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Marburg, Mittwoch, 21. Juni 1882

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Iwint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SormtagSblatt" durch die Expedition (« 0 ch'sche Ruch druckerei) bezogen 2'/. Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (epi. Bestellgebühr.) - Jnsertionsgebuhr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juni. Die „Kreuz Zig." sagt, der Finanz- Bister Bitter hätte seine Entlassung eingereicht. — Der «ikichSanzeiger» macht bekannt, daß die für dieses Jahr weits angekündigte Kunstausstellung aussällt und daß die Me Ausstellung voraussichtlich im Frühjahre 1886 ((findet. — Während sich die gestrige Meldung bestätigt, sch die Konferenz wahrscheinlich in Konstantinopel, auch eine die Pforte, aber mit ihrer Einwilligung, zusammen- Intt, so daß die Konferenz gleichzeitig oder später mit der Werte verhandeln wird, erscheint die vorläufige Nichtbetei- ligmg der Pforte als eine Formfrage, die das Einver- mhmen der Mächte mit der Türkei keineswegs beeinträchtigen, «uch die allseitig befriedigende Regelung der egyptischen Frage voraussichtlich nicht hindern wird. Ein Ausgleich M Arabi soll wirklich unter bestimmten, Bedingungen in Aussicht genommen sein. — Herrn v. Bennigsens rhetorische L-rbeern sollen zu Nutz und Frommen der, Liberalen frisch Md grün erhalten werden, und ist in dieser Absicht für einen naiionalliberalen Parteitag in Köln am 2. Juli wieder eine große Rede des Herrn v. Bennigsen in Ans- sicht gestellt. Der „Köln. Ztg." zufolge werden viele Ab- Mdnete und Vertrauensmänner aus den drei Provinzen Rheinland, Westfalen und Hessen-Nassau auf dem Partei­tage erscheinen und auch manche hervorragende Parteiführer Md Gesinnungsgenossen aus den benachbarten Provinzen Men teilnehmen, „sg daß diese Versammlung sich wohl zu einer bedeutenden Partcikundgebung gestalten wird . Db dem Jentrum diese Kundgebung um seinen Besitzstand am Rhein bange machen wird? Und gegen dieses muß dieselbe doch wohl in erster Linie gerichtet sein. — Die liberale Presse, insbesondere auch die „Köln. Ztg.", sucht die letzten Tage des Reichstags als einen überaus glänzen­den Sieg der liberalen Parteien und als eine große Nieder­lage der Neformpolitik der Regierung darzustellen. Wenn

Paris lebenden Deutschen, der wir folgenden Pasfus ent­nehmen : „Am wenigsten begreift man, wie sich ein Kampf gegen wirtschaftliche Einrichtungen so nachhaltig gestalten kann, denen Frankreich zu einem großen Teile sein Wohl­befinden und seine finanzielle Leistungsfähigkeit verdankt. Möge es Euerer Durchlaucht gelingen, auch diesen Wider­stand zu überwinden und dem Deutschen Reiche zu der politischen Selbständigkeit anch eine nachhaltige ausgiebige finanzielle Kraft zu sichern." — Von feiten der West­mächte ist den übrigen Mächten der Vorschlag gemacht worden, die Konferenz am 22. d. M. in Konstantinopel behufs Verhandlung über die egyptische Frage zusammen­treten zu lassen. Dieser Vorschlag ist von der deutschen Regierung angenommen worden, und die hier eingegangenen telegraphischen Nachrichten lassen als sicher voraussehen, daß die Annahme auch durch die Kabinete von Rom, Wien und Petersburg stattfinden wird. Die Konferenz wird demnächst nach Maßgabe ihrer Resultate mit der Pforte in Verhandlung treten. In Egypten haben der Khcdive, Derwisch Pascha und Arabi Pascha den euro­päischen Vertretern gegenüber erklärt, die Garantie für Erhaltung der Ordnung zu übernehmen.

