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Marburg, Dienstag, 18. Juli 1882.
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bie Hand beS Schicksals.
(Fortsetzung folgt.)
Zagazig mit 40 000, Suez mit 15 000, Damiette mit 29 000, Rosette mit 21000, Sint mit 30000, Port Saib mit 12000, Mansura mit 16000, Kartum mit 50000 unb Obeb mit 12 000 Einwohner.
Alexanbrien, bie zweitgrößte Stabt unb bet Haupthafen Egyptens, liegt an ber Münbung beS westlichsten NilarmeS, auf bem sanbigen Streifen zwischen bem Meere unb bem Sumpfsee Mareotis, unb zwar zum größten Teile auf einer schmalen Lanbzunge, bie sich zwischen bem alten unb bem neuen Hafen ins Meer hinaus erstreckt, unb an biefen beiden Häfen selbst. Es zählt, wie bereits bemerkt, 212000 Einwohner, barunter über 50000 Fremde, ist Sitz eines Gouverneurs, eines koptischen Erzbischofs, eines internationalen Appellhofs, vieler Konsulate rc. Die Stadt ist nach der Landseite mit einer alten Mauer umgeben, angeblich derjenigen, welche von den Arabern nach der Zerstörung des alten Alexandrien aufgeführt wurde. Die Mauer ist von einer großen Anzahl Forts und Basteien flankiert; den Hafen sollen das Kastell neben dem Leuchtturm (auf der westlichen Spitze der Landzunge), ^Fort Ada, Fort des alten Pharus (beide an der nördlichen spitze der Landzunge), ferner Fort Meks (westlich der Katakomben), sowie einige andere Forts schützen. In Alexandrien ist der Haupthandel Egyptens konzentriert; ein Teil desselben hat sich Jeit Schaffung des Suezkanals nach Port Said, an der nördlichen Mündung dieses Kanals, verzogen. Gasbeleuchtung hat die Stadt seit 1865, eine Wasserleitung seit 1860; neben der letzteren sind indes noch zahlreiche Zisternen im Gebrauch. Das Klima ist im allgemeinen gesund, da die Nähe des Meeres die Hitze kühlt. Die Stadt hat kein streng orientalisches Aussehen; nur im äußersten Norden, wo die Türken wohnen, und zwischen den beiden Häfen, im Araber-Viertel, herrscht orientalisches Leben; die ausgedehnte südliche Stadt, die Frankenstadt genannt, hat europäisches Aussehen. Die Straßen, meist breit und gerade angelegt, sind nicht alle gepflastert und haben auch nicht alle bekannte und gemeingültige Namen. Benennungen von Straßen und Plätzen sind meist französisch.
Alexandrien wurde von Alexander dem Großen 332 v. Ehr. gegründet, und zwar an der günstigen Stelle, wo die westöstliche Strömung keinen Nilschlamm sich ansetzen läßt, an einer Bucht, der Insel Pharos gegenüber. Ptolc- mäuö Soter verband die Insel mit dem Festlande durch einen 7 Stadien langen (1300 M.) Wall, daher bei den Alten Heptastadien genannt, und schuf so zwei Häfen, von denen bei den Alten der östliche der „große", der westliche der „glückliche" hieß. Der Damm hatte in der Mitte einen Durchlaß, durch den die Schiffe von einem Hafen in den andern gelangen konnten. Allmälig, durch die ins Meer geworfenen Trümmer der alten Stadt und durch
von dort war seine Mutter gekommen, den Vater ihres Kindes zu suchen! Also darum sein Interesse für Alles, was das Grafengeschlecht betraf, darum sein Widerwille gegen das Leben, wie er eö nicht führen durfte. Diese Entdeckung vermehrte seinen Haß gegen da- stolze Grafengeschlecht, dessen Einer ihm ein fluchwürdiges Dasein gegeben zu haben schien. Jetzt haßte er die kleine Gräfin nicht mehr allein, weil sie ihn gekränkt hatte, sondern weil sie den Namen Steinhaufen trug, den er nicht führen durfte, wie er meinte.
