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Marburg, Dienstag, 6. Juni 1882

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H|L Mungsgesetzcs für bi Uli Ua die Spezialberatung

des Gesetzentwurfs, betreffend die

Krinikenversichcrung der Arbeiter, die jedoch noch mehr den

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Charakter der allgemeinen Debatte trug. Die Spezialdis- kiiiston wurde zunächst auf die 88 1 bis 3 ausgedehnt, die von dem VersichcrungSzwang handeln. Bei dieser Ge­legenheit sprachen sich fast sämtliche Redner, so auch die- jniigen der liberalen Partei, wie Dr. Hirsch, Ludw. Löwe, Dr. Lasker u. s. w. für die Beibehaltung des Versicherungs- zwanges aus, da sie ohne denselben eine Beeinträchtigung dir wohlthatigen Wirkung des Gesetzes befürchteten. Eine mitere Frage, welche in der Debatte zur Anregung gebracht wurde, war diejenige, ob es sich empfehle, nach Beendigung der ersten Lesung des Krankenkassengesetzes in die zweite Lesung desselben einzutreten, oder ob sich nicht empfehle, dann zunächst die erste Lesung des UnfallverstcherungsgesetzeS felgen zu lassen. Diese letztere Anschauung fand besonders unter den liberalen Abgeordneten Anklang. ES wurde zur Begrünoung derselben auf die enge Zusammengehörigkeit hingewiesen, in der diese beiden Vorlagen zu einander stehen, und auf die Notwendigkeit, die Prinzipien deS Unfallver- siherungsgesetzeS zunächst festzustellen, bevor man an die definitive Entschließung über den Krankenkassenentwurf herangehe. Diese Anschauung fand auch bei den politisch gegnerischen Parteimitgliedern Zustimmung, während die Vertreter der Negierung derselben widersprachen und dafür eintraten, der ersten Lesung deS Krankenkassengesetzes sofort die zweite Lesung desselben folgen zu lassen. Die Abstim­mung über diese Frage wurde vorläufig noch ausgesetzt. Die dritte prinzipielle Frage, welche bet der SpezialdiS- Mjloit debattiert wurde, betraf die Aufnahme der land­wirtschaftlichen Arbeiter in den Rahmen deS Gesetzes. Diese Frage wurde nicht als eine Parteifrage behandelt, da sich sowohl konservative wie liberale Mitglieder für und gegen die Ausnahme der ländlichen Arbeiter aussprachen. Rach 1 Uhr trott in der Debatte eine Pause ein. Die Ge- werbcord'.iungSkommisfion deS Reichstages setzte heute Vor-

