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BundesbevollmLchtigter Burchardt bittet, im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes bei Nr. 3 (Elfenbein rc.) gemäß der Vorlage den Zoll auf 30 Mark wiederherzustellen ; ein Zoll von 10 M. sei nahezu unannehmbar. Fast einstimmig wird dieser Zoll, entgegen der zweiten Lesung, auf 30 M. wiederhergestellt. ~
Nr. 4 (Faserndecken, Seile, Taue rc.) wird ohne Debatte abgelehnt. Der zu Nr. 4 vorliegende Antrag des Abg. Koch, betreffend die Herabsetzung des Zolls auf Stoffe, woraus Salz ausgefchieden wird, wird zurückgezogen. Nr. 5A (Lichte) wird abgelehnt; 5B (Honigzoll) nach kurzer Debatte zwischen dem Abg. Braun und dem Bundeskommissar Burchardt ebenfalls abgelehnt. Nr. 5C (Stearin) und Nr. 6 (Steine, Steinware«) werden abgelehnt. § 3, wonach das Gesetz am 1. Juli d. I. in kraft tritt, wird angenommen; ebenso wird die ganze, so modifizierte Gesetzvorlage mit großer Majorität angenommen. Ueber Nr. 2 wird zur Tagesordnung übergcgangen. Es folgt die dritte Beratung des Antrags des Abg. Schmidt, betreffend harte Kammgarne. Ohne Debatte wird der Antrag mit großer Majorität angenommen.
Es folgt die Beratung der Interpellation Kardorff, betreffend die Lokalsrachttarise für Kohlen bei der Ober- schlesifchen und Rechten Oderufer - Eisenbahn. Abg. von Kardorff begründet diefelbe. Bundeskommifsar Kraft anerkennt die thatsächlichen Mißstände; das Reichseifenbahnamt stehe denselben aber bisher machtlos gegenüber. Hierauf wird die Sitzung auf morgen um 1 Uhr vertagt. Tagesordnung: Reliktengesetz, Uebersicht über Bundesratsentschließungen rc. Schluß der heutigen Sitzung 4 Uhr 50 Min.
Reichstag.
Berlin, den 9. Juni.
cty der heutigen gegen halb 2 Uhr eröffneten (14.) Ple- Efitzung des Reichstages kam die Zolltarifnovelle in dritter Beratung zur Verhandlung.
der Generaldiskusston erklärten sich die Abg. Fürst hatzseldt-Trachenberg und Frhr. v. Unruhe- Bomst zur Zeit — abgesehen von dem § 1 (Erleichterung tet Mühlen-Jndustrie) — prinzipiell gegen jede Aenderung des Zolltarifs von 1879 und zwar sowohl in der Richtung der Erhöhung als derjenigen der Ermäßigung.
Bundesbevollmächtigter Direktor im Reichs - Schatzamt B u r ch a r d konstatierte dagegen, daß die jetzige Vorlage die Prinzipien des Gesetzes von 1879 keineswegs verlasse; Aenderungen im einzelnen erwiesen sich aber in jedem Tarife erfahrungsmäßig als Bedürfnis.