Auch von dieser Friedensstätte war er vertrieben, so wie er das Grab der Mutter mied, mied er fortan Graf Eugen- Ruhestätte. Scheu schlich er daran vorüber und wagte nicht hinzublicken zu dem Marmorkreuz mit der Inschrift: Graf Eugen v. Steinhaufen.---
Die Jahre schwanden dahin, daS kleine Schloßfräulein entwuchs dem Kinderkleid, eine Jungfrau schritt durch bie Hallen bes väterlichen Schlosses. Sie ging hinab in- Dorf, in die Hütten des Elends, Wohlthaten zu spenden, ging auf den Friedhof zum Grab der Mutter, ging in die Kirche und überall begegnete ihr Reginald, sie konnten sich nicht vermeiden auf dem engen Fleck @rbe, welche Beider Wohnsitz war. Er wagte es, die Tochter feines Gutsherrn nicht zu grüßen und Gertrud klagte nicht bei dem Vater über diesm Mangel an Respekt, sie war froh, ihn nicht wieder grüßen zu brauchen. Sie sahen sich an mit einem Bilcke de- glühendsten Hasses, der in Beider Seelen tobte, und gingen wortlos an einander vorüber, sie hatten nie wieder ein Wort gewechselt seit jener verhängnißvollen Begegnung am Park- thor. Die Erinnerung an jene Stunde in der Totenkapelle blieb Beiden eine heilige, aber sie vermochte nicht den gegenseitigen Haß abzuschwächen; jene Erinnerung konnte die Brücke der Versöhnung nicht schlagen, das vermochte nur
der Friedhof war leer, nur am Gitter der gräflichen Be- gräbnißstätte blieb ein 16jähriger Knabe stehen: Reginald, den es immer zu dieser Stelle zog, wie es einst das Kind zu den Grabsteinen in die Kirche gezogen.
Hier ruhte sie ja, seine Beschützerin, seine mütterliche Freundin, für die seine Gefühle unverändert geblieben waren, wenn auch ihre Tochter ihm bitteres Leid zugefügt hatte. An das Grab hinan konnte er freilich nicht, den Schlüffe! zu dem Gitter hatte ja der Graf in Händen, der ihn nur dem Gärtner übergab zur Pflege der Gräber.
Die Pforte des Friedhofes öffnete sich abermals, der Küster trat mit zwei Herren ein, durchreisenden Fremden, die den kurzen Aufenthalt hier benutzen wollten, sich die „Sehenswürdigkeiten" von Steinhaufen zeigen zu lassen, um nicht müßig im Kruge sitzen zu müssen. Zuerst gingen die Drei in die Kirche, dann führte der Küster die Fremden an die gräfliche Be räbnißstätte, Reginald trat bei Seite hinter die Seitenfront der kleinen Kirche, Niemand achtete auf ihn, aber deutlich hörte er die Worte des Küsters:
„Dies sind die Gräber unserer gräflichen Familie, seit die Herrschaften nicht mehr in der Kirche begraben werden. Graf Otho und Gräfin Ottilie, die Eltern unseres gegenwärtigen Herrn; Gräfin Selma, unsere junge gnädige Frau, die erst vor zwei Jahren gestorben ist und Graf Eugen, der ältere Bruder unseres Herrn, der die Herrschaft bekommen hätte. Er reifte nach Münster und starb int fremden Lande, die Herrschaften haben seine Leiche hierher geholt."
Die Drei entfernten sich und wieder achtete Niemand auf den Knaben, der an der Seitenfront ber Kirche stand und fast verzweifeln wollte über eine unselige Entdeckung, bie er gemacht zu haben glaubte. Das Wort „Münster" hatte ihm, wie ein Blitzstrahl, in entsetzlicher Klarheit eitt- gegengeleuchtet. Graf Eugm war in Münster gewesen,
Egypten, Alexandrien und der Suezkanal.
Bei bem gegenwärtig großen Interesse an dem alten Pharaonenland geben wir nachstehend einige topographische und statistische Notizen.
