1882.
- 10j 4 ioi - 101
- 10)
- 101
105
101
V\ 101 - IOC - 81
: loo 5 95 - 94'
81
8Z 83
8Z
- 74!
- 103
- 112
i %•
-f. Geld - 145 - 127 - 134 - 132 - 118 - 1241 - 112 - 123 >t. in M
214
981 300)
3281 334 227
50
a;
4
lObj 1031 100 100
83 87
-28 P
"41 ,
-78 .
-58 ,
-20 , In'/.
- 84
- 1051
7. 87
- 84
- 102
i 561
- 105
7i 771
71
- 1011
- 100
- 1001
- 157
) 1381
- 931
267
1391
169
20.43
81
1691
4 «/.
4 ’/.
301.06
27.16
104.96 101/6
9 >.2ä
149*50 115.46
1OO.'96
lationC
89.06
102.06
88.3«
Rr 16«
Marburg, Sonnabend, 15. Juli 1882
xvii LahkMg
«Zeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, fotoie d.Annoncen Bureaux L xh. Dietrich u. Co. in «affel und Hannover; Th. Diettich in Frankfurt a.M.; Haasenstein u- Vogler in Zrankfurt a. M-, Berlin ö£;Ciig, Köln Rudolf Rosse in Berlin, Frank- furt a. i)L ic-
Acchchscht jfitimij.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbft; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalibendarkin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS EonutagSblatt" durch die Expedition (Ä 0 ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr., — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
Das Bombardement von Alexandrien.
Die Frage, ob die Engländer zu ihrem Vorgehen berechtigt sind oder nicht, wird vielfach ventiliert und bald mehr bejahend oder mehr verneinend beantwortet. DaS ist der Fluch der bösen That, daß sie fortwirkcnd Böses zeugen muß. Das gilt auch von der egyptischen Frage. Die schlechte HaremSwirtschaft der früheren Herrscher hat das Land in Schulden gestürzt und gewinnsüchtige europäische Finanziers verschafften den Herrschern gegen hohen Zins und hohe Provision Geld aus Europa. So kam das Land in die Schuldknechtschaft Europas, besonders Frankreichs und Englands; aber als Egypten nicht mehr die Zinsen zahlen konnte, wurde ihm eine englisch-französische Finanzkommission als Vormund gesetzt. Diese Vormundschaft sorgte aber mehr für die Gläubiger als für das verschuldete Mündel, nötigte die Egypter zur Verminderung der Armee, der Beamten und zu anderen Maßregeln, welche die Geldbedürfnisse des Staates möglichst herabmindcrten, um auf diese Weise so viel als möglich Geld frei zu bekommen, um die Koupons für die egyptischen Papiere einlösen zu können. Dadurch wurde aber in Egypten große Unzufriedenheit erweckt, insbesondere waren es die abgesetzten Offiziere und Beamten, welche die Unzufriedenheit schürten und verschiedene revoltierende Versuche machten, den Khedive und seine Regierung zu bewegen, die europäische Vormundschaft abzuschütteln, wozu sich dieser aber nicht hergab, weil er wußte, daß er nicht stark genug ist, den europäischen Mächten zu trotzen. So suchten denn die Unzufriedenen mit Arabi Pascha, dem Kriegsminister, an der Spitze selbst Gewalt anzuwenden. Zunächst bemächtigten sie sich durch Einschüchterung des Khedive der Gewalt und verlangten, daß Egypten nur von den Egyptern beherrscht werden solle. Die ganze Bewegung war also von Anfang an gegen die Europäer gerichtet; deshalb bemächtigte sich der in Egypten wohnenden Europäer auch schon bald eine große Furcht, und daß dieselbe nicht unbegründet war, bewies das Blutbad in Alexandrien, in welchem viele Europäer, namentlich Engländer, insbesondere auch der englische Konsul, ermordet wurden. Die Europäer flohen aus Egypten und es entstand die größte Verwirrung und Notlage für die Flüchtlinge, welche plötzlich aus mühsam errungenen Existenzen herausgeworfen wurden und für dos Land selbst der Nachteil einer Stockung aller Geschäfte und des Handels, der vorzugsweise in den Händen der Europäer liegt, welche ja überhaupt die Zivilisation in dem Lande repräsentieren. Und doch waren die Europäer, welche meist Handwerker und Kaufleute sind, schuldlos an den von der Finanz- kommisston ausgehenden Bedrückungen. Die Engländer und Franzosen hatten nun schon frühzeitig Kriegsschiffe nach Alexandrien geschickt, ihre Diplomatie hatte ein Ultimatum gestellt; aber die Egypter kümmerten sich nicht
