XVII Jahrgang
JUarftlltg, Mittwoch, 23. August 1882
bc
r 19?
GchelMe ZeitU
Die englische Militärmacht.
in- un?
H. 61850)
1 erfiigung
8
er
ke.
29
75;
69:
98
urg, i.
>;
A
ioq 102 ’ ioH 1011
entgangen, daß ihre Liebenswürdigkeit etwas Gekünsteltes hatte, und daß sic jetzt zu gefallen suchte, während sie früher sich in dem Bewußtsein sonnte, daß sie gefallen muffe.
Graf Lindenau hatte in der Stadt bereits für den Verlobten AlbertincnS gegolten; jetzt zerbrach man sich den Kopf darüber, zu erraten, was den Bruch verursacht habe, und jedermann war überzeugt, daß Albertine denselben schon längere 3dt heimlich gewünscht haben müsse, da sie jetzt wie von einer drückenden Last befreit, noch einmal so heiter erschien. Auch Frau von Emsbach wurde getäuscht; gerade ihr gegenüber wandte Albertine alle Kraft der Sclbstbeherrfchung an, die Zerrissenheit in ihrem Innern zu verbergen und die Mutter glauben zu machen, daß ihr Herz nichts bereue. Sowohl die Scham, jetzt, wo es doch unnütz gewesen wäre, einzugestehen, daß sie bereue, als die Besorgnis, der Mutter einen schmerzlichen Kampf zu bereiten, hielt sie ab, ihr Herz zu öffnen, so sehr es auch darnach dürstete. Es giebt nichts, worin sich die Kraft dcö Menschen größer zeigt, als in dem Kampf gegen das eigene Beste, sobald die Scham diesen Kampf fordert,, und , bei einem Frauenherz ist diese Kraft durch die Eitelkeit gestählt, welche niemals bekennt, daß das Herz sich unwürdig der Liebe gezeigt. Das Weib fordert vom Mann, daß er ferne Schwächen gut finde, feine Launen liebenswürdig und daß er ihm diese Fehler unmerklich abgewöhnt, aber es ist im stände, Denjenigen zu hassen, der ihm den Spiegel der Wahrheit zeigt. Der Geliebte, so lange er Glut in Wort und Blick legt, vermag das Weib spielend zu formen, ja, cs formt sich selbst nach dem Bilde, welches der Geliebte von ihm in seinem Herzen trägt und dessen Züge es aus seinen zärllichen Worten errät; denn das liebende Weib liest in der Seele des Mannes, wie in einem offenen Buche. Aber eS giebt Frauenherzen, die noch empfindsamer,
Schiffe — liegt teils in Malta, teils in Cypern. Die „Reserve-Flotte" steht unter Kommando des Kontre- Admirals Herzog von Edinburg (zweitem Sohne der Königin). An der Beschießung von Alexandrien haben teil genommen: sieben Panzer der „ Mittelmeer-" und je einer der „Kanal-" und der „Reserve-Flotte", ferner 5 Kanonenboote. Von den 250 Schiffen, welche anfangs des Jahres das britische Reich ausgerüstet hatte, ist somit etwa der fünfte Teil zur Expedition nach Egypten verwendet worden. Da um jene Zeit ungefähr 200 „in Dienst gestellt waren, so sind gegenwärtig noch etwa 3/* der letzteren und Vs der „ausgerüsteten" zur Verwendung bereit. Von dieser Zahl stehen von dec „Kanal«" und von der „Mittelmeer-Flotte" keine Schiffe zur Disposition. Die nächstgelegencn Flotten können an dienstbereiten Schiffen folgende Kontingente beistellen: Die Flotte in Indien 12 ungepanzerte, jene von der Ostküste Afrikas 3 und jene von der Westküste sowie vom. Kap 10 Schiffe. An Pan« zern sind von den 18, welche sich in den Kriegshäfen Chatham, Portsmouth, Devenport und Plymouth befinden, sieben 1. Klaffe in Dienst gestellt worden und bereit, abzugehen. Sie würden eine Verstärkung von etwa 40 Geschützen größten Kalibers ergeben.
ltigkeit, abelang jeder ;
d Wagett- kquipagen qnisitenrc. land- 2464
als die Mimose, nicht den Schatten eines Wölkchens ertragen, das vorüberziehend, einen Moment ihre Sonne verhüllt, und Schwüre verlangen, um immer von neuem zu glauben. Albertine wußte sich geliebt und fühlte, daß die Liebe des Grafen ihr Herz beseligte; sie bemerkte, daß er manches an ihr tadelte, und sie zitterte beständig, seine Liebe könne erkalten, weil sie fühlte, daß sie dieser Liebe nicht würdig sei, und ihr Inneres dem idealen Bilde nicht glich, welches er sich von ihr geschaffen.
