesuchten Bevölkerung Alexandriens unverzüglich ihre Be­reitwilligkeit kund geben, eine Entschädigung aller entstan­denen Verluste unter entsprechenden, künftiger Bestimmung vorzubehaltenden Bedingungen, soweit die finanziellen Mittel des Landes es gestatten, eintreten zu lassen. Dieselbe Nummer desMoniteur Egyptien" veröffentlicht eine am 7. August vom Khedive an das egyptische Volk und Heer erlassene Proklamation, durch welche jedermann, der in Zukunft Arabi Pascha als Genosse dienen, ihm in seinen Unternehmungen behilflich sein oder seinen Befehlen gehorchen würde, zum Rebellen erklärt und mit der Strafe eines Rebellen bedroht wird. DerReichsanzeiger" schreibt: Amtlichen Nachrichten auS Port Said zufolge ist wahrend der seit dem 20. August sich vollziehenden Besetzung des Suezkanalö durch die englischen Streitkräfte der Verkehr auf dem Kanal wegen des engen Fahrwassers für die Handelsschiffe untersagt. Anknüpsend an ihre neulichen Mitteilungen über die verbessernden Bestrebungen innerhalb der Staatsforstverwaltung können dieB. P. N." melden, das, vom Neichslande Elsaß - Lothringen auS die Organi­sation des forstlichen VercinSwcscnS für das Reich angeregt wird. In diesem Sinne hat die in voriger Woche in RappoltSweiler stattgcfundcne General - Versammlung deS elsaß-lothringischen Forstvercins auf Antrag des Oberförsters Ney-Hagenau eine Resolution für Gründung eines Reichs- Forstvereins gefaßt. Die anfangs nächsten MonatS in Koburg tagende Versammlung deutscher Forstwirte wird dieser Angelegenheit eingehende Aufmerksamkeit zuwenden. Eine für die Städte der preußischen Monarchie hochwichtige Entscheidung hat, denB. P. N." zufolge, neuerdings der Finanzminister Scholz getroffen.' Bisher waren Me Städte, welche Wasser gegen Bezahlung an das Publikum abgaben, zur Gewerbesteuer herangezogen worden, da von der Er­wägung ausgegangen wurde, daß in. dem Verkaufe des Wassers an Private das Merkmal eines steuerpflichtigen Gewerbebetriebes zu finden und die daraus erzielte Ein­nahme als ein gewerblicher Gewinn anzusehen sei. Nur in den Fällen, in welchen das Merkmal der sanitären Ein­richtung, wie z. B. bei Berlin die Kanalisation, für die Freilassung geltend zu machen war, wurde von der Ver­anlagung zur Gewerbesteuer abgesehen. Der Finanzminister hat nun mittels Zirkularversügung die königlichen Regie­rungen dahin angewiesen, die von Gemeinden betriebenen Wasserwerke in Zukunft allgemein von der Entrichtung der Gewerbesteuer zu befreien, gleichviel, ob die Anlage- und Betriebskosten direkt aus Gemcindcmitteln bestritten oder durch Bezahlung deö gelieferten Wassers aufgebracht werden. Der Herr Minister ist hierbei von der Erwägung aus­

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Nr 198

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Albertine wußte Keinen, den sie bevorzugte; sie hatte mit Vielen getändelt, um Lindenaus Eifersucht zu erwecken; also mochte derjenige sein, der am wenigsten Liebe ver­langte; die Hoffnung, glücklich zu werden, hatte sie ja auf» ^^Albertine dachte nach. Seit dem Augenblick, wo sie mit dem Gedanken vertraut geworden, ließ er ihr keine Ruhe. Sie dachte nicht an die Zukunft, dachte nicht daran, daß eine Ehe für's Leben bindet, sie dachte nur an den Tag. an dem ihre Verlobungsanzeige in den Zeitungen stehen und Lindenau das Blatt in die Hand bekommen würde.

