Nr ISO
Marburg, Sonntag, 13. August 1882
xvii Jahrgang
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ziemlich gleich. — Der Rauenthaler wächst an der Straße von Walluf nach Schmalbach und ist erst in neuester Zeit durch verbesserte Kultur zu hohem Rang erhoben worden; seit dem frankfurter Fürstenkongreß von 1863 heißt er auch Fürstenwein, weil die Stadt Frankfurt ihre hohen Gäste mit Rauenthaler bewirtete. — Der Markobrunner, welcher zwischen Erbach und Hattenheim gebaut wird, zeichnet sich durch außerordentlich liebliche- Bouquet aus und ist sehr kräftig. — Zu den edelsten Rheinweinen gehört auch der Rüdesheimer, der ebenfalls sehr kräftig und von edelstem Dufte ist. Auch der Geisenheimer, zwischen Winkel und Rüdeeheim, dicht am Rheine wachsend, zeichnet sich durch feines Aroma, und durch milden, süßwürzigen Geschmack au-. — Der rote Aß mann sh Luser, der „deutsche Burgunder", wächst an den südlichen Abdachungen des Niederwaldes; sein Reb- satz besteht aus blauen Burgundertrauben und besitzt dieser Wein in der That oft eine überraschende Aehnlichkeit mit dem Chambertin-Burgunder. Der AßmannShäuser charak- terisiert sich durch den ihm eigentümlichen Mandelgeschmack und hohen geistigen Gehalt, doch kommen die besten Sorten nur sehr selten in den Handel. Zu den edleren Rheinweinen wird ferner noch der Hochheimer gerechnet, welcher auf den südlichen Abhängen deS TaunuSgebirgeS gedeiht; derselbe ist von alters her so berühmt, daß unter seinem Namen in einem großen Teile der Welt alle deutschen Weine gehen. Die den Hochheimer auszeichnenden Eigenschaften sind ein erfrischender, kräftiger Geschmack und eine ungemeine Haltbarkeit, hauptsächlich aber ein höchst aroman- schcr Wohlgeruch, durch welchen der Hochheimer bemahe alle übrigen Weine übertrifft. .
Die Weine der zweiten und brüten Gruppe der eigent-
Die „Edlen" vom Rheine.
Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsere Reben: Gesegnet sei der Rhein!
Da wachsen sie am Ufer hin und geben Uns diesen Labewein.
So sang im vorigen Jahrhundert Matthias Claudius, der wackere „Wandsbecker Bote" und kaum konnte man mit schlichteren und dabei so treffenden Worten den großen Vorzug hervorhcben, den der Rhein von allen andern großen Strömen voraus hat, nämlich, daß an seinen Ufern der beste Wein der Welt wächst. Um dieses Vorzuges willen ist der Vater Rhein schon lange vor dem WandSbecker Sänger von den Poeten gepriesen worden und letzterer Umstand beweist wiederum, wie alt schon der Weinbau am herrlichsten der deutschen Ströme ist. In der That wurde der Weinbau bereits unter Karl dem Großen am Rheine eingeführt, ja schon zur Zeit der Römer wurde am Rheine Weinbau getrieben, der jedoch durch die Stürme der Völkerwanderung wieder vernichtet wurde. Erst Karl der Große sorgte, wie schon erwähnt, wieder für das Aufblühen der Weinkultur am Rheine, indem er namentlich Burgunderreben, die ausgezeichnet gediehen, dorthin verpflanzen ließ und im Laufe der Zeit entwickelte sich der Weinbau an den Ufern unseres herrlichsten vaterländischen Stromes trotz mannigfacher Stürme zu seiner heutigen hohen Blüte.
Wenn man von Rheinweinen spricht, so werden darunter eigentlich nur die im sogenannten Rheingau erzeugten Weine verstanden, im weiteren Sinne deS Wortes kann man zu den Rheinweinen jedoch auch die Weine Badens, deS Elsaß, der Pfalz, der Bergstraße, der Mosel, der Ahr und deS Unterrheins rechnen. Was zunächst die erstere Gruppe anbelangt, so unterscheidet man bei den eigentlichen Schaum
vergleichen, zu sehen, auS wie verschiedenen Grundbedingungen heraus dasselbe Resultat erreicht worden ist und daraus den Beweis dafür zu entnehmen, eine wie bedeutende und allgemeine Besserung der Verhältniffe stattgefunden haben muß, um solches zu ermöglichen.
