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Marburg, Donnerstag, 1. Juni 1882

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dem Chauvinismus Vorschub leisten, und in solchen Fallen bleibt der friedliebendste Franzose unberechenbar. (R.-B.)

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Aeutzere und innere Politik in Frankreich.

Der optimistische Traum von dem so leicht zu pflücken­den egyptischen Vorbeer ist rasch verpflegen. Nicht allein als ein planloses Manöver erscheint jetzt die Flottendemon­stration vor Alexandrien, sondern sie hat auch Frankreich in einem Grade engagiert, daß ein Ausweg ohne neue Einbuße des Prestige kaum zu finden ist. Das Mini­sterium Freycinet verdankt sein Dasein der Furcht vor Gambettas Diktatur, welche die verschiedenen Parteien ge­einigt hatte, und diese Furcht war es, welche seine innere wie äußere Politik vorschrieb.Französische PrSponderanz i't Egypten", war Freycinet gezwungen, in seinem Pro­gramm zu verkünden. Er mußte, um sich zu behaupten, dem Chauvinismus diese Konzession machen, weil Gam- betta nur darauf lauerte, ihm ein Preisgeben des natio­nalen Ansehens und Einflusses im AuSlande nachzuweisen. So durch die Gewalt der Umstände gezwungen, that er den ersten verhängnisvollen Schritt, nach welchem er nur die Wahl hat, entweder energisch weiter zu schreiten und die vielgeschmähte Abenteuerpolitik seines Vorgängers im Amt aufzunehmen, oder zu resignieren. Eine Döroute in Egypten ist der Sturz des Ministeriums der parla­mentarischen Kompromisse.

Inzwischen hat sich in der großen republikanischen Par­tei eine längst bemerkbare Spaltung vollzogen. Die Gam- bettistische wie die antigambettistische Presse hat dafür ge­sorgt, daß man sich im Publikum mit der Möglichkeit eines persönlichen Regiments näher vertraut gemacht hat. Man hat so viel und so lange von Diktatur und demo­kratischem Cäsarismus, welcher den demokratischen Parla­mentarismus bedroht, gesprochen und geschrieben, daß man beim Schiffbruch der inneren und äußeren Politik dieses letzteren sich unwillkürlich fragen wird, ob nicht der erstere vorzuziehen sei. Paul Bert hat auf dem Banket der ehe­maligen Schüler des Kollegs zu Auxerre am 21. d. M. diese Thatsache anerkannt, indem er in feiner Rede u. a. Tagte:In der republikanischen Partei giebt es zwei Wege, den Fortschritt zu erreichen, der autoritäre und liberale." Diese Worte kennzeichnen die Spaltung, nicht nur der Partei, sondern auch des ganzen Landes. Auf der einen Seite beginnen sich die Anhänger der Zentralisation, der

Gisela.

Novelle von A. H o r st.

(Fortsetzung)

Der Bankier Nepomuck, dem als Millionär die ge­wöhnlichen Freuden des menschlichen Daseins wenig Reiz gewährten und der außerdem recht wohl wußte, daß er eine sehr einflußreiche Stellung im menschlichen Leben inne hatte, besaß die erklärliche Neigung, seine einzige Tochter wit einem Manne zu vermählen, der ihm das, was ihm an gesellschaftlichem Rang, Titeln und Würden noch fehlte, ^bringen würde. Indem Nepomuck dabei noch ent­sprechende feine Lebensmanieren bei seinem künftigen Schwiegersöhne voraussetzte, verlangte er dann von dem­selben weiter nichts als einen hohen gesellschaftlichen Rang, °as Glück der Neuvermählten mußte sich nach Nepomuck« Berechnung dann ganz von selber finden. Auf diese Weise war die Ehe zwischen dem Baron Curt von Swoboda und Msela Nepomuck zustande gekommen und waren diesem Hauptmotive nur noch zwei andere wesentliche Gründe untergeordnet. Die an und für sich recht achtbare Familie Swoboda war ziemlich verschuldet und der biedere Baron Andreas von Swoboda wußte sich fast gar nicht mehr seinen und seiner Söhne Schulden, die, sich lawinen- uuig vergrößernd, den Besitzstand des Barons Andreas be- r-ngten zu retten und der Baron sah bald ein, daß nur bi * die Consolidicrung dieser flottierenden Schulden, urch die Aufnahme einer großen Anleihe zu mäßigem ^lnssuße seinem Ruine vorgebeugt werden konnte. Doch tiefer Beziehung war eben eine schwierige Aufgabe zu Jen- Schon zwei beträchtliche Hypotheken lasteten auf "U Swoboda'schen Besitzungen und der Kapitalist, der

