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(Zustimmung.)

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des Zolltarifs. Beim 1, welcher die Erleichterung der Ausfuhr der Mühleufabrikate betrifft, referiert Abg. Heydemann zunächst über die eingegangenen Petitionen.

Abg. Frhr. v. Heeremann ist mit dem § 1 durch­aus einverstanden, bedauert aber, daß die Regierung erst jetzt den lang geäußerten Wünschen des Reichstags entspreche. Gleichzeitig geht er auf einigeZollkuriosa" ein. Bundes« bevollmächtigter Direktor im Reichsschatzamt B n r ch a r d t konstatiert dagegen, daß die sogenanntenZollkuriosa" gar nicht aus den Bestimmungen der neuen Zollgesetzgebung, sondern auS der früheren Gesetzgebung resultieren. Im übrigen hätte die prinzipielle Aenderung deö ZollgesetzeS von 1879 naturgemäß doch erst reiflicher Erwägung be« bürst. Abg. Koch Hann (LandSberg) besorgt, daß die brr Müllerei durch das Gesetz von 1879 zugefügten Schäden

Eine Anzahl der Petitionen wird für erledigt erklärt, v. B e h r-Negendonck empfiehlt seinen Antrag, bei 5 H deö Tarifs hinterWasserglas" einzustellenSchlemm­kreide", welchen Antrag Bundeskommissar Burchardt nicht direkt bekämpft.

Abg. Windthorst unterstützt den Antrag, gegen welchen Abg. D o h r n und Braun sich als unzeitig er­klären. Letzterer hält die Annahme schon deshalb jetzt für ausgeschlossen, weil sonst das Zustandekommen des Gesetzes leicht gefährdet werden könne. Abg. v. Kardorff zieht den Antrag hierauf mit Zustimmung des Antragstellers zurück. Abg. W i n d t h o r st meint, cS müsse den Leuten bald geholfen werden, dieselben könnten nicht bis zur nächsten Session warten. Abg. Richter verweist darauf, daß die Zementfabrikation und das Baugewerbe durch den Zoll auf Schlemmkreide schwer geschädigt würden, und empfiehlt die Schaffung neuer Kommunikationsmittel durch Anlage einer Sekundärbahn auf Rügen. In der Abstimmung über den § 2 wird Nummer 1 angenommen, der übrige Teil abgelehnt. Fürst Bismarck ist in daö Haus ein­getreten.

Bei der Abstimmung über § 2 wird Nummer 1 an­genommen ; von Nr. 2 wird A (Erden rc.) angenommen, B (Pappen), C (Garne), D (Asbestgewebe), E (Asbest­waren) abgelehnt; in Nr. 3 wird auf Antrag deL Abge­ordneten Koch der Zoll von 30 M. auf 10 M. ermäßigt. Nr. 4 (Fußdecken) wird abgelehnt, Nr. 5 (A Lichte, B Honig, C Stearin) wird abgclehnt. Nr. 6 Steine, Steinwaren wird genehmigt. Die Abgg. von Minnigerode, Reichen« sperger, Sonnemann nnd L^uschner verzichten wegen vorge­schrittener Zeit und rücksichtlich der vorhergehenden Ab­stimmung aufs Wort; darauf werden sämtliche Positionen B und C abgelehnt, ebenso D, E und F und § 3 ange­nommen. Es folgt die zweite Beratung des von dem Abg. Schmidt und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung des Zolltarifgesetzes, welcher an- genonimen wird. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr: Schmalz-Zoll, Wahlprüsungen.

In Brief.-

großen Welt und ein unschuldiges, reizendes Mädchen­gemüt war, tief gerührt und in große Verlegenheit ge­bracht. Aber sollte er diesem Wesen, welches er als Bruder so sehr liebte und schätzte und dessen Lebensglück er so rosig als möglich gestaltet zu sehen wünschte, die Wahrheit sagen und eine vollständige Aufklärung der Not­lage geben, welche sich über die Familie Swoboda eröffnet hatte. Baron Curt schrak vor diesem Gedanken zurück und suchte nach einer Notlüge. Er befand sich indessen nicht in der Stimmung, sofort eine passende zu finden sondern sagte verdrießlich:

Es giebt zuweilen wirtschaftliche Kalamitäten, welche uns viel Sorge bereiten. Du brauchst Dich indessen darüber nicht zu ängstigen, Gertrud, Dein Lcbensloos bleibt dadurch unverändert, Du bist unser Trost, unser Glück und unsere Freude."

