Marburg, Sonntag, 28. Mai 1882
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Herzen sein, mag jedes Herz einen Hauch von jener heiligen Begeisterung spüren, der unö stärkt zu allen guten Werken und uns begreiflich macht, daß alle« Vergängliche nur ein Gleichnis ist!
>en-A« einer tiefen innersten Bedeutung für das menschliche Herz ?iu-A« und die ganze Menschheit überhaupt. An dem ersten christ- u. D« lechen Pfingstfeste war eS, wo die kleine, treue Schar des
gekreuzigten Jesus von jener heiligen Begeisterung ergriffen wurde, die sie alsbald befähigte, die Heilbotschaft ihres großen Meisters in alle Länder zu tragen, und wenn wir heule das Wachstum und die Größe der Christenheit bewundern, so müssen wir unS wohl auch eine erhabene, edele Vorstellung von der Begeisterung machen, deren die Apostel Jesu am ersten Pfingsttage teilhaftig wurden.
Das Wunder und die Segensthat, die damals für die ganze Menschheit geschah, kann aber auch noch heute für jeden einzelnen Menschen zur Wahrheit werden und besonders ist das Pfingstfest dazu angethan eine erhabene Weihe und Begeisterung in das menschliche Herz zu tragen, wenn die Stimme des Herzens und der Sinne für das Erhabene nur nicht in Aeußerlichkeiten und materiellen Genüssen erstickt worden sind. Und selbst wo das letztere
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Pfingsten, das wonnigste und lieblichste aller Feste, ist wieder in daS Land gezogen I Begünstigt durch eine herrliche Jahreszeit, in welcher de» Winters Stürme verschwunden und in der Regel ein blauer, heiterer Himmel mit warmen Sonnenstrahlen dauernde Herrscher geworden sind, ist Pfingsten das eigentliche Frühlingsfest, die Krö- nungsfcier des LenzeS. Wälder und Fluren prangen nun in ihrem schönsten Schmucke und Mutter Erde zeigt ihr gmnes und buntes Festgewand in voller Schöne. Das Erwachen und Auferstehen der Natur um die Osterzeit ist zu Pfingsten zur vollendeten Wahrheit geworden und selbst die öftere Wiederkehr einiger rauhen Tage konnte die Segenspendc nicht verhindern.
Doch wenn wir am Pfingstfeste unS de» alljährlich wiederkehrenden FrühlingSsegenS freuen, so dürfen wir aber auch nicht vergessen, daß Pfingsten auch ein Fest ist von
Gisela.
Novelle von A. H o r st. (Fortsetzung)
DaS Einsame, da» Führerlose, oder bester daS Unglück ,n Neudezg machten sich indessen auch auf die GutSbe- >vvhner geltend, sie gingen zwar ihrer Arbeit nach, hatten ober in ungewöhnlicher Weise mit einander zu di-kutieren und die Köpfe zu schütteln, denn da», was sich auf Neu« ^09 ereignet hatte, war ja noch nie dagewesen. Ein junges staar, über welches da» Glück sein Füllhorn auögegossen in haben schien, war noch am Tage seiner Hochzeit un- hlucklich geworden, hatte sich wieder getrennt. Schon länger uls einen Tag hatte man auf Aufklärung gewartet, e» ^wen Depeschen an den Administrator de» Gute«, doch "lemand erfuhr von diesem verschlossenen Manne etwa» und man wollte bemerkt haben, daß er zu wiederholten Stalen ein einsames Zimmer der herrschaftlichen Wohnung, u>°hin sich die Baroneß Gisela mit ihrer Dienerin zurück- »bzvgen hatte, betreten habe.
Gegen Abend diese» Tage« erschien ein fremder Gast ns dem GutShofe. E» war Seyfried, der Kassierer Nepo- uckg, weiche staubbedecktem Wagen in den Gutrhof nsuhr. Bon dem ihn empfangenden Administrator hatte . Ehfried bald erfahren, daß Gisela, wenn auch in tiefster ^ uurigkeit, doch sonst leiblich wohl sei. Seyfried ließ sich- dab brachte ihm der Administrator den Bescheid, iK» Baroneß Niemanden zu empfangen, außer wenn " Vater komme.