— Vom Verein deutscher Hutmacher ist dem Reichs­kanzler soeben eine Petition zugegangen, welche um einen höheren Zollsatz für Hüte bittet. In dieser Petition wird ausgeführt, daß, da auf 100 Kg. ein Eingangszoll von 180 M. gelegt worden sei, ganz ordinäre Ware allerdings nicht mehr eingeführt werden könne; hier betrage der Zoll nngefähr 20 pCt. des Wertes. Bei feinerer Ware jedoch mache der Gewichtszoll nur etwa 2 pCt. aus und genüge daher nicht, um daö deutsche Fabrikat gegen ausländische Einfuhr zu schützen. In Oesterreich, dem beachtenswertesten Konkurrenten, berechne sich der Eingangszoll durchschnittlich auf ca. 40 Pf. pro Hut, in Deutschland auf nur 12 Pf., überdies erhöhe Oesterreich — wenn der Hut auch nur den geringsten Aufputz habe — den vierfach höheren Zoll­satz, also ca. 1.60 Mark, weil die Ware dann als auf­geputzte Hüte tarifiert würde.

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Die Expedition der Oberhess. Ztg.

man daö mit 276 gegen 43 Stimmen abgelehnte Tabaks­monopol für die Neformpolitik hält, dann allerdings hat die Regierung eine große Niederlage erlitten. Allein

das Tabaksmonopol ist keineswegs gleichbedeutend mit der Reformpolitik, vielmehr sollte es nur ein Mittel zu den Zwecken dieser Neformpolitik sein, und die Re­gierung >var sich obendrein bewußt, daß sie das Monopol nicht durchsetzen werde. Wir hätten freilich gewünscht, sie hätte den Versuch gar nicht gemacht. Derselbe hat schon im vorigen Herbst bei den Wahlen den Liberalen Wasser auf ihre Mühlen geliefert, denn es ist ganz unfraglich, daß daS Tabaksmonopol das erwünschteste und wirk­samste Wahl - Agitationsmittel der Liberalen bildete, und daß eS den konservativen Kandidaten viele Tausende von Stimmen abwendig gemacht hat. Aber mit dem Monopol ist keineswegs die Reformpolitik überhaupt gefallen. Vielmehr haben gerade die Monopoldebatten diese Politik bedeutend gestärkt. Die beiden Reden deS Reichskanzlers behandelten das Monopol als eine ge­fallene Größe und beschäftigten sich mit dem Nachweis der Notwendigkeit der Steuerreform, und vor dieser Not­wendigkeit hat sich auch der Reichstag gebeugt; denn er hat die Resolution Lingens, welche dies- Notwendigkeit der Steuerreform verwarf, abgelehnt und sich mit der Annahme der Resolution Bennigsen, welche nur Ruhe für den Tabak verlangt, begnügt. Man hatte also nicht den Mut, die Notwendigkeit der Steuerreform zu leugnen; selbst von Herrn v. Bennigsen wurde sie zugegeben; und so ist die ausdrückliche Verwerfung der Resolution Lingens, welche diese Notwendigkeit leugnete, alö eine thatsächliche Bestä­tigung jener Notwendigkeit anzusehen. Das ist für die Politik des Kanzlers ein großer Gewinn. Es wird nun alles darauf ankommen, daß die Regierung ein klares Steuerreformprogramm ausarbeitet, damit in den gouver- nementalen Blättern nicht fernerhin Verwirrung angerichtet werden kann. Die Steuerreformfrage wird auch bei den Landtagswahlen eine große Rolle spielen, und was ein klares, bestimmtes Wort der Regierung vermag, das haben wir bei der Kaiserlichen Botschaft gesehen. Die wirt­schaftliche und soziale Reform ist populär und di- Re­gierung kann st- durchsetzen, sie muß nur die rechten Mittel anwenden. — Der Rufnahme les jüngstgeborencn Sprößlings unseres Königshauses wird der „Post" zufolge Wilhelm sein. Das Kind wurde schon nach dem zehnten Tag- seiner Geburt in daS Freie getragen, in jenen Tagen, die sonnenwarm waren, war auch schon vor seiner Taufe nach dem Neuen PalaiS zu feinen Großeltern gefahren worden und gedeiht von Tag zu Tag ganz prächtig.

