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Marburg, Mittwoch, 19. Juli 1882.
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»nreiaen nimmt entgegen. Mpebition d. Blattes, (nmieb.Annoncen.® ureau? n $b. Dietrich u. Co. tn »■„«,[ und Hannover; Tb. Diettich in Frankfurt a-M.; Senfteir. w Vogler m Smntfurt a. M-, Berlin, 8s. Mn k.; Rudolf He in Berlin, Frankfurt a. M- ic-
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung oaseloft; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendarkin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS TonutagSblatt" durch die Expedition (R o ch'sch« Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Deutsche» Reich.
Berlin, 17. Juli. Die „Nordd. Allgemeine Zeitung" schreibt: Die kaiserliche Politik ist sorgfältig bemüht, jede Parteinahme zu vermeiden und die verhältnismäßig wenig interessierte und verpflichtete Stellung Deutschlands im Oriente zu erleichtern; es ist ihre Aufgabe, ihre guten Beziehungen zu allen, auch zu den unter sich nicht einigen Mächten zu schonen. ES wäre eine große Thorheit, wenn Deutschland, ohne daß dies seine Interessen und seine Ehre gebieten, seine guten Beziehungen zu irgend einer der europäischen Mächte mutwillig gefährden wollte, sei es durch ein Eingreifen, ohne daß ein eigenes Bedürfnis dafür vor- sjegt, sei es durch eine verletzende Parteinahme gegen andere Mächte und gegen die Art, wie diese ihre Interessen wahrnehmen zu müssen glauben. Die deutsche Politik hat sich durch keinen ihrer Erfolge zu Einmischungen in die Politik anderer Mächte verleiten, sondern stets warnen lassen durch das Beispiel des napoleonischen Frankreich, dessen verhängnisvollster Fehler eS war, eine Zensoren- und Schulmeisterrolle den anderen Mächten gegenüber üben zu wollen. ES bleibt unerwünscht und nachteilig, wenn Journale, die sonst die Regierung unterstützten, durch eine scharfe Parteinahme für oder gegen eine andere Macht bei den anderen Regierungen Vermutungen erweckten, als ob in ihnen irgendwelcher üneingestandener Hintergedanke der Reichspolitik vertreten sei. Eine scharfe Parteinahme sonst die Politik der Regierung vertretender Blätter, beispielsweise gegen das Vorgehen Englands, hat die Regierung veranlaßt, durch ihre diplomatischen Vertreter erklären zu lassen, daß ihr die Parteinahme der Presie in dieser Richtung fremd sei, und daß sie umsomehr in der erwünschten Lage sei, den anderen Regierungen die Wahrnehmungen ihrer Jnteresien nach eigenem Ermessen zu überlasten, als von keiner Seite eine Kundgebung des deutschen Urteils über die Absichten oder daS Verfahren der anderen Regierung verlangt worden ist. — Der deutsche Konsul, Herr v. Treskow, in Kairo ist am 15. Juli mit 300 Deutschen und Oesterreichern mittelst eines von den egyptischen Behörden gestellten Exlra- zuges wohlbehalten in Jsmailia angelangt, von wo sie auf dem Suezkanal sich nach Port Said begeben haben. — Die englischen und französischen Kriegsschiffe auf dem Kanal erhielten den Befehl, den österreichischen und _ deutschen Karavanen Schutz zu gewähren. — Der „Köln. Ztg." wird von hier mitgcteilt: Man flieht sich in hiesigen politischen Kreisen der Hoffnung hin, daß die deutsche Presse der patriotischen Pflicht, welche ihr die Verhältnisse auferlegcn, auch diesmal gewachsen sein und der Regierung nicht durch stürmische Aufforderungen, welche Beunruhigung in der Bevölkerung verbreiten würden, die Lösung einer schwierigen diplomatischen Lage unnütz erschweren werde. Das geflügelte Wort des Fürsten Bismarck von dem