Der dadurch in eine peinliche Lage versetzte Seyfried, vollständig wußte, daß er Gisela« Zartgefühl zu
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Zeiten deS friedlichen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche vor Ausbruch deS Kulturkampfes, als den Bischöfen, welche zur Ableistung des Hvmagialeides am königlichen Hoflager erschienen, in der Regel diese Auszeichnung zu teil wurde. Wir sehen in der Huld des Monarchen gegen die Vertreter der Kirche, welche sich seit den traurigen Zwischenfällen der letzten Jahre zum erstenmal auch wieder in dieser Form zeigt, mit dankbarer Hoffnung ein neues Zeichen des kommenden Friedens. — Die Anwesenheit deS Bischofs Krementz von Crmeland Hierselbst hat mit der Frage der Temporaliensperre in seinem Bistum in Zusammenhang gestanden. Die mit den Bischöfen hier geführten Besprechungen gehören zu den weiteren Fragen, welche noch mit der Kurie zu erledigen sind.
— Der Ausschuß des Zentralverbandeö deutscher Industrieller zur Förderung und Wahrung nationaler Arbeit hat kürzlich Hierselbst eine Sitzung abgehalten und nach Beratung mehrerer wirtschaftlicher Fragen, nachstehende Beschlüffe gefaßt: 1. in bezug auf die Kranken- und Unfallversicherung wurde folgender Antrag angenommen: „Der Zentralverband deutscher Industrieller wolle die Gesetzentwürfe bezüglich der Unfall- und Krankenversicherung der Arbeiter einer aus 9 Mitgliedern bestehenden Kommission überweisen und diese beauftragen, über die erwähnten Gesetzentwürfe ein Gutachten auszuarbeiten und dasselbe dem Präsidium des Zentralverbandcs zur weiteren Veranlassung einzureichen". 2. In bezug aus die Rückzollfrage wurde folgender Antrag angenommen: a) „Der Ausschuß des Zentralverbandeö wolle beschließen: für den Zentralverband deutscher Industrieller liegt keine Veranlassung vor, aus eigener Initiative Anträge auf Erweiterung der Rückzölle zu stellen, vielmehr wird es den einzelnen Jndustriever- bänden anheimgegeben fein, falls dort ein Bedürfnis sich herauSstellt, nach erzielter Verständigung unter den verschiedenen Interessenten des betreffenden Industriezweiges desfallsige Anträge an den Zentralverband zu richten, welcher dieselben eingehend prüfen und vom Standpunkt der Gesamtindustrie aus Stellung dazu nehmen wird; b) eine Abänderung der bestehenden gesetzlichen Vorschriften über die Gewährung von Rückzöllen überhaupt nicht zu beantragen; c) dagegen ist an das Reichsschatzamt da». Ansuchen zu richten, bezüglich der von einzelnen Jndustrie- verbänden bei der Regierung eingehenden Anträge auf eine Erweiterung der Zollrestitutioncu zuvörderst den Zentralverband mit seinem Gutachten zu hören. 3. In bezug auf die Frage der Handelskammern wurde folgender Antrag angenommen: „Der Ausschuß des Zentralverbandeö deutscher Industrieller hält die Reform der Handelskammern für ein dringendes Bedürfnis und bestellt eine Kommission, welche unter Erörterung der bereits vorliegenden umfassenden Vorarbeiten mehrerer Handelskammern und industrieller Vereine mit der Ausarbeitung motivierter Vorschläge zur Reform der Handelskammern betraut wird, um solche der und gute Sitte, wider Recht und Gesetz, einem vermählten Weibe und noch dazu in dieser traurigen Lage eine Liebeserklärung zu machen?
Seyfried war jetzt an der Thüre, die ihn zum Zimmer der Baroneß führen sollte, angekommen. Er strich noch einmal die Hand über die Stirn, empfahl sich dem Gutsadministrator und trat nach vorheriger Anmeldung durch Giselas Dienerin ein.
Für Seyfrieds Augen bot sich da ein unbeschreiblicher, schmerzlicher Anblick dar, als er sich grüßend verneigt hatte. Die Stimme versagte ihm ans Weiteres ihre Dienste und er starrte sprachlos hinüber zu dem sanften Mädchenantlitz, das so unsägliches Unglück, so unendlichen Harm ausdrückte. Gisela stand mit niedergebeugtem Haupte an einem Tische, der sich zur linken Seite des Zimmerö befand, ihre halb- geschlossenen Augen suchten das schmerzvolle Bild ihrer Seele zu verbergen, doch die Marmorbläsie ihres Gesichts, der festgeschlossene Mund und der Mangel jeder Regung zeigten nur zu deutlich, in welcher trostlosen Gemütrfassung sich die verlassene Baroneß befand.
