gesuchten Fluren im übrigen noch eine Mittelernte erwarten lassen. Oesterreich und Ungarn machen, was Weizen und Roggen anbetrifft, sogar in diesem Jahre eine vorzügliche Ernte und in den andern Früchten auch meistenteils gut oder mittel. Rußland erwartet in der Mehrzahl seiner Provinzen auch gute Ernten, nur in mehreren südlichen Gouvernements sind wegen zu großer Dürre Mißernten zu verzeichnen. Frankreich, Italien und Spanien machen Mittelernten, da es in jenen Ländern, wo die Ernten früher als bei uns stattfinden, im Frühjahre zu trocken und dann längere Zeit zu regnerisch war. Die übrigen europäischen Länder haben nur Mittelerntcn, England in den nördlichen und westlichen Provinzen wegen anhaltenden RcgenS sogar schlechte Ernten. In Amerika, wo man im vorigen Jahre eine halbe, ja in manchen Staaten sogar eine ganze Mißernte hatte, ist in diesem Jahre eine mittelgute Ernte sicher.
Im Durchschnitt sind daher die diesjährigen Ernteerträge nicht nur befriedigend, sondern auch höher als in dem letzten und vorletzten Jahre, vielfach sogar an Getreide und Futterkräutern um 25—50 Prozent reichlicher. Tritt nun nicht noch eine unerwartete Wetterkalamität ein, so daß die Ernte auch gut geborgen werden kann, so haben wir die segensreichen Folgen einer guten Ernte für alle Erwerbszweige zu erwarten. In dem Sinken der Getreidepreise erblicken wir schon ein günstiges Symptom, selbst auch noch für die Landwirte, die durch die reichlichere Ernte jedenfalls mehr Vorteil haben, als durch eine mäßige Verminderung der Getreidcpreise; möge Gottes Hand uns nur den Erntesegen schützen.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Juli. Unser Kaiser hat, wie aus Gastein berichtet wird, auch während seines diesjährigen Aufenthaltes daselbst seine Lebensweise ganz so wie in den vor- aufgegangcnen Jahren geregelt. Täglich des Morgens um 7 Uhr nimmt Se. Majestät ein Bad. Aus demselben zurückgekehrt, genießt der Kaiser gegen 9 Uhr den Kaffee und läßt sich vom Oberhof- und Hauömarfchall Grafen Pückler, welcher den nach Berlin zurückgekehrten Hofmarschall Grafen Perponcher auf der Insel Mainau abgelöst hatte, Vortrag halten. Gegen 10 Uhr erscheint der Kaiser auf der Promenade, empfängt nach der Rückkehr von dieser um 11 Uhr die Kabinets^Chefs und die anderen Herren zum Vortrage und nimmt hierauf daö Dejeuner ein. Nachmittags 4 Uhr findet das Diner statt, zu welchem Se. Majestät gewöhnlich einige angesehene Personen mit Einladungen beehrt. Nach Aufhebung der Tafel unternimmt der Kaiser bei dem schönen Wetter fast täglich Spazierfahrten oder Ausflüge in die Umgegend, so vorgestern nach dem Kötschachthale. Se. Majestät ist wohl und munter und erfreut die in Gastein weilenden Kur-
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„aber das war nur die Strafe für sein Benehmen mir gegenüber, er stellte sich mit mir, dem Schloßfräulein, auf gleiche Rangstufe und das durfte ich mir nicht gefallen lassen. So lange mein Vat r lebte, ging ich trotzig kühn in'S Dorf hinab, trotzdem ich eS wohl auf seinem Gesicht und in seinem kecken Wesen las, daß er nicht vergessen, wie er von meines Vaters Hand eine Züchtigung erhalten hatte, für sein Benehmen gegen mich, was sollte ich fürchten, so lange mein Vater lebte? Jetzt, wo er hier der Herr ist, hätte ich keine Stunde Ruhe, wenn ich an jenen Augenblick denke, wo er drohend vor mir stand."