Unter den Verehrern des schönen Mädchens waren vier, welche ihr deutlich den Wunsch zu erkennen gegeben hatten, nch um ihre Hand bewerben zu dürfen. Zuerst der Hu­sarenoffizier Baron M . . .Aber nein," sagte das wider­strebende Herz,er trägt die Schuld, daß du Lindenau verletzt hast, überdem ist er eitel, hochmütig, geckenhaft"

Herr v. B...? nein, ist verschuldet er soll spielen.

Graf K ...? Der ist unausstehlich süß."

Baron Tiesen von der Gesandtschaft? Er ist em Courmacher und sucht eine reiche Frau, die zugleich reprä­sentiert; übrigens scheint er auch in Fräulein von A . . . verliebt." , .

Und wenn du wolltest, würdest du nicht über Fräulem v. A. triumphieren?" rief ihre Eitelkeit;sie rühmt sich vielfach dessen, ihn dir ungetreu gemacht, zu haben ! Tiesen ist der Beste. Er wird dich nicht mit Zärtlichkeiten quälen wie K . . ., er braucht eine Gemahlin. Er hat Aussicht Gesandter zu werden, die gesellschaftliche Stellung, die er seiner Frau giebt, ist reich an Zerstreuungen, welche für den Mangel an häuslichem Glück entschädigen. Du wirst einen Gemahl haben und doch dir allein gehören!

Albertine war entschlossen. Der Vorsatz, den sie ge­

faßt, war ihrem Herzen eine Zerstreuung, es blutete, aber sie fühlte den Schmerz weniger. , .

Es überkam sie zuweilen freilich wie em Grauen, sie bebte vor dem Gelingen, aber je zögernder sie wurde, desto mehr schien sie das Schicksal in das Netz zu ziehen, welches sie sich selber gesponnen.

Baron Tiesen hatte kaum erfahren, daß daS Gerücht von einer zu erwartenden Verlobung zwischen dem Grafen Lindenau und Fräulein von Emsbach durch die Abreise des Grasen völlig widerlegt sei, als er seine Bewerbung um die Hand der reichen Erbin mit allem Eifer wieder aufnahm. Albertincns Schönheit hatte etwas Blendendes, und wenn das Gefühl Tiesen's der Tiefe entbehrte, fo hegte er doch immer eine Neigung, welche durch den Sonnenstrahl der Gunst wächst. Die Liebe des Mannes, welche durch die Augen allein sich in das Herz such!!, ent zündet ein Strohfeuer, das stets unterhalten werden muß, dann aber auch erwärmt, vorzüglich bei Denen, die eine vorherrschend sinnliche Natur besitzen. Sie träumen sich in ein Glück hinein und glauben an den Traum, bi« aus Sehnsucht und Begierde unter dem Sonnenschein der Gunst die Liebe gedeiht, deren sie fähig sind. So liebte Tiesen, als Albertine seine Huldigungen freundlicher aufnahm und ihn zu Hoffnungen ermunterte. Der Baron kannte nicht solche Bedenken, wie sie Lindenau gequält; kaum war er sicher, nicht schroff abgewiesen zu werden, als er Mbertinen seine Hand antrug und das Jawort erhielt.

Wir wollen den Kampf nicht schildern, welchen Alber­tine dies Jawort gekostet, so rasch es auch gegeben wurde, wir erwähnen nur, daß sie tags vorher die Nachricht er­hielt, daß Lindenau Auftrag gegeben habe, seine Besttzungen bei O ... zu velkaufen, und daß er längere Zeit im Orient zu verweilen gedenke. (Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen : bie Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th. Dietrich u. Co. m Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M>, Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank- furt a. Dl- le-

Englands Feldzug in Egypten.

Mit der zähen, britischen Thatkraft und listigen Ver­schlagenheit haben nunmehr die Engländer den zweit ihres egyptischen FeldzugeS begonnen. DaS angebltche Bombardement der Schanzen von AbouÜr w defi

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1 i$a ./ Z,ifl Achilles" zur Beobachtung vor Abouklr zu- Wt« w b-gab » m Md jS 143» Kanal von Suez und wurde schon am letzten /? ia?\ der Kanal selbst, sowie die am Kanal gelegenen f .Wien Port Said, Jsmatlia, Nefische und andere von / Truppen und Kriegsschiffen besetzt. Die Egypter

