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xvn Jahrgang

JRaCÖUrg, Dienstag, 1. August 1882

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täaficb außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SouutagSblatt^ durch die Expedition (Koch'sche ^sch Buchdruck-r-i) bezogen 8V. Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.» -Jns-rN°nsg-bühr für bie gespalten- Z-.l- 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Der Erbe des Blutes.

Erzählung von Emma Händen.

(Fortsetzung)

Sie war kühner und dreister geworden, als sie sah, daß er sie schweigend anhörte und nicht wild aufflammte, aber cs blieb nur ein Ton sanfter Mahnung, in dem sie sprach, und er war bezwungen. Vergebens suchte er sie festzuhalten, die Erinnerung an das hochmütige Schloßfräulein, es war das holde Kind von einst, im schwarzen Trauerkleid mit blonden Locken und den wunderlieblichen blauen Augen, das vor ihm stand und er konnte den Worten nicht widerstehen.

Sie mögen Recht haben, Komtesse," sagte er daher, als sie schwieg,ich will ein anderes Leben beginnen und es mit der Milde versuchen, wo die Strenge nichts geholfen hat und wenn ich je wieder zu strenge sein sollte, so er­innern Sie mich an die heutige Stunde. Wenn ich aber Werner gegenüber nicht frei von Schuld bin, so kann ich Ihnen auch nicht gestatten, die Sorge für feine Frau und Kinder zu übernehmen, dann sei diese Sorge eine Sühne meinerseits, mit der ich das Schicksal versöhnen will. -

Unvermutet, wie Graf Reginald in Gertruds Wohnung erschienen war, betrat er bald darauf die Stätte, wo em neues Wirtschaftsgebäude aufgeführt wurde, die Manner des Dorfes also versammelt waren.

Tretet Alle um mich," sagte er,ich habe mit Euch zu reden." ,

Schweigend gehorchten alle, aber ihre trotzigen Mienen kündeten ihm nichts Gutes. Sie wußten, daß sie nichts g^ than hatten, was das Gesetz ahnden konnte und hatten sich Alle das Wort gegeben, willkürliche Bedrückungen des Guts­herrn nicht zu dulden.

Deutsches Reich.

Berli«, 29. Juli, lieber einen von dem Minister der öffentlichen Arbeiten an die Beamten des technischen Büreaus der Bauabteilung seines Ministeriums erlassene Verfügung betreffs der Uebernahme von Nebenarbeiten enthält das äentralblatt der Bauverwaltung" folgende Mitteilung: Einige politische und auch Fachblätter beschäftigen sich mit einer Verfügung, welche seitens des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten aus Anlaß der Beteiligung an der Konkurrenz zu dem ReichStagSgebäude an die Beamten deS technischen Büreaus des Ministeriums in bezug auf die Uebernahme von Nebenarbeiten erlassen sein soll. Die bezüglichen Mitteilungen bedürfen, wie wir auS guter Quelle erfahren, in sehr wesentlichen Punkten der Richtigstellung. Allerdings ist den in dem technischen Büreau der Bau­abteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten be­schäftigten Beamten zu erkennen gegeben, daß sie zur Uebernahme von umfangreichen Nebenarbeiten jeder Art, mögen dieselben in Leitung von Bauten oder in Anfertigung von Projekten, bezw. in Beteiligung an größeren öffentlichen Konkurrenzen bestehen, der höheren Genehmigung sich zu vergewissern haben, nicht zu dem Zwecke, um über die Nebenarbeit an sich irgend eine Zensur zu üben, sondern lediglich um ermessen zu können, ob und inwiefern solche Nebenarbeiten die amtlichen Obliegenheiten nicht beein­trächtigen. Denn eS versteht sich von selbst, daß die amt­lichen Arbeiten vorgehen müssen, und daß die thatsachlich vorgekommene Uebernahme erheblicher Nebenarbeiten neben der Beteiligung an der Konkurrenz zum Reichstags­bau, welche letztere allein bei dem Umfange und der Schwierigkeit der in kurzer Zeit zu vollendenden Arbeit die ganze Arbeitskraft in Anspruch nehmen mußte, die dienst­lichen Obliegenheiten notwendig beeinträchtigen muß. Die . überaus umfangreichen und zahlreichen Ausgaben, welche von dem technischen Büreau der Bauabteilung zu lösen sind, erfordern aber, daß die Beamten desselben nicht nur während der Dienststunden ihre volle ungeschwächte Kraft den dienstlichen Obliegenheiten zuwenden, sondern auch häufig, so insbesondere in der Zeit der Etatsanmeldungen, in der die Arbeiten sich ungemein häufen und mit größter

