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XVII Jahrgang

Marburg, Freilag, 4. August 1882

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ersten sechs Monaten des gegenwärtigen Jahres immer billiger geworden, auch Kartoffeln haben im Preise von Monat zu Monat bis zum Mai abgenommen, dann sind sie im Juni plötzlich gestiegen und haben in diesem Monat einen Preis erlangt, der noch um ein geringeres größer war als im Januar. — Der Vergleich deS Durchschnitts­preises der genannten Vegetabilien während des ersten Semesters des laufenden Jahres mit den DurchschnittS-

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Kartoffeln, hervorgetreten, bei ersterem ist er um 13,3 pCt., bei letzterem um 25 pCt. geringer gewesen als im Jahre 1881. Nur der Durchschnittspreis für Weizen hat um 0,17 M. gegen daS Vorjahr zugenommen. Die Kartoffel­preise sind seit dem Jahre 1876 noch nicht so niedrig ge­wesen, wie im gegenwärtigen Jahre; seit dem Jahre 1880, in welchem sie seit 1876 den höchsten Durchschnittspreis erlangt hatten, sind sie fortdauernd im Preise gefallen. — Durch eine sämtlichen Justizbehörden mitgeteilte Verfügung vom 26. v. Mts. hat der Justizminister die GeschäftS- ergebnisse der preußisch n Justizbehörden aus dem Jahre 1881 zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zuerst kommt die Hauptübersicht der Geschäfte der Amtsgerichte, bet welchen folgende Beamtenzahl wirkte. Etatsmäßige Stellen: 2536 Richter, 2536 GerichtSfchreiber, 14 Kalkulatoren, 1425 Notare, 1739 Gerichtsvollzieher (ohne die HülfS- gerichtSvollzieher), 1573 Gerichtsdiener und Kastellane. Die Zahl der bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten betrug 995 784, worunter 497310 kontradiktorische. KonkurS- sachen waren 5116 anhängig, worunter 2313 dies« und 2803 überjährige, wovon 2628 beendet wurden. Bei den

Stillschweigen, es liegt zu schwer auf Allen, um fröhlich sein zu können. Arrangieren Sie selbst Ihren Leuten da« alte, licbzewordene, auf jedem Gut alljährlich gefeierte Fest, dann wird man die rechte Stimmung dazu mitbringen; ich selbst führe sie aus den Festplatz, da die Anwesenheit der Gutöherrschaft stets gewünscht wird und die frohe Stim­mung erhöht. Zeigen wir uns öffentlich vereint als Ge­schwisterkinder, die Einen Namen tragen."

„Komtesse"---

„Nicht mehr Komtesse, der Titel gilt unter Verwandten nicht, ich bin fortan Ihre Cousine, Vetter Reginald. Ob ich Ihnen, nach drei Jahren, so lange müssen Sie mir Zeit lassen, einen andern Namen gebe, hängt vom Schicksal und von Ihnen ab."--

Die Stätte am Parkgitter war diesem Paar zum zweiten- male bedeutungsvoll geworden; was das trotzige Kind hier einst gefehlt, die Jungfrau halte es gesühnt nach langen Jahren.---

Das Ziel der Liberalen.

Von der neuesten „Provinzial-Korresp." wird hierüber folgendes ausgeführt:

In liberalen Kreisen hat man sich bis vor kurzem noch auf daS Entschiedenste dagegen verwahrt, daß man nach einer parlamentarischen Parteiregierung strebe. Noch in einer der letzten Sitzungen des Reichstag« wurde von gemäßigter Seite sogar auf die Unmöglichkeit einer Partei­regierung wie in England hingewiesen, und als vor Jahr und Tag an dieser Stelle als das eigentliche, wenn auch vielleicht nicht allen bewußte Ziel des Kampfes gegen das Ministerium Bismarck „die Inthronisierung der Herren Richter, Stauffcnberg und Rickert" bezeichnet wurde, da wurde nicht nur dieser Ausdruck von allen Liberalen angefochten, sondern auch das Streben nach einem Verdrängen des Ministeriums Bismarck und nach einer Ersetzung des­selben durch liberale Parteiführer entschieden in Abrede gestellt und als Verdächtigung zurückgewiesen.

Heute wird dies nach der Rede, welche der Abg. Hänel jüngst in Schleswig-Holstein in einer Parteiversammlung gehalten, nicht mehr möglich sein. Nach dieser Kundgebung „will und soll der Liberalismus zur Herrschaft gelangen, den maßgebenden Einfluß gewinnen und, wenn es die Dinge fügen, die tfiegierung selber in konstitutioneller Weise leiten". Weiter wird für die Herren v. Bennigsen, von Stauffenberg und v. Forckenbcck da« Regiment in Anspruch genommen und ihnen die Nachfolge wenigstens desjenigen Teils der Fortschrittspartei in Aussicht gestellt, welcher die Gesinnungen des betreffenden Redners teilt.