Es blieb ihr also nur die Wahl, auf dem Besitztum eines Mannes weiter zu leben, von dem sie eine beeile Kluft des Hasses trennte und den sie fürchtete, oder im fremden Hause sich einem fremden Manne unterzuordnen. Sie zog das Letztere vor, nach hartem Kampf, da die Furcht vor ihm zu mächtig war. Daß sie, die Schutzlose, doch nicht schutzlos ihm gegenüberstand, daß der Mann so wenig einen wirklichen Racheakt beabsichtigte, wie ihn der Knabe einst beabsichtigt hatte, schien sie nicht zu ahnen. Die Regierungsrätin aber schwieg über diesen Punkt, sie sah cs ein, daß an eine Versöhnung dieser beiden Menschen nicht eher zu denken war, als bis Gertrud eine Schuld eingestand, die sie in ihren Augen doch trug, wenn dieselbe jetzt auch noch nicht davon durchdrungen war. Erkannte sie dieselbe an, dann würde auch der Mann einsehen, daß er damals zu weit gegangen war.
Die Nacht brach herein über Steinhaufen, sie sah getrennt für's Leben die Kinder zweier Brüder in zwei verschiedenen Häusern. Der Mond zog empor am Himmels- bogen und sah hernieder auf das Herrenhaus und das alte Schloß. —
gäste durch sein frisches, rüstiges Aussehen. Wiederholt hat der Kaiser schon, gelegentlich seiner Promenaden, bekannte Kurgäste in der leutseligsten Weise in ein Gespräch gezogen. Auf den Ausflügen und Promenaden ist Se. Majestät in der Regel nur von dem dienstthuenden Flügeladjutanten begleitet. — Der „Reichsanzeiger" publiziert die internationale Reblauskonvention und die Ernennung Aschenborns zum Direktor im Reichsschatzamte. — In einer neuerdings ergangenen Verfügung des Kultusministers, betreffend die Nachweisungen über die im Zivildienst unabkömmlichen Lehrer, wird nach dem „Hannov. Cour." Folgendes bemerkt: „Seitdem alljährlich Nachweisungen über die im Zivile ienst unabkömmlichen Lehrer mehrklassiger Volksschulen hierher cingereicht werden, seit nunmehr vier Jahren, ist die Zahl der auf Grund der gestellten Anträge hier für unabkömmlich erklärten Lehrer im ganzen stetig und sehr erheblich gewachsen. Es muß vermieden werden, daß ein hoher Prozentsatz solcher Lehrer im Falle einer Mobilmachung des Heere« der Ausüoung ihrer militärischen Pflicht gegen Kaiser und Reich entzogen wird. Die Dispensation bezüglich mehrklassiger Schulen darf nur eine selten vorkommende Ausnahme bilden. Es wird hierauf in der bestimmten Erwartung aufmerksam gemacht, daß auf Beseitigung derjenigen Ucbelsiände, durch welche allein die Unabkömmlichkeit herbeigesührt werden kann, ernstlich bedacht genommen wird." — Die Reichskommisston zur Ausübung des bürgerlichen Gesetzbuches für das deutsche Reich hat zur Zeit Ferien. Man vernimmt jedoch, daß das bedeutsame Werk auch in letzter Zeit erheblich gefördert worden ist und auch in der Folgezeit, soweit eS nur angeht, vorwärts kommen wird. Danach ist wohl die Annahme nicht ausgeschlossen, daß das Werk im nächsten Jahre zu einem ersten Abschlüsse gelangt sein wird. Bekanntlich besteht