schaften, Verbände, Gesellschaften und JnnungSbündnisse vertreten. In Fortsetzung der Tagesordnung kommt Punkt 7 zur Debatte:lieber die den Handwerkerstand schädigen­den gesetzlichen Bestimmungen und schädigenden Einrichtun­gen in bezug auf a. Gefängnißarbeit, b. die Militärwerk­stätten, c. das Submissionswesen, d. das Hausierwesen. Dazu sind 4 Anträge eingegangen, von denen einer als nicht dazu gehörig zurückgelegt wird. Seitens des Vereins zum Schutze des Handwerks zu Berlin wird durch Dr. Polakowsky beantragt: eine Petition an den Reichstag ab­zusenden, um das Hansiergewerbe möglichst zu gunsten des stehenden Handwerls- und Gewerbebetriebes zu beschränken. Dr. Polakowsky befürwortet den Antrag namentlich durch den Hinweis, daß dessen Realisierung schon im Nahmen der bestehenden Gesetze ausführbar ist, während wir auf obligatorische Innungen und die damit zusammen­hängenden Gesetze noch lange werden warten müssen. Worüber alle Handwerker einig sind, das ist als das Mini­mum ihrer Forderungen zu betrachten, und doch wird schon solches Verlangen, wie das vorliegende, wo die Einigkeit erzielt ist, von den Regierungen für ein zu weitgehendes bezeichnet. Redner wendet sich dann gegen die Flickarbeit in der Gesetzgebung und gegen die Verdächtigungen der Liberalen, welche durch gehässige Entstellungen an und für sich durchaus gerechte Forderungen immer als undis­kutierbare und mittelalterliche hinstellen, und bittet den Handwerkertag, einen klaren Standpunkt in dieser Bezie­hung einzunehmen. Bäckermeister Kiehling in Werni­gerode entwirft ein trübes Bild der Lage der Bäcker in kleinen Sädten und sieht die Ursache davon nicht nur im Hausiergewerbe, sondern auch in den Konsumvereinen, wes­halb er bittet, auch diesen gegenüber eine bekämpfende Stellung ein- und seinen Antrag anzunehmen; die hohe Staatsregierung zu ersuchen, den Konsumvereinen ihre Auf- Aufmerksamkeit ebenso zuzuwenden, wie dem Hausierwesen. Rentier Dübeler-Bromberg warnt vor dm ewigen Klagen und will lieber positive Vorschläge hören. Mit ersteren könne doch die Regierung nichts anfangen. Dann wendet er sich auch gegen die Konsumvereine, in denen meist vom Staat besoldete Beamte dem Handwerker und Geschäfts­mann Konkurrenz machen. Er befürchtet dadurch das Ueberhandnehmen eines Kastengeistes. Brandes bemerkt, daß der Centr lvorstand schon zahlreiche positive Vorschläge gemacht habe. Faßhauer, Schneider, Köln, ist für Ver­tagung aller dieser Beschwerden, und hofft, daß sie durch Geltendmachung der gestrigen Beschlüsse mit erledigt werden. Er will nur auf den einen Uebelstand der Ge- fängnisarbeit aufmerksam machen, nämlich den, daß die Staatsgewalt sich zum Lehrmeister für die Sträflinge her- giebt, die nach ihrer Eutlasfung einen keineswegs wünschens­werten Zufluß zu dem erlernten Handwerk bilden und zu dessen moralischer Hebung gewiß nicht beitragen. Bezüge

mittag 11 Uhr die Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung, fort. Man fuhr zunächst in der Diskussion über Absatz 1 des 8 35 fort, der sich auf die Tanz-, Turn- und Schwimmlehrer und die Winkelkonsulenten bezieht. Hierzu hatte der Abg. von Schalscha einen Antrag gestellt, der auch den Betrieb der Badeanstalten unter diese Bestimmungen ausgenommen zu sehen wünscht, während der Abg. Dr. Roe den Antrag ge­stellt hatte, den bisherigen Absatz 1 des 8 35 der Gewerbe­ordnung beizubehalten. In der Debatte sprechen sich die meisten Redner gegen diesen Antrag aus, und gaben sogar den Wunsch zu erkennen, daß noch eine Verschärfung der Bestimmungen erfolgen möge. Der Abg. Ruppert hatte ein dementsprechendes Amendement gestellt. Die Beschluß­fassung wurde noch ausgesetzt.

Magdeburg, 2. Juni. (Handwerkertag.) In der gestrigen Debatte über Punkt 6 der Tagesordnung:Grün­dung eines gemeinsamen Verbandes zur Weiterführung der Handwerkerfragen", bedauerte Lütke (Berlin) die schlechte Vertretung der Handwerkerinteressen in den gesetzgebenden Körperschaften. DerFortschritt", der Feind des Hand­werks, sei in agitatorischer Beziehung thätiger; dem Hand­werk fehlen die Führer; er beantrage also die Bildung einer eigenen wirtschaftlich-politischen Partei. Faßhauer (Köln) tritt für die Bildung eines allgemeinen deutschen Handwerkerbundes nach Fechenbach'schen Prinzipien ein. Der bestehende Centralverband erfülle seine Aufgabe nicht. Heinze (Hannover) verteidigt das Komitee des Centralver­bandes. Krüger (Wollin) will eine Prüfung der Wahl- kanditaten für den Reichstag auf ihre Stellung zur Hand­werkerfrage. Biehl (München) verlangt die Wahl von Handwerkern in den Reichstag. Es wird darauf mit gro­ßer Majorität die Bildung eines aus 5 Mitgliedern be­stehenden Centralkomitees mit Berlin als Sitz beschlossen. Gewählt werden die Herren Meyer, Drechslermeister, Ga- sedow, Schmiedemeister, Faster", Schornsteinfegermeister, Lütke, Schuhmachermeister, Bernard, Bäckermeister, und zu Ehren-Prästdeitteu Köppen, Schneidermeister und Brandes, Tischlermeister; sämtlich Berliner. Nachmittags hatte der Magdeburger Meisterverein die Delegierten zu Konzert" und Tanz nach dem Odeum eingeladen. Heute eröffnete der Präsident Brandes bei zahlreicher Beteiligung der Dele­gierten die Sitzung um 9l/i Uhr. An der eben verteilten Präsenzliste werden einige Ausstellungen gemacht, nament­lich, daß nicht bei allen aufgeführten Vereinen die Zahl der Mitglieder angegeben ist. Dieselbe würde, wenn dem Komitee bekannt, angegeben worden sein. Die Liste weist 228 Delegierte mit 398 Mandaten auf. 5 Herren haben nur persönliche Berechtigung. Die Berliner Delegierten vertreten 16 545 Mitglieder. Unter den Auftraggebern sind 155 Innungen, deren Mitgliederzahl zwischen 200 bis 1700 schwankt. Außerdem sind Vereine, Genossen-

