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-Marburg, Freitag, 28, Juli 1882
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(SrfAeint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentllchen Berlage „JllustrirteS EonutagSblatt durch die Expedition ch sche ® * Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertroi^gebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pfg. berechnet.
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Deutschland kann der Lösung dieser Wirren in voller Ruhe und Neutralität zusehen, ohne die Befürchtung, daß sich daraus Verwicklungen für den Frieden der zunächst beteiligten Mächte unter einander oder für Deutschland im Speziellen ergeben könnten. Deutschland wird weder außer Acht lassen, daß an der Spitze der Türkei ein ihm befreundeter Monarch steht, noch daß seine Beziehungen zu den Westmächten freundschaftliche sind. In voller Uneigennützigkeit wird eö daher der von diesen Seiten erstrebten Geltendmachung ihrer Interessen zusehen, da es selbst nur für deutsche Interessen, die gegenwärtig nicht in frage kommen, einzutreten sich berufen fühlt.
Diese Stellung Deutschlands wird erfreulicherweise auch im Auslande gewürdigt. Selbst von einer Seite, welche der Politik des gegenwärtigen Ministeriums in Frankreich wenig geneigt ist und der auch keine Vorliebe für Deutschland nachgesagt werden kann, ist in den letzten Tagen dieses Grundwesen der deutschen auswärtigen Politik hcrvorgehoben und in verständnisvoller Weise anerkannt worden. Um so mehr wird man erwarten dürfen, daß in Deutschland selbst bezüglich der Stellung zur egyptischen Frage kein Zweifel aufkomme, welcher durch allerhand auf dem Boden der Börse erwachsene Gerüchte oder durch unbegründete Besorgnisse groß gezogen werden könnte.
Beilegung der egyptischen Wirren, wie sie jetzt durch das Bombardement von Alexandrien geschaffen worden sind,
derselben der volle tarifmäßige Eingangszoll zur Verrechnung gelangt. 2. Der Absatz 2 in § 40 des durch Beschluß des Bundesrats vom 20. Dezember 1869 festgestellten Niederlage-Regulativs erhält folgende Fassung: „Bleibt in solchen Fällen beim öffentlichen Verkauf der Waren da» Meistgebot nach Abzug der Kosten hinter dem Betrage deS Eingangszolls zurück, so ist in der Regel der Zuschlag zu versagen. Ausnahmen hiervon können von der Direkttv- behörde nur dann zugelassen werden, wenn der Ausfall an Zollgesällen 10 pZt. nicht übersteigt". 3. Für die in § 157 deS Vereinszollgesctzes bezeichneten Gegenstände ist die Bestimmung unter Ziffer 2 ebenfalls maßgebend. — Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 5. Juli d. I. beschlossen, daß als Spielkarten im Sinne deS Gesetze» vom 3. Juli 1878 solche Karten anzusehen sind, mit welchen irgend eines der gewöhnlichen Kartenspiele gespiett werden kann. — In der in diesen Tagen zur Ausgabe gelangenden zweiten Hälfte des 39. Heftes des amtlichen Quellenwerks der „Preußischen Statistik" wird die alten* mäßige Darstellung der Vorbereitung und Ausführung der Volks- und Gewerbezählung am 1. Dezember 1875, nebst einer Anzahl von Nachträgen zu den bereits früher veröffentlichten definitiven Ergebnissen der Volkszählung, betreffend die AlterSverhältniffe der Bevölkerung, der Oeffent- lichkeit übergeben und damit ein bereits im Jahre 1877 gegebenes Versprechen eingelöst. Das Vorwort zu diesem Hefte enthält einen näheren Nachweis über die Organe, welche bei der Ausführung jener Volks- und Gewerbezählung mitgewirkt haben, sowie über die Kosten und Kräfte, mit denen die Resultate beider Zählungen gewonnen wurden. Als Aufnahmebehörden fungierten die Gemeinde- bezw. Guts- und ForstbezirkS-Vorstände in den Stadt- und Landgemeinden, sowie in den Guts- und Forstbezirken. Solcher kommunalen Verwaltungseinheiten gab es im Dezember 1875 in Preußen 54907, nämlich 1288 Stadtgemeinden, 37613 Landgemeinden und 16006 Guts- und Forstbezirke. Welchen Umsang die gesamte Aufnahme gehabt hat, veranschaulicht eine Uebersicht der bei derselben zur Verwendung gelangten Formulare. Es wurden vom königlichen statistischen Büreau, als der leitenden Zentralstelle, versandt: 12021745 HauShaltungsverzcichnisse, 31310555 Zählkarten, 772082 Gewerbe-Fragebogen, 6 652111 Umschläge mit Anleitung, 237883 Instruktionen sür Zähler, 235983 Kontroll-Listen, 75802 Instruktionen für Behörden, 143 281 OrtSübersichten, 5000 Kreisübersichten, 120345 Frazckarten für Müller und 8000 besondere Fragebogen. DaS an das statistische Büreau zurückgclangte ErhebungS- Urmaterial, die auSgcfüllten Formulare u. s. w. bestand in 5474386 Haushaltungsverzeichnissen, 26050341 Zählkarten, darunter 2725 619 Karten, welche auch für die Gewerbczählung auszunutzen waren, 40 844 Gewerbe-Fragebogen, 5473 955 Umschläge, 224548 Kontrolllisten,
f Deutschland und die egyptische Frage.
