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XVII Jahrgang

Marburg, Sonntag, 6. August 1882

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trud gleich der Mutter Alles mitgeteilt hatte. Freundlich und unbefangen trat er dem Grafen entgegen, nicht als ob länger denn ein Jahr seit seiner Standeserhöhung ver­gangen war, sondern als ob dieselbe erst gestern stattge­funden hätte. Reginald trat in einen glücklichen Familien­kreis, er fühlte die Atmosphäre, die hier herrschte, aber er hatte keinen Namen dafür. Die Geselligkeit, in die er bisher eingetreten, war ihm zuwider geworden, wie wir aus seiner Unterredung mit dem alten Pfarrer reiften, desto heimischer und behaglicher fühlte er sich hier, reo Liebe alle Familienglieder einte. Als Tochter waltete Gertrud hier, mit Elternliebe kam man ihr entgegen, und sie lohnte mit Kindesliebe. Kein hartes, bitteres Wort, berechnet, Andere zu kränken oder zu verletzen, fiel in diesem Kreise, es war das reinste, ungetrübteste Familienglück, das der junge Graf hier sah. Aber je behaglicher und gemütlicher er sich hier fühlte, desto einsamer uns gedrückter fühlte er sich daheim. Der Kreis der Freunde, der ein Jahr lang zu lauter, lärmender Fröhlichkeit in Steinhaufen versammelt gewesen, war zerstoben, da der Graf kein Verlangen trug, dieselben, se.dst nach Gertruds Abreise, zurückzurufen.

Der Winter folgte dem Herbst, da litt es den Grafen nicht mehr daheim in seinem öden Schloß; in der Land­wirtschaft war nichts zu thun, wenigstens konnte er, waS jetzt zu thun war, vollständig dem Inspektor überlassen, er mietete sich daher eine Wohnung in der Stadt, um in der Nähe des geliebten Mädchens zu sein und teilzunehmen an der Geselligkeit, in der sich Gertrud bewegte.

DaS Weihnachtsfest kam. Das Schloß von Stein­haufen war öde und runkel, nur in ten Diencrwohnungen brannte Licht, die Fenster der HerrschastSwohnung waren und blieben dunkel, denn der Herr war nicht daheim. All-

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Der Erbe des Blutes.

Erzählung von Emma Händen.

(Fortsetzung)

»Ich habe diese Geselligkeit schon nicht mehr geduldet, seit sie hier war, ich habe es als eine Beleidigung gegen sie erachtet, selbst reo sie in einem andern Hause wohnte, am allerwenigsten würde ich es gestatten, wenn sie als meine Gattin in meinem Schloß lebt; ich habe meine sogenannten Freunde mir bis jetzt seit meiner Verwundung fern zu halten gewußt, weil ich die Befriedigung in ihrem Umgang nicht gefunden habe, de» ich darin suchte, als ich noch Reginald Leithner hieß. Damals war mein ganzes Sehnen ein Herrenleben, wie es Graf Kunibert führte, ich habe eS ein Jahr genossen und Glück und Zufriedenheit im Grafenhause nicht gefunden." , _

Weil Sie es im Ueberfluß genossen, und das tötet jede Lust, jede Freude; lernen Sie Maß halten in Ihren Genüssen, dann werden Sie Glück und innere Befriedigung finden. Suchen Sie des Lebens reine und edle Freuden, dort wo ein junges, zartes Weib waltet, zu dem Sie nach elfjährigem Haß die Liebe geführt hat, so werden Ste auch im Grafenschloß Glück und Freude finden. Das Gluck ist eine launenhafte Göttin, die ihren Thron aufschlägt, wo es ihr gefällt, in niedrigster Hütte so gut, wie im Palast, ihr eigenster Tempel aber ist und bleibt das Menschenherz. Als Knabe und Jüngling haben Sie es im Grafenhaus gesucht und als Mann dort nicht gefunden: bauen Sie brr Göttin den Tempel im eigenen Herzen, verdienen Sie die Liebe eines edlen Weibes, dann wird die Göttin den Tempel nicht mehr fliehen und Sie werden sie da finden, wo Sie sie in den Kindertagen gesucht haben, sie wird in daS GrafenhauS

Deutsches Reich.

