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-Marburg, Dienstag, 13. Juni 1882

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so schnell gemacht sei. Den allge- Unteroffiziere von den Wohlthaten indes nicht für richtig halten. Die allerdings bei ihrem geringen Ein-

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Erfchemt täglich außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrlrteS SountagSblatt" durch die Expedition (« o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 8'/. Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 8 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr., - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfa.

Für rn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Kriegsminister von Kamecke tritt für die Vorlage ein. Von einer Bevorzugung der Militärpersonen vor den Z'vilbeamten sei keine Spur darin zu bemerken; im Gegen­teil, der Entwurf wolle nur Vorteile, welche 1881 den Zivilbcamten bewilligt seien, gleichmäßig auch den Militär- Personen zugute kommen lassen. Es sei unrichtig, wenn der Abg. Richter behaupte, daß die Milttärpersonen von ihrem außerdienstlichen Einkommen, selbst von Rittergütern, keine Kommunalsteuern zu zahlen brauchten. Von der Freiheit von Kommunalsteuern deS Militärs herrschten überhaupt übertriebene Vorstellungen. Nach einer kurzen Entgegnung des Abg. Richter wird die Vorlage einer besonderen Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen.

ES folgt die Beratung der Uebersicht der vom Bundesrate gefaßten Entschließungen auf die Anträge und Resolutionen des Reichstages in der vorigen Session. Abg. Kayser hält die Verhaftung des Abg. Diez in Stuttgart nicht für genügend aufgeklärt; die hierauf bezügliche Resolution des Reichstages sei nicht als erledigt anzunehmen. Der Reichs­tag müsse energisch eintreten für sein Recht dem Richter­stande gegenüber. (Kayser wird wegen der über den Nichterstand gethanen Aeußerung zur Ordnung gerufen.) Abg. W e y m a n n rechtfertigt die ablehnende Haltung des Bundesrats zu den fraglichen Resolutionen. Damit wird der Gegenstand verlassen.

Den letzten Gegenstand bildet die einmalige Beratung der allerhöchsten Verordnung über das Feilhallen von Petroleum. Abg. Hermes bittet der Verordnung die Zustimmung zu versagen und sie außer kraft zu setzen, da sie bedenklich und durchaus überflüssig sei. ?!bg. Gch.- Rat Köhler bemerkt, die Vorlage sei das Produkt einer langjährigen und sorgfältigen Vorprüfung; sie wolle das, was vom technischen Standpunkte aus am besten geeignet und bewährt erscheine, um die Gefahren zu beseitigen, welche daraus entstehen, daß schlechtes und darum feuer­gefährliches Petroleum in den Handel komme. Abg. von M i n n i g c r o d e erktzrnl die Tendenz der Vorlage an und acceptiert die Verordnung bestens. Abg. Meyer (Bremen) erkennt gleichfalls an, daß die Verordnung sorgfältig und gut gearbeitet sei und die richtige Mitte halte zwischen einem einem Zuviel und einem Zuwenig. Nach einer erneuten Auseinandersetzung zwischen den Abag. Herrn cS und Geh.-Rat Köhler verteidigt Direktor Struck den Erlaß der Verordnung. Abg. P e r r o t sprach in gleichem Sinne. Das Haus erklärt seine Zustimmung zu der Ver­ordnung. Die nächste Sitzung findet am Montag statt. Aus der Tagesordnung derselben stehen: Der Nachtrags- Etat und die Monopolvorlage nebst dem Anträge AuS- seldt. Schluß der Sitzung um 43/i Uhr. Der Antrag des Abg. Lasker, die nächste Sitzung um 11 Uhr be­ginnen zu lassen, wurde abgelehnt.

kommen von der Bcitragspflicht befreit bleiben. Der Redner hebt einzelne Punkte hervor, die einer näheren Prüfung in der Kommission bedürfen, und beantragt zugleich einer solchen von 14 Mitgliedern die Vorlage zur Vorberatung zu überweisen.

