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JTTarßurg, Sonnabend, 24. Juni 1882

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von Ostern 1883 an zur Geltung kommen sollen. In der Prüfung der (humanistischen) Gymnasien tritt an Stelle der schriftlichen Uebersetzung aus dem Deutschen in das Griechische eine solche aus dem Griechischen in das Deutsche; sonst ist keine erhebliche Aenderung zu bemerken. Namhafter sind die Aenderungen in der Prüfungsordnung für die Realgymnasien. Hier fällt die schriftliche Ausar­beitung in der Chemie und der englische Aufsatz fortan ganz fort und tritt eine schriftliche Uebersetzung aus dem Lateinischen in das Deutsche neu hinzu. Während bisher nach dem Belieben des Königl. Kommissars ein französischer Aufsatz neben einem englischen Exercitium, oder ein eng­lischer Aufsatz neben einem französischen Exercitium gelie­fert werden mußte, ist jetzt sestgestellt, daß im Französischen (entsprechend dem Lateinischen im Gymnasium) immer ein Aufsatz und ein Exercitium, im Englischen aber nur ein Exercitium geschrieben werden muß. Das lateinische Exer­citium verbleibt ebenso wie die Prüfung in der Geographie der Versetzungsprüfung von Obersekunda nach Prima, während die Prüfung in der Botanik und Zoologie, die bisher gleichfalls bei der Versetzung nach Prima stattfand, die Versetzung aus Untersekunda nach Obersekunda zurückverlegt wird. Allen Gattungen von höheren Lehr­anstalten gemeinsam ist der Wegfall deS bisher geforderten zusammenhängenden historischen Vortrags", weil diese- Erfordernis, wie es in der Zirkularverfügung heißt, er­fahrungsmäßig auf die Gestaltung des Unterrichts in den obersten Klassen oder auf eine spezielle Vorbereitung für die Prüfung einen nachteiligen Einfluß ausgeübt hat. Im übrigen sollen die den Lehrplänen beigegebenen Erläu­terungen das Maß der in der Reifeprüfung zu stellenden Forderungen bestimmen.

lieber die gegen den Obersteuermann Meiling schwebende Untersuchung bringt dasKleine Journal" einige Notizen, in denen es u. a. heißt: Der Obersteuermann Meiling war zunächst nicht in dem Bureau der Admiralität, sondern in dem derselben unterstellten hydrographischen Amt beschäftigt worden, war demzufolge auch ganz außer Stande, zu den in der Admiralität allerdings aufbewahrien Plänen der vollendeten Küstenbefestigungen zu gelangen. DaS hydrographische Amt ist die Zentralstelle für die in ganz Deutschland vorgenommenen meteorologischen Beobachtungen, für die Vermessungen der Wassertiefen der Ost- und Nord­see, für die Untersuchung der Beschaffenheit und Gestaltung der deutschen Küsten re Einzig und allein über Gegen­stände dieser Art vermochte Meiling Kenntnis zu erlangen und Mitteilungen zu machen. Nun werden diese zwar früher oder später zum Nutzen und Gebrauch der eigenen, wie auch fremden Seefahrer der Oeffentlichkeit übergeben und, damit eine voreilige Verwertung nicht Nachteile für die Seefahrt verursachen kann, nur so lange geheim ge­halten, bis die Resultate mit möglichster Genauigkeit fest«

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJttustrirteS SouutaaSblatt" durch die Expedition (« o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2'/t Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 22. Juni. DerReichsanzeiger" meldet: Das Staatsministerium beschloß, die Wiederaufnahme der ein­gestellt gewesenen Staatsleistungen für den Umfang des preußischen Anteils der Diözese Freiburg anzuordnen. DerReichsanzeiger" veröffentlicht eine Anordnung des sächsischen Gesamtministeriums, betreffend die einjährige Verlängerung des kleinen Belagerungszustandes für die Stadt Leipzig vom 29. Juni ab. Die zu dem preu­ßischen Pensionsgesetze unterm 31. März d. I. erschienene Novelle mit ihren höhern Pensionssätzen hat schon bei der Beratung Anlaß zu Anträgen um Ausdehnung der Be­stimmungen der Novelle aus Gemeindebeamte gegeben, auf welche sie ihrem Sinne und Wortlaute nach keine Anwen­dung findet. Infolge jener Anregungen und vielfach laut gewordener Wünsche hat nunmehr der Minister des Innern ein Rundschreiben an die Oberprästdenten gerichtet und sie darin um Auskunft ersucht, ob insbesondere in den großen Städten der Wunsch nach Ausdehnung der Novelle auf Gemeindebeamte sich äußert und ob bei Neuanstellungen der letzteren die Bestimmungen der Novelle ganz oder teil­weise sich geltend gemacht. Die Berichte der Oberpräst­denten werden von dem Minister bis gegen Ende August d. I. mit ihrem Gutachten erwartet, ob cS zweckmäßig sein möchte, die Bestimmungen der Novelle vom 31. März d. I. sinn­gemäß aus Gemeindebeamte durch ein Gesetz zu erstrecken. Betreffs der Einziehung der Prüfungsgebühren bei den Prüfungen der Lehrer an Mittelschulen und der Rektoren hat der Unterrichtsminister in Ergänzung der diesfälligen Bestimmungen angeordnet, daß die Prüfungsgebühren seitens der Prüfungskommission bereits bei dem die Annahmen der Meldung erklärenden Bescheide, bezw. bei Zustellung der Aufgabe für die häusliche Arbeit eingezogen werden; daß, wenn ein Examinand innerhalb der gestellten Frist oder Nachfrist die häusliche schriftliche Arbeit nicht einge-

Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Schluß.)