darum; als Antwort gaben sie das Blutbad in Alexandrien — und die Kriegsschiffe sahen ruhig zu. Der Sultan schickte seinen Gesandten, aber derselbe richtete nichts aus. Obgleich er wiederholt versicherte, es sei wieder alles in Ordnuna, rüstete Arabi zum Kriege, legte vor Alexandrien neue Befestigungen an, zog Beduinenhaufen zur Verstärkung heran, die Europäer flohen und selbst der Khedive getraute sich nicht nach Kairo zurückzukehren. Die Konferenz der Mächte trat auf Antrag der Westmächte zusammen, aber die Pforte erkannte dieselbe nicht an, lehnte cs ab, eine militärische Expedition noch Egypten zu schicken, um dort die alte Ordnung wieder herzustellen, behauptete vielmehr die Ordnung sei wieder hergestellt, obgleich es nicht der Fall ist. Inzwischen fuhr Arabi fort in seinen Befestigungsarbeiten ; die englische Flotte stellte an Arabi die Forderung, diese Arbeiten einzustellen und sie ihnen auszuliefern; er that aber weder das eine noch das andere. Da stellte der englische Admiral ein Ultimatum, nach dessen Ablauf die Beschießung beginnen werde. Arabi rüstete immer ruhig weiter —und so begann die Beschießung der Befestigungsarbeiten. Die Engländer versicherten, daß cs ihnen nur darum zu thun tci, diese Befestigungen, welche lediglich gegen die englische Flotte errichtet seien, in ihre Hand zu bringen oder unwirksam zu machen; weiter wollten sie nichts, deshalb sei auch ihr Vorgehen kein Eingriff in die Arbeiten der Konferenz und ihre Beschlüsse. In wieweit das nun wahr ist, das wird der Verlauf der Ereignisse sagen; denn es fragt sich, ob die Engländer das Bombardement so reinlich abgrenzen können von der eigentlichen egyptischen Frage. Noch haben sie ihr Ziel nicht erreicht, und wenn sie die Forts in ihrer Gewalt haben, so werden sie auch wohl Alexandrien besetzen müssen, und dann ist der Konferenz jedenfalls vorgegriffen. Frankreich hat sich bis jetzt ruhig verhalten, die Engländer gerieren sich als die Herren, sie haben sogar die Einfahrt in den Suczkanal verboten, als wären sie die Herren desselben. Zur Entschuldigung sagt man, weil die Durchfahrt für die Schiffe wegen der egyptischen Angriffe gefährlich sei.
Auch die Konferenz hat sich noch nicht über das Vorgehen Englands geäußert; englische Blätter behaupten, Deutschland und Oesterreich hätten das Bombardement gebilligt; in wieweit das wahr ist, läßt sich nicht entscheiden. Die Pforte hat zwar protessiert, aber sie hat noch nichts gethan, um ihrem Protest Nachdruck zu geben. Daß von der Pforte selbst eine Herstellung der Ordnung durch militärisches Einschreiten in Egypten nicht zu erwarten war, ist zweifellos, denn der Sultan würde dadurch die Feindschaft aller Muhamedaner gegen sich wachgerufen haben, wenn er zu gunsten der Europäer gegen seine eigenen islamitischen Untcrthaneu Gewalt gebraucht hätte. Er suchte deshalb immer noch durch Entfernung Arabi Paschas, den er nach Konstantinopel locken wollte, die
Ordnung wieder herzustellen. Allein Arabi ging nicht freiwillig und ihn unfreiwillig fortzuschaffen, dazu hatte weder der Khedive noch der Sultan die Macht und den Mut. Die Europäer haben es also nur mit Arabi, dem Führer der Revolution, zu thun.