Die Ueberbilanz des Jahres 1880 war eine auS überspannten, unnatürlichen Verhältnissen entstandene, während die des Jahres 1881 auf normaler, gesunder Grundlage ruht — darin besteht die gewaltige Verschiedenheit und darin liegt zugleich eine große Beruhigung für die Zukunft.
Dadurch, daß wir in 1881 trotz einer wesentlich gesteigerten Einfuhr Dank unserer Ausfuhr dennoch zu einer Ueberbilanz gelangt sind, ist klar erwiesen, daß die Kon- sumtionöfähigkeit der Bevölkerung nicht abgenommen haben kann, und daß neues Leben und frischer Aufschwung in unsere Industrie gekommen sein muß; das Gegenteil noch ferner behaupten zu wollen, dürfte nachgerade doch etwas schwer werden.
in Dienst gestellt. Zum Kommandanten der „Gneisenau" ist Frhr. v. d. Goltz, zum Kommandanten deS »Zielen" Barandon ernannt. Das Kanonenboot „Cyklop" erhielt den Befehl, sich zu demselben Zwecke auszurüsten. — Bei Gelegenheit der Besprechung der beabsichtigten Reform deS Handelskammerwesens wird in der freihändlerischen Presse jetzt großer Wert darauf gelegt, daß von fortschrittlicher Seite schon 1870 durch die Abgeordneten Richter und Laßwitz Anträge gestellt seien, welche die Jntereffen- vertretung deS Handelsstandes allein mißbilligten, und sie für alle Interessen dcö gewerblichen Lebens verallgemeinern wollten. Mit einem gewissen Stolze reklamieren jene Blätter die Vaterschaft dieses jetzt von anderer Seite vertretenen Gedankens, vergeffen dabei aber natürlich, daß sie damit nichts weiter thun, als einen neuen Beweis für die Thatfache liefern, daß der Fortschritt aus purem Oppositionsbedürfnis jetzt eine Sache bekämpft, die von anderer Seite befürwortet wird, trotzdem er selbst vor zehn Jahren in formulierten Anträgen ganz dieselbe Sache vertreten hatte.
Kiel, 11. Aug. Das „Kieler Tageblatt" meldet, zwei Offiziere von der russischen Fregatte „Knäs PojarSki" seien bei Terrain-Aufnahmen der Kieler Befestigungen ertappt worden. Der gestern stattgehabte Selbstmord eine- russischen Offiziers an Bord des genannten Schiffes wird damit in Verbindung gebracht. Näheres bleibt abzuwarten.
München, 11. Aug. Der Kaiser von Oesterreich ist heute früh zum Besuche seiner Tochter Gisela hier eingetroffen und nahm bei derselben Wohnung; der Kaiser reist morgen abend wieder ab.
Bayreuth, 10. Aug. Die Handelskammer von Oberfranken hat sich heute mit der von der Frankfurter Handelskammer angeregten Briefmarkenfrage befaßt und den Antrag der Frankfurter Handelskammer abgelehnt, mit der Motivierung, sie, die Handelskammer von Oberfranken, setze in das bayerische Ministerium das Vertrauen, daß dieses die politischen und finanziellen Interessen Bayern- zu wahren wiffe. Hinsichtlich des Postkartenwesens sei e- ein dringendes Bedürfnis, den bestehenden Mißständen schleunigst abzuhelfen. Eine offizielle Kundgebung der Handelskammer in der Presse soll alsbald erfolgen.