Die Entwicklung der Dinge in Egypten hat in letzter »eit eine solche Richtung cingeschlagen, daß die Wiederherstellung der Ordnung in dem alten Pharaonenlande am leichtesten durch ein militärisches Eingreifen möglich erscheint.
Diese Ueberzeugung war es auch, welche die in Konstantinopel tagende Botschafterkonsereuz veranlaßte, an die hohe Pforte das Ersuchen zu richten, durch militärische Streitkräfte das Land zu besetzen und die Wiederherstellung der Ordnung in die Hand zu nehmen.
In der Voraussetzung von der Möglichkeit, daß die Pforte dieses Ersuchen von der Hand weisen oder wenigstens die Erfüllung desselben verzögern werde, und in Anbetracht der großen materiellen Interessen, welche Frankreich und England im Nillande wie im Suezkanal zu wahren haben, sind die Westmächte bemüht, ein Ueberein- kommen zu treffen, um selbst und ohne Aufschub der Anarchie des Landes ein Ende zu machen und dort solche Zustände zu schaffen, welche für die friedliche Entwicklung von Handel und Verkehr eine sichere Grundlage bieten. ES ist möglich, daß England und Frankreich sich in der Lage sehen werden, von ihren Streitkräften zur Erreichung dieses Zieles Gebrauch zu machen.
Deutschland hat wie jede andere Macht ein natürliches Interesse daran, daß die in Egypten fließende Quelle der Beunruhigung für Europa verstopft und die Verhältnisse daselbst alsbald wieder in den Strom friedlicher Ordnung geleitet werden. Neben diesem allgemein politischen und moralischen Interesse besitzt Deutschland in Egypten und im Suezkanal nur geringe materielle Interessen, — von dem Schiffahrtsverkehr im Suezkanal fällt beispielsweise 1 Prozent auf Deutschland, während 75 Prozent auf England kommen.
Es folgt hieraus, daß Deutschland keine Veranlassung hat, au der Beilegung der Wirren aktiv teil zu nehmen, aber auch, daß es der Wahrnehmung der in Egypten engagierten materiellen Interessen anderer Mächte keine Hindernisse in den Weg legen wird.
DaS vorwiegende Interesse der Westmächte an der
Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen- (Fortsetzung)
Reginald kam, ahnungslos ging er auf die tagsüber immer offene Pforte zu, ahnungslos trat er in» Freie, und als die Eisenthür hinter ihm ins Schloß siel, stürzte der Mörder mit gezücktem Messer auf den Waffenlosen zu. Da ihn der Angreifer von links anfiel, streckte er den linken Arm schützend vor die unbeschützte Brust und rief um Hilfe, da er auch an Körperkraft der Schwächere war. Hätte der Hilferuf erst bis ins Dorf dringen müssen, so wären die Herbeieilenden wohl zu spät gekommen, um dem Mörder sein Opfer lebend zu entreißen; aber als vor dem Park- thor der ungleiche Kampf st^tfand, kam des Weges vom Dorfe her ein Knecht mit seiner.Braut, die einen Spaziergang in die Felder machen wollten. Das Mädchen riß sich los vom Arme des Bräutigams, als sie das Messer blinken sah, und lief, gleichfalls Hilfe rufend, ins Dorff während der Knecht vorwärts eilte. Er unterlief den Mörder, so daß er ihn am Handgelenk packte, drückte dasselbe so heftig, daß Werner im Schmerz das Messer fallen ließ, und nun rangen beide mit einander. Aber noch immer war der Kampf ungleich, der Graf lehnte sich, betäubt von Schreck und Schmerz im zerstochenen Arm, an das Parkgitter und war vollständig kampfunfähig. Werner war der stärkste Mann des ganzen Dorfes und hätte wohl bald seinen Gegner bezwungen, wenn nicht die durch den Ruf des Mädchens alarmierte Schloßdienerfchaft durch Garten und Park herbeigeeilt wäre. Noch hatte der Graf die Kraft zu befehlen, daß man Werner dem KriminalgefängniS zu Kem- ken abliefere und dem Gericht die Anzeige des Vorgefallenen
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juli. Minister Lucius ist nach Westfalen und der Rheinprovinz abgereist. — Auf gründ des § 2 der kaiserlichen Verordnung vom 24. Februar d. I. über das gewerbsmäßige Verkaufen und Feilhalten von Petroleum, sowie im Verfolg seiner Bekanntmachung vom 20. April d. I. veröffentlicht der Reichskanzler im „Reichs - Anzeiger" die „Bestimmungen, betreffend die amtliche Beglaubigung von Abelschen Petrolcumprobern". — Der Bundesrat hat in seiner Sitzung vom 5. Juli d. Js. folgende Befchlüsse gefaßt: 1. Konfiskate auS Zvllprozessen dürfen nur bann in den freien Verkehr gesetzt werden, wenn durch den Verkauf
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„Er dachte daran, wie er sie zum letztenmale gesehen hatte, dachte an den Blick, den sie ihm zugeschleudert, als sie daS Schloß ihrer Väter verließ, und dachte nicht einen Augenblick, sie werde zu ihm kommen.