Jedes Weib sucht den Mann instinktmäßig durch Koketterie zu fesseln, jedes Weib glaubt, daß ihre äußeren Vorzüge ihm blendender erscheinen, als die inneren. Albertine war ihrer Schönheit sich bewußt und träumte, Lindenau könne ihren Reizen nicht widerstehen. Dies Bewußtsein und die innere Unruhe, der Zweifel, die Angst und ihre Liebe erzeugten das unselige Spiel; sie wollte ihn verwunden und ihm dann Balsam reichen; sie wollte ihn dahin bringen, daß er bewältigt von ihrem Zauber seine Liebe gestand; „und dann", dachte sie, „dann, wenn er erst dein ist, soll sein Blick dich leiten, dann willst du streben, ihm das Weib zu werden, welches er in seinen Träumen erwartet."
Als Albertine sah, daß ihr Calcül fehlgeschlagen, ja, daß sie gerade dadurch die Fesseln gelöst, in denen sie ihn hielt, mußte neben dem Schmerz jene Bitterkeit gegen sich selbst ihr Herz erfüllen, welcher sich in eigener Marter gefällt. „Kann ich nicht glücklich sein," rief es in ihr, „dann ist alles andere gleichgültig und nur eins nötig: die Wunde zu verbergen. Er hat dich nie geliebt! rief eS dann schmerzlich in ihr, „sonst hätte er eS fühlen müssen,, daß dein Herz ihn suchte." Hatte sie ihm früher Schwäche vorgeworfen, um eine Entschuldigung für ihre Launenhaftigkeit zu finden, so nannte sie jetzt das Gegenteil Herzlosigkeit.
(Fortsetzung folgt-j
d Ein-' damit» rächten) :cm
Deutsches Reich.
Berttu, 21. Aug. Auf das BegrühungStelegramm, welches der erste rheinische konservative Parteitag von Barmen an Seine Majestät den Kaiser richtete, ist von demselben folgendes Antwortstelcgramm eingelaufen: „Dem Freiherrn von Plettenberg-Mehruw, Vorsitzender der Konservativen des Rheinlandes, zu Haus Mehrum bei Vörde über Wesel. Babelsberg, 17. Aug. 1882. Empfangen Sie Meinen freundlichsten Dank für die Gesinnungen und Grundsätze, die Mir Ihr Telegramm von gestern im Namen der in Barmen versammelt gewesenen Konservativen ausspricht. Möge sich diese patriotische Gesinnung ferner bestätigen. Wilhelm." — Der Kaiser kam vormittags in Berlin an und nahm die Vorträge entgegen, besichtigte später die Pergamenischen Funde im Museum und konferierte im Palais mit dem Grafen Hatzfeld. Der Kaiser empfängt nachmittags auf Schloß Babelsberg Herrn von Schlözer, der auch zur Tafel geladen ist. An dem gestrigen Famliendiner auf Schloß Pabelsberg nahm auch wie- der die Kaiserin teil. — Dem General v. d. Goltz wurde anläßlich seines heutigen Dienstjubiläums der schwarze Adler Orden verliehen. — Vom Minister der öffentlichen Arbeiten ist eine Reorganisation der Ausbildung der Staats- Baubeamten eingeleitet worden, welche sich der Hauptsache
MN. 01 j 001 01?, 015 )14
Ca
z, Nü^
122U 101 if 100*1 56»f
Ei« Fraueuherz.
Original-Erzählung von ... .
(Fortsetzung.)
Du liebtest ihn nicht", fragte die Mutten trübe auf« schauend, „Albertine redet jetzt Dein Herz oder nur btt verletzte Eitelkeit. Ich beschwöre Dich, sei offen, cs handelt sich um das Glück Deines Lebens I"
Einen Augenblick schien Albertine zu schwanken, aber der Stolz ließ das Herz verstummen. „Rede nicht mehr davon" bat sie, „und wenn ein Funken von Liebe in meinem Herzen für ihn war, so mühte er jetzt erstorben sein denn Du hörst es ja, er löst die Bande, noch ehe er weist ob ich sie knüpfen will."