T iese Worte wurden jedoch einesteils vom Baron Curt nicht mit entsprechender Sicherheit ausgesprochen, um be­friedigen und beschwichtigen zu können und andcrnteils schien auch Baroneß Gert»ud wenig Lust zu haben, sich mit diesen Worten zufrieden geben zu wollen. Sie legte aufs Neue ihren Arm schmeichelnd um den HalS des Bruders und sagte mit ernster Stimme:

Es ist wohl mehr als das, waS Du mir mitteilst und was Dich und Papa und Mama bedrückt. Ich war im Korridor, als Ihr Drei im Zimmer wäret und hörte da den NamenBankier Nepomuck" mehrmals von der zürnenden Stimme der Mama nennen. WaS will denn dieser Bankier Nepomuck noch von unS? Er ist uns ge­wiß recht böse, daß Du seine Tochter nicht alö Deine Ge­mahlin anerkennen willst.".

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Bei ecm Eintritt in die Tagesordnung gedachte der

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Gisela.

Novelle von A. Hor st.

(Fortsetzung)

Die mittägige Ruhe in der Natur, die fächelnde Kühle im Schatten der dichtbelaubten Bäume und die angenehme Tvmmcrluft wirkten erleichternd auf die Gemütsstimmung de« Baron Curt, doch rang sich mancher Seufzer aus seiner Brust und die Augen schließend schien er zu dem Resultate gekommen zu sein, daß eS gut wäre, die Situation, in der er und die ©einigen sich befand, zunächst einen Augenblick zu vergessen. Nicht lange hatte indessen Baron Curt so dagesessen, als Jemand leichten Schrittes nahte und eine fauste Hand sich um seinen Nacken legte.

Der überraschte Baron Curt richtete rasch das gebeugte Haupt empor und erkannte seine Schwester, die 16jährige Baroneß Gertrud von Swoboda, dasselbe junge Mädchen, welches vor einer Stunde die Männer eben im Zimmer belauscht und ihrer Mutter offenbar Kenntnis von dem außergewöhnlichen Ereignis, da« den Gemahl und Sohn auf einige Zeit niedergeschmettert, gegeben hatte.

rDu bist heute recht traurig, Curt," redete Baronch Gertrud ihren Bruder an und fuhr fort:Pap- und Mama befinden sich in einer ähnlichen Stimmung. Mir es ganz ängstlich da oben tu den Zimmern geworden, deshalb ich in den Garten herabgeeilt bin. Was ist denn geschehen? Ich wagte weder Papa noch Mama zu fragen, ?brr diese Ungewißheit macht mir doch auch Sorge. Ich *w$u wenig Kind mehr, um fröhlich und lustig zu sein, ich lauter traurige Gesichter sehe."

Baron Curt war durch die herzlichen Worte seiner ^Wester, welche noch nicht angehaucht vom Tone der

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Deutsches Reich.

Berlin, 6. Juni. Der Kaiser empfing heute Nach­mittag um 4 Uhr den Reichskanzler. Infolge des Reichsbeamtengesetzes sind nachstehende Grundsätze betreffs der Zahlung des sogenannten GnadenvierteljahrS und Gnadenmonats sestgestellt worden: 1) Der den Hinterblie­benen eines Beamten auf gründ der §§ 7, 8, 31 oder 69 deS ReichsbeamtengefetzeS gebührende oder bewilligte Betrag der vierteljährlichen Besoldung, des vierteljährlichen Warte­geldes oder der einmonatlichen Pension des Verstorbenen ist, soweit es nicht schon diesem gezahlt worden, alsbald nach erfolgtem Nachweise deö Ablebens des Beamten,

