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Marburg, Donnerstag, 17. August 1882

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Slnuigennimni -cgegen: bie Erpeditii» -. Blattes, 1 owie d.Anno.-cen-Bureaux ’ Th. Dietrich u- Co- in «affel und Hannover; Th. Dietrich 'n Frankfurt a-M.; Haasenstein u- Vogler in Frankfurt a- Bi-, Berlin, IS, Köln re.; Rudolf Mise in Berlin, Frank-

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xvn Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendorkin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 8'/. wert, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet-

Egypten.

Die Hauptpunkte des britischen Entwurfs der MilitLr- konvention und die türkischen Gegenforderungen sind gestern gemeldet tvorden. Eine Einigung ist auch nach den letzten Nachrichten noch nicht herbeigesührt. Dem Vernehmen nach befürwortet Said Pascha beim Sultan die Zustimmung zu der vorgescklagenen Konvention, doch sollen andere Würden­träger der Pforte von einem Abschlüsse in der von England vorgeschlagenen Form abraten und auch daran festhalten, baß die Proklamation gegen Arabi Pascha nicht vor der Landung türkischer Truppen publiziert werde. Dufferin ist fortwährend um die sofortige Publikation der Proklamation ^Cm®ie Konferenz dürfte sich noch nicht vertagen. Abge­sehen davon, daß man den Abschluß der Konventions- Verhandlungen abwarten möchte, bereitet der italienische Vertreter, Graf Corti, einen Zusatzartikel zu dem italienischen Antrag auf Schutz des Suezkanals vor, durch welchen die Ausführung desselben geregelt werden soll. Er wird dem­nächst in der Konferenz eine Deklaration einbringen, in welcher gesagt wird, daß die bestehenden Verträge aufrecht erhalten bleiben und daß die Entscheidungen bezüglich der weiteren Ordnung der Dinge in Egypten nach wie vor der gemeinsamen Verständigung der Mächte unterliegen sollen.

Nach einer Depesche aus Alexandrien hatten die Eng­länder am 12. d. 12000 Mann in und um Alexandrien; aber ihre Fcloartillerie war noch viel zu schwach und stand in keinem Verhältnis zu der Truppenzahl. Der Khedive hat die Engländer ermächtigt, die Einfuhr von Kohlen und Munition an der Küste zwischen Alexandrien und Port Said zu verhindern. — Durch einen Erlaß deö Khedive an die egyptischen Zivil- und Militärbehörden am Suez- kanal wird denselben mitgeteilt, daß die Engländer zur Besetzung aller Punkte am Kanal ermächtigt sind, und den Behörden gleichzeitig ausdrücklich befohlen, der englischen Aktion nicht cntgegenzutreten. Von diesem Befehl soll auch Lesseps Kenntnis gegeben worden sein.

Wie seine Stellung bei Kafreldowar, so hat Arabi auch mehrere Punkte im östlichen Teil des Landes, längs der Bahn von Jagazig nach Jsmailia, befestigt. Die Anlegung eines festen" Lagers bei Telelkebir ist schon erwähnt; er ist dann der Bahn und dem Süßwasserkanal weiter nach Jsmailia zu gefolgt und hat sich in Nesfiche festgesetzt. ES ist dies, wie Telelkebir, eine Station an der Suezbahn, am Timsahsee; hier zweigt sich eine kurze Seitenbahn nach Jömailia ab. Es scheint nicht richtig zu sein, daß Js­mailia von Truppen Arabis besetzt ist; aber die Sache bleibt sick gleich, wenn Nesfiche zu einem befestigten Punkte gemacht wird, da es Jömailia so nahe liegt, daß es das­selbe beherrscht. Auch der Suezkanal kann leicht von Nesfiche auö gesperrt werden. Sobald die Engländer ver­suchen sollten, einen Teil ihres indischen Kontingents durch

den Suezkanal zu befördern, so würde die Position bei Nesfiche forziert werden müssen. Bisher hat Arabi sein Lesseps gegebenes Wort gehalten; der Verkehr auf dem Kanal ist völlig ungestört. Doch war das Versprechen mit dem Vorbehalt gegeben, auch von englischer Seite müsse die Neutralität des Kanals respektiert werden.

