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Marburg, Dienstag, 8. August 1882.

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Bleiben Sie hier/ sagte er, .die Angst möchte Sie

UBleiben öle hier, sagic et, ~

den rechten Weg verfehlen lassen, auch wäre es für Sie

nicht aut, in dem losbrechenden Unwetter draußen zu sein ; wenn Niemand mit Ihnen gehen will, werde ich für Sie

und verschlief in Kindesunschuld und Kindesfrieden daS Gewitter. Der ältere Knabe aber schmiegte sich ängstlich an die Mutter und hier, wo er sich sicher vor der Naturerr scheinung wähnte, erwachte wieder die Furcht vor dem Grafen, die draußen geschwiegen; war ihm doch der Ein­tritt desselben in die niedere Wohnung etwas gar zu Urber- raschendes.

Reginald aber erinnerte sich, daß er in demselben Alter gewesen sei, wie jetzt der kleine Ernst, als die Schloßfrau zu ihm gekommen war und ihn gefragt hatte, was er wünsche, worauf sie ihm Bücher gebracht, die er ersehnte. Jetzt war er Schloßherr und in der Lage, Wünsche zu ge­währen. Im Andenken an seine verstorbene Wohltäterin fragte er jetzt auch das Kind nach seinen Wünschen, und scheu und ängstlich antwortete der Knabe:

Ich möchte, daß der Vater schon jetzt wieder bei unS wäre, der erst nach zwei Jahren kommt."

Ein lähmender Schreck durchzitterte Frau Werners Glie­der. Den Herrn Grafen an den Mann zu erinnern, der ihn so schwer beleidigt hatte I Sie schalt daS Kind, doch der Graf wehrte ihr mit den Worten:

Nicht doch, Frau Werner, es ist hübsch von dem Kinde, daß der Vater sein erster Gedanke ist. Wünschen Sie denn nicht dasselbe?

Wenn ich die letzten Jahre ungeschehen machen könnte, gewiß, Herr Graf," erwiderte sie, .so wird mein Leben ein anderes, wenn mein Mann frei kommt, Sie werden ihn nicht wieder annehmen und dann sind wir brod- und obdachlos, bis er ein neues Unterkommen hat, wenn er eines findet, ein entlassener Zuchthaussträfling."

(Fortsetzung folgt.)

Der Erbe des Blutes. Erzählung von Emma Händen. (Fortsetzung)

Jnteressenfragen der Lehrer als Gegenstände dienen; außer­dem ist eine große Ausstellung von Lehrmitteln, ein Kon­zert in der Norderkirchc, ein Festmahl, eine gemeinschaftliche Fahrt nach Blankenese der Zusammenkunft angefchlossen, fo daß in den 2 Tagen eine Fülle des Nützlichen und Angenehmen zusammengedrängt ist, die dem Einzelnen eine übergroße Aufgabe stellt. Die Stadt nimmt lebhaften Anteil an dem massenhaften Besuche. Im Namen der­selben begrüßte gestern abend der Oberbürgermeister von Thaden die zum Kommers Versammelten; reicher Flaggen­schmuck ist sogar von der katholischen Kirche und Schule aufgezogen. Die Hauptversammlung begann heute gegen halb 9 Uhr mit einer Eröffnungsrede des RealfchullehrerS Tönsfeld, welche die Erhaltung deS rechten Idealismus für die Thätigkeit der Lehrer als den wichtigsten Zweck dieser Versammlungen bezeichnete, die, in Zeiten patriotischen Aufschwunges begonnen, durch ungünstige Verhältniffe glücklich hindurchzeführt, sich immer auf dem Standpunkte gehalten hätten, daß sie der Regierung Vertrauen ein­flößten und des Wohlwollens derselben genöffen. Nach dieser für ihren Zweck allzu langen Rede nahm der Schul­rat Kaftan das Wort, um der Versammlung den Gruß der königlichen Regierung zu überbringen. ES gereiche dieser zu großer Freude, daß sie den Versammlungen mit fördernder Teilnahme folgen könne. Denn obwohl sie eben so gut, wie die Versammelten selbst, sich bewußt sei, daß das wahre Wachstum deS Lehrers in Tüchtigkeit für seinen Beruf nicht in großen Zusammenkünften der Art, sondern in der Stille seines Studiums und in regeren kollegialischen Verkehr erfolge, so verkenne sie andererseits doch nicht, daß der Einzelne durch solche große Versamm­lungen neu angeregt und ermuntert werde.Wir wiffen, daß Sie ideale Ziele verfolgen, von denen der Vorsitzende gesprochen hat", fuhr der Redner fort;wir haben erst in die Tiefe zu gehen, dann in daS Weite; die Schule soll nicht Alles lehren wollen, was gelernt werden soll; sie soll aber befähigen, es zu erlernen, und Schulmeister ist Der, welcher seine Schüler zu geistiger Herrschaft über den Stoff erhebt. Solcher auf das Wesen der Dinge ge­richtete Geist soll in der Schule herrschen, und auch hier unter uns." Daran schloß der Redner eine Ermahnung zu kräftigem Wirken für die deutsche evangelische Schule Schleswig-Holsteins, damit der rcligiös-sitttiche Sinn des Volkes und die Liebe zu König und Vaterland gekräftigt werde. Die Versammelten dankten für die Freundlichkeit der Regierung durch Erheben von ihren Sitzen. ES folgte daraus ein Vortrag des Inspektors der städtischen Volks­schulen, Wagner, über daS Spiel deS Kindes in vor-fchul- pflichtigem Alter. Derselbe entwickelte den Unterschied zwischen Spiel und Arbeit; beides in Thätigkeit, beide sind auf Beherrschung eines natürlichen Stoffes gerichtet; aber jenes ist selbst Zweck, diese hat ihren Zweck außer

