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JUatfiurg, Sonntag, 16. Juli 1882

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täalich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen BeilageJllustrirteS Sountag-blatt durch die Expedition (ft o ch sche ch drucke re i) bezogen 2'/. Mark, durch di- Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark SO Pfg. (excl. Bestellgebtihr.) - Inserttonsgebtlhr für die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilendc Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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(Fortsetzung folgt.)

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Das Bombardement von Alexandrien.

AuS Alexandrien kommen entsetzliche Nachrichten von Mord und Brand, wodurch die Stadt in eine wüste Stätte der Zerstörung und deS Jammers verwüstet worden ist. Die Engländer scheinen ihr Versprechen, daß eS ihnen nur um die auf der in weitem Bogen auf der Landspitze vor Alexandrien gelegenen Forts zu thun sei, schlecht gehalten m haben; denn nach den vorliegenden Berichten scheinen hie Feuersbrünste zum Teil durch englische Kugeln, welche in die Stadt geflogen sind, veranlaßt worden zu sein. Viele Geschoss- sollen in der Stadt explodiert sein. Daß eS Absicht der Regierung oder des Befehlshabers gewesen sei, die Stadt in Brand zu schießen, läßt sich nicht annehmen, hatte doch der Admiral ausdrücklich den Generalkonsuln vcrsichett, daß der Stadt kein Leids geschehen solle; es läßt sich also nur annehmen, daß die Truppen, welche das Bombardement ausführten, entweder sehr schlecht einexerziert waren oder daß sie wegen des Blutbades vom 11. Juni, toObet viele Engländer und auch Matrosen ermordet wurden, sich an der Stadt rächen wollten. Jedenfalls haben sie schweres Unheil angerichtct und der englischen Regierung eine große Verlegenheit bereitet. Sie hatte auch der Kon­ferenz gegenüber erklärt, daß der Stadt kein Leids geschehen solle und daß eS ihr nur darum zu thun sei, die Hafcn- besestigungen Arabis zu verhindern. Auf gründ dieser Voraussetzung hat die Konferenz sich beruhigt und auch unsere deutsche Regierung scheint in der That nichts dagegen gehabt zu haben, wenigstens äußert sich ein gouvernemen- tales Organ dahin,eS sei vom deutschen Standpunkte aus verfrüht, wenn einige Blätter sich bereits mit großer Erregung und Entrüstung über die britische Sonderpolitik äußern. ES dürfte vielmehr geraten sein, abzuwarten, ob England, indem es seine besonderen Interessen selbständig verfolgt, damit zugleich im allgemeinen europäischen Interesse die Herstellung geordneter Zustände in Egypten fördert, oder ob es Ziele verfolgt, welche mit den Interessen anderer Mächte kollidieren". Ganz in derselben Weise wird der Köln. Zig." über die Stimmung in Berliner politischen Kreisen berichtet. »Insbesondere weist man", heißt es dort,darauf hin, daß der Uebermut des orientalischen Pöbels nur durch Gewaltmaßregeln gezügelt werden könne und wird das als eine der maßgebendsten Motive hcrvor- gehoben, welche England veranlaßt hätten, mit solcher Energie gegen Alexanderien vorzugehcn. Nachgiebigkeit, so meint man, würde daö europäische Ansehen in Egypten vollständig vernichtet haben, wogegen die Machtentfaltung, welche jetzt stattgefunden hat, den Engländern nicht nur, sondern den Europäern insgesamt den Respekt sichert, den sie in ihrer isolierten Stellung gebrauchen, um ihre per­sönliche Sicherheit als ungefährdet betrachten zu können." Jcmehr man daö Berechtigte dieser Ausfassung anerkennen

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Der Erbe des Blutes.

-» Erzählung von Emma Händen.

(Fortsetzung)

Eine kalte Hand griff rauh in die Traumwelt des Knaben, das war das süße Kind nicht mehr, das einst zu ihm ge­sprochen; schweigend öffnete er die Thür und vorsichtig, als ob das große Weltmeer, worin Robinsons Insel lag, um die väterlichen Paikmauern brande, trat Trudchen den ersten Schritt auf die Dorfstraße.

