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Marburg, Sonntag, 25. Juni 1882

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Nähe der westlichen Stadtmauer hatten sich mit Genehmigung des Landgrafen Heinrich III. von Oberhcssen (f 1483) die Brüder des gemeinsamen Lebens (Kogclherrn) ein Konvcntshaus und eine Kirche erbaut. In der Wcttcr- gasse stand die Gottcshilfe oder das Herrgottshaus. Die Häuser Nr. 122 neben dem Pfarrkirchhof und Nr. 174 in der Untergasse bewohnten nach einander Franziskanerinnen nach der 3. Regel St. FranziSki genannt vom Hause Nazareth, welche sich mit ihrer Hände Arbeit ernährten, Wachskerzen verfertigten und die Kranken in der Stadt pflegten.

Außerhalb der Stadtmauer stand auf der hohen Terrasse neben dem Hause Nr. 560 am Bilchenstein eine Klause von Franziskanern bewohnt, welche gleich den Franziskanerinnen nach der 3. Regel des heiligen Franziskus lebten. Am obcrn Ende oer Ketzerbach unter dem Weinberg lag der von der Landgräfin Agnes, Witwe des Burggrafen Johannes von Nürnberg, im Anfang des 14. Jahrhunderts erbaute sogenannte Nürnberger Hof, den sie dem deutschen Orden geschenkt hatte und in welchem kranke Ordensschwestern verpflegt wurden. Am südöstlichen Abhange des Wein­berges, inmitten des für die in Marburg zum Grabe der heiligen Elisabeth wallfahrenden aber verstorbenen Pilger angelegten Totenhofcs, erbauten die deutschen Herren im Jahre 1268 die St. Michaelskapclle, und auf dem Gebiete des deutschen Ordens ließen dieselben Herren innerhalb 50 Jahren die St. Elisabethkirche, das St. Elisabethhospital und die Jnfirmane für kranke Ordensbrüder nebst den dazu gehörigen Kapellen sich erheben.

Am jenseitigen Ufer der Lahn liegen die auS dem Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts stammenden beiden Siechenhöfe; der obere war für Männer, der untere war

Mehrbelastung sein, wenn Deutschland allein von dem aus­ländischen Getreide lebte und an der eingeführten Menge von etwa 2030 Millionen Zentner genug hätte. ES produziert und verbraucht außerdem aber noch wir wollen einfache Durchschnittszahlen nehmen etwa 200 Mill. Zentner Getreide. Diese sind aber keineswegs abgabenfrei und sehr würde man sich irren, wenn man glaubte, daß man, indem man Brot ißt, hiermit keinerlei direkte Abgaben entrichtet. Die Landwirtschaft ist etwa mit 200 Millionen Mark direkter Abgaben belastet; dieselbe kann diese Summe nur bezahlen, wenn sie beim Verkauf ihrer Produkte den Preis, um die nötige Summe aufschlägt, sie wird also ungefähr mit 1 Mark den Zentner Getreide belasten müssen, um die 200 Millionen Mark Steuern aufbringen zu können. Von den 200 Millionen Zentner inländischen Getreides, welche jährlich in Deutschland verzehrt werden, kommen auf den Kopf mehr alö 4 Zentner, mithin mehr als 4 Mark der direkten Steuern, welche der Landmann zu bezahlen hat, wahrend man nur 30 Pfennig für den Konsum des ausländischen Getreides an jährlichen Abgaben bezahlt.

Es ist hier stillschweigend zugegeben oder vorausgesetzt worden, daß das Inland den Zoll trägt, und nicht das Ausland. Aber auch wenn dies wirklich so wäre, spricht die verschiedenartige Belastung des in- und ausländischen Getreides dafür, daß die direkten Steuern, die auf der Landwirtschaft lasten, eher erniedrigt werden müssen, als daß der kaum in betracht kommende Getrcidezoll abgeschafft wird.

Der arme Mann, welcher durch den Zoll in seiner Existenz bedroht sein soll, wird vermutlich nicht allein von dem ausländischen Getreide leben und so den ganzen Zoll tragen. Viel richtiger ist es anzunehmen, daß er, indem er sein Brot verzehrt, hiermit jährlich 4 Mark der ein­heimischen Landwirtschaft zur Bezahlung der direkten Steuern zuwendet. Diese allein verteuern dem armen Manne das Brot.

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Die Getreidezölle.

Mit der Zollreform hat Deutschland die Absicht ver­folgt, dem nationalen Gewerbe, auf welchem hohe Abgaben im Innern liegen, Schutz angedeihcn zu lassen gegen die Uebermacht ausländischer Produkte, welche ohne von irgend welchen Abgaben belastet zu sein, auf dem deutschen Markt den Erzeugnissen unserer Gewerbe schwere Konkurrenz machen. Das war auch der Zweck der Getreidezölle.