1 gehen."

«Herr Graf," stammelte die Erregte.

In dem Moment kamen auch die Diener herbei und erboten sich nun Alle zu gehen.

Jetzt gehe ich allein," entschied der Graf,wäret Ihr gegangen, als die Frau Euch darum bah so wären die Kinder vielleicht schon gefunden da Ihr Euch aber^wahr­scheinlich vor dem Wetter gefürchtet habt, so bleibt ihr nun * auch zu Hause."

Er hatte in entschiedenem, befehlendem Tone gesprochen, so daß Niemand ihn zu begleiten wagte, und eilte so schnell dem Walde zu, daß Frau Werner einsah, sie kötme nicht l Schritt mit ihm halten. Unter widerstreitenden Gefühlen , ging sie in ihre Wohnung zurück, während im Sturm und | Wetter Derjenige hinauSeilte, gegen den ihr Mann das * Messer gezückt hatte.

> Der Graf brauchte nicht tief in den Wald einzudringen, als er schon weinende Kinderstimmen hörte; die Knaben I hatten sich in der That verirrt und ahnten jetzt totmüde f nicht, wie nahe sie dem AuSgang des Waldes waren.

Ernst," rief der Graf,Ernst Werner."

\ Der Knabe horchte auf und ängstigte sich immer mehr, als man in der Wildnis seinen Namen rief.

Deutsche» Reich.