Am anderen Tage, eine halbe Stunde vor der wahrschein­lichen Ankunft der Baroneß Gisela stiegen der Baron Andreas und seine Tochter Gertrud, begleitet von einer Anzahl Gutsbeamten, zu Pferde, um der neuen Gutsherrin daö Ehrengeleit zu geben. Alle waren mit festlichen Kleidern angethan und die liebenswürdige und jugendlich reizende Baroneß Gertrud hielt in der zierlichen linken Hand e nen Blumenstrauß, welchem die besten Blumen des Treibhauses zum Opfer gefallen waren und der in seinen Farben vornehmlich blau, rot und grün auf symbolische Weise den allen Wahrspruch der Versöhnung:Glaube, Liebe, Hoffnung" darstellte.

Ein Reiter war weit vorauSgeeilt, um die ankommende neue Gutsherrin zu erspähen und kam nach kaum einer Viertelstunde mit der Meldung zurück, daß der Wagen derselben nahe. Der Baron Andreas von Swoboda und feine Tochter, die Baroneß Gertrud, spielten ihre Rollen meisterhaft.

Sie ritten ihrer Begleitung jetzt auf circa hundert Schritt voraus und näherten sich mit vollkommener Unbe­fangenheit dem nahenden Wagen, in welchem nicht nur die Varoneß Gisela, sondern auch deren Vater, der Bankier Nepomuck und ferner der Herr von Burgstedt und Seyfried faßen.

Der Wagen hielt, der Baron Andreas stieg vom Pferde, nahte sich ehrerbietig der Baroneß Gisela, machte eine tiefe Verbeugung und stellte sich als den früheren Besitzer der

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Die Expedition der Oberhess. Ztg.

Wartung, die bald in Erfüllung ging. Beide Damen hatten eben ihre Gesellschaftstoilette beendigt, als sich Besuch an­meldete. Es waren die Baroneß von Swoboda und ihr Sohn Baron Curt, hinter beiden zeigte sich aber auch der Baron Andreas und der Bankier Nepomuck. Baron Curt schritt in sichtbarer Aufregung auf die Baroneß Gisela los, beugte graziös vor ihr ein Knie und bat sie inständigst um Verzeihung.

Baroneß Gisela hob ihren Gemahl zärtlich auf und war vor holdseliger Verwirrung keines Wortes mächtig. Dir Baroneß von Swoboda, die Mutter des Baron Curt, eilte nun auch herbei, bedeckte die Hand ihrer Schwiegertochter mit Küssen und bat sie gleichzeitig um Verzeihung. Die Gefühle der Versöhnung und der neu erweckten Freund­schaft zu schildern, wären Worte vergeblich, es bewährte sich glänzend der alte Spruch:Freundliche« Zutrauen erweckt Zutrauen und Liebe erzeugt Gegenliebe."

Der Brief der Baroneß Gertrud an die Baroneß Gisela hatte, wie sich später herausstellte, den Anfang zur Versöhnung zwischen den Familien Nepomuck und Swoboda eingeleitet. Gisela hatte in ihrer Hochherzigkeit beschlossen, die Familie Swoboda zu retten und mit dem Danke die Liebe de« Gemahls wieder zu gewinnen, was um so leichter war, da die Erkenntnis schon längst Int Herzen des Barons eingezogen war. Der Vater der Baroneß Gisela hatte, obwohl er die Ausführung seiner Rache fest im Sinne hatte, die Bitten der einzigen, zärtlich geliebten Tochter schließlich doch erfüllt, zumal er erkannte, daß eine auf­richtige Versöhnung Giselas mit dem Baron Curt der ein­zige Weg zu ihrem wahren Glücke sein würde.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Sa. in Frankfurt a. M.; JLgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendat kin Berlin; W. Thiene- in Elberfeld: S. Schlotte in Bremen.

e-.-iaen nimmt entgegen: ^Exp°diti°n d. Blattes, l» wie d.Annoncen-Bureaux 1 xh. Dietrich u. Co. in saffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Oaasenstein u. Vogler in Zrankfurt a. M-, Berlin, Leipzig, Köln rc.; Rudolf Moise in Berlin, Frank- S furl a. M. rc.

