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Marburg, Sonnabend, 12. August 1882
xvii Jahrgang
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den Thüringern, nicht aber den Kalten, kommen Slaven und slavische Namen vor. Das westliche Grabfeld war der stete Zankapfel zwischen Thüringern, Kalten und Frankoniern gewesen, wurde sehr vernachlässigt und lag zur Zeit der christlichen Bekehrung beinah wüste. Die etwaige alte Einteilung des westlichen Grabfeldes in Bezirke war längst verschwunden und noch nicht wiedererneuert, dichter Wald bedeckte alles, erst nach der Christianisierung und Wiederkultivierung kommt der östliche (kleinere) Teil des Gaus, der an das östliche Grabfeld stieß, als Untergau Tullifeld zum Vorschein. Unter diesen Umständen konnte man auch nicht tief ins Land eindringen, sondern mußte sich am Ufer der Fulda hinauf halten. Sturm, der von Bonifaciuö abgescndet war und von Fritzlar aus dahin ging, fand an dem Flusse einen Platz, der den Namen HerolfeSfeld (HerSfeld) hatte, also einem gewissen Herolf gehörte und der Besitzer ließ ihn da ein paar Hütten zur Wohnung aufrichten, der Platz gehörte aber noch in den Hessengau und ward von Bonifaciuö überhaupt gemißbilligt, eS blieb daher dem Sturm, als er sechs Jahre später wieder erschien, nichts übrig, als noch weiter den Fluß hinaufzuziehen. So erhob sich anstatt Hersfelds zu Fulda Kirche und Kloster, die erste Anlage Heröfeld dagegen verfiel bald gänzlich und ward erst nach länger als dreißig Jahren wieder ausgenommen.
Die Kirchen dieses Gaus gehörten wegen dessen Zugehörigkeit zu den südlichen Hermunduren unter den Bischof von Würzburg, das Grabfeld hatte wahrscheinlich mehrere Dekanate, das Tullifeld stand unter dem Dekanate Geisa. Da aber Kloster Fulda von Anfang an Unabhängigkeit vom Diözesanbischofe und unmittelbares Stehen unter dem Pabste (sog. Jmmedictät) erlangt hatte, da ferner sich seine territorialen Besitzungen so vermehrten, daß um die Stadt herum eine eigene fulvische Mark entstand, auf welche gewiß das Kloster seine geistliche Gerichtsbarkeit auszudehnen gewußt haben wird, so mag es mit der Autorität des
bei den nächsten Gemeinderatswahlen in Triest die italienisch gesinnten Progresststen in der bisher überwiegend reichstreu gesinnten Stattvertretung die Majorität errangen. In Dalmatien aber begünstigt daS Kabinett Taaffe ganz offen das slavische Element auf Kosten des italienischen, aus dem einfachen Grunde, weil die italienischen Dalmatiner meist verfassungstreue Abgeordnete wählten, und den Nutzen hieraus wird schließlich doch die „Italia Jrredenta" ziehen. — Man tröstet sich wahrscheinlich in Wien mit dem Gedanken, daß in den genannten österreichischen Provinzen mit vorwiegend italienischer Zunge die Lockungen und Aufreizungen der Irredentisten, sich dem italienischen Einheitsstaate anzuschließen, im Allgemeinen nur sehr wenig Boden gefunden haben und mit besonderer Genugthuung weist man in Wien auf die jüngsten anti-italienischen Demonstrationen der Triester Bevölkerung hin. Dies mag seine Berechtigung haben, wenn aber Oesterreich an seinen Südmarken auch in Zukunft so wenig scharfe Wacht gegen das an- dringende italienische Element hält, wie bisher, dann fürchten wir, dürfte die bisher in Oesterreichs italienischer Bevölkerung noch unleugbar vorherrschende kaiser- und reichstreue Gesinnung auf eine harte Probe gestellt werden und die Bannerträger deS „Unerlösten Italien" würden dann unzweifelhaft mit leichter Mühe die Früchte ihrer Bemühungen ernten.