Bei Erörterung der von dem Kriegsrat an Bord des „Helicon" aus der Beschießung von Alexandrien gezogenen Schlüsse entscheidet sich der „Standard" für die Ansicht, daß eine Panzerflotte machtlos sei gegen Erdwerke, hinter welchen Kanonen erster Klasse, bedient von guten Artille­risten, ständen. Hätten die Egypter nur einige wenige von den Hunderttonnen-Kanonen, wie sie Malta und Gibraltar haben, besessen, so wären manche der englischen Panzer­schiffe gesunken. Daraus ergebe sich der allgemeine Satz, daß eine Panzerflotte mit Erdbefestigungen neuester Kon­struktion stets den Kürzeren ziehen müsse.

Telegraphisch wird ferner berichtet:

Petersburg, 15. Aug. Der „Regierungs-Anz." erklärt das Gerücht, daß die russische Regierung der Pforte die auf das Jahr 1882 fallende Rate der russischen Kriegs­entschädigung überlassen habe, für vollständig unbegründet. Die bezügliche Konvention, deren Veröffentlichung demnächst im Wortlaute zu erwarten sei, verpflichte die Türkei erst vom Jahre 1883 ab zu Zahlungen, da die dazu bestimmte Zahlungsquellen erst im Frühjahre dieses Jahreö flüssig werden. Auch sei die Konvention abgeschlossen, bevor die Ereignisse in Egypten eingetreten seien, die Pforte habe damals gar nicht vorhersehen können, daß militärische Vor­bereitungen notwendig werden könnten.

Konstantinopel, 15. Aug. Gestern fand eine Sitzung der Konferenz bei Said Pascha statt; Haupt­gegenstand der Beratung bildete der italienische Antrag betreffs des Suezkanals; eine Beschlußfassung erfolgte nicht. — Das Journal „Eljawaib" will wissen, Arabi Pascha sei von der Pforte über die Proklamation und darüber vertraulich verständigt worden, daß er im Falle der Unterwerfung Verzeihung erhalte, andernfalls aber die strengsten Maßregeln zu gewärtigen habe. Die Sherifs hätten die Handlungen Arabis als gegen die Interessen des Islam gerichtet verurteilt.

Konstantinopel, 15. Aug. In der gestrigen Konferenzsitzung erklärte der französische Botschafter, daß auch Frankreich dem italienischen Vorschläge bezüglich deö Suezkanals sich anschließe unter Wahrung seiner Hand­lungsfreiheit hinsichtlich des Ausführungsmodus. Nachdem somit für das Prinzip der Kooperativ-Polizei die Ein­stimmigkeit erzielt war, beantragte der italienische Bot­schafter, daß die Ge'chwader-Chefs oder Schiffs-Komman­danten am Suez-Kanal seitens ihrer respektive» Regierungen anzuweisen seien, sich wegen des Ausführungsmodus ins Einvernehmen zu setzen. Auch dieser Antrag fand ein­

stimmige Annahme. Der italienische Botschafter sprach der Konferenz seinen Dank aus.

Alexandrien, 15. Aug. Das Transportschiff „Calabria" mit Wolseley ist vergangene Nacht hier ein­getroffen. Die englischen Posten bei dem Fort Mex wur­den verstärkt infolge des Gerüchts, die in englischen Dien­sten stehenden Beduinen seien in der Umgebung auf regu­läre egyptische Truppen gestoßen. Oberst @emb unternahm heute früh eine Rekognoszierung der egyptifchen Position.