Die freihändlerische Partei sieht nun in der Belastung der Lebensmittel eine Schädigung namentlich der arbeitenden Klassen und sucht die Wirkung dieses Zolles ins Unge- meffene zu übertreiben. Der Getreidezoll hat aber auf den Getreidcpreis so wenig Einfluß, daß dieser Preis im Zoll­ausland, z. B. in Hamburg, ebenso hoch oder höher ist wie in Nürnberg. Ferner unterliegt schon an sich der Ge­treidepreis den erheblichsten Schwankungen auf dem Welt­markt, so daß der Zoll dabei wenig in betracht kommt. Der Brotpreis aber schwankt viel weniger als der Getreide­preis; mit einer Ermäßigung des Getreidepreises ist keines­wegs in demselben Maße ein Fallen des Brotpreises ver­bunden, und so verhält es sich auch umgekehrt.

Der Getrcidezoll bringt vielleicht daher der deutschen Landwirtschaft auch noch nicht den genügenden Schutz; er hat die Einfuhr vom Osten her nicht verringert. Wohl aber ist er als eine Maßregel der ausgleichcnden Gerech­tigkeit zu betrachten und selbst zu schützen. Diesen Punkt hat Fürst Bismarck neulich in seiner Rede vom 12. Juni besonders betont und dabei überzeugend nachgewiesen, daß der Zoll nicht die Wirkung haben kann, die ihm die frei­händlerische Partei geflissentlich andichtet.

Im ganzen wir folgen hierbei dem Gedankengange der Rede des Kanzlers nimmt Deutschland jährlich 24 Millionen Mark an Kornzoll ein. Es kommt also 1 Mark Zoll auf 3 Einwohner, auf einen Einwohner durchschnittlich 30 Pfennig jährlich. So hoch würde die

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Aus -er Vorzeit.

Kirchliche Prozessionen und geistliche SpieleinMarburg.

Keine zweite Stadt in Hessen kann sich rühmen, eine solche große Anzahl schöner Kirchen und Kapellen, Klöster und klösterlicher Anstalten, sowie Stätten zur Aufnahme und Verpflegung Armer und Kranker, Reisender und Pilger im Mittelalter besessen zu haben, als unser Mar­burg. Nach dieser Seite hin hätte aber Marburg nie einen solchen Aufschwung genommen, wenn die Landgräfin Elisabeth, die Stammmutter des hessischen Fürstenhauses, durch ihr an Frömmigkeit, Nächi-enliebe und Wohlthun überaus reiches Leben nicht ein so schönes nachahmungs­würdiges Vorbild dem hiesigen Orte hinterlassen hätte, wo sie starb und als eine Heilige verehrt wurde. Schenken wir diesen Bauten einige Aufmerksamkeit.

Innerhalb der Stadtmauer, am südlichen Abhange des SchloßbergeS, hervorragend vor allen übrigen Gebäuden der Stadt, erhob sich die zur Ehre der heiligen Jungfrau Maria erbaute, aus verschiedenen Zeiten stammende Stadt- Pfarrkirche, umkleidet von einer hohen Terrasse und um­geben von ihren Appertinenzien, dem Kerner mit seiner heiligen Kreuzkapelle, dem Liebfrauenhäuschen auf dem Pfarrkirchhofe und dem Kilian, der alten Pfarrkirche, dem ältesten Gebäude der Stadt. Am südwestlichen Ende von Marburg hatte Landgraf Konrad von Thüringen (f 1240) den hiesigen FranziSkanermönchen ein Kloster und daneben eine Kirche erbaut. Um daS Jahr 1290 hatte Landgraf Hein­rich I. von Hessen Dominikanermönchen gestattet, sich an der Südvstseite der Stadt, unter teilweiser Benutzung der Stadt- Muer ein Kloster und eine Kirche zu erbauen. In der

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. Juni. Auf der Tagesordnung der heu­tigen Bundesrats - Sitzung standen zunächst Mitteilungen über Beschlüsse des Reichstags. ES folgte dann eine Vor­lage, betreffend den Entwurf eines Regulativs über Zoll­erleichterung bei der Ausfuhr von Mühlenfabrikaten. Den Beschluß machten mündliche Berichte über Eingaben und über den früher mitgeteilten Antrag Badens auf Einreihung der Nitrocellulose- und der Kunstwolle-Fabriken unter die genehmigungspflichtigen Gewerbeanlagen. Da es für die landwirtschaftliche Verwaltung von der größten Wich­tigkeit ist, über die gegenwärtigen bäuerlichen Besitz, und Wohlstands Verhältnisse in möglichst zuverlässiger Weise orientiert zu bleiben, so hat der Minister der Landwirt­schaft in einer Verfügung an die landwirtschaftlichen Vereine

