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Marburg, Mittwoch, 26. Juli 1882
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Den Ergebnissen dieser (auch von dem Kongreß deutscher Landwirte für dringend wünschenswert erklärten) Erhebungen sehen wir mit Interesse entgegen. Zweifelhaft kann indessen nicht sein, daß zu der beklagten schwierigen Lage der kleineren ländlichen Grundbesitzer sehr verschiedene Ursachen mitgewirkt haben und daß dieselben sich in den verschiedenen Teilen der Monarchie verschieden darstellen. Gewisse Klagen kehren indessen in allen Provinzen wieder; dieselben beziehen
sich vornehmlich auf die zunehmende Parzellierung des Grund und BodenS, auf die übermäßige Belastung mit Steuern und Abgaben und auf die Unzureichenheit der bestehenden Krediteinrichtungen, welche, ihrer Schwerfälligkeit, bezw. Unerreichbarkeit wegen, den kreditbedürftigen Landmann vielfach dem Wucher in die Arme treiben.
Zur Bekämpfung jedes dieser Uebel werden besondere Mittel in Bewegung gesetzt werden muffen. Eine entscheidende Rolle ist dabei natürlich der Steuerreform Vorbehalten, welche der Reichskanzler seit Jahren vorbereitet und für deren Durchführung der Ausfall der bevorstehenden Landtagswahlen maßgebend sein wird. Ebenso wird die Gesetzgebung den bereits betretenen Weg fortzusetzen haben, der Jusammenhaltung des bäuerlichen Grundbesitzes wirksamer als bisher zu Hilfe zu kommen und der Parzellierung der kleineren Güter zu steuern. Eine mindestens ebenso große Rolle ist aber der Besserung der ländlichen Kreditverhältnisse Vorbehalten, die sich in mehrfacher Weise bewerkstelligen lassen wird.
Bereits bei Gelegenheit der Beratungen über den oberschlesischen Notstand war von verschiedenen Seiten darauf hingewiesen worden, daß es nicht nur darauf ankomme, die Kreditfähigkeit der kleinen Grundbesitzer zu erhöhen, sondern daß es ebenso wichtig sein werde, die vorhandenen Kreditanstalten zugänglicher zu machen, als sie bisher gewesen sind. Daß durch Erweiterung der Zuständigkeiten und des Wirkungskreises der KreiS - Sparkassen erheblich geholfen werden könne, wurde dabei ebenso allgemein anerkannt, wie daß das Sparkassenwesen als solches einer Umgestaltung und Entwickelung bedarf. Dieser Gedanke ist auch neuerdings in einer Arbeit des Statistischen Büreaus befürwortet und durch statistifcheS Material hinreichend begründet worden.
Die Umgestaltung wird in doppelter Richtung vorgenommen werden können: dadurch, daß das Sparkassenwesen ausgiebiger als bisher dem Grundbesitz zugewendet wird und dadurch, daß man die Zahl der Sparkassen und ihrer Hilfsstellen vermehrt Während in Bayern 62 pZt. des gesamten Sparkassenvermögens auf Hypotheken ausgeliehen ist, waren in Preußen zum Schluß deS Jahres 1875 nur 50,97 pZt. in dieser Weise angelegt worden und zwar unter Bevorzugung deS städtischen Grundbesitzes vor dem ländlichen (26,20 pZt. und 24,71 pZt). Außerdem aber könnte den Sparkassen (seren Zahl in Preußen ohnehin eine relativ beschränkte ist) durch Vermehrung der Einnahmestellen zu einem erheblichen, für den ländlichen Kredit außerordentlich wichtigen Aufschwung verholfen werden.
Auch der Vorschlag, die Post dem Sparkaffenwesen dienstlich zu machen und die von anderer Seite gegebene
und teilweise an einzelnen Stellen bereits zur Ausführung gebrachte Anregung zur Einrichtung von Schulsparkassen sind so wichtig und beachtenswert, daß wir auf diese Pläne und deren Bedeutung für das ländliche Kreditwesen zurückzukommen, Veranlassung nehmen werden.
f Die Lage des kleinen ländlichen Grundbefitzes.
Daß die heutige Gesellschaft in wirtschaftlicher Rücksicht eine Leiter darstellt, aus welcher die Mittelsprossen auS- aebrochen worden, das ist zunächst im Hinblick aus den Rückgang des Handwerkerstandes und auf die Aufsaugung der gewerblichen Mittelklasse durch die Großindustrie gesagt worden. Unter denjenigen, die den ländlichen Verhältnissen näher stehen, ist indessen längst bekannt, daß das Nämliche auch von den Verhältnissen des mittleren und kleineren Grundbesitzes gilt, die von Jahr zu Jahr schwieriger werden. Einen Maßstab für die Zunahme dieser Schwierigkeiten bietet das Wachstum der deutschen Auswanderung, nach Nord-Amerika, die sich vornehmlich aus der Klaffe der kleineren Grundbesitzer rekrutiert und gerade in den letzten Jahren eine erschreckende Höhe erreicht hat.