Abg. Richter (Hagen) hält die Sache für nicht so einfach wie der Vorredner; es handle sich um eine Be­lastung des Etats um 6>/r Millionen. An der Vorlage tadelt er besonders, daß die unverheirateten Offiziere von der Bcitragspflicht befreit sein sollen, während der unterste Zivilbeamte beitragspflichtig sei. Ueberhaupt sei es zwar gerecht, daß die Militärbeamten dieselben Rechte mit den Zivilbeamten hätten, aber erstere dürften auch keine unbilligen Borrechte behalten. Deshalb würde die Fortschrittspartei diese Gelegenheit benutzen, um die Frage der Kommunal- besteuerung der Offiziere gerecht und gleichmäßig mit den Zivilbcamten zu regeln.

Abg. Schneider spricht gegen diejenige Bestimmung, welche die unverheirateten Milttärpersonen von der Bei­tragspflicht ausschließt, unter Exemplifikation auf Baden, wo jeder Offizier ohne Unterschied der Charge zur Witwen­kasse beitrage. Der Redner erklärt, er werde dementsprechende AbänderungSanträgc stellen.

Reichstag.

Berlin, den 10. Juni.

In der heutigen (15 ) Plenarsitzung des Reichstags, die um halb 2 Uhr vom Präsidenten v. L e v e tz o w er­öffnet wurde, trat derselbe in die erste Beratung deS Gesetz­entwurfs, betreffend die Fürsorge für die Witwe« und Waisen von Angehörigen des Reichsheeres und der kaiser­lichen Marine.

Abg. v. B e r n u t h konstatierte, daß die Vorlage im wesentlichen eine Wiederholung des Zivilbeamten-Relikten­gesetzes sei. Hauptsächlich treten indes zwei Abweichungen von dem letzteren hervor. Einmal werde der Kreis der Funktionäre beschränkt und seien sämmtliche Offiziere deS Beurlaubtenstandes und ebenso die zur Klasse deS Unter- offizierstandeS gehörenden Personen mit gewissen Aus­nahmen deS § 31 ausgeschlossen. Diese Beschränkung billige er vollständig. Dagegen hat der Redner Bedenken gegen die Beschränkung deS § 2, wonach unverheiratete Offiziere, Aerzte und Beamte keine Beiträge zu leisten hwen. Er hält im übrigen es nicht für angezeigt, die Beilage einer Kommission zur Vorberatung zu überweisen, sondern beantragt, die zweite Beratung im Plenum vorzu­nehmen.

Abg. v. G e r l a ch spricht seine Befriedigung darüber

ter angenommene Rechtsanwalt, welcher sich höflichst wegen seiner verzögerten Ankunft entschuldigte und erstaunt nach der Uhr blickte. Der Advokat schritt nun eiligst voraus in das Gerichtszimmer und meldete dem den Prozeß leiten­den Beamten an, daß der Bankier Herr Karl Nepomuck, als Vater der Barcneß von Swoboda, den Verhandlungen beizuwohnen wünsche und bat um dessen Zulassung, welche denn auch ohne Umstände gewährt wurde. Hierauf traten auch die Baroneß Gisela und deren Vater in das Gerichts­zimmer ein. In zwei Gruppen nahmen die Parteien vor dem Richter Platz und dieser begann die Verhandlung mit Aufstellung und Bestätigung der Nationale der klagenden Personen und fuhr dann fort:

Nachdem die üblichen Sühncversuche zwischen den beiden Ehegatten, Herrn Baron Curt v. Swoboda und der Frau Baroneß Gisela von Swoboda, geborenen Nepomuck, an den gegenteiligen Parteien geschildert sind, schreibt das Ge­setz dennoch vor Fortführung des EhescheidungsprozesseS vor, daß der Wille der klagenden Ehegatten aufs Neue sich über die Scheidung zu erklären hat und ich frage zunächst Sie, Herr Baron Curt v. Swoboda, ob es Ihr unwider­ruflicher, wohlüberlegter Entschluß ist, sich von der Ihnen angetrauten Gemahlin, Baroneß Gisela von Swoboda, ge­borenen Nepomuck, zu trennen und diese Ehe für null und nichtig erklären zu lassen?"

