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Nr 187.

Marburg, Freitag, 7. Juli 1882.

xvn Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux o Th- Dietrich u. Co- in Staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; f)aasenstein u. Vogler in Aantfurt a. M-, Berlin, Leipzig' Köln rc.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. dJl. rc-

OlichGslljt jfitmig.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Amwncen-Bureaux Don ® L. Daube u. So. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendcnkin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition <K o ch'sche Buch druck er ei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf», (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgcbühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Zu dem mit dem 1. Juli begonnenen Abonnement auf das III- Quartal der

Dllkrhksstschen Zeitung

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Illustriertes Sonntagsblatt nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Post­boten) Bestellungen entgegen.

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Bestellungen in hiesiger Stadt werden von unseren Zeitungsträgern und der Unterzeichneten angenommen.

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Juli. Unser Kaiser, dessen Befinden fort­dauernd ganz vortrefflich ist, hat den Kurgebrauch in Ems ununterbrochen fortgesetzt und fast täglich Spazierfahrten im schönen Lahnthale gemacht, wo er sich zum Erstaunen aller Kurgäste Strapazen zumutet, welche für einen 85jährigen Greis geradezu unglaublich erscheinen, derselbe wird derM. Z." zufolge laut neuester Dispositionen den freundlichen Badeort an der Lahn bereits nächsten Freitag verlassen und sich von dort nach Koblenz zu seiner er­lauchten Gemahlin begeben. Er wird daselbst nur einige Tage verbleiben, um alsdann sofort nach Hochbad Gastein zu fahren. Früher pflegte der Monarch zwischen EmS und Gastein stets einen Aufenthalt von mehreren Wochen auf der lieblichen Bodenseeinscl Mainau einzu chalten, woselbst er mit der Kaiserin bei dem Großherzog von Baden und dessen Gemahlin (der Tochter unseres Kaisers) verweilte. Dieser Ausflug fällt Heuer fort, da der Großherzog von Baden, mit dessen Gesundheitszustände eS leider noch immer nicht zum erfreulichsten steht, verhindert ist, in Mainau zu weilen. Statt dessen schließt sich, wie schon gesagt, die Gasteiner Badekur diesmal fast direkt an die Emser an. Auch Fürst Bismarck wirb sich dieses Jahr nach Gastein begeben. Ob sein Aufenthalt dort mit dem des Kaiser Wilhelm zusammenfällt, ist noch ungewiß. Eben so steht zur Zeit nur so viel fest, daß Kaiser Franz Josef und der deutsche Kaiser aus österreichischem Boden zusammentreffen werden, wogegen der Ort der Zusammenkunft noch nicht bestimmt ist. Der BundeSrat hält heute nachmittags seine letzte Sitzung ab und vertagt sich darauf bis zum Herbst. Nachdem das Bedürfnis hervorgetreten ist, die bisher auf die Klassensteuer beschränkten statistischen Erhebungen über Zahl und Umfang der Zwangsvollstreckungen in erweiterter Form auf sämtliche direkte Staatösteuern auszudehnen und bis auf weiteres die monatliche Aufstellung und Einreichung

Der Erbe des Blutes.

Erzählung von Emma Händen- (Fortsetzung)

Die Sonne drang nur in einzelnen Reflexen in diesen Raum, darin die Tode den letzten, ewigen Schlaf schlief; die Kapelle lag nach der Gartenseite und zwei große Buchen standen vor den hohen Bogenfenstern. Hier hatten sie alle als Leichen gestanden, die vom Geschlecht der Steinhausen, von jenen ersten Beiden an, die daö Grafenhaus als seine Stammeltern bezeichnete, die Eltern, die sie mit Namen zu nennen wußten, Reginald und Gertrud, die in hohem Greisenalter, nach langer, glücklicher Ehe, still und friedlich, wenige Stunden nacheinander, hinübergeschlummert waren. Hier war Graf Eugens Sarg ausgestellt, der, auö weiter Ferne geholt, uneröffnet zur Leichenparade aufgebahrt worden, an der ein greiser Vater und ein tief trauerndes, junges Weib geweint, von dem der Tod deS heiß geliebten Mannes die schwere Last einer fündigen Liebe nahm. Hier hatte wenige Jahre später der trauernde Vater dir ewige Ruhe gefunden; heut stand auch da« jugendliche Frauenherz still, das an Graf Eugens Sarg mit widerstreitenden Ge­fühlen geschlagen. v