Damit hauchte sie der Mutter -inen Kuß auf die Lippen und verließ das Zimmer.
^Draußen strömten Albertinen die Thranen an« den Augen; ihre Kraft war zu Ende, das Herz forderte sein Recht. Aber während die Thränen flössen, stürmte es in der Brust, und der Stolz rang sich blutend aus dem Kampf der Gefühle. Hätte er an Dich geschrieben, nef es in ihr, dann hättest Du ihm sagen können, tote Dem Herz seit gestern geblutet; aber er null keine Versöhnung. Mag er; auch Du kannst Deinem Herzen Ruhe gebieten, und Niemand soll ahnen, daß es blutet; l«, auch "Nicht, er soll sich dessen nicht rühmen, entsagt zu haben, Du wirst ihm zeigen, daß eS Dir keinen Schmerz bereitet, ihn zu verlieren; der Wunsch für Dich am Schluffe,des Briefes soll kein Hohn sein, Niemand soll ahnen, wie bitter er
^A?8 Albertine am nächsten Abend in Gesellschaft erschien, war sie aufgeräumter, heiterer und übermütiger, als je; einem aufmerksamen Beobachter wäre eS jedoch nicht
84 5$
9»
413061
71 981
befinden Diese Leereskraft wird in 3 Jnfanterietruppen- | findet sich — 8 Panzer- und 1 Avisoschiff stark seit Ätt'en, rte z« 2 Brigaden gegliedeit sein. Zivci I dem 1. Juli m Malta. , Die Detachierte Flotte" -3 Divisionen ä 10, respektive 11 Bataillone kommen ans Eng- and und dem Mittelmeere, eine Division ä 10 Bataillone wirv auS Maischen Eingeborenen und aus Linientruppen gebildet. Kavallerie und Artillerie stehen nicht im Vcr- ljanbe dieser Divisionen. Beide Waffen treten als, Re- crvckörper auf, und zwar: eine englische Linien- I Kavallerie - Brigade 4 Regimenter mit zusammen 11 Eskadronen und eilte indische Kavallerie - Bri- I gäbe 3 Regimenter mit im ganzen 12 Eskabronen. — Die Artillerie, in einer englischen Linienbrigabe formiert, ist 11 Batterieen mit 66 Geschützen stark; aus Indien kommen 3 Linienbatterieen mit 18 Geschützen. — An technischen Truppen sinb 8 Kompagnieen bestimmt. Diese Streitkräfte, zusammen 26 Bataillone, 27' Eskadrons, 14 Batterieen, welche 19000 Gewehre, 3700 Retter, I 84 Geschütze repräsentieren, bilden ein Armeekorps unter I Kommando des General-Lieutenants Sir Garnet Wolseley. I Chef des Generalstabes, zugleich Stellvertreter des Korps- Kommandanten, ist General-Lieutenant Srr ^ohn Adye. Generalguartiermeister ist Oberst Methuen (bis vor kurzem Militär-Attachö in Berlin). Divisionäre sind: bei der 1. Division Generallieutenant Willis, bei der 2. Division Generallieutenant Hamley, bei der 3. Division, der indischen, Generallieutenant Macpherson. Der Herzog von Connaught (dritter Sohn der Königin) kommandiert die Gardebrigade in der 1. Division. Die Linien - Kavallene- Brigade kommandiert Generalmajor Drury Lowe, die indische Kavalleriebrigade Oberst Wilkinson. Die Ltmen- Artilleriebrigade steht unter Kommando des Oberst Gov- denough (vormals Militär-Attachö bei der Botschaft in Wien). Die indische Artilleriebrigade führt Oberstlieutenant v. Straubensee. Den für eine englische Armee besonders wichtigen Posten eines Armeeintendanten bekleidet Generalmajor Morris. Von der Flotte sind bis Anfang August 44 Schiffe, darunter 22 der größten Panzer, welche England besitzt, eingetroffen. Sie haben eine Bemannung von 14 500 Mann an Matrosen und Marineinfanterie und führen 345 schwere Geschütze. Jeder Panzer hat einen Apparat zum Schleudern der Torpedos und eine gewisse Anzahl Galling- und Nordenfeldgeschütze (Mitrailleusen). Diese Streitkräfte stehen unter Kommando des Vrce- Admirals Sir Friedrich Seymour und werden in vier Klotten gegliedert. Die erste, welche an der Küste Egyptens eintraf, war die „Mittelmcer-Flotte", 9 Panzer, 18 kleinere Schiffe. Die „Kanal-Flotte", welche Mitte Juni dazustieß, hat 5 Panzer- und 1 Avisoschiff; die „Rcserve- Klotte", welche teils aus den in den Häfen Großbrittamens stationierten, teils aus den in den nordischen Meeren Europas kreuzenden Schiffen zusammengesetzt wurde, be-
Anzeigeu nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-; Jägcrsche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhand ung ♦ daselbst; Jnvalidendoriin Berlin; W. Thiene« in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
)1. 102ki >6 661t
751 "j 94 » 131 103 ft «1 100«
I 540. Mari) cts ein nd Mö! tamentei
ltinzeige» nimmt entgegen : C;e Expedition d. Blattes, foroie d.Annoncen-Bureaux D Th. Dietrich u. Co. m a'asiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-At-, Haasenstein u. Vogler rn Frankfurt a- Bi., Sethn, s-Äfcjy. ___________
Stfdieini ««S» « SÄÄÄS1’« g«A«"= & 1« *1«.