Stratzbnrg, 9. Aug. Der Ressortchef der Unter» richtöangelegcnheiten für Elsaß-Lothringen, Staatssekretär v. Hofmann, hat der Direktion einer höheren Schule auf ihre Anfrage, betreffs Einführung der neuen preußischen Orthographie folgende Antwort erteilt: „Auf den gefälligen Bericht vom 3 Juni d. I. erwidere ich ergebenst, daß ich von einer allgemeinen Regelung der Frage, betreffend Einführung der neuen Orthographie, zur Zeit noch Abstand nehme. Ich empfehle Ihnen jedoch, bei Neuanschaffung von Lehr-, namentlich Lesebüchern, den Schülern ausschließlich die nach der neuen (preußischen) Orthographie
Unsere Handelsbilanz für 1881.
Das soeben erschienene Monatsheft der „Statistik des Deutschen Reiches" bringt die „Hauptergebniffe der Warenverkehrs-Statistik des deutschen Zollgebietes im Jahre 1881" zur öffentlichen Kenntnis; kürzer ausgedrückt: die deutsche Handelsbilanz für 1881 liegt jetzt vor.
Diese amtliche Statistik liefert den erfreulichen Beweis, daß das Jahr 1881 mit einer Ueberbilanz von rund 50 Mill. Mark im ganzen oder von rund 14 Millionen Mark, wenn man die Werte der ein- und ausgeführten Gold- und Silber-Barren und Münzen in Abzug bringt, was besser zu geschehen hat, wenn man den Jahresgewinn oder Verlust an Nationalvermögen kennen lernen will, abschließt. . , ,
ES ist dieses Resultat ein ebenso erfreulrcheö rote hoch interessantes, wenn man berücksichtigt, daß das vergangene Jahr als das erste nach Erlaß unserer neuen Zollgesetzgebung unter ziemlich normalen Verhältnissen verlaufene zu betrachten ist und wenn man damit die Ergebnisse deS von durchaus anormalen Verhältniffen beherrschten Jahres 1880 zulammenhält. — Als vor nunmehr Jahresfrist der Abschluß für 1880 — der erste nach den neuen exakten Bestimmungen und xiuf besserer Grundlage zustande- gekommene — zur Veröffentlichung gelangte und als Ergebnis eine Ueberbilanz von 223 Millionen Mark brachte, war die Ueberraschung eine allgemeine und auch völlig berechtigte, da bislang die Annahme Geltung gehabt, daß unsere Einfuhr die Ausfuhr fehr beträchtlich überrage und überragen müsse, eine Unterbilanz für unsere Verhältniffe somit das Natürliche sei; es war deshalb leicht erklärlich, daß sich zunächst von den verschiedensten Seiten Zweifel an der Nichtigkeit der Bilanz überhaupt erhoben, Zweifel, welche noch bis in die jüngste Zeit hinein nicht haben zur Ruhe kommen können und, wie wir später zeigen werden, auch eine gewisse Berechtigung gehabt haben, immer aber doch nur um Dinge von verhältnismäßig geringer Relevanz sich bewegten; in der Hauptsache selbst konnte ein Zweifel schließlich nicht mehr bestehen bleiben, und so fand man sich denn auch mit der Thatfache ab, unter Berufung auf die durch die Vorgänge des Jahres 1879 für 1880 notwendig gegebenen Bedingungen: außergewöhnlich geringe Einfuhr, unverhältnismäßig große Ausfuhr, woraus dann ganz von selbst eine Ueberbilanz als vorübergehende Erscheinung resultieren konnte.
Daß diese Erscheinung nur eine vorübergehende sei und unter normalen Verhältnissen sich nicht wiederholen werde, darüber waren sich alle einig; eine entgegenstehende Ansicht gelangte unseres Wiffenö wenigstens nirgends zum Ausdruck.
Und gerade deshalb ist es von so hohem Interesse, daS jetzt vorliegende Resultat für 1881, daS wiederum in einer Ueberbilanz besteht, mit dem des vorhergehenden Jahres zu
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Deutsche« Reich.