noch in dritter Hypothek hunderttausend Gulden darleihen sollte, wollte sich gar nicht finden. Nachdem nun die dies­bezüglichen Bemühungen der vom Baron Andreas von Swoboda beauftragten Unterhändler gescheidert waren, faßte der um die Zukunft seiner Angehörigen schwer bekümmerte Baron Andreas den Entschluß, durch eigene direkte persön­liche Bemühungen für die Beschaffung des notwendigen Kapitals zur Beseitigung seiner schwebenden Schulden Sorge zu tragen. Auf den Rat und die Empfehlungen einiger Freunde begab er sich zu diesem Zwecke zum Bankier Nepomuck nach Wien, von dem es hieß, daß er kein eng­herziger Gelddarleiher sei und nicht nur da borge, wo er ein dreifaches Unterpfand erhalte.

Bei den darauf folgenden Besprechungen, die zwischen dem Baron von Swoboda und dem Bankier Nepomuck stattfanden, hatte sich derselbe thatsächlich als ein sehr liberaler Mann bewiesen, wenn er auch nicht gleich dem Baron hunderttausend Gulden einhändigen ließ, sondern als vorsichtiger Geschäftsmann sich Bedenkzeit, die offenbar dazu dienen sollte, um entsprechende Erkundigungen über die Verhältnisse des Barons von Swoboda einzuziehen, ausbat. Ersichtlich war dabei, daß Nepomuck viel auf die persönlichen Umstände der in adeligen und bürgerlichen Kreisen hochangefehenen Familie Swoboda gab, was ja auch erklärlich war, weil Nepomuck bei der dritten Hypothek mehr Vertrauen in die Personen, als in die Sache zu setzen hatte. So ließ sich Nepomuck auch die drei Söhne des Barons Andreas von Swoboda vorstellen und der ältere derselben, Baron Curt, welcher bei allem Stolze und der unnahbaren Vornehmheit seiner Abkunft mit seinen be­stechenden äußeren Eigenschaften auch die ehrliche Gradheit eines braven Mannes verband, hatte thatsächlich auf den

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Bankier einen guten Eindruck gemacht, daß dieser den Baron sogar zu einem Besuche seiner Familie einlud, dem der Baron, den obwaltenden Umständen entsprechend, auch Nachkommen mußte. Dort sahen sich der Baron und Gi­sela auch zum erstenmale und lernten sich kennen, ohne mehr als ein flüchtiges Interesse für einander zu erwecken.

Wenige Tage nach dieser Zeit erhielt der Vater des Baron Kurt vom Bankier Nepomuck ein Schreiben, in welchem dem ersteren angezeigt wurde, daß das bewußte Darlehen abgeschlossen werden könne, wenn der Baron sich den Bedingungen NkpomuckS, die nicht allzu hart seien, fügen wolle.

Dem Baron Andreas von Swoboda war durch diese Nachricht ein gewaltiger Stein von der beklemmten Brust gewälzt und schon am anderen Tage eilte er nach Wien, um mit Nepomuck das Geschäft abzuschließen. Nepomuck empfing den Baron sehr freundlich, sagte, daß ihm die Bewilligung einer dritten Hypothek auf die Güter des Barons Swoboda vom geschäftlichen Standpunkte aus nicht als ein genügendes Unterpfand für ein Darlehen von hunderttausend Gulden genügten, daß aber die Erfüllung einer anderen Bedingung das Geschäft perfekt und überhaupt sehr zum Vorteile der Familie des Barons gestalten würbe.

