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xvii Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 22. Juni 1882

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In denjenigen Ortschaften, wo Postagenturen bestehen, kann die Zeitung auf den betreffenden Bureaus -bgeholt werden und kostet dann nur M. 2,50.

Bestellungen in hiesiger Stadt werden von unseren

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nicht viel sagen, denn es wäre auch sonderbar, wenn die amtlichen Organe einem Wiener Zeitungsreporter über die wichtige Sache Ausschluß geben wollten. DaSW. T. B." meldet jetzt: Die aus Kiel resp Danzig gegebene Nachricht über eine gegen den Obersteuermann Meiling schwebende Untersuchung wegen Landesverrat hat ihre Rich­tigkeit; nach den bisher bekannten Resultaten der Unter­suchung aber hat die Größe deS Verrats nach keiner Richtung die Bedeutung, welche demselben in jener Nach­richt beigemessen wird. DieKreuzztg." schreibt: Durch die neue Phase der egyptischen Angelegenheit ist mehrseitig die Frage angeregt, ob der Botschafter Graf v. Hatzfcldt hier oder in Konstantinopel weitere Verwendung finden werde, und ist neuerdings die Lesart von neuem bestätigt worden, daß die Ernennung des Herrn v. Radowitz zu dem Posten in Konstantinopel wohl kaum lange auf sich warten lassen dürste. Von einem neuen Verwendungsgesetz wird vorläufig abgesehen. Dagegen soll dem Landtage ein Gesetz­entwurf vorgelegt werden, welcher die 4 untersten Stufen der Klassensteuer, also bis zu einem Einkommen von 1200 Mark beseitigt. Daneben werden vielleicht auch die Ein­kommen von 1200 bis 6000 Mark entlastet und zwar etwa bis zur Hälfte." Der zweite Schritt, der alsdann in Angriff zu nehmen wäre, ist die Beseitigung deS Schul­geldes und die Uebernahme der Hälfte der Schullasten auf den Staat. Die Mittel hierfür sollen durch die erneute Einführung der Schanksteuer und durch die anderweite Regulierung des Erbschaftsstempels gewonnen werden.

Leipzig, 18. Juni. In den Kreisen der hiesigen Bürgerschaft beschäftigte man sich, so wird derM. Z." geschrieben, schon seit längerer Zeit mit der Frage, ob das Reichsgericht seinen Sitz in Leipzig behalten 'werde, und zwar um so mehr, nachdem hin und wieder Gerüchte in Umlauf gesetzt wurden, welche geeignet waren, einige Unruhe über diesen Gegenstand hervorzurufen. Unter solchen Umständen mußte es das lebhafteste Interesse der hiesigen Kreise erregen, daß gestern die Herren Staats­sekretäre Dr. v. Schelling, Chef deö Reichsjustizamtes, und Geh. Oberregierungsrat Dr. Meyer, aus demselben Amte, hier eintrafen, um in Gemeinschaft mit den Herren ReichsgerichtSpräsibent Dr. Simfon, Oberrcichs-Anwalt Frhr. v. Seckendorfs und Oberbürgermeister Dr. Georgi eine Besichtigung jenes Terrains vorzunehmcn, das für den Bau deö RcichLgerichtsgebäudeS von feiten der Stadt Leipzig reserviert worden ist. Dieser Bauplatz liegt im Südwesten der Stadt und bildet einen Teil deS ehemaligen botanischen Gartens, ringsum begrenzt von Wald und Wiesen und in der unmittelbaren Nähe des Platzes, auf welchem gegenwärtig das neue große Konzerthauö aufge­führt wird. Die zuerst genannten Herren haben denn

Gisela.

Novelle von A. H o r st. (Fortsetzung)

Die Kauflustigen rechneten noch einmal und als die Swoboda'schen Besitzungen dann wieder mit vierhundertund- achtzigtauscnd Gulden angeboten wurden, boten auch mehrere Kauflustige verschiedene Mehrbeträge, aber derjenige von ihnen, welcher eine Anzahlung im Betrage von der Hälfte der Kaufsumme versprochen hatte, überbot alle übrigen und erstand schließlich die Swoboda'schen Besitzungen sür den Preis von vierhundertundneunzigtausend Gulden.