I3C* Unsere Feuilleton-Korresp. trifft erst nächsten Sonntag mit dem Schluß der Erzählung „Der Erbe des Blutes" wieder ein, und müssen wir bitten, diese unliebsame Störung freundlichst entschuldigen zu wollen; wir hatten gehofft, dieselbe früher erhalten zu können, was jedoch der Expedition derselben nicht möglich war.
werden. Während der Verbüßung einer Freiheitsstrafe darf die Dienstauszeichnung nicht getragen werden. — Nach einer Verfügung des Kriegsministers soll die Zahl der Pharmaceutenstellen in den kleinen Garnisonlazaretten verringert werden. — Durch die Berufung des Geh. Archivrats Dr. Paul Hassel zum Direktor deS sächsischen Haupt- staatSarchivs für Dresden verliert die Verwaltung der preußischen Staatsarchive eine sehr tüchtige Kraft. Dr. Paul Hassel, welcher hier unter den Geh. Räten Max Duncker und Heinrich von Sybel thätig war, wird auf persönlichm Wunsch des Königs von Sachsen in sein neueö Amt berufen. Als Berichterstatter für den Staats-Anzeiger war Dr. Paul Hassel 1870 der Armee des Kronprinzen beigegeben und machte hierbei die Bekanntschaft des Königs von Sachsen. — Als den Nachfolger des Grafen Stillfried im Amte als Ober-Ceremonienmeister bezeichnet man allgemein den Vice-Ober - Ceremonienmeister und Hofmarschall des Kronprinzen Grafen zu Eulenburg, der auch nach der Rückkehr von feinem Urlaub vorläufig die Geschäfte übernehmen dürfte. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Obgleich es hinlänglich bekannt ist, daß der Zustand der zerstörten und teilweise niedergebrannten Stadt Alexandrien den Aufenthalt daselbst keineswegs zu einem angenehmen macht und daß der Stadt in dem immer bedrohlicher werdenden Mangel an Trinkwaffer eine erneute ernste Gefahr droht, mehrt sich dennoch die Zahl der nach ihrer früherm Wohnstätte Zurückkehrenden von Tag zu Tag. Die egpp- tische Regierung hat daher Veranlassung genommen, die Konsuln zu ersuchen, ihre Landsleute vor einer zu zeitigen Rückkehr nach Alexandrien zu warnen. Namentlich so lange die Wasserfrage noch nicht gelöst ist, wird dringend genug davon abgeraten werden können, sich nach der schwer geprüften Stadt zurückzubegeben.
Marienburg, 7. Aug. Am Sonnabend hielt hier das Komitee für den Ausbau des Hochmeisterschlosses unter dem Vorsitze des Herrn Burggrafen v. Dohna eine Sitzung ab; beschlossen wurde, wie die „Danz. Ztg." erfährt, durch Kooptation angesehener Personen in der Provinz die Agitation für den Ausbau des ganzen Hochschlosses in Fluß zu bringen. Außer den vom Staate bewilligten und noch in Aussicht gestellten Mitteln sollen in unseren östlichen Provinzen und weiter im ganzen Deutschen Reiche Sammlungen zum Besten des Baues veranstaltet werden, damit das herrliche Denkmal gothischer Baukunst endlich aus dem traurigen Zustande, in den polnischer und leider auch deutscher Vandalismus einst den „ungeheuren Steinklumpen", wie die Hochburg noch von „Architekten" des großen Friedrich genannt worden ist, versetzt hatte, auferstehe.
Oesterreich nud bas „Uaerlöste Italien."