Berlin, 11. Aug. Der „Reicks-Anz." publiziert folgenden Erlaß des Kaisers: Die Durchsicht deS Mir unterm 13. v. MtS. eingereickten Berichts über die Ergebniffe der ReichS-Post- und Telegraphenverwaltung während der Jahre 1879—1881 hat Mein lebhaftes Interesse erregt. Ich habe mit voller Befriedigung die bedeutenden Fortschritte verfolgt, welche in allen Zweigen dieser umfassenden Verwaltung sowohl durch Ausdehnung ihrer Thätigkeit im Jnlande und durch erleichternde Verbindungen im Auslande, wie durch innere Vervollkommnung des Betriebs erreicht sind. Meine Aufmerksamkeit hat vornehmlich daS erfolgreiche Streben erregt, dem stets wachsenden VerkehrS- bedürfniffe des Publikums auf diesen Gebieten mit einer durch Erfahrung gereiften Einsicht durch fortgehende Ergänzung der Organisation und Anwendung zweckentsprechender Mittel unter alsbaldiger Benutzung technischer Verbesserungen gerecht zu werden. Mit den sachlichen Resultaten haben die finanziellen Ergebnisse erfreulich Schritt gehalten. Eine besondere Freude hat es Mir bereitet, daß die Verwaltung auch der geistigen Ausbildung und der Förderung der wirtschaftlichen Lage des zahlreichen Personals unausgesetzte Sorge widmet. Ich kann es Mir nicht versagen, allen beteiligten Beamten, durch deren umsichtige Leitung wie treue Pflichterfüllung die Resultate gewonnen find, Meinen Kaiserlichen Dank auszusprechen.
Berlin, 11. Aug. Kaiser Wilhelm ist heute wohlbehalten in Babelsberg eingetroffen. — Der König von Griechenland ist hier eingetroffen und im „Hotel du Nord" abgestiegen; er geht demnächst nach Wiesbaden. —- Die gedeckte Korvette „Gneisenau" und der Aviso „Zielen" werden zur Entsendung nach dem Mittelländischen Meere weinen drei Hauptgruppen; zur ersten gehören die Gewächse von Schloß Johannisberg, von Steinberg, Rauenthal, Markobrunn, Rüdesheim, Gräfenberg, Geisenheim, Aßmannshau- sen, Hochheim; zur zweiten Gruppe rechnet man die Weine von Oestrich, Bischofsberg, Hattenheim, Dorf Johannisberg, Winkel-Hasensprung u. s. w>; zur dritten Gruppe gehören die Gewächse von Erbach, Walluff, Eltville, Schierstein, Lorch, Mittelheim u. s. w. Als König aller Rheinweine gilt der Schloß Johannisberger, welcher auf dem etwa 150 Fuß hohen Schloßberge von Johannisbergs zur Zeit der fürstlich Metternich'schen Familie gehörig, wächst. Der Johannisberger war schon im 13. Jahrhundert ein berühmter Wein, dessen Pflege sich die Benedietiner Mönche, deren Abtei zu jener Zeit an der Stelle des nachmaligen Schlosses stand, angelegen sein ließen. In den späteren Kriegsnöten wurde der Bau des Johannisberger vernachlässigt, erst der österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, welcher Johannisberg als Dotation vom Wiener Kongreß erhielt, wandte dem dort wachsenden Weine wieder große Sorgfalt zu Die feinste Auslese heißt Kabinettswcin und wird hiervon die Flasche mit 20 bis 40 Mark bezahlt. Der Schloß Johannisberger zeichnet sich durch große Reinheit, köstliches Bouquet und höchst angenehmen Geschmack aus. Da dieser Wein nur auf einer Fläche von 16 Hektar gebaut wird, so ist es begreiflich, daß nicht alle Weine, welche unter der Etiquette „Schloß Johannisberger" in die Welt gehen, gerade auf dem Schloßberze gewachsen sind. — Der Steinberger, welcher auf der preußischen Domaine Steinberg auf einer Fläche von etwa 20 Hektar wächst, übertrifft in guten Jahren den Johannisberger noch an Feuer, doch steht er ihm an Aroma nach; im Preise kommt der Steinberger Kabinettswein dem Johannisberger
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.BlatleS, sowie d.Annoncen-Bureaux v. Th. Dietrich u. Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin. Leipzig, Köln re-; Rudolf Moffe in Berlin, Frank- furt a. AI- tc.