Berlin, 5. Aug. Nach erfolgter Rückkehr deS Ministers deS Innern werden die Arbeiten des Ressorts desselben bezüglich der nächsten Landtagssession in Fluß kommen. Dieselben werden hauptsächlich daS Kompetenzgesetz und die Entwürfe der Kreisordnungen für Schleswig-Holstein, Hannover und Posen betreffen. Die Regierung giebt sich jetzt der festen Zuversicht hin, diese Angelegenheit in der nächsten Landtagssefsion zum Abschluß zu bringen. - Im Interesse einer fortdauernden Verbindung der Eisenbahn- Verwaltungen mit dem verkehrtreibenden Publikum und zur möglichst gründlichen Vorbereitung von Verhandlungen über Tariffragen ist bekanntlich im Dezember 1877 vom damaligen Handelsministerium die Einsetzung eines stän­digen aus je drei Vertretern der Landwirtschaft, der In­dustrie und des Handels zu bildenden Ausschusses angeregt worden, welchem ein besonderes Mitglied auS Bayern zugczogen wurde. Als Ausgabe wurde diesem Ausschuß zugewiesen, über allgemein wichtige, das deutsche Eisenbahn­wesen betreffende Fragen aus dem Gebiete der Gütertarife sich gutachtlich zu äußern und zu diesem Behufe mit den Mitgliedern der von den verbündeten Regierungen ein­gesetzten Tarifkommifston zusammenzutreten. In diesen stän­digen Ausschuß der Verkehrs - Jntereffen der Eisenbahn- Tarif-Kommisston sind damals vom deutschen Handelstag, vom Zentral - Verband deutscher Industrieller und vom t deutschen Landwirtschaftsrat je drei Mitglieder gewählt f worden. Als Uebelstand wurde empfunden, daß bei der beschränkten Zahl der Mitglieder dieses Ausschuffes nicht auch Stellvertreter neben denselben vorhanden sind, welche im Behinderungsfalle zu den Beratungen zugezogen werden können. Wie dieB. P. N." mitteilen, hat nun der Minister für öffentliche Arbeiten aus einen vom VerkehrS- Ausschuß gestellten diesbezüglichen Antrag die Genehmigung erteilt, daß neben den ordentlichen Ausschuß - Mitgliedern je drei Stellvertreter von den Instanzen gewählt werden, denen daS Vorschlagsrecht vom Minister überlassen worden war. Die betreffenden Korporationen werden sich nunmehr in dieser Frage schlüssig zu machen haben. - Von Jetten der Regierung ist Anweisung ergangen, durch die öffentlichen Organe auf den ersichtlichen Nutzen hinzuweifen, welcher den gewerblichen Kreisen durch die Gotthardtbahn erwächst. ES sei bereits anerkannt, daß deutsches Eisen, Kessel- bleche u. s. w. auf dem neuen Wege in Italien, da, wo man es kennen lernte, das französische Eisen, weil billiger und besser als dieses, bereits vollständig verdrängt hat. Es wird Sache auch anderer industrieller Kreise sein, die ihnen durch die Gotthardtbahn geschaffene Erleichterung zu weiterer Verbreitung ihrer Erzeugnisse nach Kräften auS- k zunutzen. Eine hiesige Korrespondenz deSDüsseldorfer * Anzeigers" führt über die Reformbedürftigkeit der HandelS-

An,eigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M.; Jägerfche Buchhandlung daseloft; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendarkin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 6. Schlotte in Bremen.

kammern u. a. folgendes auS: Die Zeit der Jahresberichte der Handelskammern, welche zur Vertretung der Interessen von Handel, Gewerbe und Industrie berufen sind, ist wieder gekommen, damit aber auch die Erkenntnis, daß ihr Charakter, wenn ihnen auch Vertreter der Industrie und des Klein­gewerbes beigegeben sind, doch immer vorherrschend der kaufmännische ist. Eine andere Art der Behandlung der volkswirtschaftlichen Angelegenheiten läßt sich von diesen Handelskammern vernünftigerweise auch gar nicht erwarten, als eine solche auS dem Standpunkte ihres Standes, d. i. der in demselben den Ton angebenden Handelsschaft, worauf schon ihr Name hinweist. Was sind aber die Jntereffen des handeltreibenden Standes? Doch wohl hauptsächlich diese: Aus billigem Einkauf und teuerem Verkauf von Waren größtmöglichen Gewinn zu ziehen und alle Hilfsmittel zu erlangen, die zu jenem billigen Einkauf und teueren Verkauf verhelfen. Dahin gehören nun nebst anderen auch die Erleichterung des Transportes und ins­besondere die Fernhaltung aller auf die Einfuhr und Aus­fuhr der Handelswaren gelegten Abgaben, also auch der Zölle aller Art. Darnach bedarf es keines besonderen Scharfblickes, um darüber klar zu sehen, daß der Handels­stand der professionelle Fürsprecher des freien Handels­verkehrs sein wird, und daß er gar nichts Anderes sein

