Nr 191
Marburg, Mittwoch, 16. August 1882
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von granlfifl^^^Ä Buch hand^^^^W Hermans che^^M daselbst; Jnva^W Berlin; W. Ißl Elberfeld; 6. Lch Bremen.
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Ueber uniert Wirtschaftspolitik schreibt die „Prov.-Korresp.": Die bisher dem Handelsminister überreichten Berichte der Handelskammern über die Lage des Handels und der Industrie bieten mancherlei Stofs zur Beurteilung unserer wirtschaftlichen Lage. Dieselben konstatieren im großen Ganzen einen Aufschwung, ivenngleich sie ihn auf verschiedene Ursachen zurückzuführen suchen. Diejenigen Handelskammern, in welchen die freihändlerische Richtung eine Stätte gefunden, glauben den auch von ihnen nicht in Abrede gestellten Aufschwung aus den »Konstellationen des Weltkonsums", aus den „Bewegungen des Weltmarktes* erklären zu sollen. Von einer direkten Verurteilung deS Zolltarifs findet sich auch bei ihnen nur noch wenig. Andere Handelskammern bekennen, daß der Tarif nichts geschadet, andere, daß wir vorzugsweise der Zollreform den Aufschwung zu verdanken haben, während andere noch weitere Maßregeln im Sinne der Schutzzollpolitik befürworten.
Bei dieser Verschiedenartigkeit der Urteile, welche durch den nativnalökonomischen Standpunkt bedingt ist, wird es am besten sein, sich an die von den Handelskammern selbst angeführten thatsächlichen Mitteilungen zu halten.
Was den Handel mit Getreide betrifft, so wird aus den beiden großen Handelsplätzen des Ostens, Danzig und Königsberg, berichtet, daß derselbe in der letzten Hälfte des Vorjahres einen erfreulichen Aufschwung genommen, und zwar infolge der guten Ernte in Rußland. Der Zoll war es mithin nicht, welcher den Handel vorher darnieder drückte.
Bezüglich der Lage der Industrie wird überall eine rege Thätigkeit und Entwickelung gemeldet. Die Handelskammer von Breslau konstatieit während des Jahres 1881 einen partiellen Aufschwung, eine Wiederbefestigung der lange Zeit weichenden Preise, ein größeres Vertrauen auf feiten der freier und ungezwungener disponierenden Abnehmer. Namentlich sei in wichtigen Großindustrieen eine merkliche Besserung eingetreten. Insbesondere aber wird eine Besserung der wirtschaftlichen Vcrhältniffe aus den industriereichen westlichen Provinzen gemeldet. So wird u. a. das Geschäft in Eisen und Eisenhalbfabrikaten als ein günstiges bezeichnet und mehrfach — so von der Handelskammer zu Kassel — zugestandcn, daß der wieder eingeführte Zoll auf Eisen von „segensreicher Wirkung" sei. Ebenso wird der ansehnlich vermehrte Umsatz in anderen Artikeln, z. B. der Leinen- und Halbwollfabrtkation, auf den Schutze zoll zurückgeführt. Die Handelskammer von Koblenz konstatiert, daß der neue Zolltarif auf viele Zweige günstig eingewirkt habe und daß sich immer mehr die Ueberzeugung befestige, daß ein Zollschutz für eine ganze Anzahl von Artikeln nicht zu entbehren sei. Der gewährte Schutz habe der Landwirtschaft wesentliche Dienste geleistet, einzelne Zweige der Industrie in ihrer Existenz erhalten und zur
Hebung des Vertrauens beigetragen. „Wir begrüßen", heißt es dann weiter, „die Bestrebungen unserer Handelspolitik, welche darauf hinsteuern, unfern Markt und unser Ansehen im AuSlande zu erweitern und unö im Wettbewerb zu unterstützen, mit voller Sympathie und sehen in verschiedenen Anordnungen dankbarst die Hilfe, welche der Handelsminister gern unserm arbeitbedürftigen Volke und Lande leisten möchte."