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Annoncen-Bureaux jb. Dietrich u. Co. in :«,( und Hannover; Th. Fkrich in Frankfurt a.M.; Lenstem u. Vogler in Äsnrt a. M-, Berlin,

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS EonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr.) Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

bezw. nach der verfügten Bewilligung in einer Summe zur Zahlung anzuweisen. 2) Wenn und soweit das Gnaden- vierteljahr oder der Gnadenmonat in das auf den Tag der Zahlungsanweisung folgende Etatsjahr fällt, ist der entsprechende Teil der Gnadenbezüge zu Lasten deö nächsten Etatsjahrs zu verrechnen. 3) Der der Witwe und den ehelichen Nachkommen eines Beamten auf gründ des Reichs­beamtengesetzes zustehende Anspruch auf das Gnadenviertel- j-hr oder den Gnadenmonat ist mit der Maßgabe ver­erblich, daß, wenn ein Beamter mehrere solcher Angehörigen hinterlassen hat und derjenige, an welchen nach Bestimmung der zuständigen Behörde die Zahlung geleistet werden sollte, vor der Empfangnahme verstirbt, der Behörde die Ent­scheidung darüber zusteht, ob die Zahlung an den Erben des zuerst bestimmten Empfangsberechtigten oder an einen der übrigen unmittelbar Berechtigten zu leisten ist. Der Bericht der Tabakmonopol-Kornmisfion des Reichstags ist im Reichstage vorgelegt worden, enthält jedoch nichts, was nicht schon gelegentlich der Beratung der Kommission aus den Reden der einzelnen Mitglieder gemeldet worden. Die Kommission des Reichstags zur Vorberatung der Vor­lagen über die Arbeiter-Krankenversicherung und Unfall­versicherung setzte heute die Beratung des Gesetzes über die Krankenversicherung fort. Die §§ 7 (Verpflegung in einem Krankenhause) und 8 (Feststellung des ortsüblichen TagelohnS gewöhnlicher Tagearbeiter für männliche,. weib­liche, jugendliche und erwachsene Arbeiter, gesondert durch die höhere Verwaltungsbehörde) werden in dem Wortlaute der Regierungsvorlage angenommen. In dem § 9 (die Höhe der von der Gemeinde zu erhebenden Versicherungs­prämie und die Verwaltung der Gemeindekrankenkaffen be­treffend) wurde gleichfalls in dem Wortlaut der Regierungs- Vorlage, jedoch mit einem von dem Abg. Schröder (Lipp­stadt) beantragten Zuiatz, angenommen, nach welchem die Gemeinde die Verwaltung der Kasse unentgeltlich zu führen hat. Ebenso wurde in dem Alinea 3 dieses Paragraphen, welches lautet:Die Einnahmen und Ausgaben dieser Kasse sind getrennt von den sonstigen Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde festzustellen und zu verrechnen. Ein Jahresabschluß derselben ist alljährlich der höheren Verwaltungsbehörde einzureichen" auf Antrag des Abg. Dr. Hirsch hinter den WortenJahresabschluß derselben" die Worte:nebst einer Uebersicht über die Versicherten und die Krankheitsverhältnisse" eingefügt. Dann wurden wegen des Beginnes der Plenarsitzung die Verhandlungen auf morgen vertagt. DieKreuzzeitung" schreibt: Liberale Blätter erklären eS wiederholt für ausfällig, daß daS kirchenpolitische Gesetz noch nicht publiziert sei. Wir finden bisher darin nichts auffälliges und hören bestätigen, daß bisher ein Moment, welches die Beanstandung 6er Bestätigung vermuten ließe, keineswegs hervorgetreten ist, daß das Gesetz vielmehr die notwendien Stadien der

Diese Worte aus dem kindlichen Gemüt der Schwester berührten den Baron Curt recht seltsam und anstatt die Antwort zu geben, daß sie in dieser Sache nicht mitteben dürfe, blieb er stumm und verlegen.