Abg. Grad blieb bei seinem schwachen Organe und der großen Unruhe im Hause in seinen Ausführungen aus der Tribüne unverständlich. Aehnlich verhielt es sich mit dem folgenden Redner, dem Abg. Stolle, der im all- aemeinen den Nachweis führen zu wollen schien, daß die neue Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers die erhofften und von verschiedenen Seiten behaupteten glücklichen Erfolge nicht gehabt habe, auch nicht im stände fei, die Verhältnisse dauernd zu bessern. Abg. von Ludwig entgegn't dem Abg. Fürsten v. Hatzfeldt, daß, unbeschadet der „ehrlichen Probe", notwendige Aenderungen des Zolltarifs nicht zurückzuweisen feien. Abg. Stolle habe allerdings darin recht, daß ein Kampf der Jnteresfen ausgebrochen sei; aber derselbe sei nicht von der Negierung verschuldet. Seine zumeist gegen die neulichen Ausführungen, betreffend den 8 1 (Erleichterungen der Mühlenindustrie), veranlassen den letzteren zu einer thatsächlichen Darlegung der in betracht kommenden Verhältnisse; die Interessen der Mühlenindustrie standen denen bet Landwirtschaft keineswegs feindselig gegenüber. Hierauf wird die Generaldebatte gefchlossen. Abgeordneter Bamberger weist in einer persönlichen Bemerkung die Insinuation des Abg. v. Ludwig, als lasse et seine Politik von persönlichen Interessen leiten, zurück. § 1 (Erleichterung der Mühlenindustrie) wird angenommen. In 8 2 werden die Nummern 2 und 7 a (Erden rc. frei) angenommen, dagegen 7b (Asbestpappe, ASbesipapier) gegen den Antrag des Abg. Ackermann, die Regierungsvorlage wiederherzustellen, mit 157 gegen 147 Stimmen abgelehnt ; ebenso werden ohne Debatte die Nummern 7c (ASbestgarne) und 7d (Asbestgewebe) abgelehnt. Zu Nummer 7e (AS- bestware überhaupt) beantragt Abg. Windthorst namentliche Abstimmung, welcher vom Abg. Richter (Hagen) widersprochen wird. s , lt .. .
z 2 Nr. 2, 7E (Asbestwaren), toirs, soweit diese Waren in A bis D nicht enthalten sind, in namentlicher Abstimmung mit 165 gegen 150 Stimmen abgelehnt.
Gisela.
Novelle von A. H o r st. (Fortsetzung)
Das Gefühl deS Unglücks bemächtigte sich bei diesen Gedanken des Baron Curt in einer vorher nie geahnten Weise, denn er empfand eine vollständige Ohnmacht dieser Sachlage gegenüber, sein guter Wille konnte und vermochte nichts dagegen auszurichten. Wieder dachte er an seine Schwester und deren unschuldiges, treues undedlesGemüt. Konnte nicht auch seine Gemahlin ein solches besitzen? Doch wenn sie auch ein solches besaß, ihm gegenüber, der sie tötlich in ihrem weiblichen Stolze beleidigt hatte, mußte «S verschlossen bleiben. ~ .
Das Familiendrama zwischen den Fannlten Swoboda und Nepomuck nahm in den folgenden Wochen einen raschen Fortgang, denn die Verwicklung und der Knoten war ja gleich im ersten Akte unmittelbar nach der Vermahlung des Baron Curt mit Gisela Nepomuck, aufgetreten und uachdem nur von Seiten des Vaters der jungen Gemahlin, des Bankier Nepomuck, ein Versuch gemacht worden war, dem Zwiste eine sriedliche Lösung zu geben, hatte man ich dann von beiden Seiten bemüht, die Vermählung, welche zwei Menschen anstatt sür daö ganze Leben zu binden, in wenigen Minuten auseinander getrieben hatte, wieder auszuheben. Die Dinge hatten bereits einen derartigen Verlauf genommen, daß schwerlich eine Partei einen anderen ®eg Anschlägen konnte. Wenn auch im Herzen deS Baron Curt hellstrahlende Erkenntnis ihren triumphierenden Einzug gehalten hatie, so war der Schritt der Versöhnung dennoch gerade sür ihn sehr schwierig, sowohl in Bezug aus di« Ausführung, als auch noch mehr auf die Wirkung.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d-Annoncen-Bureaux von G 8. Daube u. Co. in Frankfurt o. A.'.