Es war die Zeit der Rosen, und die trauernde Liebe der Untergebenen, die hier das Leichenzimmer eingerichtet, hatte die Tote unter ihre Lieblingsblumen gebettet. Die Wände der Kapelle waren schwarz auSgeschlagen. Zu Häupten deS Sarges brannten, selbst am sonnenhellen Tage, Wachskerzen in silbernen Armleuchtern, das^aupt der Toten ruhte auf weißen Atlaskissen, breite Spitzen deckten fast den Sarg, das war der Leichenprunk, der der Gräfin gebührte. Dir Blumensülle hatte die Liebe

der entsprechenden Nachweisungen zu fordern, hat der Finanz­minister im Verfolg des bereits erwähnten, an das Staats­ministerium gerichteten Erlasses Sr. Majestät dcS Königs bestimmt, daß vom 1. Juli d. I. ab statt der bisher vor­geschriebenen Quartalsnachweisungen monatliche Nachwei­sungen für jeden Regierungsbezirk anzufertigen und spätestens bis zum 15. deS folgenden Monats, also zuerst für den Monat Juli bis zum 15. August d. I. einzureichen sind. Für diese Nachweisungen sind neue Muster vorgeschrieben worden. Die erste Nachweisung, welche die wegen Klassen­steuer-Rückstände erfolgten Zwangsvollstreckungen betrifft, schließt sich im wesentlichen dem bisher vorgeschriebenen Muster an, hat aber unter Wegfall der auf die Anzahl der Steuerpflichtigen bezüglichen Spalte eine Erweiterung dahin erfahren, daß noch die Angabe der Versteigerungen und der Pfändungen von Gelbforderungen hinzugefügt ist. Daö zweite Muster betrifft die bisher überhaupt nicht geforderte Nachweisung der wegen Grund-, Gebäude-, Ge­werbe- oder Einkommensteuer-Rückstände erfolgten Zwangs­vollstreckungen, und zwar gesondert, je nachdem dieselben zugleich wegen Klaffensteuer-Rückstandes stattgefunden haben und deshalb schon in der ersten Nachweisung mitgezählt sind, oder wegen Rückstände in anderen direkten Staats­steuern, ohne Verbindung mit einem Klassensteuer-Rückstande, stattgefunden haben. Die Nachweisungen umfassen nur die Zwangsvollstreckungen in das bewegliche Vermögen. Die Anzahl der in dem betreffenden Monat wegen Rückstände an direkten Staatssteuern etwa eingeleiteten Subhastationen und Sequestrationen ist, unter näherer Bezeichnung der Rückstände, in einem Begleitbericht besonders anzugeben. Von feiten der Minister des Innern und des Kultus sind bezüglich der Schulsteuer, des Schulgeldes, der Kommunal-, Kreis- und Provinzialsteuern ähnliche Anordnungen getroffen worden. Da diese Erhebungen nicht nur wichtigen, gesetz­geberischen Maßnahmen dienen, sondern auch die Grundlage fortlaufender, Sr. Majestät dem König zu erstattenden Jmmediatberichte bilden sollen, so ist den Behörden bei der Sammlung und Zusammenstellung der bezüglichen Daten die größte Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zur Pflicht gemacht, damit ein in jeder Beziehung vollständiges und zuverlässiges Material gewonnen wird. Für den ganzen Bereich der Monarchie werden, wenigstens in den ersten Monaten, möglichst ausgedehnte örtliche Revisionen durch Kommissarien der Königlichen Regierungen stattfinden, um die Sammlung des Materials für die Unterlagen und die Richtigkeit und Vollständigkeit der gelieferten Unterlagen zu prüfen. Der Bundcörat nahm in seiner heutigen Sitzung, nachdem er den Beschluß des Reichstags auf den Antrag wegen Aushebung deS Gesetzes über die Beförderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern abgelehnt hatte, die Vorlage über die Zollbehandlung des PosteingangS- verkehrs an. Ferner standen noch auf der Tagesordnung:

hier aufgehäuft, aber nicht die Gattenliebe, die sie im Leben ja nie besessen; noch hatte der Fuß dessen, dem sie auf Erden am nächsten gestanden, diesen Raum nicht betreten.

Die linke Hand der Toten hielt ein Rosenbouquet, in die rechte, die sie am Altar dem ungeliebten Gatten einst gereicht, hatte man ihr den welken Kranz gedrückt, der da­mals ihr Haupt geschmückt, jenen sinnigen Kranz, den die Jungfrau einst ersehnt, den sie getragen an dem Tage, da ihr Erdenglück für immer versank. Ruhig und friedlich waren die Züge der Leiche, verschwunden war aus den­selben der bittere Schmerzenszug, der in der Sterbestunde darauf ausgeprägt gewesen, in der sie daS Kind, das sie zurücklieS, nicht sorglos in treue, liebende Vaterarme legen konnte, in jener herben Scheidestunde, die ihr die Hand der Liebe nicht versüßte.

ES öffnete sich die Eingangöthür zur Kapelle und herein traten, in schwarzer Trauerkleidung, die Dorfbewohner; ihnen allen war sie ja eine Mutter gewesen. Wo eS in niedrer Hütte Thränen zu trocknen gab, wo Not und Sorge zu lindern war, hatte liebevoll und gütig stets die Schloß­frau eingegriffen, und so kamen sie alle, um Abschied zu nehmen von der teuren, vielbeweinten Toten. Der Graf hatte eS gestattet, nicht aus Güte und Freundlichkeit für seine Untergebenen, nein, der gräfliche Leichenprunk mußte gesehen werden. Darum, glaubte er, kommen sie alle, darum hatte er die Erlaubnis gewährt.

Wieder flössen die Thränen der Steinhausener, wie an Graf Eugens Grab, und wohl mehr als einem dieser schlichten Leute kam der Gedanke:Wie anders wäre es für uns gewesen, wenn sie als Schloßsrau an Graf Eugens Seite hier geschaltet und Gott unö dies Paar ge- laffen hätte."

ein Antrag der betreffenden AuSschüffe in betreff der Aus­führungen des ReichSstempelgesetzeS, der Ausschußbericht über Eingaben, betreffend die Auslegung deS Tarifs zu dem­selben Gesetze, Berichte über den Abschluß einer literarischen Konvention mit Frankreich, über den Abschluß eines Ab­kommens mit Oesterreich - Ungarn wegen gegenseitiger Zu­lassung von Medizinalpersonen zur Ausübung der Praxis im Grenzbezirk der Pharmacopoea Germanica.