Auch die fortwährend von den Gegnern der neuen Wirtschaftspolitik wiederholte Behauptung, daß diese die Lebensmittel unnötig verteuere, findet in einzelnen Handelsberichten, die keineswegs von Anhängern der Reform auS- gegangen find, ihre Widerlegung. Die Handelskammer zu Harburg gesteht ein, daß der Zoll die Lebensmittel nicht erhöht habe; die Lage der arbeitenden Bevölkerung sei durch verhältnismäßig billige Preise mancher Lebcnöbedürf- niffe, ungeachtet deS auf sie gelegten Zolles, eine leidliche gewesen. Und in bezug auf die amerikanischen Flcischartikel, deren angebliche Verteuerung durch den Zoll nach der Behauptung der Fortschrittspresse der arbeitenden Klasse den Konsum fast zur Unmöglichkeit gemacht haben sollte, führte dieselbe freihändlerische Handelskammer den Nachweis, daß die sehr erheblichen Preisschwankungen, welche in Amerika selber und auf dem außerhalb der deutschen Zollgrenze belegenen Hamburger Markte stattgefunden haben, die Ursache seien, daß sich ein belangreiches Geschäft in diesen Artikeln im Zollgebiet nicht habe entwickeln können; denn solche Preise, wie schon im Zollauslande gemacht würden, sei der Arbeiter nicht im stände zu zahlm. Aber nicht nur hinsichtlich der Lebensmittel wird zugestanden, daß eine Teuerung durch den Zolltarif nicht herbeigeführt ist, sondern eine Reihe von Berichten, so der der Barmer Handelskammer, konstatiert, daß auch viele Fabrikate im Zollinlande keine Preissteigerung erfahren haben. Vielmehr wird über zu große Konkurrenz und infolge derselben gedrückte Preise geklagt, welche dem Produzenten das Leben schwer machen. Den Konsumenten sind also weder die Waren noch die Lebensmittel durch den Zoll verteuert worden I
Verschiedene Handelskammern befürworten eine Steigerung der Eingangszölle für einzelne Artikel. Auf viele Industriezweige, sagt z. B die Handelskammer für Aachen und Burtscheid, hätten die neuen Zollverhältnisse einen günstigen Einfluß ausgcübt- DaS gelte aber vorzugsweise nur von den billigeren Fabrikaten, während die feinen und teuren Waren durch den jetzigen GcwichtSzoll noch zu wenig geschützt seien; eS müßte deshalb die Zollpolitik darauf bedacht nehmen, auch diesen Gegenständen erhöhten Schutz zu verleihen. Die Handelskammer des Kreises Eupen verlangt eine Erhöhung der Zölle auf Garn, um der belgischen Konkurrenz widerstehen zu können, eine Forderung, welcher auch die Handelskammer für Mühl
hausen in Thüringen, Worbis und Heiligenstadt mit Nachdruck beitritt.
So sehen wir denn ganz allgemein eine Besserung der Geschäftslage anerkannt. Handelskammern, welche früher der Zollpolitik die Ungunst der Vcrhältniffe zuschoben, halten jetzt (wie die Danziger Kaufmannschaft) mit gleichen Einwendungen zurück. Klagen über die Geschäftslage werden kaum je verstummen, aber sie sind seltener geworden. Wenn einzelne Handelskammern — den Grundsätzen der Freihandelspartei entsprechend — den Aufschwung der Ver- hältniffe auf den Stand des WeltkonsumS zurückführen und der Meinung sind, daß diese Befferung trotz der Schutzzölle eingetreten sei, so wird man diese ihre Ansicht auf sich beruhen laffen können: denn nicht auf diese Ansicht, sondern auf die Thatsache kommt es an, daß Deutschlands wirtschaftliche Verhältnisse im Aufschwung begriffen sind, was ja auch der steigende Verkehr auf den Eisenbahnen und im Post- und Telegraphenwesen beweist. Daß sich alles dieses ebenso verhalten würde, wenn wir 1879 nicht die Wendung unserer Zollpolitik hätten Eintreten lassen, wird vielleicht behauptet, niemals aber bewiesen werden können.
Angesichts der zahlreichen Zeugniffe aber über die guten Folgen der Zollpolitik und angesichts der mannich- fachen in dieser Beziehung konstatierten Thatsachen wird eS sich für Alle, die Sinn für praktische Verhältnisse haben, empfehlen, an dieser Politik festzuhalten und im Sinne derselben zu wirken: es geschieht dies nicht zu Nutz und Frommen einer Partei oder Lehrmeinung, sondern im Interesse der wirtschaftlichen Verhältnisse Deutschlands, die durch diese Politik begonnen haben, sich neu zu beleben und zu stärken.
Deutsches Reich. —
Berlin, 14. Ang. Der Kaiser nahm heute auf Schloß Babelsberg die gewöhnlichen Vorträge entgegen; um 5 Uhr findet ein kleines Diner statt, wozu mehrere Generäle und höhere Offiziere geladen sind. Die Kaiserin ist durch einen Fall im Zimmer auf einige Tage am AuSgehcn behindert und konnte deshalb auch gestern dem Gottesdienste nicht beiwohnen. — Da in neuerer Zeit mehrfach darüber geklagt worden, daß bei vielen Schulen, namentlich auf dem platten Lande, die formelle Behandlung der Schulangelegenheiten seitens des Schulvorstandes Mangel zeigt und daß eö besonders an einem geordneten Aktenmaterial fehle, so hat der Unterrichtsminister die Provinzialverwaltungcn ersucht, darauf hinzuwirken, daß durch Anlegung und regelmäßige Führung geordneter Geschäftsjournale ein vollständiges, über den augenblicklichen Stand und Verlauf einer jeden vorgekommenen Angelegenheit sicher auSkunftS- gebendeS Aktenmaterial gewonnen werde. Die Führung
Ei« Fraueuherz.
Orignial-Erzählung von ... .
(Fortsetzung.)
Scheinbar absichtslos kam sie in seine Nähe, und als er grüßte, trat sie auf ihn zu; aber er rührte sich nicht, er that, als bemerkte er ihre Absicht nicht, ihn anzureden.
DaS verletzte sie, und ihr Ton wurde weniger herzlich, als sie anfangs gewollt.
