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Marburg, Freitag, 16. Juni 1882

XVII

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Reichstag.

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sprochen, ich habe gesagt: Macht Euren Einfluß bei den Wahlen und durch Petitionen geltend, daß dies und jenes geschieht, damit die ungerechte Belastung aufhören kann. Wenn aber der Reichstag unsere Anträge und die einge- laufenen Petitionen ablehnl, so daß die Mittel für die Reformen nicht vorhanden sind, so darf niemand mir einen Vorwurf machen. Nicht habe ich den Kommunen Ver­sprechungen gemacht, sondern ich bin für dieselben Bitt­steller beim Reichstage gewesen. Ich halte die Gebäude­steuer für ebenso ungerecht, wie die Grundsteuer; wenn ich das hier ausspreche und sage: Helfen Sie mir die Grund- und Gebäudcsteuer ab^chaffen, so liegt darin kein Versprechen. Gerade die Stadt Berlin sollte mir meine Fürsorge für die Kommunen danken, denn ohne mein energisches Eintreten als preußischer Handelsminister für die Errichtung von Schlachthäusern in Berlin würde diese erste Etappe auf dem Wege zur Wiedereinführung der Schlachtsteuer zum Wohle der bedrängten Kommunen gar

daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Fortsetzung)

Gisela interessierte sich auch für die Landwirtschaft und den Gartenbau und der Gutsadministrator -mußte sie oft stundenlang über dies und jenes unterrichten, sodaß sie auch in den letzten Monaten ein wirkliches Verständnis für das Wesen der Landwirtschaft sich erworben hatte, was ihrem Vater ost Anlaß zu den drolligsten Aeußerungen der Freude gab. Schon vor Jahren wie eine Dame aus den ersten Ständen erzogen, machte Gisela in Begleitung deS Ad­ministrators und eines Dieners auch zuweilen Ausfluge zu Pferde und Jedermann, der die zarte Frauengestalt zum nstenmale so stolz und sicher zu Pferde sitzen sah, blickte ihr erstaunt nach. Auch heute an dem schönen Herbsttage hatte Gisela beschlossen, einen Ausflug zu Pferde zu unter­nehmen. Der Gutsadministrator hob sie eben galant aus einen stattlichen Braunen und einige Augenblicke spater ritt die Baroneß in Begleitung deS Administrators durch bas Thor des GutShofes. In einer Entfernung von hun- bert Schritten folgte ihnen ein berittener Diener, welcher indessen noch ein zweites gesatteltes Pferd mit sich führte. Die kleine Kavalkade bewegte sich nicht zwischen den Fluren entlang, sondern ritt in leichtem Trabe aus'der Chausfee welche nach Wien führte. Nach einem halbstündigen Ritte hielten sie an, denn unmittelbar vor ihnen bewegte sich ein w Staub gehüllter Wagen, welcher ihnen entgegensuhr. Aus dem Wagen winkte Jemand schon von ferne mit dem Daschentuche.Er ist'S!" rief Gisela mit Heller Stimme mit einer" leichten Berührung der Reitgerte setzte sie Men Renner in Galopp. Eine Minute daraus hielt sie dem Wagen, aus welchem bereit« rin schmucker Herr

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gesprungen war, der sich höflich vor der Baroneß verneigte. Dieselbe reichte ihm ihre Hand und begrüßte ihn herzlich. Es war Seyfried, der wackere Kassierer, der das Vertrauen ihres Vaters besaß und infolge seiner glänzenden Charakter­eigenschaften sich auch der Huld der Baroneß Gisela er­freute. Seyfrieds Gesicht strahlte vor Glück, sich von der Baroneß Gisela so geehrt zu sehen, daß sie ihm selbst ein Stück entgegen gekommen war. Mittlerweile waren auch der Administrator und der Diener langsam näher gekommen und Baroneß Gisela deutete auf daö gesattelte Pferd mit DClt ^Diesen frommen Rappen werden Sie besteigen, Herr Seyfried, um zu Pferde mit uns nach Neudegg zuruckzu- ^Seviried gehorchte gern und die um einen Reiter ver­mehrte Kavalkade bewegte sich unter Führung der Baroneß in scharfem Trabe nach Neudegg zuruck, wahrend der Wagen, in welchem Seyfried gekommen war, langsamer nachsolgte.