Der Beifall, den diese Rede in den Reihen der Liberalen gefunden, zeigt, daß es sich hier nicht um eine vereinzelte Auffassung handelt, sondern daß in der That hiermit das eigentliche Ziel offen htngestellt ist, welches die gemeinsamen Liberalen durch die Wahlen zu erreichen hoffen. Zwar hat man von anderer Seite lediglich die „Bekämpfung der angeblichen klerikal-konservativen Koalition" als Ziel der Liberalen hingestcllt und ihre Einigung gerade zu diesem Zweck proklamiert. Aber hierin ist nur, wie dies auch von einem Berliner fortschrittlichen Blatte zugegeben wurde, die negative Seite der Einigungspolitik der Liberalen zu erblicken.

DentscheS Reich.

Berlin, 2. Aug. Nach den Erhebungen des König!, statistischen Bureaus haben sich die monatlichen Durch­schnittspreise der hauptsächlichen vegetabilischen Lebensmittel während des ersten Halbjahres 1882 folgendermaßen gestellt. (Preise für 100 Kilogramm in Mark):

und deren Gratisbeilage

Illustriertes SonntagsblaU von allen Post-Anstalten, auf dem Lande von den Landpostboten, entgegengenommen.

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170

KM" Für die Monate August und September werden noch Bestellungen auf die

Oberheffische Zeitung

Der Erbe des Blutes.

Erzählung von Emma Händen.

(Fortsetzung)

Noch hatte indes die Stunde ewiger Vereinbarung für» Erdenleben diesem Paare nicht geschlagen, noch kam kein unbedingtes Ja von den Lippen dieses jungen Mädchens.

„Reginald", begann sie, sie konnte sich nicht mehr zu dem fremden „Herr Graf" entschließen, „es muß in dieser Stunde Offenheit und Wahrheit zwischen unS herrschen; noch kann ich nicht die Ihrige werden, denn ich weiß nicht, ob ich Ihnen vertrauen darf. ES sind die Kindheits- Erinnerungen, die heute in mir wach geworden sind, und zu denen gehört auch der Augenblick, wo Sie drohend einst an dieser Stelle vor mir standen."

„Sie haben eö also geglaubt, Komtesse, und scheinen es noch zu glauben; ich schwieg damals, weil ich zu stolz war, mich zu verteidigen, wo man mir nicht geglaubt haben würde. So sei eS denn heut gesagt: so blind war meine Leidenschaft nicht, daß ich, selbst aufS höchste erregt, ver- geffen hätte, wer vor mir stand. Aber nicht Graf Kuni­berts, meines Gutsherrn Tochter, sah ich in Ihnen, son­dern ein zartes, schwache«, unbeschütztes Kind, das für meinen Zorn und meine Wut in feiner Schutzlosigkeit unerreichbar war."

„Ich werde es vergessen, wenn ich überhaupt erst volles Vertrauen zu Ihnen gewonnen habe. Wir sind zu lange feindselig getrennt durch daS Leben gegangen, als daß ein Augenblick eine elfjährige Trennung ausgleichen könnte. Noch habe ich nicht die Einwilligung meines Vormunde« und ich kann eS Ihnen nicht verhehlen, Reginald, ich ^aube nicht, daß ich dieselbe schon jetzt erhielte. ES gab

preisen des gleichen Zeitraumes der ergiebt folgende« Resultat:

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Da« positive Ziel derselben geht darauf hinaus, die Herr­schaft zu gewinnen und die Leitung der Regierung in die Hand zu bekommen. Hiermit ist zugleich der Gegensatz zwischen den Liberalen und ihren Gegnern gegeben: dort die Erhöhung der Macht deS Parlaments und die parla­mentarische Herrschaft, hier die Stärkung und ungeschmälerte Erhaltung deS Königtums und der Rechte der Krone.

Mag man auch auf liberaler Seite sich gegen diese Auffassung verwahren, daS Streben nach Herrschaft der Liberalen und nach Leitung der Regierung ist ein Kampf gegen die von der Allerhöchsten Botschaft vom 17. November vorigen JahreS festgcstellte Neformpolitik und steht im Widerspruch mit dem königlichen Erlaß vom 4 Jan. d. I., worin der König sein Recht wahrte, „die Regierung und die Politik Preußens nach eigenem Ermessen zu leiten". Wenn liberalerscits diese Neformpolitik bekämpft und eine Umgestaltung der Regierung hcrbeizuführen gesucht wird, so liegt hierin das Streben, die Macht deS Parlaments auf Kosten des Königtums zu erhöhen und die Rechte des Königs bezüglich der Leitung der Regierung und der Politik einzuschränken.