Berlin, 19. Juni. Die „Nordd. Allg. Ztg.*' schreibt: Unter den vielen Kundgebungen, welche dem Reichskanzler anläßlich seiner letzten Reden im Reichstage zugegangen sind, befindet sich auch eine von einem angesehenen, in Zahl ernstlicher Kauflustiger, doch bei Rittergutsverkäufen genügt im Allgemeinen di- Zahl vollkommen, um einen leidlichen Verkauf herbeizuführen.

Punkt zwei Uhr versammelte sich die ganze Gesellschaft in einem kleinen Saale. Im Hintergründe neben dem ge­richtlichen Auktionator standen die Barone Andreas und Curt v. Swoboda und man konnte es den beiden Baronen ansehen, daß es ihrem Herzen sehr nahe ging, ihr Erbgut versteigern zu müssen; doch trotz alledem wich die Ruhe und Würde keinen Augenblick von ihren Mienen, sie hatten sich offenbar vollkommen mit der Rolle zurecht gesunden, die sie hier spielen mußten. In verschiedenen Gruppen, in der Mitte und im Vordergründe des Saales saßen und standen die Kaufliebhaber und deren Begleiter.

Der gerichtliche Auktionator verlas noch einmal sämt­liche Verkaufsobjekte und die Kaufbedingungen, faßte vann alles in ein Verkaufsanerbieten zusammen, erklärte auch, daß sich der Baron Andreas v. Swoboda auf eine Stunde nach erfolgtem Meistgebot den Zuschlag Vorbehalten habe und bet dann die Swoboda'schen Besitzungen mit samt, lichem toten und lebendem Inventar mit vi-rhunderttaus-nd Gulden an. „ .

Herr Seyfried, der Vertreter deS Bankier Nepomuck, besann sich aus dieses Angebot nicht lang- und bot gleich vierhundertundfünfzigtausend Gulden. Die anderen Kauf­lustigen stutzten hierüber einen Moment, denn eS war ihnen offenbar etwas Seltenes, daß Jemand gleich funfzigtaufend Gulden mehr als das Angebot darauf bot. Sie witterten hi-iin aber im anderen Augenblicke bereits eine Falle, durch ciu derartiges Manöver überrascht und überlistet zu werden, auch wußten die Kausbieter, daß die Swobeda'schen Be­sitzungen einen ganz bedeutenden Wert hatten, und so uber-

i ..-nimmt entgegen: PÄtio« d. Mattes. Ninnoncen-Bureaux H Di-ttich u. So. in und Hannover; Th. Fj.-h in Frankfurt o.’JJL; F?Xin u. Vogler in fett 0. Bl., Berlin, PffjHHn Rudolf re*9 in Berlin, Frank- Hutt °. M. ic-

Ausland.