Alles weitere wird mein Rechtsanwalt veranlassen. Soll­ten Sie zu dem Entschluffe kommen, Ihre Landgüter zu verkaufen, so darf ich mir wohl bei Vorkauf ausbitten, denn außer den in den Hyotheken stehenden dreihundertund- fünfzigtausend Gulden schulden Sie mir bekanntlich, noch hunderttausend Gulden auf einer einfachen Schulover- fchreibung und ich muß Ihnen offen gestehen, daß ich die Hyoptheken nur deshalb erwarb, um auch die ohne Unter« pfaiw geliehenen hunderttausend Gulden sicherer zu stellen. Im klebrigen sei Ihnen oder vielmehr Ihrem Sohne, dem Herrn Baron Curt von Swoboda, mitgeteilt, daß zwischen mit und meiner Tochter ein Einvernehmen dahin erzielt ist, daß ich und meine Tochter gern in die Auf­lösung der wertlosen Ehe zwischen Ihrem Sohne und meiner Tochter willigen und dag von unserer Seite die Ehescheidungsklage dem entsprechend eingereicht worden ist.

Ihr ganz ergebener

Carl Nepomuck.

Nachdem Baron Curt vom Inhalte dieses Briefes Kennt- niß genommen ha te, schrack auch er wie sein Vater tief im Innern erbitternd zusammen, denn der junge Aristokrat erkannte jetzt vollständig die M.-cht des plebejischen Geldes, welche erdrückende Macht der Banquier Nepomuck gegen die adelstolze Famlile der Swobodas, die den Banquier und seine Tochter Gisela verächtlich von sich geschleudert hatte, als Trumpf ausspielte. Lange peinliche Minuten verflossen in dem Zimmer, wo diese beiden Männer ratlos beisammen faßen. ES schien förmlich, als wenn diefe kräftigen Männer­gestalten von einer unsichtbaren Gewalt körperlich und geistig gelähmt worden wären, so tief drückte sie das Bewußtsein deS nahenden Unglücks darnieder. 5 ernt was ist ein Ange­höriger des glanzvollsten Adelstandes, wenn er sein Ver-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; JLgerschc Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Deutsches Reich.

Kxrliu, 3. Juni. Die Fran Prinzeß Wilhelm geht bereits jut Park wieder spazieren. Zur Taufe des jungen Prinzen B 11. d. wird, wie gemeldet, auch der Kronprinz Rudolf M Oesterreich erscheinen; dagegen bestätigt sich nicht, lnjj Fürst Bismarck als Taufpate Ungeladen sei. Die Mlle eines Vortragenden Rats im Ministerium des Unter­

mögen verloren hat und sich nicht im Besitz einer hin­reichenden Staatsstellung befindet? Ein furchtbarer Zwie­spalt zwischen Rang und Vermögen, Stolz und Ohnmacht, Wollen und Können tritt ein und es ist den meisten ver­armten Adeligen unmöglich, auch wenn sie einen starken Charakter haben, diese Gegensätze auszugleichen. Diese Bilder zogen nun jetzt an der Seele des Baron Andreas und Curt von Swoboda vorüber und während dem Ober- Haupte der Familie, Baron Andreas, neben dem persönlichen Unglücke noch dasjenige seiner Familie betreffen mußte, an der Seele nagte, breitete sich vor dem Sohne Baron Curt, welcher sich doch eben noch mit so großen Hoffnungen trug, eine ganz dunkle Zukunft aus. #