Das Triester Bombenattentat hat mit einemmale die Aufmerksamkeit wieder auf das Thun und Treiben jener unter dem Namen der „Italia Jrredenta" weitverzweigten Verbindung von Fanatikern und politisch unreifen Köpfen gelenkt, deren offen hingestelltes Ziel eö ist, diejenigen Provinzen Oesterreichs, in denen das italienische Element überwiegt, also Triest mit Istrien und Welschtyrol, womöglich auch Teile von Dalmatien und sogar von Kram, mit Italien zu vereinigen. Es ist allerdings noch nicht ermittelt, ob der Urheber jenes fluchwürdigen Verbrechens in den Reihen der Irredentisten zu suchen ist, auf jeden Fall aber bleibt die „Italia Jrredenta" mit dem O.lum' dieser That behaftet, denn es liegen eine Reihe von Beweisen vor, daß die Irredentisten ganz energisch bestrebt waren, der Triester Ausstellung und der hiermit verbundenen 500jährigen Jubelfeier der Vereinigung TriestS mit Oesterreich möglichst Abbruch zu thun, da beide Ereignisse nur dazu bienen konnten, Triest und besten Küstenland inniger mit dem Reiche zu verbinden, und als letzte Konsequenz dieser irredentistischen Bestrebungen muß man leider die verbrecherische That vom 2. August betrachten. Es scheint demnach fast, als ob auch jene Hitzköpfe, die einem so phantastischen Ziele, wie eS die LoSreißung der italienischen Provinzen von der habsburgischen Monarchie ist, zustreben, sich nicht mehr scheuen, zur Durchführung ihrer Pläne jene Mittel anzuwenden, die in den Reihen der Fenier und Nihilisten schon längst eine so hervorragende Nolle spielen; für die österreichische Regierung ist es demnach hohe Zeit, einer Bewegung, welche beginnt, in so gefährliche Bahnen einzulenken, ganz entschieden entgegenzutreten.
Die bisherige Art und Weise indessen, wie sich die Regierung deö Grafen Taaffe zu der irredentistischen Bewegung, speziell zum Triester Ableger derselben, verhalten hat, erweckt jedoch die Befürchtung, daß daS Wiener Kabinett entweder nur in sehr lauer oder sogar absolut verkehrter Weise gegen die „Jtalianisstmi" vorgehen wird. ES dürste noch in der Erinnerung sein, daß den verfassungstreuen Vertretern TriestS im Reichsrate vom Kaiser der schwere Vorwurf einer „faktiösen Opposition" gemacht wurde und dieses kaiserliche Wort war das Signal von einer Reihe Maßregelungen gegen die Triester Abgeordneten, welche letztere schließlich zur Niederlegung ihrer Mandate veranlaßten. Dieser Vorgang war aber für die deutsche Sache in Triest von einem empfindlichen Rückschläge begleitet, der sich namentlich dadurch äußerte, daß
Die Erbauung von Kirchen in Hesse«.
(Fortsetzung.)
Im Netergau scheint sich sodann zuerst wieder abgesondert zu haben die Mark von Sontra. Suutar bedeutet in Thüringen, was anderwärts Hain oder Hagen, d. h. ein au Kulturzwecken u. s. w. abgesondertes Stück Wald ober Doden überhaupt (während das bloße Sund, Sunt —Süd ist). Weiteres läßt sich auch über den Ringgau nicht sagen, eS mögen wohl fernere alte Kirchen des hessischen Thüringens sein in der Germarsmark zu Abterode, Altenburschla, Bischhausen, Cappel (nachher Waldkappel), Eschwege (ESkinewag), Harmuthsachsen (Ernimsasten), Soden (früher Westerahn) bei Allendorf, Witzenhaufen, im Ringgau Herleshausen, Renda, Ulfen u. a., von denen ein Teil alte Gerichtsorte sind, ein Teil wenigstens früh erwähnt wird.