„Knochen des pommerschen LandwehrmannS" muß auch heute seine Anwendung finden. Deutschland ist ja glücklicherweise an den egyptischen Wirren weniger interessiert als andere Großmächte, in erster Linie Frankreich; eS darf nicht unnützer Weise aus seiner Zurückhaltung heraustreten, die bei ihm nur ein Zeichen selbstbewußter Kraft ist. So allein wird Deutschland in der Lage bleiben, im geeigneten Zeitpunkt das entscheidende Wort zu sprechen. Unsere Beziehungen zum Sultan sind und bleiben gut, wir haben keine Handlung für legitim erklärt, welche die Hoheitsrechte des uns befreundeten Monarchen beeinträchtigt, wir können ihn aber auch nicht thatfächlich in einer Politik der Un- thätigkeit unterstützen, durch welche er sich mit ganz Europa in Widerspruch gesetzt hat, ohne uns selbst in unübersehbare politische Verwicklungen zu stürzen. Auf der andern Seite kommt es uns nicht zu, der englischen Regierung, mit der unsere Beziehungen gut sind, unaufgefordert Rat zu erteilen oder Meinungsäußerungen abzugeben, die in London verstimmen müßten. Die englische Negierung ist in erster Linie dem englischen Volke gegenüber für das, was sie in Egypten gethan hat, verantwortlich, sodann wird sie sich darüber mit der französischen Regierung auseinanderzusetzen haben. Wir unsererseits können versichert sein, daß das, was in der egyptischen Frage die französischen Jnteresien befriedigt, die unsrigen ebenfalls befriedigen wird. Schließlich werden aber die Westmächte, wenn sie sich untereinander geeinigt haben, der europäischen Zustimmung bedürftig sein, um auf gesicherte Verhältnisse in Egypten und auf dauerndes Einverständnis unter sich felbst rechnen zu können. Dann erst wird die schwebende Frage für Deutschland spruchreif sein. England fährt mit feinen Bemühungen fort, Einverständnis mit den anderen Mächten, in erster Linie mit Frankreich herbeizuführen; bei dem allgemeinen Friedensbedürfnis Europas kann England auf allseitiges Entgegenkommen rechnen, besonders wenn es, wie wiederholt versichert worden ist, nicht beabsichtigt, aus der Rolle des Verteidigers seiner Interessen herauszutreten und die Stellung des Sultanö unangetastet zu lassen. Es hat den Anschein, daß seine Bemühungen in kürzester Frist von Erfolg gekrönt sein werden. — Der Staatssekretär Dr. Stephan ist heute früh von seiner Reise hierher znrückgekehrt. Am Vormittag war das Gerücht von dem plötzlichen Tode desselben, der heute früh eingetreten sein sollte, in der Stadt verbreitet. — Die hiesigen Abendblätter melden: „Die sozialdemokratischen Demonstrationen aus Anlaß der Abreise der neuerdings AuSgewiesencn haben sich am Sonnabend in verstärktem Maße wiederholt. Während am Freitag Abend kaum mehr als 50 Per'onen auf dem Anhalter Bahnhof erschienen waren, um ihren Gesinnungsgenossen das Geleit zu geben, waren eS vorgesten 500 bis 600 Mann, die die Wartehalle, das Treppenhaus und die Vestibül des Bahnhofs füllten. Obgleich die AuSgewiefcnen erst um
11 Uhr abends Berlin zu verlassen gedachten, war schon um 9 Uhr fast kein Platz in dem geräumigen Wartesaal mehr zu erhalten. Die Stimmung der Erschienenen, die vielfach auch von ihren Frauen begleitet waren, war eine äußerst erregte, und als die Zeit der Abfahrt nahte, wurden wiederholt Versuche gemacht, Hochrufe auf die Sozialdemokratie und einzelne Führer auszubringen. Die Polizei hatte die umfassendsten Vorkehrungen getroffen und war mit zahlreichen Mannschaften im Bahnhofe erschienen. Die Zugänge zu den Perron« wurden sofort abgesperrt und der Eintritt in die Bahnhofshalle nur den mit Billets versehenen gestattet. Dies veranlaßte etwa 70—80 der Sozialdemokraten, sich Billets nach Lichterfelde zu lösen und sich so den Zutritt zum Perron zu verschaffen. Gegen ihren Willen wurden sie hier veranlaßt, sofort im Coupö Platz zu nehmen, obgleich viele den Wunsch zu erkennen gaben, auf eine Mitfahrt zu verzichten. Auf diese Weise wurden tn der Halle selbst Demonstrationen verhindert. Draußen hatte inzwischen die Polizei ein wachsames Auge gehabt und 16 der Hauptführer, sowie einige Frauen aus der Menge herausgeholt und zur Polizeiwache in der Bernburger Straße sistiert. Mehrfach versuchten auch die Frauen der Sistierten, ihren Männern mit Geschrei zu folgen, so daß eS der ganzen Energie der Polizei bedurfte, um die Ordnung aufrecht zu erhalten."