Baron Curt hatte bei dieser Anrede den Kopf leise ge­senkt, als ob es ihm unangenehm wäre, diese Frage an sich gerichtet zu sehen, dann entstand, als der Richter geendet hatte, auch eine kleine Pause, so daß alle Anwesenden ge­spannt auf die Antwort dcö BaronS wurden und neugierige Blicke nach dcmfelben wendeten. Auch Gisela, welche beim Eintritt in den Gerichtssaal den Schleier zurück gezogen

Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Fortsetzung)

Doch als der junge Mann sich auf das Herzlichste von dem älteren Herrn und der jungen Dame verabschiedete und diese den Blick unwillkürlich dem Baron Curt zuwandte, rötete sich das marmorbleiche Antlitz desselben leicht, denn « hatte seine Gemahlin Gisela und deren Vater, den Ban­kier Nepomuck, erkannt, die nun auch in Person erschienen waren, um den Ehescheidungsprozeß zu einem endgültigen Auswege zu bringen.

Mit Gisela schien bei dem Anblick des tief vergrämten Gesichts des BaronS auch eine innere Wandlung vorge­gangen zu sein, denn sie hatte sich plötzlich umgewandt und stand, allen Anwesenden den Rücken kehrend, an einem Fenster, welches nach dem Hofe des GerichtSgebäudeS AuS- ncht gewährte. Ihr Vater nahte sich ihr alsbald und wochte ihr Mut und Trost einsprechen.

Nicht lange dauerte es nun, als der Gerichtsdiener kam, die Anwesenheit der beiden auf Ehescheidung klagenden Parteien festzustellen und die Namen Herr Baron Curt J5» Swoboda und Frau Baroneß von Swoboda klangen laut hallend durch den Saal. Der Baron folgte zuerst vtefem Aufrufe und schritt mit seinem Rechtsanwälte der ^hur zu, welche der Gerichtsdiener ehrerbietig geöffnet h m B<woneß Gisela zögerte noch und warf einen fragen-

Blick auf ihren Vater. Dieser hatte die Uhr gezogen nv brummte etwas in den Bart. Kaum eine Minute erschien indessen ein Herr im Wartezimmer und ta6 HW des mißmutig gewordenen Bankiers heiterte sich auf. er Angekommene war der von Nepomuck für feine Toch-

