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> Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th. Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. !Li., Berlin, Leipzig, Köln k.; Rudolf Moffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Marburg, Dienstag, 15. August 1882

XVII LahtMg

OhecheMk jfitinip.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M-; Jiigersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendorkin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnstrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition lK och'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 2 Mark SO Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutsche- Reich.

Berlin, 12. Aug. Der König von Griechenland, der gestern abend den Majestäten in Babelsberg in Begleitung seines Gesandten Rangabe einen Besuch machte, wurde ndt großer Auszeichnung empfangen. Heute nachmittag ’M Uhr kam der Kaiser von Babelsberg hierher und begab sich nach dem Hotel du Nord, um den Besuch zu erwidern. Der König empfing den Kaiser am Wagen und geleitete ihn zu seinen Gemächern. Der Besuch währte 3A Stunden. Im kaiserlichen Palais nahm der Kaiser hierauf Vorträge entgegen und beriet mit dem Minister v. Puttkamer. Um .*/»3 Uhr kehrte er nach Babelsberg zurück. Zu Ehren des Königs Georg findet um 5 Uhr auf Babelsberg ein größeres Diner statt, wozu der griechische Gesandte Rangabe und Graf Hatzfeldt geladen find. Die Bevölkerung der Stadt begrüßte den Kaiser bei seiner heutigen Anwesenheit überall in den Straßen mit lebhaften Zurufen. Heute abend wird der König seine Reise nach Wiesbaden an­treten. — In hiesigen militärischen Kreisen verfolgt man den Gang der egyptischen Ereignisse mit großer Spannung; man weissagt den Engländern keinen allzu günstigen Er­folg. Preußische Offiziere werden in diesem Feldzuge bei den europäischen Heeren sich nicht einfinden. Wie man hört, hätte es an Wünschen seitens preußischer Offiziere in dieser Beziehung nicht gefehlt; da indefien ein abschlägiger Bescheid sicher vorauszusehen war, sind gar keine Anträge gestellt worden. Es heißt auch, daß, durchaus im Gegen­sätze zu früherm Herkommen, die Engländer keine Neigung gehabt haben sollen, fremdländischen Offizieren die Ml- nahme an dem Feldzuge in ihren Reihen zu gestatten. — Der „R.-B" bringt unter Anknüpfung an die gemein­samen Wahlvorschläge der Nationalliberalen und der Fort­schrittspartei in Elberfeld - Barmen folgendes konservative Programm in Vorschlag: 1. Wir verlangen Erhaltung und Stärkung des königlichen Regiments auf der Grundlage und im Rahmen der bestehenden Verfassung, dagegen Ab­wehr der Bestrebungen, welche auf die Herrschaft der poli­tischen Parteien oder auf parlamentarisches Regiment gerichtet sind. 2. Wir wollen Erhaltung und Stärkung des christlichen Charakters unseres Volkslebens auch als Grundlage für den Staat. Also insbesondere: Erhaltung der christlichen Volksschule, Verbesserung der Lage der Lehrer, insbesondere der älteren und der Emeritierten, aus Staatsmitteln, sowie Zurückweisung der auf Simultani- sierung und ReligionöloSmachung der Schule gerichteten Bestrebungen. Wiederherstellung des christlichen Eides. Wiederherstellung der Berechtigung zur christlichen Ehe­schließung (fakultative Zivilehe) und Zurückweisung des überwuchernden Einflusses dcS Judentums im Staatsleben. 3. Auf kirchenpolitischem Gebiete wünschen wir Beilegung des Kulturkampfes durch eine Revision der Maigesetze.

sNachdruck yerboten-]

Ein Frauenherz.

Orignial-Erzählung von ... .

„Tinchen, der Graf hat sich nach Deinem Befinden er­kundigen lassen."

„So?!" erwiderte die Angeredete, ein junges Mädchen von achtzehn Jahren, schalkhaft lächelnd, und stickte, ohne aufzusehen, weiter, als ob der Ton, in welchem das „so!" gesprochen, jede weitere Erklärung überflüssig machte.