Von den Gründen und dem Umfang dieser bedenklichen
in Steinhaufen fort, dessen Schloß bald der Herd wüsten, zügellosen Lebens wurde.
Das Verhältnis zwischen Graf Reginald und fdnen Gutsleuten gestaltete sich nicht freundlich, der Herr, der einst mit ihnen gleich gestanden, mußte sich durch Mllde und Freundlichkeit erst die Herzen erobern und das verstand der Graf nicht. Im Gefühl der neuen Würde trat er noch herrischer auf, als sein Vorgänger, und daS erbitterte und entfremdete ihm Alle.
Am schwersten fand sich Wenicr in daS neue Verhältnis, oder eigentlich gar nicht, denn wo er mit dem Grafen zusammen war, kam es zu Konflikten. Er wollte durchaus die Autorität dessen nicht anerkennen, der einst sein jüngerer Bruder gewesen war, wenigstens so nicht, wie sie ihm der Graf zeigte, und die Gährung in Steinhaufen griff immer Weiter um sich. Der alte Pfarrer that zwar Alles, dieselbe zu unterdrücken, aber er war machtlos dem drohenden Unheil gegenüber, das der Graf heraufbeschwor, und mit banger Besorgnis sah der alte Mann in die Zukunft.---
Gertrud ahnte von diesen Verhältnissen nichts, sie hatte die Heimat der Kinderzeit aufgeben müssen, diese versank im Nebelmeer der Erinnerung, daS Steinhausen der Gegenwart kümmerte sie nicht. Widerstrebend hatte sie, wie wir gesehen, das HauS der Regierungsrätin Karge in Kemdm betreten, in welchem sie sich indessen bald wohl fühlte, denn auch der Regierungsrat war ihr, eingedenk der Worte deS alten Pfarrers, stets freundlich und liebevoll eutgegenge- komm.n. Sie wußte eS, mit dem Befehlen, wie sie eS zu Haufe gethan, war es nun vorbei, statt dessen war man aber bemüht, jeden ihrer Wünsche zu erfüllen, und ihre äußere Erscheinung wurde liebenswürdiger nach Ablegung des herrischen Tones, in dem sie bisher gewohnt gewesen war, zu sprechen.
(Fortsetzung folgt)
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die fehlte in Graf Reginalds Leben. Wie ein Schatten nur war die Erinnerung an ein süßes, reines Wesen vor ihm aufgetaucht, das am Sarg einer hochverehrten Frau in seinem Arm geruht, wie ein Schatten war sie verschwunden, die entfesselte Leidenschaft triumphierte, das Wonnegefühl der Rache auch dem zarten Weibe gegenüber. Er hatte gelobt, das Schloßfräulein solle ihm einst den Findling abbitten, weil er nie gehofft hatte, ihr als ebenbürtig gegenübertreten zu können; jetzt war geschehen, was er in seinen kühnsten Träumen nie zu hoffen gewagt hatte, ebenbürtig stand er der zürnenden Jungfrau gegenüber, und sie hatte ihre Strafe erhalten für DaS, was sie ihm einst gethan. Jetzt war er der Herr und sie, die tief Gehaßte, hatte weichen müssen. Daß sie doch die Her.in war, so- balo sie nur wollte, daß cr doch der Herrschaft dieser blauen Augen erliegen mußte, wen» dieselben wieder so blickten, wie einst am Sarg der Mutter, er ahnte es nicht.
Möge daS gährende Blut überschäumen, die Leidenschaft auStoben, war er Graf Eugens echter Sohn, so fand er doch den rechten Weg. Auch über Kampfstätten breiten sich wieder Aehrenfelder, auch wo Städte dem Toben des Vulkans zum Opfer gefallen, siedeln sich wieder Menschen an, auch wo auf dem Weltmeer der Sturm getobt, ziehen friedlich wieder Schiffe dahin.---
Das Erste, was Graf Reginald als neuer StandeSherr that, war, sich den benachbarten GutShercschaflen vorzustellen und überall nahm man den unverheirateten Mann zuvorkommend auf, man übersah seine Vergangenheit, sowie den Umstand, daß ihm infolge seiner Erziehung die feinen Umgangösormen seines hohm Standes fehlten und hoffte, er werde bald ein adeliger Fräulein zur Gutsherrin in Steinhaufen machen. ,
Auch Freunde fand er bald, wo fände ein reicher Mann die nicht! Legten auf andern Gütern die anwesenden Damen der Gesellschaft Schranken an, so fielen solche
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Deutsches Reich.
