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Marburg, Sonnabend, 8. Juli 1882
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche BuchhaMung daselbst; Jnvalidendankin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C- Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonnlagSblatt durch die Expedition o ch sche Buchdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr.) — Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
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Die Expedition der Oberhess. Ztg.
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Egypten.
Unter der Überschrift „Das Geheimnis der Konferenz" bringt die „Polit. Korr." jetzt einen Brief vom 30. Juni, dem wir folgendes entnehmen:
„Diejenigen Personen, so beginnt der Briefsteller, die in der Regel über politische Vorgänge am besten unterrichtet sind, gestehen offen ein, daß sie nicht wissen, waS auf der Konferenz vorgeht, während diejenigen, welche gemeinhin nicht gut unterrichtet sind, genau anzugeben wissen, waS auf der Konferenz vorgeht, während diejenigen, welche gemeinhin nicht gut unterrichtet sind, genau anzugebcn wissen, was in jeder Sitzung vorgeht. Es giebt sechs Mitglieder der Konferenz, deren jeder einen Sekretär (außerhalb der Konferenz) zum Chiffrieren der Depeschen benützt, und diese zwölf können allein wissen, was die Konferenz bisher gethan hat. Es ist unglaublich, WaS für List von allen Seiten angewendet wird, um den Schleier des Geheimnisses zu lüften. Man erzählt den Konferenzteilnehmern absichtlich falsche Gerüchte, die in Umlauf sind, um in ihren Zügen eine Bestätigung oder eine Widerlegung zu lesen. Die Mitglieder der Konferenz behaupten, daß, wenn überhaupt je eine Thatsache bekannt werden sollte, dies nur durch eine Indiskretion geschehen konnte, welche in Europa begangen würde. Refchid Bey, der Sekretär deS Sultans, geht von einer Botschaft zur andern, er brachte nach der ersten Sitzung den ganzen Abend mit Herrn von Hirschfeld zu, welcher zu seinem Entsetzen ihm nur von dem Kinde sprach, von dem Frau v. Hirschfeld vor kurzem glücklich entbunden worden ist, aber jeder Anspielung auf die Konferenz aus dem Wege ging. Auch Baron Calice, von dem er sich gewiß nach seinen naiven orientalischen Anschauungen ein größeres Entgegenkommen vorgestellt hatte, weil Baron Calice vom Sultan soeben die höchste Ordensauszeichnung erhalten hatte, gab sich wie eine
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Der Erbe des Blutes.
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Erzählung von Emma Händen.
(Fortsetzung)
Die Gräfin war lange nicht im Dorfe gewesen, er dachte, sie hätte ihn vergessen; da hieß eö in Steinhaufen, im Schloß sei ein kleines Fräulein geboten, eine Nachricht, die ihn kalt ließ. Was ging ihn das kleine Schloßfräulein an, wenn er nur seine Beschützerin einmal hätte Wiedersehen dürfen I Monate vergingen, dann kam sie und war freundlich und gütig wie immer. Sie fragte nach seinen Wünschen und erhielt zur Antwort, er möchte gerne Bücher haben und lesen dürfen. Sie versprach ihm solche zu bringen, er aber klagte, daß er dem Vergnügen nicht nachhängen dürfe. Sie holte ihm sofort einige Kindergeschichten ans dem Schloß und sprach den Wunsch aus, man möge des Knaben Neigung kein Hindernis in den Weg legen. Der Wunsch der allverehrten Gräfin war natürlich Befehl und so eilte Reginald, sobald die Schule geschlossen war, wieder mit stinem Buch im Arm zum Grabhügel der Mutter, wo es still und einsam war.
Die Geschichtchen erzählten ihm von Rittern und treuen Knappen, die durch tausend Gefahren siegreich hindurch- ßingeit. Die Fantasie denkender Kinder schafft sich allmählich selber Gestalten, ähnlich den in Büchern beschriebenen, und so war er denn bald selbst der treue Knappe, der seinem Herrn in allen Wagnissen treu zur Seite stand. Aber diese Auffassung erhielt keine Nahrung in der Wirklichkeit, denn im Schloß lebte kein junger Graf, dem er Knappe hätte sein können, so kam ihm denn eines Tages der Gedanke, er wußte selbst nicht wie, der Ritter sei er. Ein glühend Rot stieg auf seinen Wangen empor bei dem verwegenen Gedanken und er schaute um sich, ob nicht Menschen
Marmorstatue, so oft eS sich um die Konferenz handelte. Da auch Lord Dufferin sich nur bei ihm erkundigte, ob eö wahr sei, daß man einer neuen ministeriellen Krisis entgegengehe, so ist Reschiv Bey zum Sultan mit leeren Händen zurückgekehrt.
