tiertenkammer wie deren Rechte reformiert werden müßten und daß vor allen Dingen das Listenskrutinium notwendig sei. Merkwürdigerweise zeigt sich das neue Kabinett Duclerc diesen Anforderungen Gambettaö gegenüber durchaus entgegenkommend, ja in vielen Fragen kann man bereits eine Uebereinstimmung zwischen dem Ministerium und den Gambettisten erkennen, sodaß Gambetta tatsächlich sich wie ein Keil zwischen die gemäßigten und unversöhnlichen Republikaner geschoben hat und leicht diese günstige Situation derartig ausnützen dürfte, daß er mit seinem Anhänge nochmals zur Regierung gelangen kann.
Deutsches Reich.
Berlin, 18. Aug. Der Kultusminister hat nachfolgende Verordnung an die Ober-Präsidenten erlassen: „Es wird beabsichtigt, geeignete Maßnahmen für die Erhaltung der Kunstoenkmäler und Altertümer im Wege der Gesetzgebung vorzubereiten. Zu dem Zwecke ist eö erwünscht, zu erfahren, welche wissenschaftlichen Vereine in der dortigen Provinz bestehen, deren Bestrebungen direkt oder indirekt auf die Erforschung und Erhaltung der beweglichen und unbeweglichen Denkmäler gerichtet sind. Zu diesen Denkmälern sind Bauwerke jeder Art, als: Kirchen, Schlösser, mittelalterliche Befestigungen, Ruinen, prähistorische Denkmäler, z. B. Steingräber, sodann auch Bilder, Schnitzereien, Urnen, Münzen und dgl. zu rechnen." Die Ober-Präsidenten werden sodann ersucht, dem Minister thunlichst bald hierüber Bericht zu erstatten. — Zur Hebung unseres Staatsforstwesens, sowie im allgemeinen Landeskulturinteresse sind in denjenigen Gegenden, wo Staatsforsten von Gruppen fremder Grundstücke durchsetzt sind, — welche für die Waldungen viele Unzuträglichkeiten mit sich bringen, da es meist sumpfige Terrains sind und den Herd schädlicher Spätfröste bilden, überdies auch eine große Zahl von Abfuhrwegen notwendig und infolge des gesteigerten Verkehrs im Walde die Handhabung des Forst- und Jagdschutzes sehr beschwerlich machen, — solche Grundstücke vielfach vom Staate erworben und sodann durchgreifend melioriert worden, so daß nunmehr die Waldungen vor den erwähnten nachteiligen Einflüssen geschützt sind. Die staatsseitig erworbenen Terrains werden aber, wie „B. P. N." mitzutcileu in der Lage sind, nicht uur durch rationelle Entwässerung ihres schädlichen Charakters für die nächste Umgebung entkleidet, sondern gleichzeitig — sei cs durch Aufforstung, sei cs durch fernere landwirtschaftliche Benutzung — zu einem höheren Ertrage zu bringen versucht. Zugleich sind isolierte Förstcrbezirke in geringer Größe oder zerrissener Form durch Ankauf benachbarter, günstig ge
legener Grundstücke — Holzungen und Oedländereien — arrondiert worden, um geschloffene größere Waldkörper herzustellen und so die durchschnittlichen Administrationskosten auf ein geringes Maß herabzusetzen. Dieses Vorgehen zur Arrondierung der Staatsforsten hat sich bereits nach vielen Richtungen hin bestens bewährt.