Brandt ging, hoffend und fürchtend zu gleicher Zeit, nach dem alten Schloß.
Gertrud hatte den Hilfeschrei des Mädchens, der die Schloßdienerschaft alarmiert hatte, auf dem Kirchhof vernommen, sie war herzugeeilt und die erste Kunde, die sie von der Aufgeregten erhielt, war der Schreckensruf: „Der Graf ist ermordet." Später erfuhr sie von dem Knecht, der zurückkam, er lebe noch, sei aber schwer verwundet. Keiner der Dorfleute sei hingeeilt zur Stätte de» Unglück-, um dem bedrohten Gutsherrn beizustehen, daher kam jetzt auch keine Kunde aus dem Schloß, die die Ungewißheit zerstreute und daö vermehrte die Aufregung unter der Menge. Gertrud flüchtete in ihr Wohnhaus und wäre am liebsten sofort nack Kemden gefahren, der Kutscher war aber nicht zu finden; demnach blieb ihr nicht» übrig, al» zu warten, bis derselbe kam. Da ertönte die Klingel an der Thür der Halle ihres Hause-, und in dem Glauben, es sei der Kutscher, eilte sie, ihm zu öffnen, das stolze Schloßfräulcin, dem einst eine ganze Schloßdienerfchaft zu geböte gestanden! Vor ihr stand aber nicht der Erwartete, sondern der Kastellan des Herrenhauses.
„Was ist's mit dem Grafen, Brandt?" frng sie.
„Ich komme Sie zu bitten, Komtesse, ob Sie ihm die Wunden verbinden wollen?" fragte der alte Mann, dem der Entscheid auf diese Frage näher lag, als die Erzählung
beigelegt werden: die Westmächte daö nächstliegende Interesse an der Lösung dieser Wirren, welches sich bei den Westmächten hauptsächlich auf materielle Verhältniffe, bei der Türkei auf ihre politische Souveräne-
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läßt aber auch zugleich einen besonderen Auftrag von selten der Gesamtheit der europäischen Großmächte an England und Frankreich, in Ägypten Ordnung zu schaffen, auch die Ordnung der
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Oberhessische Zeitung
mache, dann übermannte ihn der Schmerz in dem schwer verwundeten Arm, und er ließ sich von Brandt auf fein Zimmer führen.
Als er dasselbe erreicht hatte, befahl er Brandt, sofort anfpannen zu lassen und zum Arzt zu schicken.
„Herr Graf", antwortete derselbe ängstlich, „es muß, im günstigsten Falle, daß der Arzt gleich gefunden wird, eine volle Stunde vergehen, ehe derselbe hier sein kann, die Blutung ist jedoch so stark, daß Sie am Ende verbluten, wenn sie so lange ohne Hilfe bleiben.
„Verwundete Krieger liegen oft noch länger auf dem Schlachtfelde, ehe sie aufgefunden werden, und kommen doch mit dem Leben davon," sagte der Graf, „wer soll mir denn Hefen, ehe der Arzt da ist?"
„Komtesse Gertrud versteht die Behandlung von Wunden. Als der selige Herr sich eines Tages mit dem Gewehr auf der Jagd verwundete, das durch einen unglücklichen Zufall losgegangen war, zeigte ihr der Arzt die kunstgerechte Behandlung von Wunden und konnte nachher nicht Worte genug finden, wie gut sie die Lektion begriffen und durchgeführt hätte."
„Was soll mir das, wo ist die Komtesse?" fragte der Graf.
„Seit einer Stunde zurück in Steinhaufen, es ist heute der Todestag deS seligen Herrn; ich sah den Wagen am alten Schloß vorfahren und die Komteffe mit Kränzen zum Kirchhof gehen."
„Ich frage noch einmal, Brandt, was soll mir daS? Meinst Du denn, daß sie zu mir kommen würde?"
„Es käme auf den Versuch an, darf ich zu ihr gehen?" „Probiere es, ich spreche die Bitte aber nicht au», denn ich roeiy es, sie kommt nicht."
von allen Post-Anstalten, auf dem Lande auch den Landpostboten, entgeaengenommen.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. So. in Franlfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendarlin
Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
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