Die Mutter schüttelte unwillig den Kopf, Mißmut und Sorge lag in dem Blick, welcher prüfend auf die Tochter gerichtet war.

„Ich weiß nichts davon, daß Du unwohl gewesen?" fuhr sie nach einer kleinen Pause fort.

Albertine schaute auf, und der Uebermut bewußter Schönheit glänzte aus ihrem Auge.

„Ich war es auch nur für den Grafen," entgegnete sie, „er tötet mich mit seiner Aufmerksamkeit."

„Die Du doch nicht vermissen möchtest I" entgegnete die Mutter vorwurfsvoll. „Tinchen, das Spiel mit dem Grafen gefällt mir nicht, eS macht mich besorgt für Dich."

„Glaubst Du, daß ich ohne ihn sitzen bleibe," warf Albertine kokett hin, „und wenn dies auch wirklich der Fall wäre, ist es denn so fürchterlich, das Unglück zu haben, keinen Mann zu bekommen?"

„Tinchen, diese Sorge betrübt mich am wenigsten," er­widerte die Mutter ernst, „für Deine Zukunft ist gesorgt, Du wirst niemals Mangel leiten, aber Reichtum macht noch nicht glücklich."

„Du meinst doch nicht, daß der sentimentale Graf allein daS Rezept besitze, mich glücklich zu machen?"

4. Auf wirtschaftlichem Gebiete wollen wir Steuerreform zur Entlastung der ärmeren Volksklassen und der produk­tiven Arbeit, insbesondere des Ackerbaus und des Hand­werks, dagegen stärkere Heranziehung der großen Einkommen, ErbschaftS- und prozentuale Börsensteuer- 5. Erhaltung und Stärkung des bäuerlichen wie gewerblichen Mittel­standes, und deshalb fordern wir: 6. Reform des land­wirtschaftlichen Kreditwesens in korporativer Weise nach Art der ritterschaftlichen Landschaften, also bäuerliche Land- schaftS - Kreditbanken, um unfern Bauernstand vor dem verderblichen Zinswucher zu schützen. 7. Beseitigung des Hausierhandels mit Vieh, Ellenwaren, fertigen Handwerks­waren, Schnaps und Wertpapieren. 8. Korporative Zu­sammenfassung und Stärkung des Handwerks. 9. Förde­rung des Baues von Kanälen und Sekundärbahnen, um auch den von den bestehenden großen Verkehrswegen noch ausgeschlossenen Gegenden den Segen der modernen Ver­kehrsmittel zu teil werden zu lasten. 10. Schutz und Pflege der nationalen Arbeit; Unterstützung des Staates zur Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen und Gewinnung neuer Märkte im Auslande. 11. Fortführung der Politik zur Besserung der Lage der Arbeiter in den Tagen der Arbeitslosigkeit, der Krankheit und des Alters. 12. Ab­schaffung der Sonntagsarbeit und Schutz der Arbeiter vor mißbräuchlicher Ausbeutung ihrer Arbeitskraft, durch allzu­lange Arbeitszeit und unbegründete Herabdrückung ihres Arbeitslohnes. — Das Blatt bemerkt hierzu: Was wir hier zusammengestellt haben, sind Forderungen, welche auf konservativer Seite längst erhoben sind. Möchte man sie nur in Gestalt eines Wahlaufrufs zusammenstellcn! Die Wirkung würde nicht ausbleiben. Die Liberalen fürchten nichts mehr, als daß die Konservativen ihre Politik in volkstümlicher Weise formulieren — und Volkspartei würden. Daß wir neulich dieses Wort in un-erer Besprechung des rheinischen Programms ausgesprochen, hat die ganze liberale Presse in Aufregung gebracht. Der beste Wink für die Konservativen. Ihre Politik ist volkstümlich, sie müssen sie nur iu volkstümlicher Weise aussprechen! Möchten sie sich endlich dazu entschließen! — Es wird bestätigt, daß der Gesandte Dr. v. Schlözer bei seiner jüngsten Anwesenheit in Varzin nur über die Resultatlosigkeit weiterer Verhand­lungen mit der Kurie hat berichten können. — Seitens der Regierung wurden die Oberpräsidenten in einem Zir­kular aufgefordert, Gutachten über das im Jahre 1879 dem Landtage vorgelegte Kommunalsteuergesctz abzugeben, da die Vorlegung eines neuen Kommunalsteuergesetzes beab­sichtigt sei. Eö handelt sich bei den Anfragen namentlich um die Form der Besteuerung der Versicherungsgesellschaften, und um die Ausdehnung der Besteuerung auf die Bank- und Kreditgeschäfte. — Es heißt, daß der interimistische Leiter des auswärtigen Amtes, Botschafter Graf Hatzfeldt, alsbald seinen Urlaub antreten wird, was mit der gün-