Du hast wohl gewaltig das Kommandieren gelernt, kleines Schloßfräulein?" sagte er in seinem Unmut.

Du, so hast Du nicht mit mir zu reden," erwiderte sie schnippisch,ich bin das Schloßfräulein, das redet man nicht mit Du an, ich bin viel mehr wie Du."

Das letzte weiß ich recht wohl," begann Reginald von neuem mit schmerzlicher Bitterkeit, denn der poetische Hauch, mit dem er das Phantasiegebild seiner Erinnerung umgeben, schwand bei jedem Worte mehr, welches das Kind zu ihm spral',aber ich gehöre nicht zu Deiner Dienerschaft, da brauchst Du mich auch nicht zu kommandieren:"

Nein, Du gehörst nicht zu meiner Dienerschaft, unter der will ich Dich auch nicht haben, denn Du bist noch weniger, Du bist ja nur ein Findling, eS weiß ja Niemand, wer Dein Vater ist."

Die böse Saat, die Vaterhand gesäct, ging auf und trug verhängnißvolle Frucht. Der wundeste Punkt in des Knaben Seele war unzart berührt und er war machtlos der Beleidigung gegenüber, denn an dem zarten, schwachen, kleinen Mädchen durfte sich der kraftvolle Knabe nicht ver­greifen. Aber seine angeborene Leidenschaftlichkeit brach hervor, wild rollten seine Augen, er ballte die Faust, die

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muß, desto mehr müßte man aber auch die Engländer tadeln, wenn eS sich herausstellte, daß sie wirklich bei dem Bombardement diejenige Vorsicht und Zurückhaltung hinten angesetzt hätten, welche ihnen um so mehr geboten war, als sie wußten, daß in Alexandrien noch eine große Zahl von Europäern wohnt, welche der Rache der Egypter aus­gesetzt waren. Jedenfalls durften die Engländer, wenn sie die Egypter wegen ihrer Gräuelthaten züchtigen und sich zu Beschützern der Ordnung und Gesittung aufwerfen wollten, nicht selbst Gräuelthaten verüben und die europäische Zivili­sation in dem Augenblicke beflecken und in den Augen der halbbarbarischen Orientalen herabsetzen, wo sie dieselbe gegenüber diesen Orientalen beschützen wollen.

Freilich ist noch nicht ausgemacht, daß die Brände allein durch die englischen Kanonen entstanden sind. Vielmehr wird behauptet, daß freigelassene Galeeren-Sträf- linge und sonstige Pöbelhaufen, sowie die Soldaten Arabi Paschas, welche während der Aufhissung der weißen Flagge ihren Rückzug bewerkstelligten, die Brände und sonstige unsägliche Gräuelthaten und Plünderungen verübt haben. Die Europäer hätten übrigens auch den wiederholten Auf­forderungen der Konsuln, Alexandrien zu verlassen, folgen sollen; dieselben scheinen meistens Griechen gewesen zu sein, welche die Sache wohl nicht so ernstlich genommen haben.

Der englischen Regierung scheint es selbst schon bange zu werden vor der Situation, in welche sie sich durch ihr isoliertes Vorgehen gebracht hat, wenigstens scheint die Instruktion, welche sie gestern an Seymour abgehen ließ, darauf hinzudeuten. Dieselbe lautete nämlich, wie die Regierung im Parlament mitteilt:

Da der Widerstand aufgehört hat, zerstören Sie weder Forts noch Kanonen, versuchen Sie eine freundliche Kom­munikation mit dem Khedive zu eröffnen (Heiterkeit auf den Bänken der Konservatiren) ersuchen Sie ihn um seine Autorität zur Herstellung der Ordnung in Alexandrien, setzen Sie sich mit Derwisch Pascha, falls eS zweckmäßig ist, auf Einladung des Khedive oder in Uebereinstimmung mit demselben oder in dessen Abwesenheit mit jeder anderen egyptischcn Autorität ins Einvernehmen. In Alexandrien können Sie Matrosen und Marinesoldaten für polizeiliche Zwecke zur Wahrung der Ordnung landen. Benachrichtigen Sie europäische Schiffe, falls solche dort anwesend sind, und laden Sie dieselben zur Mitwirkung ein."