Eavpten ist nominell ein Tributärstaat ber Pforte; ber Tribut beträgt 150000 Beutel (ä 100 M.). Das ganze Gebiet mit einigen Dcpenbenzen umfaßt ungefähr nur 2722000 Qkm, baS eigentliche Egypten nur 1021000 Qkm. (1 geograph. Qu.-Meile — 55 063 Qkm); die Bevölkerung beträgt im ganzen ungefähr 17 Millionen, bie deö eigentlichen Egypten etwa 51'» Millionen. Von bem ganzen Gebiete ist als eigentlich kulturfähig nur bas Thal beS Nil unb bas sogenannte Nilbelta zu betrachten, ein Areal von etwa 30000 Qkm, bas oberhalb deS vom Nil angeschwemmten Deltas burchschnittlich 30 km. breit ist. Den Untergrunb bes Landes bildet nackter FelS ober Sanb, den ber Nil mit einer bis zu 12 m. hohen Schicht Schlamm bedeckt hat. Soweit die Überschwemmung des Nil reicht oder Kanäle das Wasser bringen können, ist der Boden üppig fruchtbar, darüber hinaus ist die Wüste. Fast drei Viertel der Bewohner sind die Fellachen oder FellahS (arabisch fellah, Pflüger, Bauer), die Nachkommen der alten Egypter, doch sind sie vielfach gemischt mit Ein- mnderern und Eroberern; die früher herrschende Bevölkerung ist arm, elend und geknechtet worden. Die jetzt herrschende Klasse besteht vornehmlich aus seßhaften Arabern, dann auS Nubiern, Türken, Levantinern (eingewanderte syrische Christen), Armeniern u. s. w. Außerdem giebt es noch zahlreiche Beduinenstämme ohne feste Wohnsitze. Von Europäern ergab die Zählung von 1878 : 30000 Griechen, 14500 Italiener, 14300 Franzosen, 3800 Engländer, 2480 Oesterreicher und Ungarn, 1000 Spanier, 900 Deutsche, 350 Russen u. s. w. Seither hat sich diese Zahl bedeutend vermehrt. Die Landessprache ist ein Dialekt deö Arabischen.
Die egyptischen Staatsausgaben betragen 166 Millionen Mark, die Schulden 1990 Millionen. Das Heer wird auf 14000 Mann geschätzt, darunter auf jeden zwölften Mann ein Offizier; im Kriegsfälle kann es angeblich auf 60 000 Mann gebracht werden, vielleicht noch höher, wenn nämlich die Beduinen mitthun. Die Flotte zählt 47 Kriegsschiffe und Kanonenboote mit zusammen 1760 Kanonen, die Handelsflotte 600 Schiffe mit zusammen 61000 Tonnen Tragkraft (die Tonne zu 2000 Pfv.). Der Handel ist bedeutend; die Einfuhr betrug 1880 140 Millionen, die Ausfuhr 260 Mill. Mark. Ausgeführt werden namentlich Getreide, Baumwolle, Hülsenfrüchte, Flachs, Hanf, Leinsaat, Gummi, Datteln, Sesam, Zucker. Die Eisenbahnen haben eine Länge von 518 Kilometern.
Die Hauptstadt ist Kairo mit 350000 Einwohnern. Ihr folgen: Alexandrien mit 212000, Tanta mit 60000,
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux Den L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidendarkin Berlin: W. Thiene- in Elberfeld: C Schlotte in Bremen.
andere Dammbauten, verbreitete sich die Verbindung zu einer 1500 M. breiten Landenge, auf der heute ein großer Teil der Stadt liegt. Auf dem östlichen Ende der früheren Insel PharoS stand der unter der Regierung de« Ptole- mäuS Philadelphus von Sostrato« aus KnidoS erbaute Leuchtturm, der zu den sieben Wunderwerken der Welt zählte und von dem alle Leuchttürme den Namen Pharo« erhielten. Er soll 180 M. hoch gewesen sein. Alexandrien wuchs und gedieh so rasch, daß eS bald eine der Haupt- stätten des geistigen, politischen und kommerziellen Verkehrs der alten Welt wurde. Die alexandrinische Philosophie, welche mittels des Christentums die Welt umgestalten half, trug von ihr den Namen, und berühmt war der Riesenbau ihres Museums mit der Bibliothek von über 900000 Rollen. Nach Alexanders Tod gelangte sein Feldherr PtolemäuS in den Besitz Egypten«; der Streit seiner Nachkommen, der Kleopatra und ihre« Bmder«, Gatten und Mitregenten PtolemäuS XII., führte die Intervention der Römer