Zu dem Rücktritt des Finanz-MinisterS Bitter schreibt dieProv.-Korresp.": Der König hat den Finanz- Minister Bitter unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers die nachgesuchte Dienstentlassung er­teilt und den Staatssekretär deö Reichs-Schatzamts, Wirk­lichen Geheimen Rat Scholz zum Staats- und Finanz­minister ernannt. Carl Hermann Bitter hat die Stufen der preußischen Beamtenlaufbahn von der ersten bis zur höchsten in regelmäßigem Schritt erstiegen. Im Jahre 1833 begann er dieselbe als Auskultator, wurde 1846 Regie­rungsrat in Frankfurt a. O. und von da nach Minden versetzt. In den Jahren 18561860 war er preußischer Bevollmächtigter für die europäische Donaukommission, wurde 1858 Geheimer RegiernngSrat und kam 1860 als Ober-Inspektor der Rheinschiffahrt nach Mannheim. Im Jahre 1869 wurde er Ober-RcgierungSrat bei der Re­gierung in Posen. Während des Krieges mit Frankreich verwaltete er die Präfektur des Vogesen-Departements und fungierte dann als Zivil-Kommissar in Nancy. Im Jahre 1872 wurde er als Negierungs-Präsident nach Schleswig,, 1876 in derselben Stellung nach Düsseldorf berufen und 1877 zum Unter-Staatssekretär im Ministerium des In­nern befördert. Im Juli 1879 ernannte ihn der König zum Finanz-Minister. Seine vierjährige Wirksamkeit in Schleswig trug wesentlich dazu bei, die partikularistisch- deutsche und die separatistisch-dänische Opposition zu be­schwichtigen. Ans der dreijährigen Wirksamkeit des Finanz­ministers ist zuerst die Beseitigung deö Defizits zu er­wähnen, welches er in einzelnen Verwaltungen nicht min­der als im Gesamthaushalt des Staates vorfand. Sodann ist der Anteil an dem Zollanschluß Hamburgs und an der Einbeziehung der Unterelbe in die Zollgrenze hervorzu­heben, einer ebenso folgenreichen, als mit technischen und politischen Schwierigkeiten verknüpften Arbeit. Hierauf ist die Verlegung des Packhofs in Berlin von der MuseumS- insel und die Ermöglichung einer neuen großartigen An­lage zu erwähnen, weil in der Durchführung dieser An­gelegenheit ein bedeutendes Verkehrsinteresse sich mit einem nicht minder bedeutenden Kunstinteresse verknüpfte. Die Freilegung der MustumSinsel soll der so wünschenswerten Ausdehnung und zugleich Konzentration der zur Aufnahme der Kunstsammlungen der Hauptstadt bestimmten Bauten dienen. Das neue Gesetz über die Pensionierung der Be­amten und nicht minder daS andere über die staatliche

Weinend, in tiefster Stille verließen die Trauernden den stillen Raum, derselbe war leer, nur einer ging nicht, ein bildhübscher Knabe von 14 Jahren, er, den die Schloß­frau mit Mutterliebe geliebt hatte, der ihre letzte Sorge gewesen war, neben ihrem verwaisten Töchterchen, er, bet in Steinhaufen unter dem Namen Reginald Leithuer lebte. War er, auch nur in ärmlichem Anzuge, dem Stande seiner Pflegeeltern gemäß, so machte er doch nicht den Ein­druck, als ob er gewöhnlicher Leute Kind sei; sein Antlitz zeigte edle, aristokratische Züge, die dunklen Augen blickten feurig unter den schwarzen Augenbraunen, daS schwarze Haar umrahmte üppig die hohe Knabenstirn und ost schüttelte er sich dasselbe, wie wild, auö den Schläfen. Still für sich hatte er immer gelebt, nie mit den Dorf­kindern gespielt,' nie sich brüderlich an den freilich zehn Jahre älteren Pflegebruder angeschlossen; aber heute vor allem blickten diese feurigen Augen tiefsinnig und ernst, und es lag auch über seinem Blick wie ein Schleier des Schmerzes. Er hatte die Schloßfrau geliebt wie eine Mutter, deren liebevolles und sogleich aristokratisch seines Wesen ihn stets angezogen, wie in ahnender Verwandtschaft, in bereit Nähe er sich immer wohler gefühlt, als bei den Menschen, mit denen er aufwuchs.

Als er zwei Jahre in Steinhausen gewesen, war er in die Dorsschule gekommen und hatte mit großer Begier ge­lernt ; besonders hatte er, als er erst vermocht, die Ge- schichtchen in der Kinderfibel gern gelesen und war damit zum Grabe der Mutter gegangen. Aber dieses Vergnügen ward ihm nicht oft gestattet, er sollte ganz für den Stand der Leute erzogen werden, unter denen er auswuchs, und in seinen Freistunden anfangen zu arbeiten.

(Fortsetzung folgt.)