Alexandrien, 15. Aug. Anläßlich des Beiram- festeö fand bei dem Khedive ein wenn auch nicht offizieller Empfang statt, welchem zahlreiche Personen, darunter Adye, Seymour und der österreichische Geschwaderchef mit mili­tärischem Gefolge beiwohnten. Unverbürgten Gerüchten zufolge hat Arabi am vorigen Sonntag von einer Ulema- versammlung sich zwei Tetwas ausgewirkt, welche dm Sultan für abgesetzt erklären und den Scherif von Mekka zum Nachfolger des Sultans ernennen.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Aug. Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser verlieh Langenbeck den Charakter eines wirklichen Geheimen Rats mit dem Prädikat Excellenz. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Telegrammen aus Konstan­tinopel zufolge, macht die Pforte die syrischen General­gouverneure für die Aufrechterhaltung der Ordnung ver­antwortlich und ermächtigt den Gendarmeriechef von Syrien, die Polizei und Gendarmerie nach Bedürfnis zu vermehren. Dasselbe Blatt schreibt ferner: Wir haben bereits der eigen­tümlichen Stellung gedacht, in welche die auf dem Lehrer­tage in Kassel gefaßten Beschlüsse die deutsche Lehrerschaft hineindrängen möchten. Das „Dresdener Journal" macht nun in einem, an die Bemerkungen der „Kreuzzeitung" über die wahre Volksbildung anknüpfenden Artikel darauf aufmerksam, daß dieselben Elemente eS seien, dir sich in den fortschrittlichen Heerbann einreihten, die zugleich eine kirchenfeindliche Richtung in der Schule verfolgten. In jenem Artikel heißt es: „Dieselben, die kirchenfeindliche Richtung verfolgenden Elemente sind es auch, welche vor­zugsweise sich zu einer politischen Mission berufen glauben. Dieses in der letzten Zeit da und dort aufgetauchte Stre­ben verträgt sich wohl schwerlich weder mit der Aufgabe des Lehrers, noch mit den Zwecken der Schule. Auf keinen Fall kann der Lehrer, wenn er sich der einen oder der an­deren politischen Partei anschließen will, vergeffen, daß er wie Andere, welche im Dienste des Staates zu wirken be­rufen sind, nichts fördern kann, was mit der christlich- monarchischen Grundlage unserer deutschen Staaten im Widerspruch steht. Dieser christlichen Grundlage unserer Bildung glaubt man sich entschlagen zu müssen; ja viel­fach hat sich infolge der radikalen Beeinflussungen ein

Mu Frarreuherz.

Orignial-Erzählung von ... .

(Fortsetzung.)

Die Kälte, mit der er dies sagte, erschreckte Albertine und reizte sie gleichzeitig noch mehr. „Wenn er solche Gleichgültigkeit zeigt," dachte sie, „bann erforbert eS bein Stolz, ihn darin zu übertreffen."

„G- f Lindenau," sagte sie, „hat Recht. Blumenduft ist sü- .«opfweh nicht gut; aber wenn dem auch nicht fo wäre, so sind wir doch alte Bekannte, als daß er for­dern könnte, ich solle auf jede seiner vielen Aufmerksam­keiten Gewicht legen. Er hat mich schon als Kind ver­wöhnt, eö darin nicht genau zu nehmen: aber da kommt ein Tänzer, dem ich einen Korb geben muß."

Damit gab sie der Freundin das Bouquet und wandte sich ab.

Albertine kam an demselben Abend noch mehrmals mit dem Grafen in Berührung, und ihre Besorgnis, daß sie ihn zu tief verletzt habe, schwand, als er ihr dieselben Auf­merksamkeiten erwies, wie früher. Er brachte ihr den Mantel, führte sie mit ihrer Mutter zum Wagen: sein ganzes Benehmen trug den Charakter, als habe er sie zu versöhnen, und nicht, als habe sie ein Unrecht begangen. Daher rief sie — er ist kein Mann, als die Mutter ihr Vorstellungen machte, ja, sie zweifelte an der Stärke seiner Liebe, weil sie jede Kränkung ertrug.

