Einzelbild herunterladen
 

Nlarüurg, Mittwoch, 28. Juni 1882

fg

Ak H9.

xvn L-Hrgoag

60. .

am

H

mrg,

4.

ässe.

. Euler

[1961

75.

50.

lasse, rosse, Iph.

Aus -er Borzeit.

Kirchliche Prozessionen und geistliche Spiele in Marburg.

(Fortsetzung)

6) Zur Unterdrückung der Reformation. Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen und seine Mutter Anna von Mecklenburg gehörten zu den erbittersten Gegnern der Reformation. Die Landgräfin Anna starb im Jahre 1525 als Anhängerin der alten Kirchenlehre, während ihr Sohn, Landgraf Philipp, zu ihrem größten Leivwesen sich erst heimlich und dann öffentlich zu der neuen Lehre bekannte. Wann jene Umwandlung dcö Land­grafen vor sich ging, ist nicht genau anzugeben, fällt aber, wenn nicht kurz vor, so doch in die erste Zeit seiner Ver­heiratung. Die Marburger Stadtrechnung vom Jahre 1524 erwähnt nämlich zwei in diese Zeit fallende außer­ordentliche Prozessionen zur Kirche der heiligen Elisabeth, den denen die erste Mittwochs nach Mariä Reinigung (3. Febr.), die zweite Montags nach Jubilate (16. April) i* I. stattfand, und von denen ich glaube annehmen zu dürfen, daß sie auf die reformatorischen Gesinnungen des Landgrafen Bezug haben. Daß sie irgend welche der Re- wrmation feindlich gcgenüberstehende Person, der die ver­änderten Gesinnungen des Landgrafen bekannt geworden waren, zum Urheber haben, ist mehr als wahrscheinlich, guinal der Landgraf selbst, als er -noch zu den Gegnern

Reformation gehörte, kurz nach dem Reichstage zu ILvrms am Tage des heiligen Bonisazius (5. Juni) 1521 t'lte Prozession zur Elisabethkirchc befahl, die keinen andern Zwkck fyatte, als den, die deutsche Kirchcnrcformation in 'hrem ersten Erblühen zu ersticken.

Mit der vorerwähnten Prozession am Montag nach

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Juni. Während des Aufenthalts des Reichskanzlers Fürsten von Bismarck in Varzin, wohin sich Seine Durchlaucht vorige Woche begeben hat, dürfen dem­selben weder amtliche noch nichtamtliche Schriftstücke vor- gelegt oder nachgesandt werden. Es ist deshalb auf eine Beantwortung derselben nicht zu rechnen. Durch Erlaß des Finanzministers vom 11. Juni d. I. ist den königlichen Regierungen in den Provinzen Schleswig-Holstein, Heffcn- Rassau, Westfalen, der Nheinprovinz und der Finanz- Direktion zu Hannover eine Bekanntmachung, betreffend die Prüfung der Bewerber um königliche Steuerempfänger­stellen mitgeteilt und gleichzeitig bestimmt worden, daß fortan keine definitive Anstellung eines Steuerempfängers mehr erfolgen darf, bevor nicht der Bewerber durch Ab­legung einer Prüfung seine technische Befähigung zur selb­ständigen Verwaltung einer Steuerkaffe dargethan hat oder ihm in Berücksichtigung besonderer Umstände die Ablegung der Prüfung durch den Finanzminister erlaffen ist. Der Bundesrat wird sich in der nächsten Woche bis zum Oktober vertagen. Zuvor hat er sich noch über den Ent­wurf eines Regulativs schlüssig zu machen, welches die Gewährung einer Zollerlcichterung bei der Ausfuhr von Mühlenfabrikatcn zur Ausführung des § 1 des kürzlich angenommenen bezüglichen Gesetzes betrifft. Das Regulativ umfaßt 12 Paragraphen und tritt am 1. Juli d. I. an Stelle der Bestimmungen vom 30. Mai 1880 betreffend die Gewährung einer Zollerlcichterung bei der Ausfuhr von Mühlcnfabrikaten, welche aus ausländischem Getreide her- gestellt sind. Rach § 1 des Regulativs haben Inhaber von Mühlen, welche auf gründ des Gesetzes ausländisches Getreide mit dem Anspruch auf Zollnachlaß bei der Aus­fuhr einer entsprechenden Menge von ihnen hergcstellter Mühlenfabrikate verarbeiten wollen, die Bewilligung eines