Von der Konferenz erwartete man, falls die Pforte die Exekution gegen Egypten ablehnte, daß sie die Westmächte zu einer gemeinsamen Exekution auffordern würde. Diesem wahrscheinlichen Beschlüsse gegenüber haben die Engländer durch das Bombardement einen Vorsprung vor den anderen Mächten, insbesondere Frankreich, zu erringen gesucht. ES fragt sich aber, ob die Konferenz und Frankreich einen solchen Vorsprung und Vorrecht anerkennen werden und wenn nicht, ob England dann auf seinen durch daS Bombardement errungenen Vorteil verzichten und sich den Beschlüssen der Konferenz unterwerfen wird. Davon hängt alles weitere ab. Mag man nun daS Verhalten der Engländer billigen oder nicht: soviel ist unfraglich, daß die halbwilden orientalischen Völker nur vor der Macht Respekt haben, und wenn die in jenen Ländern lebenden Europäer ihres Lebens sicher sein und überhaupt die Ordnung in jenen Ländern erhalten werden soll, so muß eine europäische Macht da sein, vor deren Strafe sie sich fürchten. Das ist unzweifelhaft nicht eine vielköpfige Konferenz, welche mit ihren Beschlüssen nicht fertig wird, den Ereignisien nachhinkt und über deren Uneinigkeit die Orientalen lachen, sondern es muß das eine bestimmte Macht sein, und dazu ist keine andere mehr geeignet als England. Wenn also England die Ordnung herstellt, aber im übrigen die Hände vom Suezkanal und Egypten läßt, so kann es uns schon recht sein.
Die neuesten auf das Bombardement und die egyptische Frage bezüglichen Depeschen sind folgende:
London, 13. Juli. Meldung dcö „Büreau Reuter' ans dem Hafen von Alexandrien, 12. Juli, abends 9 Uhr. Vor Eintritt der Dunkelheit nahmen fünf englische Schiffe außerhalb des neuen Hafens Ausstellung, wahrscheinlich um morgens das Feuer auf die die Stadt beherrschenden Forts zu eröffnen, falls das Bombardement wieder aufgenommen würde. Die Parlamentärflagge weht noch. Die Feuersbrünste in Alexandrien nehmen einen immer größeren Umfang an. Eö heißt, die Stadt sei fast ganz verlassen und den Arabern der niedrigen Klassen, sowie den Beduinen zur Plünderung preisgegeben.
Eine weitere Depesche von abends 11 Uhr meldet: Das Feuer wurde von dem „Inflexible" und dem „Teme- raire" heute früh 9 Uhr 30 Minuten gegen die Batterie jenseits des Pharos wieder ausgenommen, doch balv eingestellt, da die Egypter die Parlamentärflagge aufzogen. Hierauf wurde der „Bittern" nach dem Hafen entsandt, um die Ursache des Aufziehens der Parlamentärflagge zu erfahren. Der Kommandant des „Bittern" wurde davon
Der Erbe des Blutes.
Erzählung von Emma Händen- (Fortsetzung)
Im ganzen Dorfe hatte er unter den Knaben seines Alters auch nicht einen Freund; er hatte eö nie recht leiden können, wenn man ihn Findling genannt hatte und war daher den Kindern aus dem Wege gegangen. Später, als ihm die Ahnung kam, daß das Wort für ihn noch eine schlimmere Bedeutung habe, als er begreifen lernte, wer und was er möglicherweise war, rächte er sich nach Knabenart wucktig an Jedem, der cS wagte, ihm jenes Wort zu- zurufen. War er früher nie beliebt gewesen, so war er jetzt gefürchtet und die ganze Dorfjugend ging ihm scheu aus dem Wege.
Das Grab der Mutter, wo er als Kind die schönsten Stunden seines Lebens, bei seinen Büchern verbracht hatte, mied er geflissentlich, er hegte für die Tote keine achtungsvolle Liebe und haderte mit ihr wegen seines fluchwürdigen Daseins, das ihm eine Last war.
Nur einen Lichtpunkt gab eS in seinem unglücklichen Dasein: die Erinnerung an jene Stunde in der Totenkapelle, wo das holve, liebliche, kleine Schloßfräulein in seinen Armen geschlummert; jenes süßes Kind suchte er mit heißer Sehnsucht, aber es kam nie in's Dorf, nicht einmal auf den Schloßplatz. So war es denn eine andere Stätte, die ihn, nachdem er das Grab der Mutter mied, magnetisch anzog. In seinen Freistunden stand er am Gittcrthore des gräflichen ParkeS, wohl konnte er das Schloß hier durch die Wipfel der hohen Bäume schimmern sehen, aber eS war nicht das, was ihn hier bannte, sondern die Hoffnung, nur einmal auS der Ferne klein Trudchen zu sehen. Zwei Jahre
harrte er vergebens auf ein Wiedersehen, aber der Musch weiß oft nicht, was er wünscht, dies Wiedersehen sollte seinem armen, vereinsamten Leben den letzten Rest von Poesie und Glück nehmen.