Und diese Bedingung wäre?" fragte der Baron An­dreas wißbegierig.

Ncpomucks Augen blitzten listig auf und den Baron einige Sekunden scharf in daS Auge fassend, platzte er keck heraus:

»Ich verlange Ihren ältesten Sohn als Schwiegersohn zum anderweitigen Unterpfand für das Darlehen I"

(Fortsetzung folgt.)

sich mit Frankreich hinter dem Rücken der anderen Mächte über die egyptische Frage geeinigt hätte, wobei man Eng­

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getragen hätte. Aber das fran- . . . sonst gewiß sehr günstigen Kon-

stellalion entschieden abhold und daher ist anzunehmen, daß es in seiner großen Mehrheit auch heute weder vom russischen Bündnis noch von einem Kriege wegen Egypten etwas wiffen will. Es bleibt nur zu hoffen, daß die mora­lische Niederlage am Nil, welche durch FreycinetS Ungeschick und durch Gladstones zweideutige Stellung herbeigeführt werden konnte, nicht so flagrant wäre, daß daS berechtigte Nationalgefühl der Franzo en verletzt werde. Das würde

Für den Monat Juni nehmen alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Postboten) Bestellungen ans die

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entgegen. In hiesiger Stadt sind geneigte Bestellungen bei der Unterzeichneten zu machen.

Die Expedition der Oberhess. Ztg.

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war sie in die Phase der Entwicklung getreten, wo ihr kein innerer Feind mehr gefährlich war, als sie sich in zwei Teile zu spalten begann, welche sich auf Tod und Leben einander zu bekämpfen anschicken. Man kann diese beiden Parteien kurz so kennzeichnen, daß zu der einen solche Republikaner und Demokraten gehören, welche glauben, daß das politische Wohl und der Privatvoiteil am besten bei der Alleinherrschaft deö Parlaments gedeihen können; zu der andern aber solche, welche glauben, daß daS Wohl des Landes und ihres eigenen Geldbeutels bei öfterer Anwen­dung des Suffrage universelle noch besser prosperiere und daß eine gelegentliche Diktatur nicht zu fürchten sei. Wir haben also Gambettisten und Antigambettisten; alle übrigen Parteiunterschiede beginnen mehr und mehr zu schwinden.

GambettaS Einfluß beherrscht daS Ministerium voll­ständig. Seine offene Feindschaft gegen bk käufliche Depu­tiertenkammer ist in allen seinen Preßorganen ausgedrückt. Das Volk ist souverän; folglich steht es auch über der Kammer der Deputierten, welche nur seine Mandatare sind. Es hat das Recht, dieselben zu rektifizieren, und in Zeiten der KristS legt es seine souveräne Gewalt in die Hand desjenigen, zu welchem es Vertrauen hat. Die po­tenzierte Volkssouveränität ist die Autorität, der sich der Einzelne beugen muß, und die nur wieder dem Volke gegen­über verantwortlich ist. Aber wann ist der Augenblick gekommen, wo das Volk sprechen wird? Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten, wenn man in den garnbet- tistischen Blättern liest, daß sofort nach der Landung tür­kischer Truppen in Kairo, welche kaum mehr zu vermeiden ist, im ganzen Nordafrika die grüne Fahne des Propheten enthüllt werden würde und daß der muselmännische Fana­tismus gleichzeitig in Egypten, in Tunis und Algier, in Marokko und Tripolis zur Vernichtung der Frauken los- brechen werde. Die egyptische Krisis sei so gut wie beendet gewesen durch daS Einverständnis Gambettas mit Charles Dilke, als die Jntriguen der Kammerfraktionen das große Ministerium stürzten. Man weiß allerdings, daß zu vorhanden war, daß Rußland

«N,eigen nimmt entgegen! Mpebition d. Blattes, kEied.Ännoncen-Bureauk

Tb. Dietrich u. Co. in Raffel und Hannover; Th. Ditrich m Frankfurt a.M.; öaafenftein u-Vogler m S.flntfurt a. M-, Berlin, £. g, Köln re.; Rudolf We m Berlin, Frank- furt a. JJt. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blattes, sowie b.Annoncen-Bureaux von ®. 8. Daube u. Co. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhanblung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C- Schlotte in Bremen.