AM» Für die Monate August und September werden noch Bestellungen auf die

Oberheffische Zeitung

Ullb deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonnlagsblatt von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengmommen.

ohne K eg 377.

Verein tagstff urateur.

7.

Der Hochsommer war herangekommen, wir finden Ger­trud noch in Steinhaufen, alle Einladungen ihrer mütter­lichen Freundin, nach Kemden zurückzukehren, hatte sie ab­gelehnt mit dem Bemerken, sie könne sich noch nicht von der Heimat trennen, dieselbe biete ihr neue Reize und fessele sie noch zu sehr, da sie ja jetzt nicht mehr feindlich mit dem Grafen stehe, zum Herbst werde sie kommen.

(Fortsetzung folgt.)

emeiaen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes. «ie d.Annoncen-Bureaux l Th. Dietrich u. Co. m

r,i und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a.M.; R/tafenftein u- Vogler in Öurt a- M., Berlin, 8g Köln ic.; Rudolf We in Berlin, Frank- ^" furt a. M- ic.

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Beschleunigung erledigt werden müssen, außerhalb der Dienststunden thätig sind. In dieser Voraus etzung einer willigen und arbeitsfreudigen, nicht an die Dienststunden sich bindenden Pflichterfüllung erfolgen die Berufungen in das gedachte Büreau. Hiernach wird der in den politischen und Fachblättern besprochene Ministererlaß als durch das Interesse des Dienstes geboten erachtet werden müssen. Ueberdies handelt es sich, wie dieVossische Ztg." richtig bemerkt, nicht um ein Verbot, sondern um die Einholung einer Genehmigung, welche aber, wenn die Lage der amt­lichen Geschäfte irgend zuläßt, insbesondere, wenn eS sich um die Beteiligung an Konkurrenzen handelt, sicher nicht versagt werden wird, wie denn die in einem Falle bean­tragte Genehmigung zur Beteiligung an der Reichstagsbau- Konkurrenz seinerzeit auf das Bereitwilligste erteilt worden ist. _ Auf Veranlassung des Kultusministeriums werden dem Vernehmen nach gegenwärtig Erhebungen über den Stand des Turnwesens in den höheren Lehranstalten,, den Lehrerseminarien und den Volksschulen veranstaltet. Diesen Erhebungen ist ein chematisterter Fragebogen zu gründe gelegt, welcher über Alter, Vorbildung und Beschäftigung des Turnlehrers, Größe der Turnhalle, resp. des Turn­platzes, die Entfernung derselben vom Schullokale, die Hauptübungsgattungen, die Hauptgeräte, die Leitfäden und Lehrbücher für den Turnunterricht, den Prozentsatz der vom Turnen dispensierten Schüler, die Hauptkrankheits­ursachen für diese Dispensationen, Anordnung des Turn­unterrichts im Sommer und Winter, über Baden und Schwimmen und die Beziehungen der Schule zu denselben, über Turnfahrten und Turnfeste, Zensuren im Turnen, die Berücksichtigung des Turnens in rett Schulprogrammen und über die Turnlitteratur in der Schulbibliothek Auf­schluß verlangt. lieber den Meilingschen Prozeß wird jetzt mitgeteilt, daß der Verrat leicht größeren Umfang hätte annehmen können, daß der Verräter aber nur ein paar Tausend Mark für seinen Verrat erhalten hat. Merkwürdig ist bei dieser Enthüllung, daß, während Mei­lings Mitschuldiger, ein Russe namens Rivling, genannt wird (der sich nach dem zweiten Verhör im Ge'ängnisse erhängt hat), der russische See - Offizier, der den Verrat angestiftet, verschwiegen bleibt. Dies muß um so mehr auffallen, als dieser Mensch das Geld doch nicht aus eigenen Mitteln gegeben hat und es darauf abgesehen war, auch von den Festungswerken Posens Kenntnis zu et« langen. _ t ,