7. DaS G r a b f e l d ober Bnchonien lag an der obern Fulda und zumeist rechts derselben. Nach v. Ledebur gehörte es zur dritten Gliederung des thüringischen Reichs und war somit ein hermnndurischer Gau. DaS ursprüngliche Grabfeld war, wie es scheint, durch Eroberung irgend einer Völkerschaft, wobei die Sieger einen Teil für sich nahmen, in zwei ganz selbständige Gaue zerfallen, das östliche und das westliche Grabfeld, von denen hier nur daS letztere in betracht kommt. Bnchonien ist der deutsche Name deS Gaus, er bedeutet Buchenwald, Buchenland; Grabfeld der flavische, denn Grab bedeutet die Buche. Die slavische Benennung, sowie das zahlreiche Vorkommen von Slaven in diesem Gau beweist nicht wenig für die hermun- durische Zugehörigkeit deö Gaus denen gegenüber, die ihn zu einem stammheitlich kattischen machen wollen, denn bei
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Berlin, 10. Aug. Nach einer Verfügung des Kriegsministers sollen die mit dem Reichskanzler vereinbarten Grundsätze hinsichtlich der Zahlung des Gnadenquartals und des Gnadenmonats an Hinterbliebene eines Beamten bis aus weiteres auch innerhalb des Ressorts der Militärverwaltung Anwendung finden. — Um die Vorschrift der Bestimmungen wegen Stiftung der Dienstauszeichnungen für Unteroffiziere und Mannschaften mit den gegenwärtigen Strafgesetzen in Uebereinstimmnng zu bringen, ist folgende allerhöchste Bestimmung ergangen: So lange ein Soldat Gefängnisstrafe in einem FesiungSgefängniS erleidet, kann der Anspruch auf die Dienstauszeichnung nicht geltend gemacht werden. Dieser Anspruch geht verloren durch Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes sowie durch die Bestrafung wegen einer Handlung, welche mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bedroht ist, selbst wenn auf diesen Verlust nicht erkannt fein sollte. Durch erneute Zurücklegung der statutenmäßigen Dienstzeit nach verbüßter Freiheitsstrafe, bezw. nach erfolgter Rehabilitierung kann der Anspruch auch die Dienstauszeichnung wieder erworben
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Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Bischofs von Würzburg im westlichen Grabfeld teils sehr scheu auSgesehcn haben. Deshalb sind auch alte Kirchen, die von Fulda aus gegründet wurden, nicht alle im Grabfeld zu suchen, Großenlüder und Johannisberg lagen z. B. in der Wetterau, Flieden im Saalgau, nur Frauenberg, Petersberg, Eiterfeld u. a. entfallen auf die grabfelbische Seite.
8. DaS hessische Sachsen, ein ungezweifelt sächsischer Gau, der in historischer Zeit zu festem hessischem Besitz wurde, lag nördlich über dem fränkischen Hefsengau, hatte jedoch seine meiste Ausdehnung in der Richtung von Westen nach Osten. Er begann hinter Kassel, etwa am Berge Brand zwischen Hohenkirchen und Burgusfeln und ging nördlich bis über Peckelsheim und Helmarshaufen, erstreckte sich jedoch in der Mitte nicht soweit hinauf, fodaß hier eine Einbuchtung war. Dieser Gau wurde von zwei Seiten aus christianisiert, der westliche und nördliche Teil durch Paderborn, der östliche und südliche durch Mainz. Im ersten war, wie eS scheint, die erste Kirche zu Warburg, dann folgten Külte, Melde, Rhoden und Billighaufen, sowie nach einer andern Richtung hin Helmarshausen. Der andere Teil dagegen, der von Mainz aus bekehrt wurde, muß es durch Fritzlar geworden sein, hier war die erste Kirche zu Hofgeismar, die dann zunächst folgenden lassen sich nicht angeben. Diesem nach stand denn auch der eine Teil unter dem Bischof von Paderborn, der andere unter dem Erzbischof von Mainz.
Ein allzu ängstliches Anklammern an die geistliche Verfassung und die Diözesangrenzen hat verursacht, daß man diesen zwei kirchlichen Teilen auch hat weltliche Bedeutung beimessen wollen und demnach in ihnen zwei getrennte deutsche Gaue erkennen wollte, von denen man den einen (paderbornischen) Hessa, den andern (mainzischen) Heffim nannte. Die urkundliche Schreibung giebt aber zu dieser Unterscheidung nur einen sehr geringen Anlaß, sodaß sich die Sache schwerlich wird halten lassen. N. N,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, f owie d.Annoncen-Bureanx v. Th. Dietrich u. Co. in Saffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a-M.; öaafenftein u. Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Köln re-; Rudolf Moffe in Berlin, Frankfurt a. Ak- rc-
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von©. L.Daube u.6e. in Frankfurt a. M^-Vägersche Buchhandlung ** Tifelbft; Hermansche T nblung daselbst; Invaliden, arck in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
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