Rvge^ Ofen. .Putlih. Ihelmj, Görlitz Putlii^

lOli 102 101 101 10Ä 65 74 93' M 103

28 A 305 100 223 121.

Zu dem mit dem 1. Juli beginnenden Abonnement auf das"lll. Quartal der

Merhejsischen Zeitung

und deren Gratisbeilage

Illustriertes Sonntagsblatt

nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Post­boten) Bestellungen entgegen.

gflE* In denjenigen Ortschaften, wo Postagenturen bestehen, kann die Zeitung auf den betreffenden Bureaus abgeholt werden und kostet daun nur M. 2,50.

Bestellungen in hiesiger Stadt werden von unseren ZeitungSträgcrn und der Unterzeichneten angenommen.

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

««r». 101 z 1004 LOH 10H 1014 Ion ioi5 65 74 92$

103 100

28 74', 698 103 99

121 1234 101 995 1024

Die 3000 M. bedeuten hier nur eine allerdings ziemlich reichlich bemessene Entschädigung für die Herstellungs­kosten des Projekts. Von den 5 verliehenen dritten Prei­sen ist einer nach Dresden, 3 nach Berlin und 5 nach Hannover gefallen, aber an einen Architekten, welcher der Berliner Schule angehört und nur in zeitweilig Han­nover beim dortigen Bahnhofsbau beschäftigt ist (Hubert Stier derselbe, welchem die ersten phantasievollen Pläne zur Bebauung der hiesigen Museumsinsel zu verdanken sind). Die Meldung mehrerer Blätter, daß auch der Stadtbaurat Hobrecht, der Schöpfer der Berliner Kanali­sation mit einem Preise ausgezeichnet sei, ist entschieden unrichtig. Derselbe hat gar nicht konkurriert. Ueber die preisgekrönten Pläne der Architekten Wallot und Thiersch schreibt dieNationalzeitung":Der Thiersche Plan ist auf die koloffalen Verhältnisse des Platzes be­rechnet, auf tem der Reichslagsbau errichtet wird. Eine Höhe von dreiundzwanzig Meter ist projektiert, während die Siegessäule bis zur Gallerte neunzehn Meter Höhe hat. Auch das Innere wird uns als ebenso genial erdacht und praktisch gelungen bezeichnet. Ein System von Hallen legt sich um den Sitzungssaal herum. Die Kuppel, die auch hier nicht fehlen darf, wölbt sich indessen nicht über den Sitzungssaal selbst, sondern über der Vorhalle, dem Foyer. Der Wallotsche Entwurf zeichnet sich gegenüber der monumentalen Wucht und Majestät des Thierschen Projekts durch eine große Heiterkeit und Farbenpracht auS. Ein Palast von ungemein anmutigen Formen, klarem und einfachem Grundriß wird hier vorgeschlagen. Auch die ge­schickte und übersichtliche Verteilung der Räume wird ge­rühmt. So scheinen die Gegensätze, die hier in Frage kommen können, in den beiden Preisen einander gegenüber zu treten. Während die exzeptionelle Stellung des Thierschen Entwurfs allseitig zugegeben wird, mag sich die öffentliche Meinung wohl damit vorzugsweise beschäftigen, den Wert des Wallotschcn Entwurfs gegenüber dem seiner Berliner und anderen Konkurrenten abzuwägen." Der Garantie­fonds für die zu rekonstruierende Hygieine-AuSstellung hat bis jetzt die Höhe von nahezu 300000 M. erreicht. Der Garantiefonds der zerstörten Ausstellung betrug nur 175 000 M. Der geschäftsfühlende Ausschuß wird schon in der allernächsten Zeit in der Lage sein, über die Modi­fikationen des Ausstellungs - Statuts, sowie über den Modus der Rekonstruktion dem Zentralkomitee bestimmte Vorschläge zu machen.