— Zum Kulturkampf wird dem „Hamb. Korresp." von hier gemeldet: Wenn cs auch richtig ist, daß das Vorgehen des neuen Fürstbischofs in Breslau in Varzin verstimmt hat, so ist man dort doch weit entfernt, die Haltung des Fürstbischofs so hart zu verurteilen, wie dies in einem großen Teil der liberalen Presse geschieht. Die Staatsregierung hat durch ihre Zustimmung zu der im Abgcordnetenhause bei der Beratung des letzten kirchenpolitischen Gesetze« verlangten Beseitigung deö Instituts der Staatspfarrer ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß dieses Institut, welches als den kanonischen Satzungen direkt widersprechend auf die stärkste Abneigung beim Zentrum stieß, nicht haltbar sei, und war auch darauf vorbereitet, daß die Personen, welche noch gegenwärtig in einem solchen Pfarramt thätig sind, ohne eine Verständigung mit dem betreffenden Oberhirten eine sehr schwere, ja unhaltbare Stellung haben würden. Allerdings aber hat der mit den gesetzlichen Bestimmungen im entschiedensten Widerspruch stehende Protest des Staatspfarrers Sterba in Regierungskreisen ein sehr unangenehmes Aufsehen hervorgerufen, da hierdurch der Fürstbischof leicht zu Maßregeln provoziert werden könnte, die ein Einschreiten des kirchlichen Gerichtshofes, den die Staatsregierung möglichst außer Thätigkeit gesetzt zu sehen wünscht, zur Notwendigkeit machen würde. Biel unangenehmer als die Schritte des Fürstbischofs gegen die Staatspfarrer wird an leitender Stelle seine Haltung in Sachen der gemischten Ehen empfunden, welche man mit der Stockung der Unterhandlungen mit der Kurie in Verbindung bringt. — Ganz aus der Luft gegriffen war übrigens die neuliche Nachricht von einem Vortrage, welchen Herr von Puttkamer über die kirchlichen Angelegenheiten dem Kaiser gehalten haben sollte. Diese Angelegenheiten fallen ganz speziell in das Reffort des Kultusministers v. Goßler, welcher damals von seinem Urlaube noch nicht zurückgekehrt war. Entscheidende Schritte in der kirchcnpolitischen Angelegenheit werden vor den allgemeinen Wahlen dieses Herbstes seitens der Regierung nicht erfolgen; dieselbe überläßt es dem eigenen Ermessen der Zcntrumsführer, ob sie ein Wahlbündnis mit den Liberalen oder Konservativen den Interessen der katholischen Kirche in Deutschland für Hellsamer halten. — Die „Allgem. Ev.-luth. Kirchen-Ztg." schreibt in einem Artikel über die Altkatholiken folgendes:
XVII Jahrgang
Marburg, Sonntag, 20. August 1882
Rr 19»
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux L Th. Dietrich u. Co. in d'assel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; Haasenstein u. Voxster m Aanifurt a. !)!■, Berlin, E , Köln k.; Rudolf Le in Berlin, Frank- " furl a. M. re-
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Die neueste Jutrigne Gambetlus.
I Tertius gaudet duobus legitantibus“, wenn zwei iVarteien streiten, freut sich die dritte. Es ist dies ein zu kbckannter Satz in der Politik, als daß Gambetta denselben Dicht auch bei seinen ehrgeizigen Bestrebungen in Anwendung bringen sollte, und er hat cs mit ziemlichem Geschick aelhan, denn derselbe Gambetta, über den noch vor einem halben Jahre die französische Deputiertenkammcr ein so rerschmettcrndcs, politisches Verdammungsurteil sällte und damit aus seiner einflußreichen Stellung in tiefe Machtlosigkeit stürzte, derselbe Gambetta ist mit seinen Getreuen wieder zu bedeutendem Einfluß gelangt und vielleicht sehr nahe daran, die Zügel der französischen Regierung wieder in die Hand zu nehmen. Diese Affaire vollzog sich sehr einfach und Gambettas jüngste Jntrigue gelang deshalb so gut, weil die französische Deputiertenkammer nur zu sehr geneigt ist, von einem Extrem in