Wenn auch mit schwerem Herzen, willigte der Baron Andreas doch in d esen Verkauf, denn derselbe hatte seine darauf bezüglichen Wünsche wenigstens in der Kardinalfrage erfüllt, es war eine bescheidene Summe für den Baron und seine Familie übrig geblieben, wenn auch bet Weitem uicht so viel, um standesgemäß in der bisherigen Werse weiter leben zu können.

Die Formalitäten des Kaufs wurden hierauf erledigt und dann wurde wieder die ganze Gesellschaft nach der Art wie beim Frühstück vom Baron Andreas zum Diner geladen. .

Nach der Beendigung desselben wünschte der Käufer der Swoboda'schen Besitzungen den Baron Andreas und dessen Sohn Baron Curt auf einige Augenblicke allein zu sprechen. Der neue Besitzer der Swoboda'fchen Guter hatte sich als ein Herr von Burgstedt, Partikulier aus Wien, dvrgestellt und eröffnete dem Baron Andrea« v. Swoboda ju Gegenwart des Baron Curt, daß er dir Guter nicht !ür sich, sondern für eine hochgestellte Perfon gekauft habe Und daß die Uebcrtragung der Güter an diese Person Wer stattfinden sollte. Der künftige Besitzer werde sich ^dessen der eigenen Bewirtschaftung dieser Guter nicht

Zeitungsträgern und der Unterzeichneten angenommen.

' Die Expedition der Oberhess. Ztg.

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Deutsches Reich.

Berlin, 20. Juni. DerRcichsanz." schreibt: Der König interessiert sich lebhaft für die Vorarbeiten, welche nötig fein werden, um im Wege der Gesetzgebung den Druck der Steuern zu mindern. Zu diesem behufe muß natürlich vor allen Dingen das Maß des Drucks und die Bedürfnisfrage klargestellt werden. Um für diese Klar­stellung und die eventuelle Abhilfe durch Gesetzvorlagen neues und auchentischeS Material zu beschaffen, hat der König durch einen an das Staats-Ministerium gerichteten Erlaß angeordnet, daß ihm von jetzt ab jeden Monat eine Ueberstcht der Zahl und Verteilung der Zwangsvoll­streckungen vorgelegt werden soll, welche auf dem Gebiete bet Staatssteuern, der kommunalen Zuschläge zu denselben und der Beitreibung des Schulgeldes stattgefunden haben. Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist in Begleitung der Frau Fürstin und des Geheimen Regierungsrates Dr. Rotten­burg heute früh nach Varzin abgereist. Der König hat das Demissionsgesuch des Finanzministers, Herrn Bitter, bis gestern Abend noch nicht acceptiert. Wenn Herr Bitter abgeht, so wird er sich ins Privatleben zurückziehen. Als mutmaßlicher Nachfolger wird von unterrichteter Seite nur der Staatssekretär im Neichöschatzamt, Herr Scholz, ge­nannt. Durch mehrere Blätter ging dieser Tage eine der ,Danziger Zeitung" aus Kiel mitgeteilte Sensations­nachricht, daß ein bei der Kaiserlichen Admiralität kom- mandierter Ober - Steuermann M. die Kopieen sämtlicher KnstenbefcstigungSpläne des deutschen Reiches für die Summe von 150000 Rubeln einem Agenten der russischen Regie­rung ausgeliefert habe. Wir hielten die Sache besonder« mit Rücksicht auf die Angabe über die Charge de« Thäter« für erfunden und schwiegen darüber. Nunmehr aber dringen andere und w.ilergehende Mitteilungen über die mysteriöse

Au dem mit dem 1. Juli beginnenden Abonnement auf

III. Quartal der

MerheMchen Zeitung

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NUN freilich ein großer Irrtum, wie sich bald herausstellte, denn der Baron Andreas von Swoboda erhielt am Tage darauf von dem Käufer seiner Besitzungen folgenden Brief:

An den Baron von Swoboda.