F Berlin, 4. Aug. Unser Kaiser wird, wie auS Gastein kaemeldet wird, nachdem derselbe seine Badekur beendet hat, am 8. d. M. nachmittags Gastein mit seinem Gefolge verlassen, um seine Rückreise über Salzburg und Ischl nach Berlin, bezw. nach Schloß Babelsberg bei Potsdam anzutreten. In Salzburg trifft derselbe am 8. August gegen Abend ein und nimmt dort das erste Nachtquartier. Am Vormittage deS nächsten TageS soll dann die Reise bis nach Jichl fortgesetzt werden und erfolgt, wie von dort gemeldet wird, die Ankunft voraussichtlich mittags 12 Uhr. In Ischl gedenkt der Kaiser bis zum 11. August zu ver­bleiben und hierauf ohne weitere Unterbrechung die Rück­fahrt mittelst Extrazuges bis Potsdam fortsetzen. Soweit bis jetzt bekannt, dürfte die Ankunft in Potsdam am 11. August vormittags gegen 9 Uhr stattfinden. Wie schon früher gemeldet, verbleibt dann der Kaiser in Potsdam, wo derselbe mit der Kaiserin und Königin für die nächste Zeit auf Schloß Babelsberg residieren wird. Ihre Majestät die Kaiserin gedenkt, wie verlautet, Homburg vor der Höhe am 9. August zu verlassen, und wird voraussichtlich auch noch an demselben Tage auf Schloß Babelsberg eintreffen. Prinz Friedrich Karl beabsichtigt, sich in der nächsten Zeit nach Bayern zu begeben, um dort den großen Kavallerie- Manövern beizuwohnen. Der Kronprinz und die Kron­prinzessin von Oesterreich-Ungarn werden, dem Vernehmen nach, anfangs September nach Breslau kommen, um den großen Herbstmanövern in Schlesien beizuwohnen. Der 'Berl. Akt." meldet über die Erträge der Börsensteuer folgendes: Die Börsenstcuer ist bekanntlich in den ersten drei Monaten ihrer Erhebung vornehmlich in ausnahms- weiser Form zur Erhebung gelangt. Vom Oktober bis Dezember 1881 wurde allerdings der Abschluß von Börsen­geschäften u. s. w. zum erstenmale besteuert, aber es fand in dieser Zeit auch die Abstempelung der zur Zirkulation im Deutschen Reich bestimmten fremden Papiere erstmalig, und zwar zu einem ermäßigten Tarif statt, fo daß dafür zu jener Zeit ein ganz ausnahmSweiser Andrang stattfand, und ausnahmsweise erhöhte Einnahmen eingingen. Die vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1881 erzielte Einnahme von 3215808 M. ist somit nicht maßgebend für den wirklichen Ertrag der Steuer. Die reguläre Erhebung der Börsensteuer findet seit Anfang d. I. statt. Nach einer amtlichen Mitteilung sind durch dieselbe (allerdings auch die Steuer auf Lotterielose einbegriffen) im ersten Quartal deö Etatsjahres 1882,83 2400873 M. eingekommen. Die Einnahmen per 1. Januar bis 31. März 1882 be­trugen 2713443 M.; man wird nach diesen Ergebnissen den Jahresertrag der Börsensteuer inkl. Lotteriesteuer auf etwa 10000000 M. veranschlagen dürfen. Die von einer Reihe von Blättern veröffentlichte Mitteilung,daß