Pest, 16. Juni. In maßgebenden Kreisen scheint man auf den Grafen Beust ernstlich böse geworden zu fein. Er soll nämlich — dem Pariser TimeS-Bericht-rstatter zu­folge — auf di- Frage, warum er feine Entlassung ge­geben, geantwortet haben, -S gehe ihm wie einem Manne, der zu einem Diner geladen, unmittelbar vorher ein Bittet erhält mit dem Ausvrucke der Hoffnung, daß er sicher er­scheinen werde, und mit der Bitte, falls er dennoch ver­hindert sein sollte, di- Einladung zurückzusenden, da der Gastgeber gern den Platz einem andern geben würde. Die Einladung sei sofort zurückgeschickt worden, und dies sei auch bie Methode gewesen, in welcher er, Graf Beust, seine loten sich die Kauflustigen bald mit weiteren Summen von tausend und fünfhundert Gulden. Als jedoch die Ge­botsumme auf vierhundertundachtzigtausend Gulden gestiegen war, wurden die meisten Bieter recht nachdenklich und Sey­fried, dessen Instruktionen auch nur bedingungsweise auf ein höheres Angebot lauteten, ließ mit Hülfe des ihm bei­gegebenen RechSanwallS und durch eine vertrauliche Mit­teilung au den Baron Andreas v. Swoboda von den Kanf- b etetn ausforschen, welche höchste Anschlagssumme dieselben leisten würden, da dies auf die ferneren Entschließungen sowohl des Verkäufers als auch einzelner Käufer von großer Wichtigkeit wäre. Die meisten Kaufliebhaber boten den vierten und dritten Teil der Kauffumme als Anzahlung an, aber einer befand sich unter ihnen, welcher die Hälste anbot und derselbe hatte auch das letzte Gebot auf vier- hundertundachtzigtaufmd Gulden abgegeben.

Seyfried zeigte sich befriedigt, denn die Forderungen deS Bankier Nepomuck au den Baron Andreas v. Swoboda waren durch die voraussichtliche V-rkaufSsumme der Swo- boda'scken Güter gedeckt und die Anzahlung war auch eine den Geldmann Nepomuck befriedigende. Wenig zufrieden mit der bis jetzt erzielten Gebotsumme waren indeß die Barone Andreas und Curt von Swoboda; denn wenn ihnen das Resultat auch nicht unbedingt mißfiel, weil eS ihnen noch einen U-berschuß von dreißigtausend Gulden ge­währte, so hatten st- jevensalls auf eine höhere Kauf­summe gerechnet und beschloffen die Verschiebung der Ver­steigerung auf eine halbe Stunde, um die Kauflustigen noch einmal auf den Wert ihrer Besitzungen aufmerksam zu wachen und ihnen di- reichen Ernt Vorräte und die guten Marktpreise vor Augen führen zu Uff er.

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von G L. Daube u Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung ♦ daselbst; Jnvalidend m kin

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Gegen 10 Uhr morgens brach man auf, um di- Be­dungen des Barons Andreas von Swoboda zu besichtigen. Die ganze Gesellschaft war zu Pferde oder zu Wagen und »utfce vom Baron Curt geführt. Ernst und bleich, dabei aber höflig und zuvorkommend, bewegte sich derselbe an der Spitz- der Gesellschaft, die zunächst einen Hügel okkupiert hatte, um die ganzen Besitzungen zu überschauen. Dann führte si- Baron Curt über das weite gemischte Terrain, ieigt- bie Accker unb Wiesen, Wälder und Teiche und er« Deckte trotz der herbstlichen Landschaft, welche vom lanbtoitt« östlichen Standpunkte aus nicht viel darbot, im Allge­meinen ein gutes Urteil über bie Besitzungen bet den K-ms- lustigen. ,

Auf dem Rückwege zerstreuten sich dieselben, um noch Einzelnen und besonders den Grund und Boden der Sivoboda'schen Besitzungen zu prüfen. Nach istrka drei Kunden war die Gesellschaft wieder auf dem Herrschaft- achen Gutshofe des Barons von Swoboda angekommen autl di- noch fehlende Zeit zu der um 2 Uhr nachmittags ?ttgesagten Versteigerung wurde benutzt, um einen Einblick die Gebäude, die Getreide- und Futtervorrate, den Vi-H- !. ted u. f. w. zu nehmen. Dann hatten sich die als Kaus- *leler auftreteiiben Personen zu legitimieren, eine Kaution fünftausend Gulden im Falle der Nichtefiektuierung es eingegangenen Kaufs zu leisten unb sich im Falle des aufs zu einer sofortigen Anzahlung von 10 Prozent deS ^Preises zu verpflichten. £ .

=?ö: L.. , traten im Ganzen sechs Kaufliebhaber auf, bie diese

^duigungen erfüllten. Es war dies gerade keine hohe