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juni. Der „Staats-Anzeiger" publiziert das Gesetz, betreffend die Aufhebung der Verbots gegen das sogenannte Schäfervorvieh und die besonderen Kündigungsfristen und Umzugötermine für Schäfer und deren Gesinde. — Infolge des schweren Unfalls, der den.Herren- meister des Johanniter-Ordens, Prinz Karl von Preußen, betroffen hat, können Kapitel uns Ritterschlag in Sonnenberg am 23. und 24. d. MtS., zu welchem ungefähr 200 Einladungen an Ordensritter in allen deutschen Gauen ergangen sind, nicht stattfinden, sondern sind bis auf weiteres vertagt worden. — Prinz Friedrich Karl ist von Kassel wieder hier eingetroffen. — Der Bundesrat hielt heute Nachmittag eine Sitzung, auf deren Tagesordnung zunächst drei Vorlagen standen, nämlich die beiden bereits bekannten, betreffend die Ausprägung von NeichS-Gold- und Silbermünzen im Jahre 1881 und die Ergebnisse deö HeeresergänzungSgeschäftS im Reichsgebiete für 1881, sowie eine weitere Vorlage über Verhütung von Zolldefraudation vermittelst Postseudungen. Es folgten dann eine
Er, der geglaubt hatte, mit klarem Geiste und starkem Charakter einer Verbindung zu entgehen, die ihm ganz besonders lästig erschien, fühlte jetzt nicht nur sein Unrecht, feine verkehrten Anschauungen heraus, sondern er mußte sich auch samt seinen Eltern und seinen Geschwistern als die Sühnopfer für feine Handlungsweise betrachten. TaS Gesühl, welches Baron Curl im weiteren Verlaufe seines ScheidungSprozeffes mit Gisela empfand, war daher ein ganz anderes, als dasjenige, welches er hatte, als ihm fein Rechtsanwalt zum erstenmale anzeigte, daß der Scheidungsprozeß voraussichtlich einen raschen und befriedigenden Verlauf nehmen werde, Nachdem die beiderseitigen Advokaten bei den zuständigen Gerichten die Formalitäten eiu- geleitet und auch schon Termine gehabt hatten, in denen jedoch die klagenden Ehegatten verschmäht, persönlich zu erscheinen, war ihnen nun doch das persönliche Erscheinen zur unerläßlichen Pflicht gemacht worden, wenn der Scheidungsprozeß nicht tu eine schließlich zu keinem Resultate führende Verschleppung geraten sollte.
Baron Curt hatte sich mit schwerem Herzen zu diesem gerichtlichen Gange entschlossen, denn seine innere Verstimmung war bis dahin gewachsen, die teilnehmenden Worte seiner Schwester, der Baroneß Gertrud, waren für ihn ebensoviel bittere, stachelnde Vorwürfe und von «eiten feiner Eltern, die seit der Erfahrung, daß der Bankier Nepomuck eine furchtbare Rache zu üben entschlossen war, eine große Niedergeschlagenheit zeigten, konnte Baron Curt erst recht keinen Trost erwarten, und seine im höchsten Maße taktvolle Mutter band ihm vor seiner Abreise nach Wien, wo dcr Prozeß geführt wurde, nur noch aufs Herz, unter allen Umständen mit Würde den AuSgang des Prozesses zu ertragen und von keiner anderen Regung deS mensch-
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Dietrich u. Co. m ”• „nd Hannover; Th. Eich in Frankfurt a.M.; ®' ,fenftein u- Vogler in öfurt a. Bk., Berlin, 8g Mn rc.; Rudolf Ä in Berlin, Frank- furt °- At. rc-
Mitteilung über den Handelsvertrag mit Italien, ein Antrag auf Besetzung von Stellen bei den Disziplinarkam- mcrn und eine Reihe von Anträgen und Berichten der Ausschüsse. — Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt bezüglich des Berichtes der Tabakrnonopol-Kornmisston, den selbst die Gegner des Monopols als einseitig und unvollständig bezeichnet haben, derselbe werde für die weitere Verbreitung des Monopolgedankens im deutschen Volke ein wichtiges Aktenstück bleiben. Unbefangene Leser würden aus demselben entnehmen, daß den Verfasser die Furcht beherrscht hat, es könnte doch als richtig erkannt werden, daß das Monopol mehr und besser als jede andere Steuer und Steuerform die Mittel zur allgemeinen Finanzreform liefern werde. Daher das emsige, jedoch mißlungene Bestreben, die Rentabilitäts - Berechnung