/ dn mit Uebermacht angegriffen und zogen sich fast 50 A Schwertstreich in das Innere des Landes zuruck. Der X) ; Xinidtvtetyc auf dem Suczkanal ist trotz deS Protestes der t. pr. e.. Wf Kreter der Suezkanalaktiengesellschaft von den englischen ~ ^U'esehlshabern wegen offenbarer Kriegsgefahr eingestellt, Z 305 wat es sehr wahrscheinlich ist, daß an den Ufern des -^uerkanals noch blutige Kämpfe stattfinden können. Aus - 33ifeiefcm neuesten Vorgehen der Engländer in Egypten er- »fedtt zunächst, daß dieselben vor allen Dingen von dem

" ^Suezkanal, des für sie wichtigsten Teiles von ganz Egypten,

en besitz ergriffen haben und denselben voraussichtlich auch Ak. 25-29 Pf. emals wieder herausgeben werden, denn England ist die , 37-42 , «bcstriitene Herrin der Meere und wird sich den Besitz ' ' «es Kanals, der drei Erdteile verbindet und durch welchen

' ?6-Jo ' (jährlich mehr als zwei Tausend englische Schiffe gegen Itianen In »Ahr circa 500 aller übrigen schiffahrenden Nationen pas- - - lobten, nicht entreißen lassen, wenn auch der Besitz nur

' Sue militärische Oberaufsicht des Suezkanals durch England Z bedeuten wird. Die Diversion der Engländer am Suez- 84; banale schließt indessen nicht nur die Besetzung desselben

8?4t sich, sondern es liegt auch ganz klar, daß die englischen

86) 'berbefehlshaber den Suezkanal zu ihrer eigentlichen

- Aweraticnsbasis in Egypten gemacht haben und von dort

_ _ ;s Arabi Pascha zu bekämpfen gedenken. Es ist dies

- in ebenso kühner als genialer Plan des englischen Ober-

- - »nerals Wolscley, denn von Alexandrien und Ramleh aus

- - st die Stellung Arabi Paschas sehr schwer angreifbar,

I i^iveil Kanäle und versumpfte Flußarme das Vordringen 88erschweren; zöge sich aber Arabi Pascha, wenn die Eng-

874änder wirklich von Alexandrien aus ihren Vormarsch er-

- «^ivunaen hätten, nach Kairo zurück, so hätten die eng-

77i inÄlschen Truppen, um Arabi Pascha nicht entkommen zu Z Waffen, selbst einig- verhängnisvolle Wustenmärsche nicht 57

Anzeigen nimmt entgegen: bie Expedition d. Blatte«, sowie b.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhand ung daselbst; Jnvalidendorkin Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- unb Fttertagen. Preis für^ba« Quartalfür bic 9efPa[tenc 3ei(e 10 Vf6' ud)brude?ei) bezogen 8V. Mark^durch b» M^des gggwWgg" ^Annahme°°on Abreffen werden 25 M berechnet.

1??4 Ein Frauenherz.

72? Orignial-Erzählung von ... .

101% (Fortsetzung.)

. Das Gewissen warf ihr die eigene Grausamkeit vor, , 100 fie fühlte daß sie ihn tief verletzt habe; als aber das Herz bsjb sprach: er konnte nicht anders handeln, da schmollte sie

61 1344-4F mit dieser Stimme, weinte, schaute in den Spiegel und rief: I Er hat dich nie geliebt!"

Sank 139 1U 2gej6 [fcßt heißer, wenn man es verwundet, es

Z - hat daS Gefühl der Würde, aber jedes Gefühl schweigt

>)W) - - bei ihm, wo die Liebe glüht. Es verzeiht, sobald die Liebe

dank 139 bittet, ja, es kennt kein süßere« Gefühl, als dieses Spiel */. mit Nadelstichen von Kränken und Verzeihen, als verlange

20.4t sich dadurch die Glut.