Danzig, 29. Juli. Regierungspräsident v. Salzwedel ist heute nachmittag gestorben.

Düffeldorf, 27. Juli. Zur Begrüßung des Herrn Ministers für Landwirtschaft beim Beginn seiner Amtsreise durch die Rhciulande bringt derDüsseldorfer Anzeiger" einen schwungvollen Artikel, in welchem zunächst im All­gemeinen die hohe Wichtigkeit der Landwirtschaft, als der

Vor kurzem hat man einen Angriff auf mein Leben versucht," begann der Graf,und Niemand hat in jenem Augenblick versucht, dem Gutsherrn beizustehen. Daraus muß ich entnehmen, daß Werner recht viele Mitschuldige gehabt hat, die durch Unthätigkeit ihm Zeit geben wollten, sein Verbrechen auszuführen."

Bei diesen Worten verschwand in etwas der Trotz auf den Gesichtern, diese Auslegung kam ihnen unerwartet, für Mitschuldige des ThäterS wollten sie doch nicht gehalten sein.

Werner büßt seine Schuld im Gefängniß," fuhr der Graf fort,tretet nicht in seine Fußtapfen, Leute, er hat sich und seine Familie unglücklich gemacht, da er jahrelang fern bleiben muß, und der Makel der Zuchthaushaft wird stets auf seiner bürgerlichen Ehre haften bleiben, während seine Frau und Kinder auf die Gnade Anderer angewiesen sind. Ihr selbst seid Gatten und Väter, denkt an Eure Frauen und Kinder und bereitet Ihnen nicht das gleiche Loos, wie Werner es den Seinen bereitet hat, sondern bedenkt, daß nach dem, was zwischen unö liegt, Gehorsam und gewissen hafte Pflichterfüllung die einzige Grundlage ist, auf der wir dereinst Frieden schließen können. Jetzt geht wieder an Eure Arbeit."

Verschwunden war der Trotz aus allen Mienen, nrcht in seinem gewöhnlichen, herrischen Tone hatte der Graf zu ihnen gesprochen und doch fühlten sich Alle beschämter durch seine Worte, als eS je die herrischste Strafpredigt auS seinem Munde vermocht hatte. Bisher war Werner be­dauert worden, das konnte man doch nicht länger einem Manne gegenüber, der ein Verbrechen begangen, das er im Zuchthaus abbüßen mußte und der Frau und Kinder ins Elend gebracht hatte. Nein, so tief, wie Werner, wollte Keiner sinken, der Gras war ja doch ihr Herr, der Geyor-