Dieses Dunkel, welches die Konferenz umgiebt, wird in verschiedener Weise gedeutet. Die Skeptiker wollen wissen, daß mau nichts erfahre, weil die Konferenz bisher noch nichts gethan habe und daher nichts zu erzählen fei. Dagegen giebt es andere, auf welche dieses Geheimnis der Konferenz einen unheimlichen Eindruck macht. Obschon al o, wie gesagt, durchaus nichts Authentisches bekannt geworden ist, bringt doch mancher Strahl des Lichtes durch die dunkle Nacht. Mau weiß mit Bestimmtheit, daß die Initiative der Vorschläge bisher von Lord Dufferin ausgegangen fei, wenn man auch nicht genau weiß, auf welche Punkte sich diese Vorschläge bezogen haben. Man weiß ferner, daß die Sicherheit des Eigentums und der Personen und die Sicherheit des Kanaleö von Suez jedenfalls die Konferenz beschäftigt haben, und endlich, daß man die Beziehungen der Türkei zu Egypten in Betrachtung gezogen habe. Die wichtigste Seite der Verhandlungen — und diesen einen Punkt kann ich Ihnen aus anthentifcher Quelle verbürgen — betraf jedoch den Umstand, daß die Pforte der Konferenz gegenüber eine beinahe feindselige Stellung angenommen hat. Die erste Aktion der Konferenz bestand darin, die Pforte von ihrem Zusammentritt in Kenntnis zu setzen und sie nochmals einzuladen, an den Beratungen teilzunehmen. Die Pforte ließ diese Notifikation, welche außerdem sehr freundschaftliche Gesinnungen für die Türkei aussprach, ohne jede direkte Beantwortung. Indirekt beantwortete sie fie allerdings durch die Ordensauszeichnungen, welche Arabi Pascha und einigen anderen egyplischen Offizieren zu Teil wurde, sowie auch durch Geschenke, welche ihnen geschickt wurden.
Die Botschafter haben seither durch ihre DragomanS der Pforte zu verstehen gegeben, daß deren Haltung die fanatische Partei nicht nur in Egypten, sondern auch in Syrien in anderen Teilen des Reiches, ermuntere. Sollte die Pforte nicht ihre Haltung modifizieren, dann werde nicht die Konferenz das Wort der Lösung und Versöhnung sprechen können, sondern eö werde Sache der Kabincte werden müssen, durch ein aktives Eingreifen die Lösung der Frage herbeizuführen, was gewiß eine schlimmere Wendung für die Pforte wäre. Die Pforte ist verständigt worden, daß die Konferenz möglicherweise den Regierungen diesen AuSweg empfehlen dürfte, falls die Pforte nicht ihre Politik noch ändern sollte."
So der Korrespondent des Wiener Blattes. Allem Anscheine nach ist übrigens die ganze egyptische Angelegenheit an einem neuen Wendepunkt angekommen, denn den 'T —..................... ' ,r 11 nr—rmi
in der Nähe seien, die ihn dabei ertappen könnten. Aber öfter und öfter kam ihm diese Anschauung der Dinge, sie war ihm schließlich nichts Ungewöhnliches mehr, sondern nur Verkörperung eines wonnig schönen Traumes. Da entdeckte er eines Sonntags beim Verlassen der Kirche, an einem Pfeiler, die Stammtafel Derer von Steinhausen. O wie gern hätte er sie gelesen, ober er durfte jetzt nicht im GottcShause bleiben. Wie nun wieder hinein kommen, wenn kein Gottesdienst war? Denn während der Gesänge der Gemeinde und der Rede deS Pfarrers konnte er doch nicht etwas Anderes treiben. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Der Küster spielte oft auf der Orgel, bann blieb bie Kirche auf. Sobalb also Wochentags die Orgelklänge ertönten, eilte Reginald leise, ganz leise, damit ihn der Musiker auf dem Orgelchor nicht höre, in das Gotteshaus und vertiefte sich in das Studium der Stammtafel eines alten Grafengeschlechts. Reginald und Gertrud waren die ersten Namen. Gertrud, so hieß ja auch das kleine Schloßfräulein, bas war nichts Wunderbares, aber daß er selbst den Namen des ersten Grafen von Steinhaufen trug, da« war ihm wunderbar.
Von der Zeit an, wo er den Namen Gertrud auf der ihm so wichtigen Stammtafel, vereint mit dem feinen, gelesen, fing er auch an, sich für die kleine Gertrud im Schloß zu interessieren, die im Torfe Niemand zu sehen bekam. Wie mußte solch ein kleines Schloßfräulein nut aussehen, et hätte es doch gar zu gern einmal geschaut. Aber bie krankhafte Mutterliebe bet Gräfin bannte bas Kind ins Schloß unb bieö Nichtsehen erhöhte das Jntereffe deS Knaben für das unbekannte kleine Wesen.
Et laS die Tafel so oft, daß er sie bald auswendig konnte, ‘aber immer blieb fein Auge am längsten haften auf den Namen Reginald und Gertrud. Dann schlich er
Mächten scheint die Hartnäckigkeit der Pforte im Verneinen doch etwas zu arg zu werden. Nach bet heute statt- finbenben Konferenz wollen bie Botschafter, wenn anders die „Agence HavaS" gut beraten ist, der Pforte unter bet Form eines freundschaftlichen Nates die Entsendung eines Okkupationskorps nach Egypten Vorschlägen.