Man hat in einem liberalen Blatte an das Gewissen deS preußischen Volkes appelliert, in der Meinung, daß dasselbe die Herrschaftsbestrcbungen der Liberalen begünstigen müsse. Entweder irrt man sich in der Adresse oder man giebt sich einer groben Täuschung über die Wirkung dieses Appells hin. DaS Gewissen des preußischen Volks warnt vielmehr, auf gründ der Erfahrungen der Geschichte, sehr eindringlich vor einer Verwirklichung der Ideen de« Libera­lismus und vor den Bestrebungen nach Stärkung der par­lamentarischen Macht, und ebenso eindringlich spricht es für die volle und ungeschmälerte Erhaltung des Wesens des Königtums, dem Preußen und Deutschland allein die großen Erfolge verdanken, deren wir unS heute erfreuen, und deren Besitz wir allein durch Eintracht und vertrauen- volles Zusammenwirken mit der Krone uns erhalten können. In der That ist es wünschenswert, daß daS Gewissen des preußischen Volkes sich jetzt Gehör verschaffe: dasselbe kann, wie wir überzeugt sind, nicht anders, als da« von den Liberalen offen bekannte Ziel verurteilen, welches auf die Einschränkung der bestehenden Rechte des Königtums und auf die Einführung der parlamentarischen Regierung hinauS- laufen muß.

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Das Erntefest war gefeiert in Steinhaufen, Graf Regi­nald hatte es seinen Untergebenen arrangiert, Gertrud, die Tochter einer allegeliebten Schloßfrau, zu der man schon mit Liebe und Vertrauen emporblicktc, war an seinem Arm über den Festplatz geschritten. „Graf Eugens Sohn und Gräfin Selmas Tochter," hatte man gesagt, als sie den­selben verließen, und diese beiden, in Steinhaufen hochver­ehrten Namen waren die Brücke gewesen zwischen Gutsherrn und Gutöleuten.

(Fortsetzung folgt)

Demnach hat sich der Durchschnittspreis für Roggen, Gerste, Hafer und Kartoffeln während des ersten Halb­jahres 1882 wesentlich geringer gestellt, als derjenige im Jahre 1881, und besonders stark ist der Preisabfall bei unseren beiden wichtigsten Nahrungsmitteln, Roggen und

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoneen-Vureaux L Th. Dietrich u. Co. in Raffel und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u. Vogler in Frankfurt a. M-, Berlin, 8-ipzig. Mn re-; Rudolf Moffe in Berlin, Frank- V ' furt a. M. rc-

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eine Zeit, wo eine heftige Scene und eine Feindschaft für immer die Folge gewesen wäre, wenn mein Vormund sich so in meine persönlichen Angelegenheiten gemischt hätte. Jetzt habe ich ihn achten gelernt, nachdem ich die Schule des Lebens an der Hand einer liebenden Mutter durch­gemacht; ich fühle, daß ich unerfahren bin und einer lie­benden Hand bedarf, etwas, das ich vor einem Jahre, als ich fortging, noch nicht fühlte. Denken Sie zurück an das letzte Jahr und fragen Sie sich aufrichtig, ob hier Alles so war, wie es sein sollte und sein mußte, damit ein Weib vertrauend das eigene Geschick an daS Ihre kette. Noch sind Sie nur als Herr hier aufgetreten, noch fürchtet man Sie nur, und darum find die Steinhausener in dieser Furcht nicht glücklich. Bauen Sie erst das Glück Derer, deren Schicksal in Ihre Hände gelegt ward, als Sie die Herrschaft hier antraten und verwandeln Sie die Furcht in Liebe."

„An Ihrer Seite würde es mir leichter werden."

„Ich scheide nicht von Ihnen, selbst wenn ich nach Kemden zurückkehre, denn Sie können die Stadt, fei eS zu Wagen, fei es zu Pferde, jederzeit mit Leichtigkeit erreichen, wenn Sie mich sehen wollen. Dort führe ich meinen Vetter Reginald in ein Haus ein, das mir zur zweiten Heimat ge­worden ist, bis ich in die alte Heimat der Kindheit wieder einziehe. Und so wie ich Sie dort einführe, will ich Ihnen auch ein neues Verhältnis mit Ihren Gutsleuten vermitteln. Seit zwei Jahren ist hier das Erntefest nicht gefeiert, weil die Leute nicht in der Stimmung dazu sind; im vergan­genen Jahre nahm man die Trauer über den Tod des Gutsherrn zum Vorwand, obgleich, ich weiß es leider, mein Vater hier nie betrauert ist. Dies Jahr wird ein Vorwand gar nicht einmal gesucht, man übergeht die Sache mit

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux vonG L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M-; Jäaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Invaliden! oik in

Berlin; W. Thiene« in Elberfeld' C- Schlotte in

Bremen.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Illustrirtes SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 60 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Weizen

Roggen

Gerste

Hafer

Kartoffeln

Januar

22,5

18,6

16,5

15,7

4,45

Februar

22,3

18,5

16,4

15,8

4,4

März

22,1

17,6

16.3

15,7

4,3

April

22,1

17,2

16,1

15,6

4,1

Mai

22,0

16,8

15,9

15,4

3,95

Juni

22,0

16,3

15,6

15,2

4,5.

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Weizen

Roggen

Gerste

Hafer

Kartoffeln

1882

22,17

17,5

16,1

15,57

4,28

1881

22,0

20,2

16,6

15,9

5,7

1880

21,9

19,3

16,8

15,2

6,5

1879

19,6

14,4

14,5

13,4

6,2

1878

20,2

14,3

15,7

13,9

5,7

1877

23,0

17,7

16,9

16,0

6,4

1876

21,0

17,4

16,8

17,7

5,7