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u C». in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Zur Teilnahme an den morgen Nachmittag im Neuen Palais bei Potsdam stattfindenden Tauffeierlichkeiten sind im Laufe des heutigen Tages fol­gende fürstliche Gäste hier eingetroffen. Zuerst langte in früher Morgenstunde Se. Kaiser!. Hoheit der Großfürst Sergius von Rußland, begleitet vom Kontreadmiral Ar- senicw und dem Obersten Stepanow, aus Petersburg hier an. Höchstderselbe war um 61/« Uhr auf dem Bahnhof Friedrichstraße Hier angekommen und von dort von dem zum Empfange anwesenden russischen Botschafter von Sa­burow und den Botschafts-AttachäS nach der russischen Botschaft Unter den Linden begleitet worben, woselbst der Großfürst während der Dauer seines Aufenthaltes am hiesigen Hofe Wohnung genommenen hat. Der zweite der fürstlichen Gäste war dann der Prinz Amadeus von Italien, Prinz von Aosta König!. Hoheit, jüngerer Bruder des Königs von Italien. Höchstderselbe traf, begleitet vom Flügeladjutantcn Marquis' de Dragonetti, dem Oberst- lieutcnant und Flügeladjutant Graf Avogadro de Collo- biano und dem Ordonanz-Offizier Kapitän Grafen de Konnaz, mittags 121,* Uhr auf der Anhalter Bahn aus Turin hier ein und nahm in der sogenannten Hohcnzollern- Wohnung des hiesigen Königlichen Schlosses Wohnung. Um 12 Uhr 45 Min. folgte alsdann auf der Dresdener Eisenbahn Se. Majestät der König von Sachsen, welcher in den Königskammcrn des Königl. Schlosses abgestiegen ist. In der Begleitung Allcrhöchstdesselbcn befinden sich der Generallieutenant v. Rudorff und der Flügeladjutant Major v. Schimpfs. Wie wir erfahren, hatte der König von Sachsen jeden offiziellen Empfang, durch Ehrenwache rc., wie ein solcher sonst üblich ist, bei der Ankunft auf dem Bahnhofe dankend abgclehnt. Dagegen waren zur Empfangsbegrüßung der Kronprinz und sämtliche Prinzen, welche zur Zeit hier noch anwesend sind, sowie die be­treffenden Botschafter bezw. Gesandten, der Kommandant und der Polizeiprästcent, sowie die zum Ehrendienste kom­mandierten Offiziere zur Empfangsbegrüßung erschienen. Im Lause des Nachmittags machten dann die Fürstlich­keiten den Majestäten und den anderen Höchsten Herr­schaften ihre Besuche und empfingen darauf sofort deren Gegenbesuche. Im Laufe deS heutigen Abends treffen dann noch hier bczw. in Potsdam ein: Zunächst um 6 Uhr 24 Min. in Potsdam Ihre Hoheit die Herzogin Adelheid zu Schleswig-Holstein mit dem Herzog Ernst Günther und den Prinzessinnen Caroline Mathilde, Louise Sophie und Feovore. Dieselben werden von der Hofdame, Stislödame v. Krogh, und dem Hofmarschall Baron v. Jssendorff be­gleitet sein und im Stadtschlosse zu Potsdam, in der Wohnung des Prinzen Friedrich Karl, Wohnung nehmen. Der Kronprinz Rudolf von Oesterreich-Ungarn trifft mit hatte und ein tiefernstes, aber sonst nicht vom Gram ver­zehrtes Gesicht zeigte, hob ihre Augenlieder zur Hälfte in die Höhe und blickte mit ihren schönen braunen Augen, die in den letzten Monaten einen merkwürdigen Ausdruck der Ergebung und Gleichmut angenommen hatten, halb ängst­lich, halb erwartungsvoll hinüber nach dem Baron Curt. Der Blick sollte jedenfalls nur ein flüchtiger, seinen Blick erhaschender fein, aber daö bleiche, sorgenvolle und doch schöne Antlitz deS BaronS übte eine längere Anziehungs­kraft auf Giselas Augen, die sich mit überraschender Teil­nahme füllten, auS. Jetzt kam auch endlich die offenbar verzögerte Antwort des BaronS auf die Anrede des Rich­ter« und mit sonorer, aber doch herauSgepreßter Stimme erklangen die Worte aus des BaronS Munde:

Ja, es muß sein! Ich will von der Frau Baroneß von Swoboda geschieden werden!"

Der Richter wandte sich hierauf an Gisela und fragte sie gleichermaßen, ob sie den wohlüberlegten Entschluß ge­faßt habe, sich von ihrem Gemahl, dem Baron Curt von Swoboda, zu trennen und ihre Ehe mit demselben für null und nichtig erklären zu lassen.

Gisela antwortete mit einem Anfluge von Stolz und mit erhabener, wohltönender Stimme:

Nachdem der Herr Baron Curt von Swoboda mich als feine Gattin verschmäht hat, konnte mir nichts Anderes übrig bleiben, auch meinerseits die Ehe mit ihm für über­flüssig und lästig zu erklären und ich wünsche daher auch jetzt noch die Scheidung meiner Ehe mit dem Baron Curt von Swoboda."

(Fortsetzung folgt.)

eigen nimmt entgegen: ^Expedition d. Blattes, sowie d.Annoncen.Bureaux

Th Dietrich u. Co. in d.ffd und Hannover; Th. Mich m Frankfurt a.M.; (Lfcnftem u. Bögler in tranlfurt a. M., Berlin, G, Köln rc.; Rudolf We in Berlin, Frank- w furt a. Ak. rc.

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