Als Gast Sr. Majestät des Kaisers weilt gegen­wärtig ein in besonderer Mission von Sr. Majestät dem Sultan Abdul Hamid entsandter militärischer Großwürden­träger der Türkei in Berlin, an dessen Person sich ein be­sonderes Interesse knüpft. Generallieutenant v. DrigalSki Pascha, Generaladjutant dcö genannten SouverainS, im

Heinrich III. im Jahre 1473 während deS kölnischen StistS- krieges angeordneten Prozession und Wallfahrt nach WehrS- hausen wurde den Baldachinträgern und anderen, welche die Zünfte mit ihren Kerzen zur Teilnahme an der Pro­zession hatten auffordern müssen, ein Gelage auf Rechnung der Stadtkasse gegeben.

Regelmäßig wiederkehrende Prozessionen unter Vorher­tragung des heil. Sakramentes fanocn am Tage der Him­melfahrt Christi, am Fronleichnamstage und seit dem Jahre 1494 auch am Sonntag nach Fronleichnam in Marburg statt^ Ausgangs- und Endpunkt dieser Prozessionen war die Stadt-Pfarrkirche. Am Tage der Himmelfahrt bewegte sich die Prozession durch die Stadt und zuweilen auch durch die Klöster, am Fronleichnamstage und am Sonntag dar­nach nahm sie ihren Weg zum Kalbsthor hinaus, ging durch den grünen Hain um das Schloß, den Leckerberg und Klingelbcrg (Steinweg) herunter, in die St. Elisabeth- kirche und von da zurück durch die Stadt und durch die Klöster; zeitweise wurden auch die Vorstädte berührt. An den zuletzt genannten Tagen waren die Straßen, durch welche die Prozession sich bewegte, mit grünen Maibüschen geschmückt, mit Blumen bestreut, und die Häuser der Notablen mit kostbar gewirkten Teppichen behangen. An der Prozession am FronlcichnamStage beteiligten sich jedeSmal die Insassen der Klöster. gFortsehung folgt.)

zu den besten Einnahmequellen der Stadt, da der Verbrauch des­selben ein ganz bedeutender war. War bei einem Weinzapfer ein Stückfaß Rheinwein oder Elsässer angekommen, dann machte dieser, bevor er den Wein in Zapf nahm, Anzeige bei der Stadt, worauf die Herren des Rates in der betreffenden Weinschenke er­schienen, den Wein probierten und den Verlaufspreis bestimmten. Das Weinquantum, welches bei einer solchen Gelegenheit ge­trunken wurde, ging aber nicht auf Rechnung des WirtcS, sondern auf Rechnung der Stadtkaffe.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sch« Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendoi kin Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: G. Schlotte in Bremen.

an,eigen nimmt entgegen: ^Expedition d.Blattes, gnoied-Annoncen-Bureaux Th. Dietrich u. Go. in eaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ßaafenftein u. Vogler in irantfurt a. M., Berlin, s.jnzig, Köln ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank- $ 1 furt a. M. re.