„Laß diesen Ton," antwortete die Mutter streng, „er ist cs, der mich besorgt macht. Der Graf ist Dir nicht gleichgültig, ich weiß cs; wäre ich davon weniger überzeugt, dann würde ich kein Wort verlieren. Du bist nicht wahr, Du spottest des eigenen Gefühls, Du gefällst Dir in einer herzlosen Koketterie und schonst nicht das Gefühl Anderer. Heute machst Du ihm Hoffnungen, morgen verspottest Du ihn, und Du wirst das so lange treiben, bis er die Achtung vor Dir verliert und Dich für das hält, was Du doch noch nicht bist — eine herzlose Kokette."

„Albertine war bei diesen Worten der Mutter hoch er­rötet. „Wenn ich glauben müßte," antwortete sie, den Blick zu Boden senkend, „daß er mich je verachten könnte, dann würde ich ihn nicht auf die Probe stellen. Er ist mir nicht gleichgültig; es giebt Momente, wo cS mir sogar scheint, als könnte ich seine Neigung erwiedern, aber dann muß ich über seine Exstase lachen. Er möchte «>ich ver­göttern und wird unausstehlich langweilig mit seinen Phra­sen. Der ist kein Mann, der sich von dem Blicke eines WeibeS regieren läßt und nach ihrem Gefallen seufzt oder jubelt. Ich glaube, er würde mich mit Eifersucht töten; er möchte, daß ich ihn fortwährend ebenso närrisch verliebt anschaute, wie er die Güte hat, mich zu betrachten. Ich könnte ihn lieben, wenn er eS einmal verstände, Nein zu sagen, wo ich ein Ja fordere; aber eS rcht mich unwider­stehlich zum Spott, wenn ich sehe, daß sein Gesicht alle Schattierungen von überirdischer Seligkeit bis zum tiefsten Kummer annimmt, sobald ich ihn durch einen C crz au» seinen Träumen aufschrecke. Und dabei hat er 'cht den Mut, ein Wort zu sagen."

„Weil Dein Spott dadurch nur bitterer wird, unter­brach sie die Mutter, „weil er weiß, daß Deine Laune

stigeren Lage der egyptischen Frage in Verbindung gebracht wird. — Hier konstituierte sich auf der Basis eines von Julius Schulze auSgearbeitcten Status eine allgemeine Berliner Schneiderinnungsbank — Auf Veranlassung des „Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in Preußen" wird vom 15. bis 23. April 1883 hier eine große all­gemeine Gartenbauausstellung stattfinden.

Königsberg, 10. Aug. Der Abg. v. Moeller hatte im Stadtverordneten - Kollegium angeregt, daß bei Ehe­schließungen der standesamtliche Akt mit größerer Feier­lichkeit vorgenommen werden möchte. Der Magistrat hat nun, diesem Wunsche entsprechend, auf dem Standesamt ein besonderes Zimmer, in stylvoller Weise gefällig tape­ziert und mit hübschen Möbeln ausgestattet, herstellen laffen, und man sieht nur noch einer Anordnung angesichts der Kleidung, die der Standesbeamte bei Vollziehung des Trauaktes anzulegen hat, entgegen.