über die Förderung und die Lesungen deS Gesetzbuches ein Bundesratsbeschluß aus dem Jahre 1874, und obwohl derselbe nichts über eine Veröffentlichung deS Entwurfes enthält, so läßt sich doch erwarten, daß eine solche erfolgen und namentlich den juristischen Fakultäten Gelegenheit zur Begutachtung gegeben werden wird. Wurden doch schon vor über hundert Jahren, als Friedrich der Große das Gesetzbuch für Preußen entwerfen ließ, Abschnitte desselben vorher veröffentlicht und Preise für gute Kritiken ausgesetzt. Freilich gab es damals noch keine Volksvertretung mit entscheidender Stimme. — Die „Kreuz- Zeitung" schreibt: „Das kriegsgerichtliche Urteil über den des Landesverrats angeklagten Obersteuermann Meiling, der zum hiesigen hydrographischen Amte kommandiert war, ist am 13. d. M. gefällt worden. Uebcr den Ausfall verlautet natürlich bis jetzt nichts; doch dürfte cs ein Irrtum verschiedener Blätter sein, wenn diese melden, daß auf Todesstrafe erkannt worden sei, da dieser Fall nur Eintreten könnte, wenn der Landesverrat während Kriegs-
Graf Reginald hatte den Vater gefunden, dessen Namen er, kraft irdischer Gesetze, tragen durfte, er war kein Fremder mehr in den stolzen Hallen, die seines Vaters Eigentum gewesen, selbst Graf Kunibert, wenn er gelebt, hätte ihm weichen müssen. Ihm war, nach menschlichen Berechnungen, ein unendliches Glück zu teil geworden und das würdig zu tragen, dazu gehört weit mehr Seelenadel und HerzenS- güte, als grog und erhaben im Unglück dazustehen. Ernst und mahnend war heute daS Schicksal an den neuen Schloßherrn herangetreten und hatte ihm die schwere Aufgabe gestellt, sein besseres Selbst im Sonnenschein des Glückes zu wahren.
Sorglos in ungetrübter Heiterkeit hatte Gertrud gelebt, bi« zu dem Tage, da ihr der Tod den Vater entriß, und mehr als ein Menschenleben gestaltet solch' ein Schicksalsschlag anders. Hier wäre ihr Leben aber wohl ruhig und gleichmäßig geblieben, wenn nicht etwas Anderes an sie herangetreten wäre, das ihr Schicksal geändert hätte. Sie hatte das Schloß ihrer Väter, die Heimat ihrer Kindheit verlassen müssen, weil dasselbe jetzt das Eigentum eines Andern war, ja mehr noch, sie mußte die Stätte verlassen, auf der sie als Kind gespielt, mußte sich in der Fremde, unter Fremden eine neue Heimat gründen, Alles um seinetwillen, der ihr so feindselig entgegengetreten war. Diese Gedanken zogen durch ihre Seele, als sie schlaflos in jener Nacht die Ruhe des Schlummers nicht finden konnte.
Gab es denn keine Brücke Der Vereinigung zwischen diesen beiden, heute noch so feindselig geschiedenen Menschen? Keine, so lange der Stolz sich nicht beugte und Demut und Selbsterkenntnis in die jungen Herzen einzog.
(Fortsetzung folgt.)
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Marburg, Dienstag, 25. Juli 1882.
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8,jozig, Köln IC.; Rudolf Sofft in Berlin, Frankfurt o. Al. tc.
Eine Lebensfrage.