das andere zu fallen. Frankreich hat sicher niemals einen selbstloseren, aufrichtigeren und friedensliebeuderen Ministerpräsidenten als Herrn de Frcycinct besessen, aber die Depustertenkammer gönnte diesem Minister oft nicht die geringste Modifizierung der öffentlichen Meinung und gab ihm Mißtrauensvoten in Fragen, wo Freycinet in der Hauptsache mit der Kammermehrheit einig war und nur in den Nebensachen der Ausführung einen selbständigen Willen bekundete. Diese Eigentümlichkeit der republikanischen Kammermehrheit erkannte nun Gambetta bald, und indem er das Ministerium Freycinet veranlaßte, für Frankreich in der egyptischen Frage wenigstens einen Achtungserfolg zu erzielen und nicht die ganze Zukunft Frankreichs in Nordafrika zu verscherzen, wußte er durch diese gleißenden Worte sowohl den Ministerprästdenten Freycinet in die Falle zu locken als auch die Kammermehrheit in eine kompromittierende Opposition zu treiben, denn daß die Kammermehrheit nicht die geringste aktive Politik Frankreichs in der egyptischen Frage billigen würde, wußte Gambetta, also war Freycinets Sturz sicher, gleichzeitig war aber auch Gambetta überzeugt, daß die Deputiertenkammer durch den Sturz des maßvollen Freycinet sich selbst eine Ohrfeige geben würde und die parlamentarische Negierungskunst der gegenwärtigen Kammer an eine verhängnisvolle Grenze gelange, denn die famose Deputiertenkammer hatte binnen acht Monaten nicht nur den ehrgeizigen, von diktatori chen Neigungen beseelten Gambetta gestürzt, sondern auch den gefügigen, selbstlosen Freycinet zur Abdankung gezwungen. Gambetta verkündet daher jetzt den Franzosen mit Siegesgewißheit, daß mit dieser Kammer, wie er schon vor acht Monaten gesagt habe, kein Ministerium regieren könne, daß die Wahlen zur Depu-
daß Albertine einen Streit mit dem Grafen gehabt, und sie hatten sich immer so rasch wieder versöhnt, daß Frau von Emsbach auch heute keine ernstere Besorgnis hegte, ja sie freute sich im Stillen über die Niedergeschlagenheit der Tochter, da stc annahm, daß Lindcnau sich heute weniger nachsichtig gezeigt habe.
Als Albertine am morgen nach dem Balle beim Kaffee erschien, waren ihre Augen verweint, und sie bemühte sich vergeblich, heiter zu erscheinen. Dem prüfenden Blicke der Mutter entging ihre Unruhe nicht; aber so bestürztste dies Wesen ihrer Tochter auch machte — denn Albertine war selten länger als einige Stunden verstimmt und niemals über Nacht — so that sie doch keine Frage.
Frau von Emsbach hoffte, Albertine werde ihr durch ein offenes Geständnis entgegenkommen, als ihr von der Zofe ein Brief übergeben wurde, den soeben der Postbote gebracht hatte.
„Von ihml" dachte Albertine erbleichend, und ihre Ahnung wurde bestätigt; sie laS aus den Zügen der Mutter, daß dieser Brief eine schmerzliche Neuigkeit brachte.
Ohne ein Wort zu sagen, aber Kummer und Vorwurf im Auge, reichte Frau von Emsbach ihrer Tochter das Schreiben, nachdem sie es gelesen, und ihre Hand zitterte. „ _
„Gnädigste Frau", lautete der Brief, „Sie werden kaum überrascht sein, von mir, dem Sie Ihr Vertrauen geschenkt, ein Schreiben zu erhalten; denn ich bin überzeugt, daß Ihr Fräulein Tochter Ihnen die. Ursache uutgcteilt hat, weshalb es mir gestern nicht möglich war, länger auf dem Balle zu verweilen und Ihnen mein Kompliment zu machen. _ rr
„Ihre wohlwollende Güte hatte mir bte Hoffnung gegeben, Ihnen einst durch Ihr Fräulein Tochter näher zu treten, wenn ich mich nicht in der Ueberzeugung täuschte, daß dieselbe meine Gefühle erwidern könne. Sie wiffen
Ei« Frauenherz.
Orignial-Erzählung von ... .
(Fortsetzung.)
„Was ist Ihnen?" fragten die Herren bestürzt, und man reichte ihr Flacons von allen Seiten.