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Gemeinde-Kollegien bekannt, daß dem Anträge nicht Folge gegeben werde. Zugleich wird der Magistrat beauf­tragt, einen Entwurf für die Neubildung der Schulbezirke auszuarbeiten und der Regierung bald einzureichen. Der in gestriger Sitzung der Handels- und Gewerbekammer gefaßte Beschluß: die Eingabe der Frankfurter Kammer an den Bundesrat. die Unifizierung der Postwertzeichen im Reichsgebiete betr. nicht zu unterstützen, wird auf gründ der Debatte hierüber, an welcher sich außer dem Referenten Fabrikant Lißmann, der Vorsitzende Kommerzienrat Wei­bert, Großhändler Maison und Fabrikant Billing betei­ligten, im wesentlichen dahin motiviert: Der offiziöse Artikel derAugsb. Allg. Ztg." lasse über die Stellung der bayerischen Regierung in dieser Frage keinen Zweifel. Wenn wirklich nennenswerte Unbequemlichkeiten für den Verkehr sich ergeben würden, so würde die Regierung sicherlich nicht säumen, Einlösungsstellen für Postmarken zu errichten. Allein die Frankfurter Eingabe entspreche den thatsächlichen Verhältnissen keineswegs und sei eine Beeinträchtigung des Geschäfts- und Privatverkehrs durch die dermaligen Verhältnisse durchaus nicht wahrzunehmen. Ein Ausweg durch Verrechnung dcS Postwertzeichens- Gefälles zwischen Reich und Einzelstaat, wird ohne Schä­digung des letzteren schon in finanzieller Beziehung nicht als möglich erachtet und würde die Verrechnung immer nur unter solchen Abhängigkeitsformen durchführbar sein, welche den Verlust der Posthoheit bedeuteten. Zu einem Verzicht auf diese und das verfassungsmäßige Reservatrecht müßten zwingende thatsächliche Verhältnisse gegeben fein, deren Vorhandensein die Kammer aber entschieden verneint. Insoweit es sich hinsichtlich der von der Frankfurter Handelskammer in Anregung gebrachten Unifizierung der Postwertzeichen in Deutschland um die Beurteilung der­selben in finanzieller Beziehung handelt, dürsten folgende Notizen, die bayerische Blätter derNachweisung über den Betrieb der Königl. bayerischen Verkehrsanstalten im Etats­jahre 1880" auszugsweise entnehmen, nicht ohne Interesse fein. Es wurden in diesem Jahre von der Regie- und Maierialverwaltung an die Bezirkskasse abgegeben: 69 980 250 Stück Postwertzeichen im Nennwerte von 7 587 685 M. Innerhalb dieses Betrages befinden sich: 34 650 000 Franko- marken ä 10 Pf. Nennwert 3 465 000 M.; 11325 000 Stück L 3 Pf. = 339750 M.; 4680000 ä 20 Pf. = 936 000 M.; 8490000 Postkarten L 5 Pf. = 424500 M.; 2 824000 Postanweisungs-Formulare L 20 Pf. = 564 800 M. u. s. w.

Würzburg, 2. Aug. Zum Hauptfestakt in der Uni- versttälskirche hatten sich schon gleich nach 9 Uhr zahlreiche Geladene eingefunden. Gleich nach 10 Uhr erschienen, ge­führt von dem Rektor magnificus, dem die UniversitätS- pcdellen voranschritten, die Professoren und geladenen Ehren­gäste, die sich vorher im Universitätsgebäude versammelt

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Itieiflen nimmt entgegen: E grpebition d. Blattes, Emie d.Ännoncen-Bureaur Dietrich u. Eo» in tfnffe! und Hannover; Th. Diem» in Frankfurt a.M.; Snftein u. Vogler rn srantfurt a. M , Berlin, Gg , Köln k.; Rudolf Moffe m Berlin, Frank- furt a. M. rc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. 6e. in Frankfurt a. M ; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendarkin Berlin; W. TbieneS in Elberfeld; E- Schlotte in Bremen-

«rfieint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition l« o ch'sche Buchdruckerei) bezogen SV. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.; - JnsertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