Bei den oft stürmischen politischen Fragen einesteils imd den gewöhnlichen Sorgen deS Daseins andernteils, vergessen die Menschen und Völker oft, einer Lebensfrage die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht geschieht dies auch deshalb, weil ein großer Teil der Menschheit die Erfüllung dieser Lebensfrage als etwas Selbstverständliches hinzunehmen gewohnt ist, weil man glaubt, daß dasjenige, was Menschen und Tiere für ihres Leibes Nahrung und Notdurft brauchen, immer wachsen müsse. Es ist dies durchaus nicht der Fall, die Ernteerträge weisen oft große Ausfälle auf und vor zwei Jahren war sogar die allgemeine Mißernte so bedenklich, daß Europa mit knapper Not vor einer Teuerung und Hungersnot vorbeikam. Trotz allen Aufschwunges der Industrie und deS Handels bleibt es eben eine Grundwahrheit, daß gute Ernten stets die erste Grundlage des allgemeinen Wohlstandes sind und daß die Ergiebigkeit der Landwirtschaft für die Hebung desselben mehr beiträgt, als alle wirtschaftliche Gesetzgebung. Die Mehrheit der Menschen in fast allen Ländern sind Landwirte oder Bedienstete derselben und gute Ernten setzen vor allen Dingen diesen Stand in Nahrung, dann schaffen gute Ernteerträge aber auch billigeres Brod, Fleisch und sonstige Erzeugnisse der Landwirtschaft für alle Menschen, und es ist sogar nicht zuviel gesagt, daß im allgemeinen der erste Hebel des Wohlstandes von guten Ernten ausgeht, denn alle Menschen haben Vorteile davon, nicht nur die Landwirte, sondern ebensosehr auch die Industriellen und Kaufleute, welche an den landwirtschaftlichen Produkten entweder direkten Gewinn haben oder doch an die Landleute andere Waren verkaufen, wovon natürlich der Landmann nut dann viel kaufen kann, wenn eine gute Ernte ihm daö nötige Geld in die Hände gegeben hat.
Gott sei Daick wird nun wahrscheinlich in diesem Jahre die Ernte in fast allen Ländern eine gute sein. Nach den Berichten der landwirtschaftlichen Ministerien macht Deutschland in diesem Jahre eine gute, in einigen Gegenden sogar eine vorzügliche Ernte. Vollständiger MißwachS ist in keiner Provinz vorhanden, sondern nur da und dort Hageloder Frostschäden zu beklagen, die aber auch in den heim-
DSU* Für die Monate August und September werden noch Bestellungen auf die
Overhesfische Zeitung
uub deren Gratisbeilage
Illustriertes Smmtagsblatt
von allen Post - Anstalten, auf dem Lande auch von den Landpostboten, entgegengenommen.
Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen.
(Fortsetzung)
„O wenn er eS nur nicht wärel Jeden andern hätte ich williger an seiner Stelle gesehen, mit jedem Andern wäre ein friedlich verwandtschaftliches Verhältnis herzu- stelleu gewesen, nur mit ihm nicht."
„Aber Kind, weshalb dieser Haß, was hat er Ihnen gcthan?"
„O, dieser Haß stammt schon auS den Tagen unserer Kindheit, er hat zehn Iahte in unseren Seelen fortgewuchert, und der heutige Tag hat ihn nur vergrößert, nicht gemildert."
„WaS Ihr Euch auch gethan habt, kann es denn die Entdeckung der nahen Verwandtschaft nicht ausgleichen?"
„Et, der kräftige Jüngling, hat einst feine Hand drohend wider mich erhoben, als ich noch ein Kind war und ich habe mich vor ihm gefürchtet, das kann und werde ich Nicht vergeffen."
„Aber, liebes Kind, wenn er sich Ihnen, der Tochter seines Gutsherrn gegenüber, so weit vergessen hat, Ihnen zu drohen, so müssen Sie ihm doch etwas gesagt haben, was ihn reizte und seinen Zorn herausforderte, also die Schuld tragen."
In mildem Ton war diese Anschuldigung gesprochen, Me zum erstenmal an die stolze Tochter der Steinhausen herantrat und einen Moment lang war es, als ob sie die Schwere der Anklage fühlte, aber nur einen Moment, noch sah sie begangenes Unrecht nicht ein, noch fühlte sie keine Schuld.
„Gesagt habe ich ihm allerdings etwa»," erwiderte sie,
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, IX M.A. sowie d.Annonceu-Bureaux
von G L. Daube u. 6e. in ■ Hill Frankfurt a. M.; Jägersche
■ ■HIB Buchhandlung daselbst;
■ ■ ■ ■ ■ Hermansche Buchhandlung
M II A daselbst; Jnvalidendor.kin W Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
«„.eigennimmt entgegen: (U i?e Expedition d. Blattes. .7^! sowie d.Annoncen-Bureaux .. * jh. Dietrich u. Co. in
s'.ffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ^-asenstein u. Vogler in Qnlsurt a. M-, Berlin,