Zollkontos für das zu verarbeitende ausländische Getreide bet dem Hauptamt zu beantragen, wobei genaue Angaben über die zu verarbeitenden Getreidearten, die herzustellendcn Fabrikate, die Lagerräume für Getreide und für Fabrikate, die Fabrikationsanlage und die Art des Betriebes zu machen sind. Nach Bewilligung des Antrags sind Aenderungen hierin nur nach vorheriger Anzeige zulässig. Der Ausfuhr der Mühlenfabrikate steht die Niederlcgung der letzteren in einer Zollniederlage unter amtlichem Mitverschlnß gleich. Die übrigen Paragraphen ordnen das AuSführungsver-x fahren. Unter andcrm dürfen nur in der betr. Mühle hergestellte Mühlenfabrikate zur Ausgangsabfertigung her- gestellt werden. Die Direktivbehördc kann anordnen, daß Abfertigungen über Mengen unter 2000 kg und, wenn sich am Orte der Mühlenanlage eine Hebestelle nicht be­findet, über Mengen unter 10060 kg nicht vorgenommcn werden. Zuwiderhandlungen werden mit einer Ordnungs­strafe bis zu 250 M. geahndet. Gar viele Hoffnungen sind am Sonnabend durch die Entscheidung der Parlaments­gebäude-Jury vernichtet worden. Von beinahe 200 einge­sandten Plänen konnten programmgemäß nur 10 mit Preisen bedacht werden, cs scheint aber beinahe, als ob die Jury unter den übrigen nur noch 6 des Ankaufs durch das Reich würdig gehalten hätte, wofür ihr noch 20000 M., das heißt für 10 Entwürfe je 2000 Mark, zu Gebote standen. WaS die Preisverleihung selbst betrifft, so ist sie keineswegs ein Triumph für die Berliner Schule, welche Großes erhoffte, und geradezu eine Niederlage für diejenige Richtung, welche von den Staatsbau­beamten alles Heil erwartet. Die Privatbauindustrie hat glänzend gesiegt und mehrere bisher ungenannte jüngere Privatarchitekten haben über Nacht einen Namen gewonnen. Es gilt das nicht von den beiden mit dem ersten Preise Gekrönten. Herr Wallot aus Frankfurt hat schon bei der Bewerbung um das Kollegiengebäude der Straßburger Universität einen Preis davongctragen und man sagt uns, daß er in seiner Heimatstadt die Privatbauthätigkeit in hervorragender Weise bestimme. Von Herrn Thiersch aus München haben wir gehört, daß er beim Frankfurter Theaterbau nicht erfolglos konkurriert habe und in ganz Bayern außerordentlich gut angeschrieben stehe. Die Ber­liner kommen erst in zweiter Reihe: sämtliche zweite Preise sind nach Berlin gefallen, aber alle an Privatarchitekten, obgleich eS feststeht, daß sich viele Staatsbaubcamte bei der Konkurrenz beteiligt haben. Kayser und v. Großhcim haben schon bei dem ersten ReichstagSgebäudeprojckt einen zweiten Preis erworben, aber Cremer und Wolffenstcin, sowie Heinr. Seeling sind bisher unbekannte jüngere Kräfte. Während bei den ersten und zweiten Preisen neben der Ehre noch ein namhafter Geldgewinn zu verzeichnen ist, tritt dieser Gesichtspunkt bei den dritten Preisen zurück.

.Jubilate 1524 hatten die außerordentlichen Prozessionen ein für allemal in Marburg ein Ende. Im Laufe dcö Frühlings j. I. folgte Landgraf Philipp einer Einladung zu einer Zusammenkunft reformatorisch gesinnter Fürsten nach Heidelberg, mit welcher zugleich ein Armbrustschießen verbunden war, und wohin ihm zwei Marburger Bürger, Peter Armbruster und Christoph Helffmann, Armbrust­schützen, die auf Befehl deö Landgrafen mit Rock, Hose und Wams auf Rechnung der Stadt Marburg gekleidet worden waren, folgten. Auf dieser Reise lernte Landgraf Philipp Melanchthon persönlich kennen. Von Heidelberg nach Marburg zurückgekehrt, beurkundete Landgraf Philipp alsbald öffentlich durch verschiedene aufeinander folgende Erlasse seinen Anschluß an Luthers Kirchenreformation. Der Einführung der Reformation in Hessen selbst ging der Beschluß der Hemberger Synode im Oktober des Jahres 1526 voraus. Die Einführung derselben in der hiesigen Pfarrkirche geschah am 31. Mai 1527 und in der St. Elisa- bcthkirche am 18. Mai 1539.

Mit den Prozessionen waren in der Regel Ausgaben für die Stadtkaffe veröunden; nur sehr vereinzelt findet sich in den Stadtrechnungen die Bemerkung,diesmal hat nie­mand etwas erhalten". Die Spielleute (Pfeiffer, später Trompeter und' zuletzt Lautenschläger), Kerzenträger und die Köche im Pfarrhofe, wenn nach der Prozession eine Mahlzeit daselbst stattfand, wurden mit Geldgeschenken, während der Stadtpfarrer und seine 4 Kapläne, die Fran­ziskaner, Dominikaner und Kugelherren und die Viere, welche den Baldachin über dem Sakrament trugen, Wcin- präsente*) erhielten. Bei der auf Geheiß des Landgrafen

*) Trotz der schlechten Fahrstraßen und des mangelhaften Fuhrwerkes, sehlle es in jener Zeit nie an fremden Weinen in Marburg. Die Abgaben von der Einfuhr solcher gehörten mit

cker,

>e 958.

mschim Schützen- lbzugeba [1963

el Sonn­gen.

2 Tr.

uerthor

n. 3 [1888

Mutig zu Abends- [1877 rtm.

«ui: icerl ipcllt.

hl> lins.

e Faun Zimmern, i. Angus! Elisabeth- [1880

e unten eli ander- ist bei

Dey.

bewohnie »er ander-