Es fragt sich nun, wie sich die Pforte zu diesem Rate stellen wird. In Wien scheint man bie Hoffnung bereits aufgegeben zu haben, baß es noch zu einem Kompromiß zwischen den Mächten und der Türkei komme.
Die Meldung, so schreibt man uns von dort, baß Aussicht bestehe, bie Pforte werde dem fortgefetzten Bemühen der Vertreter Deutschlands und Oesterreichs, sie zur Fühlungnahme mit der Konferenz zu bewegen, dennoch entsprechen, entbehrt völlig der Begründung. ES bestehen bis jetzt nicht nur keinerlei Anzeichen dafür, daß die Pforte sich mit dem Gedanken trage, mit den Mächten in Kontakt zu treten, sondern eö gewinnt vielmehr den Anschein, daß der Sultan auf seinem unerschütterlichen Entschlüsse beharren werde, jeden Antrag der Konferenz zurückzuweisen, der auf einer europäischen Einmischung in Egypten ober auf der Betrauung bet Pforte mit ber Intervention als Mandatar Europas basieren sollte.
In den gegenwärtigen Rüstungen Englands, denen man in Konferenzkreisen nur die Bedeutung von „bie Zukunft ins Auge fassenden Maßnahmen" beilegt, erblickt ber Sultan einen jetzt schon seiner Oberhoheit über Egypten zugefügten Affront, der ihn taub für jede Mahnung zum Einlenken macht.
Soweit sich bie (Stimmung im Schoße ber Konferenz erraten läßt, herrscht die Besorgnis vor, daß bie fast wahrscheinlichere, als unwahrscheinliche Ablehnung beS ber Pforte von ber Konferenz zu fteflenben Antrages seitens beS Sultans ein unmittelbares Vorgehen EnglanbS in ber egytischen Angelegenheit zur Folge haben werbe.
So eine zuverlässige Korresponbenz. Ganz möchten wir unS zu ihrer Auffassung ber Lage doch noch nicht bekennen.
Deutsches Reich.
öerlitt, 6. Juli. Der „Reichs-Anzeiger" publiziert einen Erlaß über bie Aufnahme einer Anleihe von 29 674 405 Mark für die Verwaltung beS Reichsheeres, ber Marine unb ber Reichseifenbahneu. — Unter dem Vorsitze deS StaatsministerS von Bötticher wurde am 5. Juli d. I. eine Plenarsitzung des BundeSrateS abgehalten. Gemäß bcn Anträgen der Ausschüsse fanden die nachstehenden Vorlagen die Zustimmung der Versammlung, betreffend die Begriffsbestimmung für Spielkarten, die Ver, fteigerung von Konfiskaten aus Zollprozessen und tion hinüber zu den Grabsteinen, die die Gruft ber Steinhaufen becklen, bie Figuren in ganzer Gestalt, Ritter in voller Rüstung und Schloßfrauen in wunderbarer Tracht zeigten, seltsame Figuren, eigentümliche Denkmäler mittelalterlicher Bildhauerkunst; aber sie deckten ja bie Voreltern eines alten Grafengeschlechts, an welches des Knaben Interesse unsichtbare, geheimnisvolle Fäden fetteten.
Die Jahre gingen hin, Wünsche fliegen in beS Knaben Seele auf, welche ihm in den Verhältnissen, in denen er aufwuchs, nie erfüllt werden konnten. Voll Neid unb Sehnsucht sah er stets hinüber zum Schloßportal, wenn Graf Kunibert sein Pferd bestieg und in wildem Galopp über die Felder dahinsprengte. O reiten, teilen wie der Graf! Warum hatte der Schloßherr ein Pferd und er fein«? Wäre eö ihm um die Erfüllung dieses Wunsche« um jeden Preis zu thun gewesen, er hätte dieselbe leicht erringen fönnen.
Fast täglich nahmen im Sommer die Ackerknechte, wenn sie zur Ernte fuhren, einen Dorfjungen mit, die immer baten, auf dem Pferde mitgenommen zu werden. Aber schon fing die Seele de« Knaben an zu unterscheiden; auf ein ungefattelteö Ackerpferd hätte ihn keine Macht der Erde bekommen; wenn er zu Pferde stieg, bann mußte eS solch ein prächtig gezäumter unb gesattelter Vcllbluthengst fein, wie Graf Kunibert ritt.
Unb bie Jagbzüge im Herbst I Wie sehnsüchtig sah er von ber Thür seiner Wohnung zn, wenn bie tollte Mente vor dem Schloßporlal hielt, wenn bie Jäger mit ihren Büchsen auf ber Schulter Herausfamen auf den freien Platz, wenn sie die Roffe bestiegen unb die Kavalfade fortsprengte. O warum, warum fonr.te er nicht dabei fein! Ach eS war anders, wenn die Mutter den Vater hätte finden dürfen. Ander«?! (Fortsetzung folgt.)