Zum zweitenmale bluten die Rosen, seit Frau Selma zur ewigen Ruhe cingegangen war, die Hitze eines klaren, hellen Julitages lag über Steinhaufen. Wohl wären die hohen, kühlen Räume des Schlosses einladender gewesen, als die glühende Luft draußen, Trudchen jedoch zog cs vor, in den Garten zu gehen, aber allein, die Gouvernante, die ber Graf gleich nach dem Tode seiner Gattin engagiert hatte, durfte nicht mit, und das war ja Gesetz. „Trudchen wollte meine Begleitung nicht," war hinlängliche Entschuldigung aus dem Munde der Dame, dem Grafen gegenüber, wenn derselbe sie nach ihrer kleinen Pflegebefohlenen gefragt hätte. Es konnte dem Kinde auch nichts geschehen, Garten und Park war abgegrenzt, die Abneigung der Kleinen gegen die hohen, schattigen Laubgänge kannte man ja und sollte sie auch dieselbe eines Tages Überwinden, so war ja doch die eiserne Gittcrthür, die zwar am Tage nicht z -- geschlossen, doch eingcklinkt war, so daß die zarte, schwache Kraft des Kindes sie nicht zu öffnen vermochte.
Trudchen dachte heute an den Robinson, den ihr ihr Fräulein im Winter vorgelcscn, und wollte einmal auf Entdeckungsreisen gehen, das he.ßt das Ende des Parkes aufsuchen, dazu hatte das Fräulein im Schloß bleiben müssen. Sic kam sich selbst wie ein zweiter Robinson vor, als sie unter den hohen Bäumen des Parkes hinschritt, auf bisher noch unbetretenen Wegen; zum erstemale über kam sie keine Furcht unter dcm Schatten jener uralten Bäume, sondern sie kam sich sehr heldenhast vor und meinte, bald Robinsons einsame Insel zu erreichen, wenn sie so fortgehe.
Längst trug sie das schwarze Kleidchen nicht mehr, nur wenige Wochen hatte sie es an sich geduldet, dann verlangte sie die bunten Kleider wieder, die |ie getragen, als die Mama noch lebte und Trudchens souveräner Wille stieß selbst die Traditionen des alten Grafenhauses um, die strenge Innehaltung der Trauerzeit forderten. Trug doch sogar Graf Kunibert den Flor am Arme ein ganzes Jahr, obgleich er im Herzen noch nie um die Gattin gcrtrauert, deren Schönheit nur einmal im Sarg fein kaltes Herz gerührt hatte. Heute trug die Kleine ein weißes Kleidchen, mit lichtblauen Schleifen garniert, die Fülle der blonden Locken hielt ein blaues Band aus der kleinen Kinderstirn, unter der die großen, blauen Augen so sinnend und ernst in die fremde, unbekannte Welt schauten. Sie erinnerte an den Engel, von dem sie Reginald erzählt, der die Menschen in den Himmel hole; das empfand auch Reginald, der trotz der Sonnenglut in der freien Mittagsstunde wie gewöhnlich am Gitterthore stand und sie längst erblickt, noch ehe sie ihn gesehen hatte. Sein Herz jauchzte auf, denn schöner, himmlischer noch, als an jenem Tage im schwarzen Trauerkleid, stand heute das kleine Grafenkind vor ihm. Da hatte sie das Gitter erreicht und ihn gesehen, aber sie empfand nicht die Freude des Wiedersehens, die er empfand, ihr hatte ja der Vater dieselbe längst zerstört, sie träumte den Robinsonstraum fort und wollte es heut einmal wagen, einen Schritt aus dem väterlichen Besitztum, in die große, fremde Welt zu thun. Draußen stand ja ein Diener, ein Untergebener, der sie beschützen mußte.
„Du, mach mal auf," herrschte sie ihm zu in jeuem Tone, in dcm sic das ganzc Schloß kommandierte.
(Fortsetzung folgt.)