Seyfried befand sich eine halbe Stunde später m einem »immer der unteren Wohnräume, welches die Baronetz gastlich für ihn eingerichtet hatte. Der Kassierer welcher schon seit Jahren die Baroneß, als noch Niemand daran dachte, daß sie sich mit einem Baron vermahlen wurde, >m Stillen verehrte und liebte, trug sich mit dem Gedanken, die ihn vor der Vermählung Giselas mit dem Baron Curt v Swoboda schon oft melancholisch gemacht hatten. Gisela hatte ihn heute ganz besonders freundlich empfangen und er war eingeladen worden, den Kaftee oben m den Zimmern der Baroneß einzunehmen und obwohl er wußte, daß er tu einer ganz anderen Angelegenheit nach Neudegg gekommen war, so war in ihm doch der Plan gereift, der Baroneß, die wohl vermählt, aber seit dem Tage ihrer Hochzeit von ihrem Gemahl verlassen war, seine Liebe zu erklären, denn

kurt a. At- re. ____________

-TTint .«alick außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes EonntagSblatt" durch die Expedition (K o ch'sche Erscheint tdgnch autzer an v Imr» die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellzebilhr.» - Jnsertionsgebuhr für d.e gespaltene Zeile 10 Pfg.

Buchvruaerei- uejogen « » » £ Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 85 Pfg. berechnet-

nicht geschaffen worden sein. ES wird unS immer Spar­samkeit empfohlen, namentlich beim Militär-Etat; glauben denn die Herren, daß eS den Regierenden Freude macht, so große Heere zu haben? Wir sind dazu durch die centrale Lage Deutschlands genötigt. Dies ist nicht nur meine Meinung, sondern die Meinung der deutschen Nation. Die Herren, die hier gegen mich reden, sehen die Sache theoretisch an, ich behandle sie praktisch und muß sie anders beurteilen. Redner widerlegt die Ausführungen Richters bezüglich der Eisenbahnpolitik; man habe dabei nur dem Staate wiedergegeben, was ihm gehört. Redner hofft, daß die ganze Politik einmal wieder verstaatlicht wird und bezeichnet den Einwand, daß das Verwendungsgesetz nicht beraten werden konnte, weil man es zu spät dem preu­ßischen Landtage vorgelegt habe, als unhaltbar. Ich be­streite die Behauptung, daß ich nicht mit einem Parlamente regieren könnte; ist es denn in England leichter, kommt denn mein verehrter Kollege Gladstone leichter mit dem Parlament vorwärts, wie ich? So lange in England nur zwei Parteien existierten, war die Sache leichter; jetzt ist sie auch dort schwieriger. Jede Partei, nicht nur hier, sondern überall, wird immer die Eine die Andere über­bieten ; deshalb ist bei uns eine Parteiregierung unmöglich. Wo haben Sie einen Minister, der 20 Jahre am Ruder geblieben ist, wie ich? So ganz untraitabel kann ich also doch nicht sein. Mit einer Majorität ä la Richter würde ich allerdings nicht regieren können, damit kann überhaupt kein Mensch regieren. Warum benutzen Sie Ihre Ini­tiative nicht? Daö Verwendungsgesetz haben Sie verworfen, was haben Sie an dessen Stelle gesetzt? Können Sie die Verantwortlichkeit dafür übernehmen, daß die jetzigen Zu­stände so vortrefflich sind, daß sie keiner Reform bedürfen ? Ich verlange von dem Landtage Antwort: Ja oder nein, wie sie der König fordern kann; aber ich will nicht, daß man sagt: Die Antwort ist uns unbequem. So lange die« .^schieht, must der Landtag aufgelöst werden. Man hat uns lange genug die Armeeorganisation verweigert; ohne diese hätten wir nie den nationalen Gedanken ver­wirklichen können. Sie suchten die Armee zu zertrümmern und zu untergraben mit Ihrer zweijährigen Dienstzeit. Als ich zuerst auftrat, mußte ich hören, ich sei preußischer Offizier in Zivil; ich acceptiere das noch heute und darf mit Genugthung auf daö zurückschaucn, was ich als solcher gethan habe. Ich halte eben alles aufrecht, was ich be­züglich der Fraktionen und Fraktionspolitik gesagt habe. Die Zwecke der Fraktionen bekämpfe ich, nicht nur die Formen, worin man sich überbieten will. Man muß nur nicht die Fraktionen als Ausdruck des VolkSwillenS hin­stellen. Welches Recht haben denn die Herren Richter und Bamberger, im Namen der deutschen Nation zu sprechen und zwar mehr wie ich? (Beifall rechts.) Ich