der Vorlage zu er- schüttern, welches nahezu den ganzen Inhalt des Berichtes ausmacht. — Die Kommifsioil zur Vorberatung der Arbeiter Kranken- und Unfallverstcherungsgefetze setzte heute die Beratung des Krankenversicherungsgesetzes fort, und zwar des § 43 desselben, mit welchem dcr Abschnitt über die Ortskrankenkassen beginnt. Nach längerer Diskussion schritt man zur Abstimmung, und wurde § 13 (Absatz 1 nach der Regierungsvorlage, Absatz 2 nach dem Anträge Buhl) in folgender Fassung angenommen: „DieGemeinden sind berechtigt, für die unter die Vorschrift deö § 1 fallenden, in ihrem Bezirke beschäftigten Personen Orts- und Kranken- Kaffen zu errichten. Die Errichtung solcher Kassen kann von der höheren Verwaltungsbehörde untersagt werden, wenn die Zahl der bei der Kasse zu versichernden Personen weniger als fünfzig beträgt. — Die Absätze der Regierungsvorlage wurden gestrichen. Dann mußte die Beratung wegen Beginnes der Plenarsitzung auf morgen vertagt werden. — Die GewerbeordnungSkommisston beriet in ihrer heutigen Sitzung den § 56 des Gesetzes über die Abänderung der Gewerbeordnung, nachdem sie zuvor von dem Abg. Fritzen den Bericht über die inzwischen wieder eingegangenen Petitionen entgegen genommen. Der § 56 bestimmt diejenigen Gegenstände, welche vom Ankauf ober Feilbieten im Umherziehen ausgeschlossen sind. Die ersten zwei Absätze der Regierungsvorlage wurden, nachdem man die einzelnen Nummern der ausgeschlossenen Artikel mit Mehrheit bezw. einstimmig angenommen und die die Sache berührenden Amendements abgelehnt hatte, mit einem wesentlich redaktionellen Amendement zu der Nr. 7 (mineralische und andere leicht entzündliche Oele, sowie Spiritus) angenommen. — Dann trat die Kommission in die Debatte über daö Alinea d, welches von dem Handel mit Druckschriften, Bildwerken rc. handelt. Die Diskussion wurde dann auf Sonnabend Vormittag 10 Uhr vertagt.
— Seit einigen Jahren wendet man mit Recht die Aufmerksamkeit aus die Hebung bet Obstkultur, welche in ______________________■ - -------- ________
liehen Herzens einen Schatten auf den Adel seiner Gesinnung und Abkunft fallen zu lassen.
Der Baron Andreas befand sich der ganzen Situation regungslos gegenüber, er sorgte wohl außer dem Hause für eine gute Ausführung feiner gutsherrschaftllchen Geschäfte, aber seiner Familie und zumal Curt gegenüber blieb er in sieh gekehrt und auf diese Weise verabschiedete et sich auch von dem nach Wien reisenden Sohne.
Drei Tage später saßen zwei Männer im Wartesaale eines Wiener Gerichtsamts. Der eine war furchtbar bleich und die Züge des schönen, aristokratischen Gesichts zeigten einen inneren Gram, wie man es schwerlich zum zweiten Male in dem Antlitz eines Menschen sehen konnte. Der Gram hatte wirkliche Furchen durch da) Gesicht gezogen und dasselbe erschien wie ein in Marmor erstarrtes männliches Medusenhaupt, dabei erglänzten die Augen in einer so unbeschreiblichen Wehmut, daß sie den Schreck, den der Beschauer beim Anblick des bleichen, vergrämten Gesichts empfand, zu einer menschlich rührenden Teilnahme herab- milderten. Der Mann mit dem sorgenvollen, tiefbetümmerten Antlitz wat Baron Curt von Swoboda und die neben ihm stehende Person wat der ihn vertretende Rechtsanwalt der Familie Swoboda.
Einige Minuten später erschienen auch drei andere Personen im Wartesaale deö Gerichts. Es war eine junge, schwarzgekleidete, tiefverschleierte Dame, welche von einem älteren Herrn geführt wurden, und ein junget Mensch, der beide höflig begleitete. Die Ankunft dieser drei Personen weckte den Baton zunächst nicht im Geringsten auS seinem apathischen Zustande, sondern er ließ seinen tiefbetümmerten Blick nur mechanisch über die angekommene Gruppe schweifen.
(Fortsetzung folgt.)
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