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reicht hat, die gestellte Aufgabe erlischt und damit zugleich die eingezahlten Gebühren verfallen; die gleichen Folgen hinsichtlich des Verfallens der Prüfungsgebühren sollen auch etntretcn, wenn ein Examinand nach rechtzeitiger Einliefe­rung der Arbeit, doch ohne genügende Entschuldigung zu der mündlichen Prüfung an dem festgesetzten Termine nicht erscheint. Wie bereits früher gemeldet, hatte der Heraus­geber der hiesigen klinischen Wochenschrift, Pros. vr. Ewald, auf den Herd von Epidemieen aufmerksam gemacht, welcher aus der in Galizien stattfindenden massenhaften Ansamm­lung russischer Auswanderer und Flüchtlinge sich bilden könnte. Auf des Genannten Anregung sind denn auch amtliche ärztliche Berichte aus Brody eingegangeu, welche ergeben, daß eine solche Gefahr vorerst nicht zu befürchten sei. In Preußen sind jetzt auf den größeren Stationen, welche die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland passieren, insbesondere aber hier in Berlin, freiwillig - ärztliche Bera­tungen und Untersuchungen eingerichtet, mittels deren die Kranken, Maroden und Verdächtigen ausgesondert und entweder einem Krankenhause oder einem eigens zu diesem Zweck vorhandenen, mit DesinfektionL-, Bade- u. s. w. Vor­richtungen versehenen großen Asyl zugeführt werden. Das erwähnte Fachblatt setzt hinzu, daß, wenn auch durch alle diese Maßnahmen die die Zusammenhäufung von 14000 Menschen mit sich bringende Gefahr keineswegs aus der Welt geschafft sei, zumal der Zustand der Flüchtlinge höchst trauriger Art bleibe, so gehe doch auö dem Vorstehenden hervor, daß von allen Seiten eifrigst und hoffentlich auch erfolgreich daran gearbeitet werde, der Gefahr zu begegnen. In der veröffentlichten Denkschrift über die Flußregulierung heißt es betreffs Hessen Nassaus:In Hessen-Nassau sind die kleinen Flüsse durchweg Berggewässer mit zumeist grobem Geschiebe, starkem Gefälle und hochaufgeschlemmten Ufern. ES verläuft fast keine Hochflut, ohne beträchtliche Schäden zurückzulassen. Fast in sämtlichen Gewässern sind beklagenswerte Zustände eingetreten. Nicht selten sollen bauverpflichtete Anlieger auf das belastete Grundstück ver­zichten, um sich der Baulast zu entziehen. Im Regierungs­bezirk Wiesbaden liegen die Verhältniffe etwas günstiger, weil sich dort weniger die bewegliche Thalsubstanz findet, als im vormaligen Kurhessen. Nichtsdestoweniger liegt auch dort der Flußbau in den Tählern der Lahn, der Edder, des NehbachS und der Nidda noch sehr im Argen. Der Ausschuß der Hygieine-AuSstellung beschloß, im Mai 1883 die neue Ausstellung zu eröffnen.

Den neuen Lehrplänen für die höheren Schulen in Preußen ist nun auch die Ordnung der Entlassungs­prüfungen gefolgt. Die bezüglichen Vorschriften sind den Königl. Provinzial-Schulkollegien mit einer Zirkularver­fügung des Kultusministers vom 27. Mai d. I. zuge­gangen und jetzt auch veröffentlicht. Aus der Verfügung geht hervor, daß die Bestimmungen der Prüfungsordnung Swobodafchen Güter vor. Dann nahte sich auch unter freundlichen Grüßen die Baroneß Gertrud, die der Baron Andreas als feine Tochter vorstellte, und indem darauf Baroneß Gertrud ihr Pferd dicht an den Wagen heran- drängte und sich geschickt herabbeugte, überreichte sie der Baroneß Gisela unter herzlichen Glückwünschen zu ihrer Ankunft den Blumenstrauß.

Baroneß Gisela dankte verbindlichst und die Insassen des Wagens begrüßten dann auch höflich den Baron Andreas und dessen Tochter. Als vollendeter Kavalier fragte dann der Baron Andreas die Baroneß Gisela, ob es ihm erlaubt wäre, die Herrschaften zu führen und nachdem ihm dies freundlich gestattet war, ritten der Baron Andreas und Baroneß Gertrud an der Spitze des Wagens und die üb­rige berittene Begleitung folgte. Mit Böllerschüssen und Jubelrufen wurde kurze Zeit darauf der Wagen im Guts­hofe von den zahlreichen Beamten und Bediensteten em­pfangen und waren die Insassen des Wagens, zumal Ba­roneß Gisela und ihr Vater sehr angenehm davon berührt; der zu drastischen Witzen geneigte Bankier Nepomuck äußerte sogar, daß jetzt eine angenehmere Luft aus den Swoboda- schen Gütern wehe, als bei seinem früheren Besuche. Ge­leitet von dem Baron Andreas und der Baroneß Gertrud begaben sich die Neuangekommenen dann hinauf in die besten Zimmer des Hauses, die sich ihnen gastlich öffneten. Ba­roneß Gisela und Baroneß Gertrud hatten sich in besondere Zimmer zurückgezogen. Beide Damen fanden großen Ge­fallen an einander und geberdeten sich bald wie zwei alte Freundinnen, aber kein Wort über irgend welche Familien­verhältnisse kam über ihre Lippen, überhaupt schienen Ba­roneß Gisela und deren Vater die letzten auSsöhnenden Schritte von einer anderen Seite zu erwarten, eine Er-