Grundlage für das gesamte Staatsleben, betont und die Bodenkultur als eine altpreußische Eigentümlichkeit charak­terisiert wird. Indem der Artikel sich dann speziell zu den Verhältnissen der Landesteile wendet, welchen der gegen­wärtige Informationsbesuch des Ministers gewidmet ist, wird u. A. folgendes auögeführt: Die Rheinlande werden mit Recht als eine der gesegnetsten Provinzen unseres Staates gepriesen. Und wie sehr die Hohenzollern hier erfolgreich seit Jahrhunderten kultiviert haben, beweisen die Musterdörfer am Niederrhein: in der Grafschaft MörS und im Kleveschen. Die Bodenkultur der Rheinlande wurde nach der Einverleibung anderer Teile der Rheinlande in­folge der Befreiungskriege fortgesetzt, wenn auch in den letzten 60 Jahren die Hauptsorge auf daS Aufblühen der rheinischen Städte, oder was gleichbedeutend ist auf Handel und Industrie, über alles Erwarten erfolgreich gerichtet war. Ein sprechender Beweis für daS Aufblühen der rheinischen Städte ist das jetzige Köln mit seinem Dom, mit dem sich daö Köln unter französischer Willkürherr­schaft sowie unter dem Krummstab vordem nicht vergleichen läßt. Aber auch alle anderen rheinischen Städte, die Kunst- und Gartenstadt Düsseldorf, welche neuerdings zu­gleich Industriestadt werden will; das durch Krupp in allen Weltteilen berühmt gewordene Essen; das reiche Kre­feld, das die alte und neue, besonders aber die schöne Welt in Sammet und Seide hüllt; dann Elberfeld-Barmen, in welch endlos langen Städten der Webstuhl Tag und Nacht nicht rastet und ebenfalls die weite Welt versorgt; nicht weit entfernt Solingen und Remscheid mit ihren Kleinstahl-Produkten, herrlichen Klingen, vor denen sogar Englmd den Hut zieht; ferner die alte Kaiserstadt Aachen mit der großartigen Tuchfabrikation; das der Wisfenschast seit Friedrich Wilhelm III. treu ergebene Bonn, das maje­stätisch zwischen Rhein und Mosel sich ausbreitende Koblenz mit seinem großartigen Weinhandel; das geschichtlich tief in die Römerzeit hineinragende Trier: alle diese und die anderen rheinischen Städte haben Preußen wirtschaftlich viel zu verdanken. Und politisch noch viel mehr. Denn von allen deutschen Staaten war und ist Preußen allein im stände, dieWacht am Rhein" zu halten, dir nationale Arbeit und alle Früchte des Friedens gegen das von jeher raublustige Frankreich machtvoll zu schützen. Leider ist eS einem Teil der rheinischen Bevölkerung noch immer nicht genug zum Bewußtsein gekommen, was ein starkes Staats­wesen dem Lande und Volke wert ist. Stadt und Land, eine jede Konfession, jeder ErwerbSzweig der Rheinprovinz schuldet den Hohenzollern Dank, waS ein unbefangener Vergleich zwifchen früher und fitzt einem Jeden sofort klar machen muß. Ist unter preußischer Herrschaft vieles besser geworden, so soll uns das aber nicht zur wunschlosen Un­thätigkeit verleiten, denn jeder neue Tag bringt neue Sorgen. Dafür sorgt schon die wachsende Bevölkerung

sam und Pflichterfüllung verlangen konnte und wo er Beides so verlangte, wie jetzt eben, da war es ja auch so schwer nicht, zu gehorchen.

Nicht lange danach, so erfuhr man im Dorf daß er für Werners Frau und Kinder sorgen wollte, und allgemein fragte man sich:WaS hat den wilden Schloßhcrrn zu dieser ungewohnten Milde bewogen?" Bald sollte ihnen Antwort auf diese Frage werden. Frau Werner erzählte, daß der ($iraf zur Anlegung des Verbandes zur Komtesse gekommen sei und daß die Herrschaften allein gewesen seien, ehe der gnädige Herr zur Baustätte gegangen war. Der schlichte Verstand der einfachen Leute traf das Richtige: herrisch streng war er gewesen, so lange sie fern war, die unerwartete Milde, die er geübt, war ihr Werk und Stein­haufen athmete auf, man sah in ihr die Bringerin befferer Zeiten.

Der Regenbogen deS Friedens flammte über Stein- Hausen, aber noch spannte er seine leuchtenden Bogen nicht vom Herrenhaus zum alten Schloß, doch die alte Brücke war gebaut von der Hand des Schicksals über den Strom des Hasses.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. Co. in Franlfurt a. M ; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendcrkin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

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