„Verzeihen Sie, daß ich mich doppelt engagiert habe," begann sie, „eS war ein Irrtum, und nur Ihr verspätetes Eintreffen hat mich verhindert, Sie früher um Entschuldigung zu bitten."
„Gnädiges Fräulein, dieser Form bedarf eS gegen mich nicht," unterbrach er sie mit bewegter Stimme, „ich habe das Glück, Ihnen so nahe zu stehen, daß ich verpflichtet bin, zurückzutreten, wenn Sie durch einen Irrtum sich doppelt engagiern. Sie haben ihre Zusage vergessen, und es wäre ungalant, wollte ich deshalb eine Entschuldigung annehmen. Ueberdem habe ich mich verspätet, und wie konnte ich erwarten, daß Sie um meinetwillen einen Tanz ausließen I"
„Herr Graf, ich hätte das gethan, wenn Sie früher hier gewesen wären. Ich sehr MooSrosen in Ihrer Hand, sind sie die Ursache ihre« verspäteten EintteffenS?"
„Ja." Damit überreichte er ihr daS Bouquet. „Der Gärtner hatte mich im Sttch gelassen."
„O die schönen Rosen!" flüsterte sie, dm Duft der Blumm einathmend, „ich danke Ihnen; eS thut mir leib, Sic gekränkt zu haben, während Sie daran dachten, mich zu erfreuen."
„Ihre Güte belohnt mich für einen augenblicklichen
Verdruß tausendfach," entgegnete er mit Wärme. „Albertine, wüßten Sie, wie gut Ihnen diese Güte steht, Sie würden immer nur Ihr Herz reden lassen und bezaubern, anstatt zu verwunden."
Albertine spielte, während er sprach, mit den Rosen.
„Sagen Sie offen," fuhr er fort, „weshalb haben Sie mich heute absichtlich verletzt?"
„Ich habe Ihnen gesagt, daß ein Irrtum schuld war, ich hatte Ihnen einen Tanz zugesagt, den ich nicht mehr frei hatte."
„Und Sie haben keinen anderen für mich aufbewahrt?"
Albertine war zu allen Tänzen versagt und es wurde ihr in diesem Augenblicke zu schwer, dies einzugestehen; in der Verwirrung glaubte sie keinen besseren Ausweg zu finden, als wenn sie, um ihn nicht zu verletzen, heute überhaupt nicht mehr tanzte.
„Ich habe Kopfschmerz," sagte sie, „und werde nicht mehr tanzen."
„Das wäre grausam gegm sich selbst gehandelt. Wahrscheinlich sind Sie zu allen Tänzen versagt, und da Sie einsehen, wie grausam Sie meine Hoffnungen getäuscht haben, schützen Sie jetzt Kopfschmerz vor."
Albertine errötete leicht. Es verletzte sie, daß der Graf ihren Wortrn keinen Glauben schenkte und ihren Irrtum absichtlich nannte.
„Sie sind sehr eitel," antwortete sie, „wenn Sie glauben, ich schütze Kopfschmerz vor, um die Nachlässigkeit ab- zubüßen, für welche Ihnen meine Bitte um Entschuldigung nicht genügt."
Damit wandle sie sich ab.
„Albertine." flüsterte er bittend, „wollen Sie sich denn immer verstellen? Gelte ich Ihnen so wenig, daß mir
Ihre Lippen die Genuzthuung nicht gönnen, welche Ihr Herz mir gegeben?"
„Sie scheinen mehr von meinem Herzen zu wissen, als ich selbst," antwortete sie spöttisch, als das Gespräch durch daS Hinzutreten einer Freundin AlbertinenS unterbrochen wurde.
„Ah, die schönen Rosen!" tief die Dame, daS Bouquet AlbertinenS betrachtend, und leise flüsternd setze sie neckisch hinzu: „von lieber Hand!"
Albertine zuckte leicht die Achseln. Ihr Blick suchte Lindenau, welcher zurückgetreten war, sie bemerkte, daß fein Auge prüfend auf ihr ruhte, und ein unwiderstehlicher Drang trieb sie, ihn zu reizen.
„Herr Graf," redete sie ihn wieder an, daS Auge fest auf ihn heftend, „meine Freundin bewundert ihre Rosen. Ich werde so reichlich von Ihnen damit versorgt, daß ich wohl ein Opfer bringen kann. Nehmen Sie eS übel, wenn ich das Bouquet verschenke?"
„Es ist daS Ihrige," erwiederte der Graf, sich tief verbeugend, um zu verbergen, daß ihm daS Blut ins Antlitz stieg. „Sie haben darüber zu verfügen."
Albertine reichte der Freundin die Rosen; aber ihre Hand zitterte leise, der Ton, in welchem Lindenau gesprochen, ließ ihr Herz beben und die Neckerei bereuen.
Die Freundin wies das Bouquet zurück, „Albertine scherze doch nur," meinte sie.
„Glauben Sie das nicht," nahm der Graf daS Wort, „ Fräulein von Emsbach hat die Blumen nur angenommen, um sie zu verschenken, sie hat überdem Kopsschmerz, und der starke Geruch ist ihr nicht zuträglich."
(Fortsetzung folgt.)