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von den Vorständen derselben bis Ende November Berichte über die folgenden Fragen cingefordert: Ist eine besondere Höhe oder schnelle Zunahme der Verschuldung des länd­lichen Grundbesitzes in den letzten Jahren wahrzunehmen? Wenn dies der Fall, in welchen Gegenden, bis zu welcher Höhe und aus welchen Ursachen? (Erbteilung, schlechte Wirtschaft, zu geringes Betriebskapital, zu teurer Ankauf, schlechte Ernten, Viehsterben u. s. w.) Haben häufige Subhastationen ländlicher Grundstücke stattgefunden? Sind größere und mittlere Güter und Bauernhöfe mehrfach von den bisherigen Besitzern parzelliert oder durch gewerbS, mäßige Unternehmer ausgeschlachtet worden? Sind die betreffenden Parzellen mehr zur Arrondierung des größeren und mittleren Besitzes oder zur Etablierung kleinerer Wirt­schaften oder Häuslerstellen benutzt worden? Die Er­mittelungen sollen in den verschiedenen Kreisen durch ge­eignete Persönlichkeiten vorgcnommen werden, welche sich dieser Arbeit freiwillig unterziehen wollen, und nur, so weit es ohne lästiges Eindringen in Privatverhältnisse möglich ist. Auf die dem Reichskanzler erstattete Anzeige von der Konstituierung eines konservativen Provinzialvereins für Pommern ist an den Vorsitzenden der konstituierenden Versammlung, Herrn v. Below-Saleske unterm 17. d. Mts. folgendes, von derP. V. Z." ver­öffentlichtes Antwortschreiben eingegangen:Es hat mich gefreut, aus Euer Hochwohlgeboren Telegramm vom 15. d- Mts. zu ersehen, daß die Konservativen in Pommern die Organisation ihrer Partei auf dem Wege der Vereins­bildung in angriff genommen haben, und hoffe ich, daß dieses Beispiel Nachahmung finden wird. Erst wenn es den gemäßigten Parteien gelungen sein wird, ihre Organi­sation auf gleiche Höhe mit der ihrer Gegner zu bringen, werden die Wahlen den richtigen Ausdruck der Gesin­nung des Volkes liefern können. Eurer Hochwohlgeboren und Ihren Herren Auftraggebern danke ich verbindlichst. von Bismarck. DieGermania" erfährt positiv, bisher sei an den Bischof Blum von Limburg weder direkt noch indirekt von der Kurie oder von der preußischen Re­gierung irgendwelche Mitteilung über dessen staatliche Wiederanerkennung oder überhaupt über die Lage der kirchenpolitischen Verhandlungen zugegangen. Deshalb sei die Nachricht falsch, nach welcher der Bischof bereits von der Regierung befragt worden sein sollte, wie er seinen Einzug in Limburg zu halten gedenke. DieKreuzztg." meint, daß der eigentliche Grund des Rücktritts des Finanz­ministers Bitter in der ohne seine Mitwirkung erlassenen allerhöchsten Ordre über die künftige Behandlung der Finanz­angelegenheiten zu finden sein möchte. In diesem unge­wöhnlichen Vorgänge scheint allerdings eine so deutliche Vernachlässigung deö Ressortministers zu liegen, daß der­selbe allein hinreichen würde, um den gethanenen Schritt zu erklären, auch wenn es sich nicht bestätigte, was, wie

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für Frauen bestimmt; letzterer nach dem Schutzpatron der Leprosen oder Aussätzigen St. Jost'S Hof genannt. Auf der Brücke vor Weidenhausen stand eine heilige Kreuzkapelle und eine zweite da, wo der Weg von der Landstraße nach Ockershausen abgeht, und unfern davon an dem Wege, der nach dem Rodenberg führt, stand St. NiklaS, wahrschein­lich ein kleines Hospital, in welchem auswärtige mit dem Aussatz behaftete Kranke Aufnahme fanden. In Weiden­hausen war das Gotteshaus oder daS Hospital St. Jakob, eine Herberge für arme Reisende und Pilger, erbaut worden. Hoch über allen Gebäuden und Anstalten erhob sich die von Landgraf Heinrich I. (f 1308) erbaute Schloß­kapelle.

Den vielen Kirchen und Kapellen entsprach eine große Anzahl Ordens- und Weltgeistlichen, welche diese bedienten. Fast in allen Kirchen und Kapellen war täglich zu ver­schiedenen Zeiten Gottesdienst: Mette, Hochmesse und Vesper. Die Altaristen an der Schloßkapelle waren Welt­priester. In den Klosterkirchen fungierten Klostergeistliche und in der Pfarr- und St. Elisabethkirche und in deren Appertinentien Deutschordens-Priesterbrüder.

Im Laufe der Zeit hatten sich reiche Kultusformen im christlichen Gottesdienste entwickelt, welche ihren Höhepunkt erreichten, als im Jahr 1311 durch einen Beschluß der Kirchenversammlung zu Vienne der christliche Festcyklus in der abendländischen Kirche durch Einschiebung des Frohn- leichnamSfestes auf den Donnerstag nach den Oktaven deS Pfingstfestes eine Erweiterung erhielt, deffen Endzweck war, dem im geweihten Brote gegenwärtigen Erlöser eine be­sondere Verehrung zu widmen.

(Fortsetzung folgt.)