VolkSschullehrer, welche ihre fechswöchige Dienstzeit absol­viert, anstatt wieder zur Uebung mit den Waffen einberufen zu werden, sich zu Lazarett - Inspektoren oder Lazarett- Rendanten ausbilden lassen könnten", hat Anlaß zu einer Anfrage an entscheidender Stelle gegeben. In Beant­wortung dieser Anfrage ist seitens deS Kriegsministeriums bezw. der Militär-Medizinal-Abteilung, nach derSchles. Ztg.", folgender Bescheid ergangen:Die unterzeichnete Abteilung erwidert aus das an das königliche Kriegs­ministerium gerichtete gefällige Schreiben ergebenst, daß eine Verordnung, wonach speziell Lehrer, welche ihrer sechs­wöchigen Militärpflicht genügt haben, zu Lazarett-Inspektoren oder Feld-Lazarett-Rendanten ausgebildet werden können, nicht ergangen ist. Nach einer Allerhöchsten Kabinettsordre vom 3. September 1874 sind jedoch Mannschaften dcS Beurlaubtenstandes zu Hebungen mit der Waffe einzu­berufen und für den Sanitätsdienst vorzubilden. Da nun die Lehrer, welche ihrer sechswöchigen Militärpflicht genügt haben, zu den Mannschaften des Beurlaubtenstandes ge­hören, so ist auch gegen deren cvent. Einziehung zu vor­bezeichneten Hebungen bei den Feld - Lazaretten nichts ein- znwenden, sofern die Betreffenden zu einer derartigen Verwendung für den Kriegsfall bereit sind und die ent­sprechende Qualifikation besitzen." DieKreuzzeitung" schreibt:Mehreren hiesigen Zeitungen war dieser Tage die Mitteilung zugegangen, der hiesige französische Bot­schafter wäre infolge einer Berufung in Paris eingetroffen. Durch den Augenschein konnte man sich gestern aber Über­zeugen, daß Baron de Ccnreel noch hier anwesend ist; er machte gestern seinen gewöhnlichen Spazierritt. Wie von diplomatischer Seite verlautet, ist bis jetzt auch eine Abreise seitens deö Botschafters noch nicht ins Auge gefaßt. Daß eine Anfrage wegen seiner Teilnahme an der Rekon­struktion deö französischen Ministeriums hier angelangt ist, scheint nicht zweifelhaft; doch gilt es als unwahr­scheinlich, daß der Botschafter geneigt sein werde, seinen hiesigen Posten mit dem eines Ministers zu vertauschen." Das zum Schutze der Nordseefischerei in Dienst gestellte KanonenbootCyelop" hat Befehl erhalten, sich von Wilhelmshafen nach dem Suezkanal zu begeben. Wie dieB. Z." hört, wird die für Begründung der hiesigen ZeitungDie Tribüne" gebildete Aktiengesellschaft am 1. Oktober zu existieren aufhören. Die Zeitung selber soll für Rechnung eines hiesigen Buchhändlers, welcher sich bereits in der Expedition der in Rede stehenden Aktien­gesellschaft befindet, fort geführt werden. Der vom Dom­kapitel zu Naumburg a. d. S. präsentierte Domdechant Regierungspräsident v. Kamptz zu Erfurt ist zum Mit- glicde des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen worden.

MÜllchkN, 4. Aug. Eine auf den Antrag des Magi­strats, die Simultanschulen in konfessionelle Schulen um- zuwandeln, erfolgte Entschließung der Regierung giebt den einziehen, wenn Ihre junge Gattin die Schwelle desselben überschreitet. Danken Sie der Komtesse, daß Sie Ihnen drei Jahre Frist gegeben hat, ein anderer, besserer Mensch zu werden, und benützen Sie die Frist."

Bei Gott, ich will e6," lautete der Entscheid deö jun­gen Grafen, der im Pfarrhaus zwar nicht die Erfüllung des Wunsches gefunden, mit dem er dasselbe betreten, aber einen väterlichen Freund, der ihn führen konnte auf dem Wege zu dem heißersehnten Ziel.

9.

Am andern Tag fuhr der Graf Reginald zur Stadt, länger konnte er seine Ungeduld, seine Cousine wiederzu-^ sehen, nicht zügeln, an deren Anwesenheit er sich schon so gewöhnt hatte, daß er sie seit gestern schmerzlich vermißte. Verschiedene Empfindungen stritten während dieser Fahrt in seiner Brust; er erinnerte sich des Regierungsrats, dem er damals, wie er sich recht wohl erinnerte und jetzt erst eingestand, in seiner neuen Würde als Standesherr und Graf von Steinhaufen keineswegs imponiert hatte; er ge­stand sich ferner ein, daß er in geselliger Beziehung unartig gegen ihn und die RegierungSrälin gehandelt hatte, und er frug sich bange:wie werden sie den spaten Besuch auf­nehmen?" Ein Besuch, der jetzt nicht mehr der konven­tionellen Höflichkeit galt, sondern dem Verlangen, eine An­dere wiederzusehen.

Im Umgang mit seinen StandeSgenossen hatte sich Graf Reginald sehr bald die feineren Umgangsformen der höher« Stände angeeignet, die ihn schon als Kind so sympathisch zu der Sckloßfrau ^ogen, dennoch stand er verlegen uns befangen vor dem Regierungsrat, der diese Verlegenheit auf Rechnung der bestehenden Verhältnisse schrieb, da Ger-