herbei; PompejuS wurde vom Senat zum Vormund beider ernannt; bei PharsaloS von Cäsar besiegt, floh er nach Egypten, wurde aber bei der Landung auf Anstiften deS Ptolemäus ermordet. Cäsar hielt hierauf seinen feierlichen Einzug in Alexandrien, aber e« gab noch harte Kämpfe mit dem Volke und mit den Truppen des Ptolemäus, bei welcher Gelegenheit die Bibliothek de« Museums in Flammen aufging. Antonius, der nach CäsarS Tode mit Kleopatra in Alexandrien in unerhörten Genüssen schwelgte, führte die pergamenische Büchersammlung nach Alexandrien und schaffte so einigermaßen Ersatz für die verbrannte Bibliothek. Unter ben ersten Kaisern dauerte die Blüte der Stadt fort, doch gab es häufig Aufstände, zum teil veranlaßt durch die Juden, die schon zur Zeit des Tiberius fast den dritten Teil der Bevölkerung bil- deten; auch sonst hatte die Einwohnerschaft nicht den besten Ruf und Caracalla rächte sich an ihr, weil sie ihn geschmäht hatte, durch ein fürchterliche« Blutbad. DaS Christentum faßte schon frühe Wurzel in Der Stadt; dann gab es Christenverfolgungen, heftige Parteiungen unter den Christen selbst, Judenverfolgungen, die Stadt nahm Partei in den Streitigkeiten der Kaiser und Gegenkaiser und wurde dafür mehrmals erobert und hart gezüchtigt. Dies Alles verursachte und beschleunigte den Verfall bet Stadt. Schon unter Theodosius I. (379—395) konnte sie die Kosten der Reinigung des Nils und der Reinhaltung ber Kanäle nicht mehr aufbringen; 641 fiel sie in die Hände der Araber und wurde von dem aufblühenden Kairo überflügelt; die Entdeckung Amerikas und die Umschiffung Afrikas ruinierte ihren Handel, die Herrschaft der Türken (seit 1517) that das Ihrige und Alexandrien war nur noch ein kleiner, unbedeutender Ort. Am 2. Juli 1798
Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen.
(Fortsetzung)
Die Gitterthür fiel dröhnend ins Schloß und trennte das nunmehr feindliche Kinderpaar. Als diese Schranke zwischen ihnen war, als Trudchen an der Hand deS Vaters weiter schritt, wandte sie noch einmal das Köpfchen, unb baS schwer beleidigte Grafenkind machte seinem Zorn in den Woren Luft: „Und Du bist doch ein Findling!"
„Rache, Rache, für diese Stunde," gellte es in der Seele deS Knaben, „diesen Schlag, mein stolzes Schloßfräulein, den ich um Deinetwillen erhielt, werde ich gedenken, mein ganzes Leben, aber den Findling sollst Du mir eines Tage« noch abbitten müssen."
Fortan lebten in seiner Seele zwei verschiedene Bildet: bem süßen Kinde im schwarzen TrauerNeide, baS an der Bahre ber Mutter auf seinem Knie geschlummert, bewahrte er eine heilige Erinnerung, wie wir sie einem geliebten Wesen bewahren, baS uns einst im Erdenleben angehört hat unb das uns des Todes kalte Hand in ferne, unerreich- bare Welten entrückt. DaS stolze Schloßfräulein aber, im weißen Kleid mit blauen Schleifen, daS »och auf Erden wandelte, haßte er mit leidenschaftlicher, wilder Glut und in seiner Seele gellte ber Racheschrei fort.
Was unS Fremde thun, verletzt nie so tief, als waS bie eigenen Angehörigen ober Personen uns thun, bie wir lieben: auS jenem süßen Mund, der ihm in unvergeßlicher Stunde Vertrauen zugelächelt, konnte er das Wort Findling nicht hören, ohne daß der Sturm die tiefsten Tiefen seiner Seele aufwühlte.---
ES war wenige Tage nach dieser verhängnißvollen Begegnung am Parkthor, die Gemeinde von Steinhausen verließ nach dem sonntäglichm Gottesdienst die Kirche, auch
ameiflen nimmt entgegen: kie N-diti°n d. Blattes, löwie d.Annoncen-Bureaux n Th. Dietrich u. Co- m und Hannover; Th.
Dietrich in Frankfurt a-M-; Nassenstein u- Vogler in Vantfurt a- M-, Berlin, G, Köln rc.; Rudolf K in Berlin, Frankfurt a. M- rc-