- 81% Lindenau hatte den Ort verlassen, er machte dadurch

- <be Aussöhnung unmöglich, das erbitterte A bertinen fast ° _ 4 °/' noch mehr, als daß er an ihre Mutter geschrieben.

ist 1882 Sie erfuhr durch einen Freund Lindenaus daß er

. -' 306.00 nat^ der Residenz gefahren sei und dort Vorbereitungen . 27.60 jvpKj xine Reise in fremde Weltteile zu unternehmen.Er

_ TS Etwas, das noch sicherer trennt. Furchtet er etwa, daß . _ -.-du ihn zurückrufen könntest?" .

- Albertine lachte bitter, und der Gedanke schoß m ihr

n- Z T'_- auf, Lindenau's Abreise damit zu beantwortetk, daß sie >. - lOfZ einem Anderen die Han» reichte. Bewerber hatte sie genug.

- io? ^Die Mutter schaute noch immer besorgt, Albertine las in or.-Obligatio 1 ihren Blicken, daß sie zweifelte. Was konnte die Mutter

- 9</ besser überzeugen und Lindenau bitterer treffen, als ihre

Verlobung mit einem Anderen,

Aber wer sollte der Erwählte sein?

cheuen dürfen. Alle diese ungünstigen Umstände sind aber ür die englische Kriegs-ührung vermieden oder doch auf ein geringes Maß herabgedrückt, indem General Wolseley vom Suezkanal auS auf günstigem Terrain gegen Kairo und die Stellungen Arabi Paschas bei Kafredavar und bei Telelkebir vorgeht und auf diese Weise Arabi Pascha im Rücken faßt und zur Frontänderung nötigt. Wahr- fcheinlich findet der Vormarsch der Engländer vom Suez­kanal gegen Kairo und Kafredavar nunmehr auch sehr rasch statt, denn noch am 21. und 22. August landen blutige Gefechte am Suezkanale statt, in welchen die Egypter geschlagen und landeinwärts gedrängt wurden. Arabi Pascha hat inzwischen auch am Mahmoudiekanal einen kräftigen Vorstoß gegen Alexandrien unternommen und scheint wohl noch keine richtige Vorstellung davon zu haben, daß die Engländer dabei sind, ihn von zwei Seiten zu packen.

Deutsches Reich.

Berti«, 22. Ang. Auf das Begrüßungstelegramm des ersten konservativen rheinischen Parteitags hat der Reichs­kanzler Fürst Bismarck nach derRh. W P.'' folgende eigen­händige briefliche Antwort erteilt:Varzin, 17. Aug.,1882. Euerer Hochwohlgeboren danke ich verbindlichst für den Ausdruck der Zustimmung der in Barmen versammelten Konservativen "und freue mich, daß ich auf deren Mit­wirkung bei Erstrebung der Ziele rechnen kann, welche in der Allerhöchsten Botschaft vom 17. November uns vor­gesteckt sind. Sr. Hochwohlgeboren Herrn Freiherrn von Plettenberg-Mehrum, v. Bismarck." Die Nachricht, daß der deutsche Vertreter in Konstantinopel der Pforte eine Note der deutschen Regierung mitgcteilt habe, welche dringend empfiehlt, jeder anti-christlichen Manifestation im türkischen Reiche vorzubeugen, ist unrichtig. Möglich wäre es und auch ganz natürlich, wenn der deutsche Vertreter, wie er es auch schon früher gethan hat, die Pforte schon m ihrem eigenen Interesse daraus aufmerksam gemacht hatte, daß die zahlreichen deutschen Niederlassungen im Ortente durch solche Manifestationen gefährdet werden könnten. Dte Ver­treter der anderen Mächte dürsten sich in einem analogen Sinne betreffs ihrer Staatsangehörigen geäußert haben. Die Frage der Entschädigung der durch das Bombardement vom 11. v. MtS. und die darauf folgenden Ereignisse ent­standenen Verluste an Privateigentum in Alexandrien war bisher noch von keiner Seite offiziell zur Sprache gebrach worden. Nunmehr scheint die egyptische Negierung selbst hierin die Initiative ergreifen zu wollen. Im amtlichen Teile deöMoniteur Egyptien" vom 9. August wurde ein auf diese Frage bezüglicher Erlaß des Khedive an den Präsidenten des Ministerrats, Nagheb Pascha, publiziert.