Die Worte der Mutter: „er erträgt vielleicht absichtlich Deine Launen, um zu sehen, ob Dein Gefühl sich nicht endlich dieses unwürdigen Spiels schämt" erregten Bedenken in Albertinen; von dieser Seite hatte sie Lindenan'S Be­nehmen noch nicht auf gefaßt; sie hatte ihn immer für schwach gehalten, dieser Schwäche in Uebermut gespottet,

und wenn dieselbe einmal ihr Herz bewegte, ihm doch immer daraus einen Vorwurf gemacht. Jetzt zitterte sie, daß die Mutter Recht haben könne,, und daß sie vielleicht Ursache habe, vor ihm beschämt zu erröten. Die Möglichkeit, daß er mit ihr brechen könne, die jetzt zum erstenmale vor ihr Herz trat, ließ sie dasselbe prüfen und seines Gefühls klar werden; sie zeigte ihr einen Abgrund, vor dem sie erschrack.

Als Albertine am Abend desselben Tages Toilette machte, um die Mutter in eine Gesellschaft zu geleiten, und der Spiegel ihrer Schönheit verführerischer denn je wiederstrahlte, lachte sie über ihre Angst. „Er soll es versuchen, dir zu trotzen," rief es in ihr; „er soll es versuchen, deine Fesseln zu zerreißen I Hunderte bringen dir ihre Huldigungen, ein Lächeln von dir macht sie glücklich, und du solltest dich um ihn bewerben, solltest deine Laune meistern, welche so Viele bezaubert! Wenn er dich liebt, muß er dich lieben, wie du bist; der Mann darf nicht vor der Hochzeit den Hofmeister spielen."

Albertine kam auf den Ball; sie wurde von Verehrern umringt, die sich beeilten, einen Tanz von ihr zu erhalten. Umsonst wartete sie auf Lindenau.

Sie gab einen Tanz nach dem andern fort, bis sie nur noch einen übrig hatte, sie zögerte, sich auch für diesen zu versagen, in der Hoffnung, daß Lindenau »och kommen werde; als dies nicht geschah, nahm sie sich vor, auch heute nicht mit ihm zu tanzen.

Da trat er heran. Er fragte nach ihrem Befinden und brachte ihr, wie immer, ein Bouquet. Die Größe deffelben fiel ihr auf.

„Ich habe mehr Rosen gebracht," sagte er, „damit Sie einige behalten können, wenn sie etwa Blumen verschenken wollen." (Fortsetzung folgt.)

Der Erbe des Blutes.

Erzählung von Emma Händen-

(Schluß.)

„Dann will ich abwarten, ob Ihre Thaten Ihren Worten entsprechen werden; ein Kontrakt zwischen uns wird nicht abgeschlossen, sondern ich wahre mir hier, in Gegenwart dieses ehrwürdigen Zeugen das Recht, Sie so­fort zu entlassen, wenn Sie in Ihren alten Fehler der Renitenz gegen mich zurückfallen, damit es nicht wieder zu einer solchen Katastrophe zwischen uns kommt, wie eS *"u$ kommen ist. Ebenso wahre ich mir das Recht der @rcr laffung, wenn ich im geringsten sehe, daß Sie die Anders" gegen mich aufhetzen. Wollen Sie es darauf hin wagen)' so können Sie sofort eintreten."

„Ich danke Ihnen, Herr Graf, Sie sollen fortan keine Ursache zur Unzufriedenheit mit mir haben."

„So gehen Sie und beruhigen Sie Ihre Frau, die jedenfalls in Sorge um die Zukunft sein wird, ich habe noch mit dem Herrn Pfarrer zu reden."

AIS Werner das Zimmer verlaffen hatte, sank der Graf auf einen Stuhl am Fenster und stützte dm Kopf in die Hand.

»Herr Pfarrer", sagte er, „Werner und ich, wir sind Beide Andere geworden, er in harter Korrektionshaft, ich durch die Liebe zu einem edlen Weibe. Was habe ich vor dem Manne voraus, daß das Schicksal mit mir müder verfahren ist!"

„Auch Sie haben einen harten Kamps gekämpft, Herr Graf, und haben das Glück des Lebens noch nicht gefunden, gehen Sie hin und suchen Sie es da, wo Sie es zu hoffen haben, an der Seite des jungen Weibes, um deffentwillen Sie ein Anderer geworden sind; ich glaubte, Sie Holm