Diese Instruktion läßt die Regierung keineswegs in brillantem Lichte erscheinen, so daß man die Heiterkeit der Konservativen schon begreift; denn es ist allerdings lächer­lich, wenn Herr Seymour den armen hilflosen Khedive, der selbst auf europäischen Schiffen Hilfe gesucht, um seine Autorität zur Herstellung der Ordnung ersuchen soll oder sich zu diesem Zweck mit jeder anderen Autorität, mit Derwisch Pascha oder wem sonst sei warum nicht am liebsten gleich mit dem einzigen Mann, der überhaupt er drohend cmporhob, ob leich ihm nicht einen Augenblick der Gedanke kam sie nicderfallcn zu lassen.

Nimm das Wort zurück, kleines Schloßfräulein," lief er wild, in höchster Eiregung.

Eie sollte einem Wesen so niederer Art gegenüber wider­rufen, sollte sagen, daß sie Unrecht habe, davor bäumte sich der Sio'z des kleinen SchloßfräuleinS, denn sie hatte nicht Unrecht, konnte nicht Unrecht haben, eben weil sie das kleine Schloßfräulein war. Aber dennoch fürchtete sie sich vor diesen äußeren Zeichen leidenschaftlicher Wut, die ihr galten, der Alles gehorchen mußte. Oft hatte sie auch den Vater so gesehen, aber nur Anderen gegenüber. Mit dem klaren, untrüglichen Instinkt des Kindes hatte sie stets ge­fühlt, daß diese Wut sich nie gegen sie kehren könne, und jetzt drohte man ihr. Die Gitterthür war der Hand des Knaben entglitten und dröhnend wieder ins Schloß gefallen.

Mach auf," herrschte sie daher Reginald zu.

Nimmermehr," höhnte er,wenn Du das Wort Find­ling nicht zurücknimmst."

Nein, ich nehme es nicht zurück," schrie sie im Bewußt­sein ihrer Würde und mit dem kleinen Füßchen stampfend.

So nimm Dich vor mir in Acht," stieß er in wilder Leivenschast hervor.

Da ward ihr ober doch bange, mit den zarten, Heinen Händchen rüttelte sie an den Eisengittern, die sich unter diesem Druck auch nicht um ein Haar breit bewegten. Zu dem Drückerschloß konnte sie nicht hinaufreichen und nun schrie sie nach Kinderart unter hervorquellenden Thränen nach dem Vater.

So, das sei Deine Strafe, kleines Schloßfräulein, daß Du weinend am Thore Deines väterlichen Besitztums um Einlaß bettelst," höhnte Reginald.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JLaersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendankin

Berlin; B). LhieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

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noch Autorität hat, mit Arabi Pascha? in Verbindung treten soll.

Ob nun noch Kairo dem Schicksal Alexandriens ent­gegen zu sehen hat, werden vielleicht schon die nächsten Tage zeigen.

Telegraphisch sind noch folgende Nachrichten eingetroffen:

London, 14. Juli. Eine Depesche von Lord Seymour an die Admiralität von Alexandrien, 14. Juli, morgens 7 Uhr, meldet die Besetzung des FortsRaseltin" durch Seesoldaten und die Vernagelung der Kanonen in srch- gegenübergelegenen Batterieen. Alexandrien brennt noch. Der Khedive befindet sich in Sicherheit in seinem von 700 Seesoldaten besetzten Palais.