'^Leidenschaft Seyfrieds hatte jetzt vollständig alle kühlen Erwägungen zurückgedrängt, die stattliche und liebenswürdige Erscheinung der Baroneß, deren persönliche Tugenden er außerdem noch vollkommen zu würdigen wußte, hatten seine Sinne bezaubert und er hatte stch fest vorgenommen, seinen Engel," wie er Gisela in Gedanken nannte, einmallaut. anzubeten. . ,

Seyfried wurde einige Zeit darauf von einem Diener nach den Zimmern der Baroneß geleitet und von dieser in einem prächtigen kleinen Salon empfangen, wo er die Ehre hatte gemeinschaftlich mit der ungebetenen Gisela Kaffee zu trinken. Sie plauderte mit ihm so munter und fröhlich über dieses und jenes, daß Seyfried schon dabei sann, wie er bei einer stch darbietenden Gelegenheit das Gespräch auf den von ihm schnlichst erwünschten Gegenstand überleiten könnte. Doch während er in dieser Gemütsverfaffung da­saß und nur mit kurzen Worten der Baroneß antwortete, riß ihn diese plötzlich aus seinen süßen Träumereien heraus. Sie richtete ihre braunen, seelcnvollen Augen mit einem ernsten Ausrruck auf Seyfried und sagte:

Wir vergcffen beim Plaudern ja ganz, warum Sie nach Neudegg gekommen sind, so berichten Sie mir doch von Ihrer Mission auf den Swoboda'schen Gütern. Wenn auch der Vater in dieser Beziehung seinen eigenen Kopf hat und alles nur nach feinem Gutdünken durchführen will, so bin ich in der Angelegenheit doch so weit interessiert, daß ich den Verlauf derselben kennen muß."

Seyfried war bei diesen Worten aus seinen Himmeln gefallen, doch nur einen Augenblick ließ er stch seine Ver­legenheit merken und dann begann er:

ES hat sich also herausgestellt, daß der Baron Andreas von Swoboda sich entschlossen hak, seine Güter noch In diesem Herbste zu verkaufen. Was ihn zu dieser Eik

Rußland hat auf unsere Getreidepreise mehr Einfluß, als der gesamte Getreidezoll. Bester als durch die Aufhebung deS Getreidczolleö wird man den Jnteresten der deutschen Landwirtschaft durch die Beseitigung der Lasten dienen, welche als direkte Abgaben die deutsche Landwirtschaft Niederdrücken. Im direkten Gegensätze dazu steht das Be­streben deS Abg. Richter, die Lasten der deutschen Getreide- Produktion womöglich zu erhöhen und diejenigen der aus­ländischen Getreideproduktion noch herabzumindern. Der Abb. Richter rühmt die Klassensteuer - Gesetzgebung. Ja, wie büreaukratisch diese ist, wie wenig sie von dem Lande Bescheid weiß, erhellt schon aus der einen Thatsache, daß sie die Einkommen bis zu 140 Thalern freilassen will; als ob überhaupt eine Familie in ganz Deutschland die Kosten für Nahrung, Kleidung, Wohnung und Heizung zusammengerechnet, mit weniger als 150 Thalern jährlich existieren könnte! Das ist eben eine großartige Verkennung der Thatsachen. Di« Ausführungen des Abg. Richter über die Landwirtschaft haben in mir den Wunsch entstehen lassen,'daß er sich, damit seine wirklich hervorragende Be­gabung dem Lande zu Nutzen kommen könnte, doch ent­schließen möchte, einmal ein Jahr lang als Lehrling oder Gutsbesitzer aufs Land zu gehen. (Heiterkeit.) Der Abg. Richter macht die neue Wirtschaftspolitik auch für die starke Auswanderung verantwortlich. Mau könnte mit viel mehr Recht umgekehrt dafür den Freihandel verantwortlich machen, welcher Industrie und Landwirtschaft geschädigt und die MeitSgelegduheit vermindert hat. Neben den drückenden -^Äcn Steuern hat dieses Moment ohne Zweifel M erheblich mitgewirkt. Der Abgeordnete Richter sagt, ich hätte auf gründ der Gesetzgebun^von 1879 - - - ...... ""ftWte, die ich