Darmstadt, 15. Juli. Die in Gemäßheit des Beschlusses der Generalversammlung der landwirtschaftlichen Vereine des Großherzogtums in Gießen für Darmstadt in diesem Jahre vorgesehene Generalversammlung der landwirtschaftlichen Vereine des Großherzogtums wird nach Beschluß der Zentralstelle für die Landwirtschaft am 21. Sept. d. I. im Saalbau hierselbst abgehalten. Mit dieser Versammlung ist die Jubiläumsfeier des fünfzigjährigen Bestehens der landwirtschaftlichen Vereine des Großherzogtums und deren Zentralstelle verbunden, sowie eine allgemeine landwirtschaftliche Ausstellung unter dem Protektorate des GroßherzogS. Die Tagesordnung lautet: 1) Begrüßung der Anwesenden durch den Präsidenten der Zentralstelle (Ministerialrat Jaup) und Rückblick auf die Erfolge der landwirtschaftlichen Vereine seit ihrer Entstehung. 2) In welcher Weise ist der landwirtschaftliche Realkredit zu organisieren, ist insbesondere die Errichtung einer LandrS- kreditkasse für das Großhnzogtum im Interesse der landwirtschaftlichen Bevölkerung angezeigt und welche Vorschläge können in dieser Beziehung gemacht werden? Berichterstatter: Polizcirat Haas in Darmstadt als Vorsitzender der von der Zentralstelle im Jahre 1880 zur Prüfung der bezüglichen Frage eingesetzten Kommission und I. Mölltnger von Pfeddersheim, Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für Rheinhessen 3) Die Organisation der Wettertelegraphie im Dienste der hessischen Landwirtschaft. Berichterstatter: Generalsekretär Dr. Weidenhammer von hier und GutS-
Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen.
(Fortsetzung)
2..
Jwciundzwanzig Jahre waren verflossen, seit Reginald in Steinhaufen lebte; da sehen wir ihn eines Tages voller Erregung dem Pfarrhause zueilen. Pfarrer Ziller, ein siebcnzigjähriger Greis, saß in seinem Arbeitszimmer und las in der Bibel. Da stürmte Reginald wild hinein, der Pfarrer wandte sich um, blieb aber sitzen, als er den Eintretenden gewahr wurde, obgleich er an der Erregung desselben sah, daß ihm etwas Besondere« begegnet sein müffe.
„Was ist Dir, mein Sohn?" fragte er Reginald in mildem Tone. , , _ , „ ,
„Ich bin Graf Eugen von Sternhaufens Sohn, fchrie der junge Mann, „ich habe es lange geahnt, jetzt weiß ich es bestimmt."
„Ruhig, ruhig, mein Sohn," begütigte der Pfarrer, »wer sagt das?" , ..
„Einer der herumziehenden Händler, die seit gestern h'er sind."
„Lieber Reginald, vor allen Dingen beruhige Dich, sieh, ich habe es ja auch längst geahnt, daß Du mit dem Toten in Beziehung standest, ja, ich glaubte sogar einige seiner Gesichtszüge in Deinem Antlitz wieder zu finden; aber welchen Vorteil glaubst Du von dieser Eutdeckung zu haben? Schweig still darüber und bedecke mit dem Mantel christlicher Liebe diese Episode aus dem Leben Deiner unglücklichen Eltern. Glaubst Du denn, daß die stolze Aristokraten- familk je einen Bastard als den Ihrigen anerkennen wird?"