Autorität, der persönlichen Initiative zu sammeln, um Front zu mach.n gegen die doktrinären Liberalen, die An­hänger der Decentralisation und derHerrschaft Aller". Diese Herrschaft Aller, wie sie im Parlament zum Aus­druck kommt, gerät nun freilich alle Tage mehr in Miß­kredit. Die Ereignisse vom 23. Mai in der Kammer und der ganze Verlauf der Krisis Leon Says wirft doch ein zu trauriges Licht auf eine große Körperschaft, welche noch einigermaßen Anspruch auf Respektabilität machen sollte. Jedermann kennt den wahren Grund von dem Demisstonsgesuch des Finauzministcrö; er war nicht im stände, die zahllosen Forderungen von einzelnen Deputierten in Lokal- oder gar Privatangelegenheiten zu erfüllen! DaS hat ihm natürlich viele Feinde gemacht und man beschloß, ihm ein Bein zu stellen. Erst seine Annäherung an Gambetta und die Stellungnahme derRepublique Fran- caise" brachte die Murrenden wieder zur Besinnung und man sprach bereitwillig daö Pater peccavi aus, um den berühmten Finanzmann dem Dienste des Landes zu er­halten, der sich dann auch wieder bereit erklärte, da er nun keine Schwierigkeiten mehr bei der Vertretung seines Budgets zu fürchten hat.

_ Auffällig ist WilsonS feindliche Haltung gegen Leon Say. Es scheint als ob der Schwiegersohn Grevys, der Vorsitzende der Budgetkommission, der stille Neider Gam­bettas, sich von dem Einflüsse deö Elysse emanzipiert hat. Auch Gambettas Blätter tadeln Say, nachdem sie seinen ersten Entschluß gelobt hatten. DieFrance" sagt:sein Steg war ein Pyrrhus - Sieg; in einer Demokratie ist niemand unentbehrlich". DieLanterne" glaubt nun gar etwas Neues entdeckt zu haben, indem sie ihn einen Kommis Rothschilds nennt; als cb das nicht längst aller Welt be­kannt wäre! Auch Jules Ferrys Stellung hält man für erschüttert und balv wird man von einer allgemeinen Minister krisis sprechen können. In den Reihen der Depu­tierten herrscht Unzufriedenheit; überall getäuschte Hoff­nungen. Ein Abgeordneter hat sein Mandat niedergelegt, weil die Kammer nicht eine Bahnstrecke durch sein Wahl- Arrondissement gebilligt hat, und er nur unter der aus­drücklichen Bedingung, dieselbe durchzusetzen, gewählt worden war. Dergleichen Vorkommnisse sind Wasser auf der Mühle der Autoritären mit ihrer Listenwahl.

Immerhin bleibt es eine lehrreiche Erscheinung, daß die Bekämpfung des liberalen ParlamentariömllS, der dok­trinären Herrschaft aller, aus den Reihen der sortschritt- lichen Republikaner selbst hervorgegangen ist. Der radikalen Republik, welche sich nach dem Sturz der konservativen Republik des Thierö und Mac Mahon am 31. Jan. 1879 mit der Präsidentschaft Grevys etablierte, ist e6 gelungen, ihren Todfeind, das konservative Element, für den Augen­blick ganz machtlos zu machen. Die Demokratie ä toute outrance herrscht in Frankreich unbestritten. Aber kaum

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