Hamburg, 12. Aug. Nachdem die Sänger des deutschen Sängerbundes im Laufe des gestrigen TageS die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt hatten, begann um 6 Uhr abends das große Festkonzert unter der Leitung des Professors Bernuth mit dem Liede: „Die Himmel rühmen". Nachdem der Beifallssturm sich gelegt, hielt Präsident Dr. Hachmann eine längere Ansprache und brachte schließlich das Hoch auf den Kaiser auS: „Des deutschen Kaisers Majestät, sie strahle für alle Zeiten! Se. Majestät Kaiser Wilhelm lebe hoch!" Das Publikum stimmte mit größter Begeisterung stehend ein, worauf Bernuth die Hymne erklingen ließ: „Den König segne Gott". — Auch die folgenden Gesänge wurden exakt vorgetragen; einzelne erzielten einen überraschenden Effekt. Auf dem Festplatze sind viele Tausende versammelt. Nach dem Konzert ver­teilten sich die einzelnen Vereine in die Zelte, andere be­suchten den Zoologischen Garten, woselbst Monstrekonzert stattfand. — Der Kaiser erwiderte auf das an ihn ge­richtete Telegramm ebenfalls durch Telegramm an den Bürgermeister Kirchenpauer: Babelsberg, 12. August. Soeben erhalte Ich Ihr Telegramm, in welchem Sie Mir die patriotischen Gefühle aussprechen, welche die Ver­sammelten zum dritten deutschen Sängerfcst Mir so freund­lich darbringen. Ich ersuche Sie, Meinen herzlichen, auf­richtigen Dank den Beteiligten aussprechen zu wollen, wobei Ich nicht unterlassen kann, in Dankbarkeit des Tages zu gedenken, wo die gleichen Gefühle Mir in Ihrer eschönen Stadt von den Einwohnern entgegcngebracht wurden. — Der heutige große Festzug marschierte gegen 3 Uhr von dem Steinthorplatz ab, durchzog mit in den Zügen ver­teilten 14 Musikkorps die aufs prächtigste geschmückten und mit jubelnden Menschenmengen angesüllten Straßen bis zum Festplatz vor dem Dammthor in ungefähr IV2 Stunden. — Das zweite Festkonzert verlief programm­mäßig und mit günstigem Erfolge. Nach dem Gesang der

nicht Maß hält, und er fürchtet, Du könntest einmal ein Wort sagen, welches ihn für immer von Dir trennt. Ich bin überzeugt, daß er absichtlich Deine Launen erträgt, um zu sehen ob Dein Gefühl sich nicht endlich dieses unwür­digen Spieles schämt. Er weiß, daß Du ihn liebst, und hat doch nicht um Deine Hand angehalten. Dies sollte Dir ein Beweis sein, daß er vielleicht nicht der Mann ist, der einen Korb hinnimmt und wiederkommt."

„Dann mag er fortbleiben!" meinte Albertine die Achseln zuckend.

Die Mutter schüttelte den Kopf. „Gebrochen ist leicht," murmelte sie, „aber eine Wunde vernarbt nicht; man fühlt erst, was man verloren, wenn es zu spät ist. Er ist der Mann, der Dich glücklich machen könnte; wenn Du ihn von Dir stießest, würdest Du cs bereuen; denn die erste Liebe wurzelt tief, und wenn man den Keim auch töten, die Wurzeln ausreißen möchte, auf der Stells wo sie ge­wesen, da gedeiht nichts mehr, da bleibt eS leer im Herzm, und diese Leere fühlt man ewig."

Albertine antwortete nicht, die Vorstellung der Mutter hatte eine Saite angeschlagen, deren Ton in ihrem Herzm widerklang und die Spottlust verstummen ließ.

Es klingt barock, wenn wir sagen, gefühlloser Spott kommt nur aus einem fühlenden Herzen. Es ist ein grausames Spiel, welches gerade ein tief fühlendes Herz in krankhaft gereiztem Zustande mit der eigenen Bitterkeit treibt, wenn cs diejenigen verletzt, die cö liebt und seiner eigenen Gefühle spottet — eS dürstet danach, Wiederspruch zu hören. Albertine war ihrcS Gefühles nicht klar, sie wurde von Zweifeln gequält, sie fühlte sich darüber un­glücklich, daß sie überhaupt zweifeln konnte, und die Bitter­keit ihres Spottes schlug dem eigenen Herzen eben so