„Kein Bastard," schrie der Erregte wieder, „ich bin Graf Eugens rechtmäßiger, ehelicher Sohn."
Das würde die Sache allerdings sehr wesentlich ändern, wenn Du cs beweisen könntest. Aber erzähle mir erst in ruhigen Zusammenhang, was Du von dem Fremden erfahren hast."
„Der eine Händler," begann Reginald, „hörte zufällig meinen Namen, da fragte er mich, ob ich hier geboren sei. Nein, antwortete ich kurz, denn ich hatte keine Lust, diesen wunden Puukt meines Lebens vor einem Fremden zu offenbaren."
„Sind sie vielleicht aus Münster?" fragte er aber hartnäckig weiter. „I'," stieß ich ärgerlich hervor. „Nun, so begreife ich Ihre Schweigsamkeit über diese Sache," fuhr er fort, „ich will Ihnen aber eine Geschichte erzählen, die Sie aus derselben aufrütteln soll." Seine Geschichte lautete also: Er war vor langen Jahren Gärtnerbursche im Hause des Kunstgärtners Lcithner in Münster in Westfalen gewesen und ist Zeuge geworden der heimlichen Trauung des Grafen Eugen von Steinhaufen mit der Tochter seines Brodherrn, Emilie.Leithner, durch den ArchidiakonuS Seiler. Graf Steinhausm habe ein ganzes Jahr, ohne Wissen seiner Verwandten, im Hause seines Schwiegervaters gelebt und sei erst abgereist, nachdem ihm ein Sohn geboren, warum, wußte der Erzähler nicht. Fast vier Jahre habe Frau Emilie sich abgehärmt, da sie keine Nachricht wieder von dem Gatten erhalten und auch Münster nicht habe verlassen können, wo die Kindespflicht sie an den kränkelnden Vater gefesselt, dessen Pflege sie nicht fremden Händen habe anvertrauen wollen. Als das vierte Jahr zur Hälfte verstrich:n, sei der alte Leithner g-storben, Frau Emilie habe das Besitztum desselben veräußert und sei mit ihrem
Kinde fortgegangen, er habe nie wieder bis jetzt von ihr gehört. O hätte ich diese Aufklärung des Geheimnisses geahnt, ich hätte ja nicht so lange geschwiegen, aber ich fürchtete die Entdeckung als eine Bestätigung meiner Vermutungen. Jetzt aber werde ich zum Grafen Kunibert gehen und ihm und seiner stolzen Tochter sagen, daß ich kein Findling bin, sondern ganz genau weiß, wer mein Vater ist."
„Ruhig, mein Sohn, sage ich noch einmal," begütigte aufs neue der alte Pfarrer in einem Tone, der dem erregten jungen Manne doch imponierte, so daß er wenigstens still stand und des Greises fernere Rede mit anhörte. „Mir ist es ebenso ergangen, ich habe auch gefürchtet, die Enthüllung könne Dir nichts Gutes bringen, darum schwieg ich. Auf da« Schloß darfst Du aber noch nicht, denn Du hast keine Beweise, auf die Aussage eines herumziehenden Händlers erkennt Dich Niemand an. Du mußt zunächst den Trauschein Deiner Eltern und Deinen eigenen Taufschein beibringen und den kannst Du nur in Münster vom ArchidiakonuS Seiler «langen. Wie c8 aber mit der Legitimität der Ehe Deiner Eltern steht, weiß ich nicht, eS gehört zu derselben die Einwilligung deS alten Grafen Otho; ob dieselbe je nachgesucht und ob sie verweigert ist, ich weiß es ebenfalls nicht; in die Oeffentlichkeit ist hier nie etwas darüber gedrungen und eingeweiht in diese Angelegenheit hat mich Graf Ocho nie. Sprich daher den ArchidiakonuS in Münster, der die Verhältnisse wohl genauer kennen wirb, als wir sie hier kenne». Zur Legitimation, daß Du der Sohn der Emilie Leithner bist, will ich Dir den Taufschein Deiner Mutter mitgeben, der in meinen Händen ist, sowie ein Beglaubigungsschreiben meinerseits. Gelänge es Dir, die Unanfechtbarkeit der Ehe Deiner