Buchdruckerei) bezogen 2*/4 ötart'g^ ^t bber Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.
Von „ausgezeichneter militärischer Seite geht d r Wiener „Polit. Korrcsp." folgende Darstellung der bereits UUV | Mobilisierten und der noch zur Verfügung stehenden g nallce in^mchen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande zu. Die La Mmacht des britischen Reiches kann mit Einschluß Indiens -----der Kolonicen auf das Maximum von 80^00 M«m gebracht werden. Hiervon sind gebunden. 1 3 3 »ho 000 Mann, 2. in den Koloniecn 23V00 Mann, Ä im Mutterlande 25000 Mann (und zwar in Irland ^ Bdatzung wegen der dortigen Unruhen), ferner 53000 Mann Freiwilliger und Miliztruppen. Folglich M° -U»d 125000 !urV.r- aunfl, um sie als Operationsarmce zu verwenden. Hierbei schoir auf alle Truppen Rücksicht genommen, die aus ndien und aus den Koloniecn herbeigezogcn werden könnten, nm diesen 125000 Mann sind nur zwei Armeekorps, ,2000 Mann, aus solchen Truppen orgamsiert, welche ausschließlich der regulären Armee angehoren. Andere reguläre Truppen müßten erst aus beut Vcrbanbe nut bet MUsr und den Freiwilligen gelöst werden, um noch ein ßlrmeckorps mobilisieren und außer Land bringen zu können, Ceil die Milizen und Freiwilligen nicht verpflichtet sind, Lus dem Mutterlande zu marschieren. In diesem dritten aufstellbaren Armeekorps sind schon die 11000 Mann inbegriffen, welche die Besatzungen im Mittelmeer bestreiten. Aus Indien könnten höchstens 20000 Mann außer Landes rgung vomverwendet werden. Als der Ernst der Lage in Egypten nachungenjbie Mobilisierung eines Teiles der Land-Armee: notwendig ilands undWte, beschloß die englische Regierung, 25000 Mann Bei um4nach dem Nil - Lande zu senden. Am 11. Juli - dem — Jeden Sane des Bombardements von Alcxandrren — begann die irlediguiJ Mobilisierung der Truppen im Mittelmeer und zum Teil ichrasin deren Transport nach Egypten. Diese Truppen hatten seit den reorganisatorischcn Verfügungen des Jahres 1881 den Kriegsstand schon im Frieden angenommen. Bis zum 15. Juli waren von den 7 bestimmten Bataillonen der Mittelmeerbcsatzungen 4 Bataillone in der Stärke von 3000 Mann ausgeschifft. Der Rest traf eine Woche spater ein: dies bildete zusammen etwa 5000 Mann. Der Res. von 6000 Mann blieb in den Mittelmeerstationen zuruck. Die Einberufung der Reservisten 1. Klasse (bis zum 7. Dienstjahre) begann am 22. Juli und wurde in England auf 10000 Mann ausgedehnt, so daß die durch sie auf KriegSstand gebrachten Truppen im Mutterlande die Löbe von 24000 Mann bis nun schon erreicht haben.— Hierzu treten noch aus Indien 10000 Manu. Von diesem Aufgebot an Kräften wurden auS England bisher 11000 Mann und aus Indien 5000 Manu abgesendct; gegen Mitte August werden sich in Egypten ca. 21000 Mann