Weißt Du noch einen rettenden Ausweg ans dieser Calamität, Gurt?" wandte sich der Baron Andreas an den schwer getroffenen Sohn.

Ich weiß nur den, welchen mir die Verzweiflung ein- giebt. Wir wollen alle samt und sonders nach dem AuS- lande gehen. Eine Summe, welche das Reisegeld und die ersten Unterhaltungskosten deckt, besitzen wir ja noch, und wenn die Koffer gepackt und alles zur Abreise fertig ist, dann schreiben wir an den Bankier Nepomuck einen Brief, daß er kommen kann, um unser bisheriges Besitztum in Empfang zu nehmen zur Deckung seiner Ansprüche an uns. Auf diese Weise wenden .vir als ehrliche Leute dem Vater­lande den Rücken."

Und wohin wollen wir unS wenden, was soll unser neues Vaterland werden, Curt?"

Nun, das Land, waS so viele Unglückliche und Ent­täuschte anfsnchen, Amerika!"

(Fortsetzung folgt.)

Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Fortsetzung)

WaS ist Dir, Vater?" rief mit entsetzter Stimme der Aaron Gurt und faßte nach der Hand des Baron Andreas, teie nm ihm zu helfen.Du bist plötzlich erkrankt. Wir »ollen Dich zu Bette bringen und schleunigst den Arzt holen offen I"

Nicht doch, lieber Gurt!" entgegnete der Baron Andreas, »elcher feine Kräfte wieder gefunden hatte, mit trauriger Stimme.Ich bin nicht krank, nein, ich bin unglücklich und nicht ich allein, nein, Du auch, Deine Matter, Deine «rüber, Deine ganze Familie ist tief, tief unglücklich."

Barmherziger Gott! Was ist geschehen, lieber Vater?" tQn9 Baron Gurt hervor.

.hier lies diesen Brief!" sagte tonlos Baron Andreas und wies auf ein am Boden liegendes Schreiben.

Der junge Baron bückte sich danach, hob den Brief ^sfig auf und begann feinen Inhalt zu durchfliegen. Der war vom Banquier Carl Nepomuck an den Baron Andreas von Swoboda gerichtet und enthielt im trockenen ^ofchäftstvne folgende Mitteilungen:

Sr. Hochwohlgeboren dem Herrn Baron Andreas von Swoboda.

Hiermit zeige ich Ihnen an, daß ich bei einer günstigen Eigenheit die beiden Hypotheken von zweihunderttaufend ud hundertundfünfzigtausend Gulden, welche auf Ihren .Sitzungen laste», käuflich erworben habe. Umstände, die ^3bnen nicht näher aiieeinanderzufetzen für nöttg finde, unlafse,, mich, Ihnen diese Hypotheken vom nächsten !«n Oktober auf den nächsten ersten April zu kündigen.

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und Hannover; Th.

UlrichFrankfurt a.M.; Änstein u. Vogler m öfurt a. M., Berlin, L.jg, Köln rc.; Rudolf Mr in Berlin, Frank- ^" furt a. -DL rc._______

1 -Mz und eines Dezernenten für die Universitäten, welche ' }iI verstorbene Geh. Rat Göppert beteibete, ist dem Pro- "W tifor Wach in Leipzig angeboten worden, indessen hat dieser «»gesehene Jurist sich nicht entschließen können, seine gute Stellung in Leipzig zu vertauschen mit einer andern, die iicar einflußreich, aber auch dornenvoll ist. Die Kom­mission des Reichstags zur Vorberatung des Unfallver- " ' ' " die Arbeiter rc. trat heute Vormittag

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wSchentlichen BeilageJllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 8*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

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