Hochgehrter Herr 1

In meinem Auftrage hat Herr von Burgstedt au« Wien Ihre Besitzungen für mich angekauft, doch beab­sichtige ich nicht, diese Besitzungen selbst zu bewirtschaften, da ich bereits im Besitze eines größeren Landgutes, das nahe bei Wien liegt, bin. Ich betrachte den Ankauf Ihrer bisherigen Besitzungen nur als eine sichere Kapital­anlage und will demgemäß meine neuerworbenen Güter verpachten. ES ist mir dabei weniger um die Erzielung einer hohen Pachtsumme als vielmehr darum zu thun, die Güter in guten Händen zu wissen. Da sie nun selbst sich erboten haben, meine Güter zu pachten, so bin ich umsomehr geneigt, Ihnen die Verpachtung dieser Güter zu überlaffen, weil ich erfahren habe, daß Sie nicht durch leichtsinnige« Wirtschaften, fondern wegen eine« mit Ihrer früheren Lebensstellung al« Offizier in kaiserlichen Diensten verbundenen Aufwandes und einer zahlreichen Familie, der Sie eine standesgemäße Erziehung mußten angedeihen lasten, genötigt wurden, Ihre Güter zu verkaufen. Auch ist mir vollständig be­kannt, welche absonderlichen Umstände noch dazu beige­tragen haben, Ihr und Ihrer Familie Unglück zu be­schleunigen. Morgen Nachmittag komme ich auf meine neuen Besitzungen, um selbige zu besichtigen und hoffe ich, daß sich bei meiner Anwesenheit das Weitere zwischen unö regeln lasten wird.

Gez. Gisela, Baroneß von Swoboda, geb. Nepomuck.

(Schluß folgt.)

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-kiaen nimmt entgegen: Spedition d. Blattes. ?«<-d.Ännoncen.Bureaur ($[. Dietrich u. Co. in >- «,l und Hannover; Th.

z ajenstem u-Vogler m »rantfurt a. M., Berlin, K, Köln Rudolf Bein Berlin, Frank-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube u C». in Frankfurt a. M.; JSgersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Invaliden!-ikin Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.

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Hauten alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Post-

ßrscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr.) Jnserttonsgebllhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheileude Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Angelegenheit in die Oeffentlichkeit, und dieNational- Zeitung" und dieVosstsche Zeitung" teilen heute die Thatsachcn mit, wie sie im großen und ganzen gleichlautend von verschiedenen Seiten gemeldet werden. DieNational- Zeitung" schreibt:Der Verräter ist der Deckoffizier L. Meiling, der 1865 in die Marine getreten, 1877 Ober- Steuermann wurde und zuletzt in die Kaiserliche Admiralität kommandiert war, wo er eine Wohnung in der Nähe der Admiralität bezog. Meiling befand sich früher in Peters­burg, um die rufsische Sprache zu erlernen. Die Akten­stücke, welche er in die russischen Hände geliefert, beziehen sich zum größeren Teil auf die Küstenvcrteidigung und das Torpedowesen. Die Summe, welche Meiling erhalten, wird von einer Seite auf 100000 M., von anderer Seite auf 150 000 Rubel angegeben. Meiling hat die Aufmerksamkeit seiner vorgesetzten Behörde durch sein überaus verschwen- derisches Auftreten auf sich gelenkt, auch die Teilnahme eine« russischen Studenten in Berlin bei der Entdeckung wird erwähnt. Der Verbrecher befindet sich im Militär« gefängnis, die That soll bereits vor Wochen begangen sein. Darüber, ob die ausgelieferten Pläne große Bedeutung haben oder nicht, gehen die Meinungen auseinander. Unter der Liste der Deckoffiziere befindet sich nur einer mit dem Namen Meiling. Der genannte war, wie aus der neuesten Rangliste der Marine hervorgeht, der zweite der OberbootS- und Steuerleute der Anciennität nach. Daß die russische Negierung, welche notorisch nicht weiß oder wußte, was in Kronstadt mit ihrer Marine loö war, so starkes Verlangen hegte, die Geheimnisse der deutschen Marine zu entdecken, ist eigentlich sehr merkwürdig." Auch dieV. Z." sagt, daß der Betreffende sich bereits 6 Wochen in Hast befindet; es sei der Deckoffizier Leopold Meiling, der die russische Sprache sogar auf der russischen Botschaft gelernt haben soll. Das genannte Blatt fügt seinen Mitteilungen folgende Bemerkung zu:In dem vorliegenden Falle interessiert vor allen Dingen die Frage, ob cs Rußland wirklich gelungen sei, sich in den Besitz von wichtigen deutschen Papieren zu setzen. Wir haben unö bemüht, darüber das Urteil erfahrener Männer zu gewinnen und danach sind wir zu dem Glauben veranlaßt, daß, wenn Rußland den Diebstahl wirklich bezahlt hat, der Gewinn in keinem Verhältnisse zu seinem moralischen Nachteil, ja selbst nickt zu dem Geld­opfer stehk." In einem Bericht deöBcrl. Tgbl." da­gegen wird der Sache eine ungeheure Bedeutung beigelegt und wird dabei auf die Notwendigkeit einer Reorganisation für unser Marine- und Befestigungswesen hingewiesen. Hoffentlich ist die Sache nicht so gesährlich. In einem Telegramm der WienerN. fr. Pr." aus Berlin heißt es: An amtlicher Stelle erklärte man, keine Kenntnis von einem derartigen Ereignisse zu haben." Das will freilich unterziehen können und wünsche deshalb unter gewisten Vorbehalten, namentlich in bezug auf die Waldnutzungen, die Jagd und das herrschaftliche Gebäude, diese Güter zu verpachten und stände den seitherigen Besitzern, wenn sie eine derartige Neigung hätten, daS Vorrecht in bezug auf die Pachtung der Güter zu.

Baron Andreas und Baron Curt von Swoboda waren durch diese Mitteilung sehr angenehm überrascht, dann blieb ihnen auf diese Weise doch gcwistermaßen ihr Erbgut in den Händen und sie willigten mit Freuden ein, die Pacht der Güter zu übernehmen, wenn die Pachtbedingungen keine allzu hohe sein würden. Darüber beruhigte sie Herr von Burgstedt, indem er erklärte, daß die Pachtsumme in dem Verhältnisse eines mäßigen Zinsfüße zu der Kaufsumme sich bewegen werde. Dann machte der Herr v. Burgstedt die Barone Andreas und Curt von Swoboda noch darauf aufmerksam, daß wahrscheinlich in wenigen Tagen der neue Besitzer seine Ankunft auf den Besitzungen anzeigen werde und es sich empfehlen laste, wenn die Familie des Herrn Baron bei dieser Gelegenheit vorstelle. Baron Andreas und Baron Curt waren mit diesem Vorschläge vollständig einverstanden und baten den Herrn v. Burgstedt, er möchte sie einstweilen dem neuen Besitzer empfehlen.

Fast eine Woche war nach dem Verkaufe der Swoboda- schen Güter verstrichen und die ehemaligen Herren der­selben erwarteten mit Ungeduld eine Nachricht von dem neuem Käufer, dem sie sich als Pächter ihrer umfang­reichen ehemaligen Güter vorstellen sollten. Die Swoboda- sche Familie vermutete in dem Käufer einen Fürsten und möglicher Weise ein Mitglied des österreichischen Kaiser­hauses, welches in der That die her, liehen Güter des Baron Swoboda schon wegen der prächtigen Waldungen und schönen Jagdgründe angekaust haben konnte. Die« war