Berlin, 24. Juli. Der Kultusminister hat mittelst Zirkularversügung in bezug auf die Dispensation der Abiturienten nach bestandener Reifeprüfung vom Schulunterricht mit Rücksicht auf die in den konkreten Verhältnissen von Ort und Zeit begründeten großen Unterschiede, darauf aufmerksam gemacht, daß diesbezüglich daS Angemessene den König!. Provinzialschulkollegien für deren Amtsbereiche überlassen werden müsse oder daß die Direktoren mit entsprechender Ermächtigung zu versehen seien. Derselben Zirkularverfügung zufolge haben sich die Lehrer deS Polnischen und Hebräischen, insofern sie nicht noch mit einem anderen wissenschaftlichen Gegenstände in der ersten Klasse beschäftigt sind, mit Rücksicht darauf, daß die genannten Fächer nur fakultativ sind, bei denjenigen Examinanden, die nicht zu ihren Schülern zählen, der Abstimmung zu enthalten. — Den Steuerbehörden ist von dem Finanzminister ein Erkenntnis des Reichsgerichts zur Beachtung mitgeteilt, daß im gerichtlichen Strafverfahren wegen Wechselstempel-Hinterziehung der Einwand deS Angeschuldigten, daß er den geforderten Wechselstempel zu entrichten nicht verpflichtet fei, nicht zum Zivilprozesse verwiesen werden darf, der Strafrichter vielmehr über die Frage zu entscheiden hat, ob eine Wechselstempel - Hinterziehung vorliegt. — DaS Staatsministerium hat den gmndsätzlich wichtigen Beschluß gefaßt, der Bestimmung der Pensionsnovelle vom 31. März d. I., wonach das Gesetz „mit dem 1. April 1882" in kraft trete, die dem Pensionär günstigere Deutung zu geben, daß, wer erst nach diesem Zeitpunkte thatsächlich in den Ruhestand tritt, an den Vorteilen des Gesetzes teil hat, auch wenn die Entscheidung, daß er in den Ruhestand trete, vor jenem Zeitpunkt getroffen war. Die Behörden sind daher durch ihre Ressortminister zu veranlassen, hinsichtlich der in betracht kommenden Beamten ihrer Bereiche — sofern sich für dieselben bei Anwendung der Bestimmungen im Artikel I deS neuen Gesetzes eine höhere Pension ergiebt, als ihnen nach den Vorschristen deS Gesetzes vom 27. März 1872 gewährt worden ist und soweit nicht in Spezialfällen bereits besondere, die Penstonözuständigkeit in diesem Sinne regelnde Verfügung ergangen ist — anderweite Penstonsbeträge zu beantragen. Auf die am 1. April d. I. in Ruhestand
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Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen.
(Fortsetzung)
5.
Fast ein Jahrzehnt hatte ein leidenschaftliches Jünglingsgemüt den tiefen Schmerz in feiner Seele über feine vermeintlich illegitime Geburt getragen, den tiefen Schmerz über ein verfehltes Dasein, da« den angeborenen und aristokratischen Neigungen nicht entprach; jetzt mit einemmale ward dem Sechsundzwanzigjährigen, was er nie erhofft und erträumt hatte. Eine große, reiche Herrschaft, ein altadeliger Name fiel ihm zu, Niemand war da, der ihm entgegengetreten wäre und in irgend etwa« ihm Schranken anlegen konnte, denn das Gesetz hatte seine Herrschaft anerkannt, er betrachtete Alle als seine Untergebenen, die ihm zu gehorchen hatten.
Jetzt brauchte er nicht mehr zu arbeiten, jetzt konnte er ein Herrenleben führen, wie Graf Kunibert es geführt hatte, konnte auf prächtig gezäumten und gesatteltem Vollbluthengst nach Herzenslust dahinsprengen, konnte jagen, so viel er wollte. Daß et sich die adeligen, lang ersehnten Vergnügungen gewährte, wer will es dem Aristokratensohn ver- argen, aber der Sechsundzwanzigjährige, der führerlos im Leben dastand, konnte nicht Maß halten. Die lang geknechtete Seele konnte den Weg zum Frieden nicht finden, das Uebermaß sollte für die lange Entbehrung entschädigen. Die ebeltt, guten Eigenschaften seines Vaters konnten ja immerhin auch in seiner Seele leben, aber sie waren durch die Erziehung nicht geweckt worden, sie waren niederge- treten durch die Verbitterung, mit der der Knabe zum Jüngling, der Jüngling zum Manne gereift war, es weckte ste nicht der Sonnenschein eines unerwarteten Glückes.
Die Hand der Liebe nur kann edle Blüte zeitigen, und
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendorkin Berlin; W. ThienrS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.
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«SrfAeint täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SormtagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Erscheinung ist während der letzten Jahre außerordentlich viel die Rede gewesen, — genauere Feststellungen darüber fehlen aber noch vielfach und sind erst von der Zukunft zu erwarten. Bekanntlich hat der Herr Minister für Land- 6 perft wirtschaft, in Veranlassung von den Abgeordneten Knebel " und v. Huene während der letzten Landtagssession gestellter Anträge, die Anstellung einer Untersuchung über die Lage des Grundbesitzes und ganz besonders deS kleinen, bäuerlichen Grundbesitzes In Aussicht genommen, die sich auf den Umfang und die Gründe der Verschuldung desselben, aus die steuerliche Belastung, auf das Kreditbedürfnis, auf die AuSkömmlichkeit der bezüglichen Einrichtungen u. f. w.