Die von treuherzigen Gründen bewegte jugendliche Baroneß begnügte sich indessen mit einer solchen Erledigung der Angelegenheit nicht und sie fragte weiter:

Lieber Gurt, hassest Du denn die Dame, welche Deine Frau wurde, sehr, so sehr, daß Du ihr nie vergeben kannst? Ich habe Dich, den Papa und die Mama so oft davon reden hören, daß Du von Deiner Frau beleidigt und an der Ehre gekränkt worden wärest, aber von der bösen Thal, dem Verbrechen, was die Dir angetraute Dame begangen haben soll, habe ich niemals eine Erklärung gehört und die Geschichte sängt gerade jetzt an, recht unheimlich zu werden. Ihr seit Alle in Sorge und Trübsal wegen Dinge, die mit der Familie Nepomuck zusammenhäugen und ich soll wie ein Kind von Allem nichts wissen, nichts hören; aber wie kann ich noch glücklich und zufrieden sein, wenn es meine Eltern, und mein Bruder, bei Denen ich lebe, nicht mehr sind? Sprich, Gurt, ich will die näheren Gründe, die Aufklärung in dieser sorgenvollen Sache kennen lernen, ich will Dich und die Eltern trösten, aber sagt mir, was Euch fehlt."

Die Augen des Baron Gurt umflorten sich, aber keiner Antwort auf das treuherzige, naive Geplauder feiner Schwester mächtig, vermochte er nur, seiner Schwester einen zärtlichen Kuß auf die Stirn zu drücken, denn diese Unschuld und daö mehr als je gevffenbarte kindliche Gemüt derselben hatten den Baron Gurt tief gerührt.

(Fortsetzung folgt.)

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte?, sowie d.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u Co. in Frankfurt a. !l!.'.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThicneS in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

i überhaupt nicht wieder gut zu machen seien; übrigens hebt L« die prinzipielle Bedeutung des qu. Paragraphen hervor. Machdem dieser Redner vom Abg. v. Kardorff wider­legt worden, wird der 8 1 des Entwurfs vom Hause an­genommen.

Berlin, den 6. Juni.

Die heutige (12.) Plenarsitzung des Reichstags erste nach den Pfingstferien wurde vom Präsidenten *8 e v c o to mit einer größeren Reihe geschäftlicher Mit-

Hräsident dann noch in warmen Worten der Gotthardt- Mlichkeiten, an welchen der Gesamtvorstand des Reichs- - ii Lg infolge der an ihn ergangenen freundlichen Einladung ~ ^feitenß des schweizerischen Bundesrats und der Munizipaliät drr Stadt Mailand fast vollzählig teilgenommen habe. In «cherst zuvorkommender, freundlicher und liebenswürdiger Mise von den offiziellen Vertretungen und von den Be- Dölterungen von beiden Seiten der Alpen begrüßt, habe der Gesamtvorstand Gelegenheit gehabt, nicht nut Kenntnis >u nehmen von der Großartigkeit deö ausgeführten Eisen- dchnbaues und dessen gelungenen Ausführung, sondern auch dsvon, daß tie Beteiligung des Deutschen Reichs an dem Nlenbahnbau in der Schweiz und in Italien dankbar an« Pr. st b «Knut werde, sowie daß das Deutsche Reich, der Deutsche ! Reichstag und der deutsche Name diesseits und jenseits der

Upen überall die herzlichsten Sympathieen finde. Alö ein ~ \ Zeichen dieser Sympathie fei es auch zu betrachten, daß _ \ Amtlichen Kollegen des Reichstages Freikarten zur Gott- i hendtsahrt zur Verfügung gestellt seien. Wir dürfen nach alledem die Hoffnung hegen, daß der neueröffnete inter- rationale Verkehrsweg unserem Vaterlande zum Segen ge­reichen werde, und daö nicht nur in materieller Beziehung.

Briefs 101(1 165 ,jaen nimmt entgegen: KO ^rnebition d. BlatteS.