London, 14. Juli. Eine Depesche aus dem Hafen von Alexandrien vom 13. Juli, abends 83/4 Uhr meldet: Seit der Landung der Marinesoldaten wird Gewehrfeuer in der Stadt gehört. Der Khedive und Derwisch Pascha sind wohlbehalten an Bord eines Schiffes. Eine Depesche des.Lloyd" aus Port Said vom 13. Juli meldet: Der DampferGlenlyon", mit Ladung von Futfchanfu nach London bestimmt, ist im Suezkanal gescheitert; derselbe wurde von den Arabern geplündert.

London, 14. Juli. Nach einem amtlichen Telegramm an die Admiralität aus Suez, 13. Juli, ist der Verkehr im Suezkanal offen.

London, 14. Juli.Daily News" erfahren: Die Konferenz tritt heute wieder zusammen. Nach der Sitzung wird die Pforte aufgefordert werden, die Herstellung der Ordnung in Egypten zu unternehmen. Falls die Türket diese Mission ablehnt oder zaudert, wird die Konferenz England und Frankreich auffordern, ein kombintertes Truppenkorps zu landen, um den Khedive wieder einzu- setzen und die Ordnung herzustellen. DieTimes" er- fährt: Lord Granville instruierte Dufferin, der Konferenz zu notifizieren, daß die Flottenoperation vor Alexandrien beendet sei. Lord Dufferin wird die Pforte ersuchen, so­fort sich betreffs der Entsendung von türkischen Truppen nach Egypten schlüssig zu machen. Im Weigerungsfälle werde Lord Dufferin der Konferenz eröffnm, England sei vorbereitet, die Aufgabe zu übernehmen. ES würde aber die Mitwirkung irgend einer anderen Macht gerne gesehen. Alle Morgenblätter verlangen prompte Verfolgung und Zersprengung der Armee Arabi Paschas. Alexandrien ist mit Marodeuren gefüllt, welche die britischen Marine­soldaten teilweise zerstreuten. Die Stadt brennt noch. ES verlautet, Arabi habe die Eisenbahn hinter sich gesprengt und verschanzte sich mit seinen Truppen bei Kefreldewar, eine Stunde von Alexandrien.

London, 14. Juli. DasBureau Reuter" meldet aus Alexandrien, früh 9% Uhr: Einige Feldgeschütze mit einer Abteilung Marine-Infanterie sind gelandet. Noch vor der Landung wurde der Palast Raseltin von einem

Aber die Scene war in der nächsten Sekunde eine andere, der Graf, dem sein Töchterchen zu lange abwesend war, halt: sich aufgemacht, zu suchen und war in gerader Richtung auf die Eingangspforte zugegangen, während daS Kind in den Seitenwegen irrte; jetzt hörte er die weinende Stimme und eilte dem Hilfemf nach. Er hatte die Thür erreicht, öffnete dieselbe und daö Kind eilte hinein unter seinen Schutz.

Was geht hier vor," fragte er,warum weint mein Trudchen?"

In seinem Auge blitzte die Wut auf, al- er den frem­den Knaben sah, den er nicht leiden mochte.

Papa, der fremde Junge hat mich schlagen wollen," klagte sie.

Reginald fühlte, er sei zu weit gegangen, indem er dem Kinde so seine Leidenschaft gezeigt, daß es daS Aeußerste gefürchtet hatte, aber er hielt eine Verteidigung unter seiner Würde, weil er wußte, daß man ihm hier doch nicht glauben würde. Vater und Tochter hielten sein Schweigen für ein Eingeständnis und Reginald wußte, was ihm bevorstand, als der Graf mit erhobenem Arm auf ihn zutrat. Eine entehrende Züchtigung für sein Vergehen, das er nicht beabsichtigt hatte, wartete Dessen, der Aristokratenblut in seinen Adern fühlte und er konnte die Scbmach nicht ab­wenden, nicht rächen. Stille halten mußte er der gräflichen Hand, die jetzt wuchtig auf seine Wange niederfiel und die zürnenden Worte ans dem Munde des hohen Herrn an­hören, der ihm verbot, jemals wieder diese Stelle zu be-