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n nimmt entgegen: pEEdition d. Blattes, ^Ännoncen-Bureaux ^ Dietrich u. Co- in

und Hannover; Th. E. in Frankfurt a-M.; Stein u. Vogler m F fhirt 0. M., Berlin, fcS"'! Rudolf WS' Berlin, Frank-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung

L Freunde, welcher das Monopol anzunehmen nicht «der Lage sei, bereit bleiben, die sozialpolitischen Pläne dcS Reichskanzlers zu unterstützen. Er fürchte freilich, daß u.on das Einbringen der unpopulären TabakSmonvpol- Berlage jenen Plänen hinderlich fein werde. Gegen das « Monopol sprechen, wie gesagt, finanzielle und wirtschaftliche u Erwägungen, und wenn auch die ersteren erst in zweiter >! Linie stehen, immerhin sei der finanzielle Erfolg deS Mono- ü fihr zweifelhaft. Dann aber stehe in seiner Heimat, !! dem Königreich Sachsen, die Tabaksindustrie in höchster i, Blüte, und die Einführung deS Monopols würde dort A deshalb wirtschaftlich von den verhängnisvollsten Folgen sein. Für Ablehnung des Monopols sprechen ferner namentlich die Verhältnisfe Hamburgs und besonders Bremens. Auch die Jntereffen der Tabaksbauer würden durch das Monopol beeinträchtigt werden. .

Am Schluffe dieser Rede erschien der Reichskanzler Tür st von Bismarck im Hause. Er nahm sofort das Wort: Ich habe gestern wegen der bisherigen Aus« sühruugen der Gegner des Monopols keinen Anlaß ge­sunden, welcher meine und der verbündeten Regierungen. Meinung über das Monopol zu erschüttern

Wenn ich gegen einzelne Aeußerungen deö Abg. __

polemisieren genötigt bin, so muß ich zunächst die bedauer­liche Thatsache konstatieren, daß unsere Ansichten über das auch im parlamentarischen Kampfe nötige Maß der Rück­sicht und Höflichkeit erheblich divergieren. , Wenn der Abg. Richter meine Rede eine Wiederholung, eine neue Auflage meiner früheren Reden nennt, so ist doch auch er oft in der Lage, seine Argumente wiederholen zu müssen und> je unrichtiger seine Ausführungen sind, um so häufiger müssen sie widerlegt werden; wenn sie immer wieder gedruckt in den Blättern stehen, so färben sie doch schließlich ab. Wenn der Abg. Richter über das Fiasko der neuen Wirt­schaftspolitik klagt, so übersieht er, daß die im Jahre 1879 beschlossenen Zölle im Abschlüsse der Rechnung des Jahres 1881 doch unmöglich schon zu voller Wirksamkeit gekommen sein können. Den Angriffen deS Abg, Richter auf den Getreide­zoll stelle ich die Berechnung gegenüber, eine wie verhältnis­mäßig geringe Belastung für die Getreideeinfuhr der Ge- ireidezoll bildet. Eine gute Ernte oder eine Mißernte in

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Berlin, den 14. Juni.

Der Reichstag setzte in seiner heutigen (18.) Sitzung Beratung der Tabaksmonopol-Vorlage fort. Abg. Acker- «n n' Derselbe betonte in Bestätigung der gestrigen Gärung des Abg. Frhrn. v. Minnigerode zunächst, daß

Deutschkonservativen die Frage deS Monopols nicht als 8 °.Mchc Patteifrage betrachten, sondern dieselbe lediglich

ü wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkte aus « urteilen. Inzwischen werde auch der Teil seiner pvli-

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