„Nichts," flüsterte sie mit tonloser Stimme, „ein augenblickliches Unwohlsein — es ist vorüber I"
Frau von Emsbach bemerkte cs schon bei der Nachhausc- fahrt an der auffallenden Schweigsamkeit ihrer Tochter, daß sich etwas ereignet habe. Und konnte es etwas anderes sein, als ein ZrwürstnS mit dem Grafen? Lindenau hatte den Damen heute nicht die Mäntel besorgt, sie nicht zum Wagen geleitet, eine Aufmerksamkeit, die er fast niemals veriäumtc. Frau von EmSbach that daher keine Frage. Sic war indessen weit davon entfernt, zu ahnen, daß ein Bruch stattgefundcn haben könnte, sic vermutete nur, daß Albertine wiederum launenhaft gewesen, und daß cs sic reue, den Grafen gekränkt zu haben.
Frau von Emsbach wünschte mchtS sehnlicher, als eine Verbindung zwischen Albertine und Lindenau, nicht nur weil sie den Charakter des Grafen kannte und schätzte, sondern auch, weil sic überzeugt war, daß eö ihm gelingen werde, Albertine wahrhaft glücklich zu machen, indem er sic von ihren Fehlern heilte. Daß ihm dies gelingen wurde, durste sie hoffen, da sie wußte, daß Albertme den Grafen liebte.
Seit den zwei Jahren, welche der Graf wieder im Orte verweilte, hatte Albertine sich schon bedeutend zu ihrem Vorteil geändert, was freilich nur daS Auge ihrer Mutter bemerken konnte; denn die Veränderung bestand eben darin, daß Albertine dieser ihr Herz erschloß und ihr zeigte, daß sic nicht so gefühllos war, wie sic in der Gesellschaft erschien. Eö war in diesen zwei Jahren, vorzüglich aber in der letzten Zeit so häufig vorgekommen,
es, wie glücklich ich in dieser Hoffnung war, und wie ich an dieser Ueberzeugung festhielt, trotzdem daß Fräulein Albertine mir oft Gelegenheit gab, an ihr irre zu werden. Ihr gütiger Trost war es, der mich veranlaßte, mich für glücklicher zu halten, als ich cS bin.
„Ich habe gestern, verehrte Frau, die schmerzliche Ueberzeugung gewonnen, daß Sie sich ebenso wie ich über ihr Fräulein Tochter getäuscht haben, ich habe ein flüchtiges Wohlwollen für ein tieferes Gefühl gehalten und finde, daß es Fräulein Albertine ganz unmöglich ist, meine Gefühle zu erwidern, ja sogar das eitle Hoffen meines Herzens mit Schonung zurückzuweisen.
„Wenn ich daher heute den Ort verlasse, in welchem ich Stunden seliger Hoffnung verlebt habe,. so glaube ich Ihnen, gnädigste Frau, eine Erklärung dieses Schrittes schuldig zu sein. Verzeihen Sie, daß ich es versäumte, Ihnen meinen herzlichsten Dank für ihre Ihre wohlwollende Güte mündlich auszusprcchen; ich fühle, daß ich um meiner Ruhe willen mich losreißen und einen stillen Ort fliehen muß, wo meine Kraft auf eine so gefährliche Probe gestellt wird. Ich habe durch meine eitle Selbstüberschätzung, die einen Wink nicht beachtete, eö verdient, daß Ihr Fräulein Tochter mir deutlicher, als sie es vielleicht selbst wollte, die Eitelkeit meiner Hoffnung zu erkennen gab. Und dennoch bin ich zu schwach, dem Herzen Ruhe zu gebieten, ein Gefühl zu beherrschen, welches meine ganze Seele eingenommen! Sagen Sie Ihrem Fräulein Tochter, daß ich mit dem Wunsche scheide, derjenige, welcher einst das Glück hat, ihr Herz zu gewinnen, möge so warm für stc fühlen, als ich eö gcthatt und noch thue. Sie aber gnädigste Frau, bitte ich, mich auch ferner nennen zu dürfen in achtungsvoller Verehrung und Dankbarkeit
Ihren Freund
Graf Lindenau." (Fortsetzung folgt.)