, kann, als der entschiedene Anwalt deS Freihandels. Ihm anderes zuzumuten, wäre eine Thorheit. Von diesen Kor­porationen erwarten wir darum nicht mehr und nichts Anderes, als was sie ihrer Natur und Geschichte nach leisten können, also die Einseitigkeit in der Beurteilung volkswirtschaftlicher Erscheinungen. Will die Reichsregierung also die Wahrheit darüber hören, dann schaffe sie vor allem andere Organe für diese Aufgabe. Mit seinem gewohnten Scharfblicke hat der Lenker des Staatsruders im Deutschen Reiche bett schwachen Punkt in der her­gebrachten Einrichtung der Handelskammern auch bereits erkannt und begehrt die Umgestaltung derselben. Wir zweifeln nicht, daß er auch hierin auf mancherlei Schwierig­keiten stoßen wird, denn ter erbgeseffene Egoismus ist immer ein schwer zu überwindender Gegner, allein wir vertrauen auf die Kraft des Gemeinwohles, die den Sieg bringen wird. Der Glaube und das Vertrauen auf eine unparteiische Behandlung volkswirtschaftlicher Fragen durch unsere derzeitigen Handelskammern ist jedenfalls dahin I

Altoua, 3. Aug. Zu der heute in Wachtmanns Saale, dem zweitgrößten Altonas, eröffneten 16. Ver­sammlung sind gegen 860 Lehrer und Lehrerinnen auS allen Gegenden der Provinz erschienen, und lange um- saffeude Vorbereitungen gemacht worden. Zu den Vor­trägen der Gesamtversammlung kommen eine Reihe Sek­tionsberatungen, denen der Gesangunterrtcht, der natur- geschichtliche, geographische, physikalische Unterricht, die Entwickelung des Pestalozivereinö und gewisse materielle

Komm her, mein Kind," fuhr der Graf fort,ich suche Dich und bringe Dich zu Deiner Mutter zurück."

Jetzt hatte der Knabe die Stimme erkannt, und wenn er auch bisher die Furcht vor dem Gutsherrn nicht hatte überwinden können, so sah er doch jetzt in ihm seinen Retter, ein menschliches Wesen, das ihm Schutz vor dem Unwetter versprach.

Ach Gott, Herr Graf, Fritz ist so müde und ich habe ihn schon so viel getragen, ich kann nicht mehr."

Nun, so werde ich ihn tragen," beruhigte ihn der Graf von neuem, der mittlerweite den weinenden Stimmchen nachgehend, die Kinder erreicht hatte. Er nahm den Kleinen auf den Arm, der totmüde und halb betäubt von der Angst es ruhig geschehen ließ. Der Arm, den einst Werners Messer verwundet hatte, trug jetzt durch Sturm und Wetter, zum schützenden Obdach, sein Kind. Die rechte Hand reichte der Graf dem älteren Knaben, der vertrauensvoll und trotz der Müdigkeit rüstig an derselben vorwärts schritt. Nicht lange, so traten sie aus dem Wald ins Freie, der Zeitraum zwischen Blitz und Donner war mittlerweile immer kürzer geworden, der ganze Himmel war ein Flammenmeer. Der kleine Fritz, überwältigt von Angst und Müdigkeit, schloß die Augen, legte das Köpfchen auf die Schulter des Grafen und fchlief ein, im Grollen der Elemente.

So erreichte der Graf das Haus der geängstigten Mutter. Dieselbe stand auf dem Flur und nahm ihm unter über­strömenden Dankesworien das Kind ab. In dem Moment goß der Regen in Strömen hernieder und wenn das Schloß auch nicht weit war, so zog eS Reginald doch vor, mit in die niedere Stube zu treten, um das Aufhören des Regens abzuwarten, was ja bei einem Gewitter nicht allzu lange dauern konnte. Der kleine Fritz ward aus daö Bett gelegt

«neigen nimmt entgegen .

^Expedition d. BlatteS. ?öwi-d Annoncen-Bureaux « Dietrich u. Co. m und Hannover; Th.

Dietrich in Frantfurt a.M.; u. Vogler in

-ntfutt a. M., Berlin, fe/ig , Köln ic-; Rudolf Ue in Berlin, Frank-

furt a. M- rc. _____________________

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Buchdruaerei- oezogen #/♦ Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet.________