Seyfried begann endlich mit vor Schmerz zitternder Stimme:
„Gnädige Baroneß, Ihr Herr Vater schickte mich hier her, Sie in Ihrem großen Unglücke zu trösten. Mit unsagbarer Freude wird er vernehmen, daß das Unglück Sie nicht so schlimm heimgesucht, wie er fürchtete, denn Herr Nepomuck bangte auch für ihr leibliches Wohl. Es gilt nut Mut zu fasten, gnädige Baroneß, und es kann noch alles gut werden. Ihr Herr Vater hat schon Schritte ge- than, um ... um eine Versöhnung herbeizuführen."
(Fortsetzung folgt.)
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Mai. Heute Vormittag hat vor dem Kaiser auf dem Tempelhofer Felde die FrühjahrS-Parade der Garnison von Berlin und Spandau stattgefunden, welcher die Mitglieder deS Kaiserhauses, Fürst Alexander I. von Bulgarien und andere Fürstlichkeiten beiwohnten. Der Kaiser wurde auf der Hin- und Rückfahrt von der Volksmenge enthusiastisch begrüßt. — Der Fürst von Bulgarien besuchte gestern Nachmittag in Potsdam die dort weilenden Prinzen und Prinzessinnen und reist voraussichtlich morgen nach Darmstadt ab. — Der Fürstbischof von Breslau und der Bischof von Osnabrück haben gestern bei dem Kultusminister von Goßler diniert und nehmen heute an dem Paradediner im Schlosse teil. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht daS Gesetz vom 15. Mai, betreffend die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des StaatöeisenbahnnetzeS. — Die Strafkammer des Königlichen Landgerichts Berlin I. verurteilte den Justizrat Heilbronn wegen Unterschlagung von Mündelgelder - Depositen zu 6 Jahren Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlüste. — Bei den soeben von der Staatsschuldenverwaltung ausgegebenen neuen Couponsbogen für preußische KonsolS hat eine Ausmerzung der bisher üblichen Fremdwörter stattgefunden. So ist statt „Serie": „Reihe", statt „Coupon": „Zinsschein", statt „Talon": „Anweisung zur Abhebung der Zins scheine" gesetzt worden. — Die Kaiserin hat Herrn Wirkt. Geh. Rat Hobrecht durch ihren Kabinetösekretär in einem Schreiben offiziell davon in Kenntnis setzen lassen, daß sie für- die erneuerte Ausstellung nicht nur die Zusicherung von 20 goldenen Medaillen aufrecht erhalten, sondern die Zahl derselben verdoppelt, also von 20 auf 40 erhöhen will. Wie die „Voss. Ztg." vernimmt, hat sich Herr Minister Maybach in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Ausschusses der Hygieine-Ausstellung, Herrn Hobrecht, dahin ausgesprochen, daß er „sehr gern bereit" sei, das am Lehrter Bahnhof zwischen der Straße Alt- Moabit und der Jnvalidenstraße gelegene fiskalische Terrain inkl. deS zwischen der Straße Alt-Moabit und der Ulanen- Kaserne gelegenen Teils, des sogenannten „nassen Dreiecks" auch für daS Jahr 1883 zur Verfügung zu stellen. Der Minister erklärt, er werde mit Freuden nach Kräften dazu beitragen, das große Werk, welches für das laufende Jahr durch ein feindliches Element vereitelt worden, im nächsten Jahre womöglich noch reichhaltiger und besser zur Ausführung zu bringen. — Die „Germania" schreibt: „Der Kaiser hat die Bischöfe von Breslau und Osnabrück zur Tafel geladen. Es erinnert das wieder an die schönen
schonen hatte, — denn wie sollte dieselbe Neigung finden, in ihrem Unglücke einen Bekannten, einen Freund zu empfangen, der ihr doch weder raten noch helfen konnte, — setzte sich nun nieder und schrieb im Namen deS tiefbetrübten Nepomuck einen langen Brief an Gisela, in welchem er ihr die Ursachen seines Kommens auseinandersetzte und hervorhob, daß seine Freundschaft und Verehrung für Gisela nur die lauterste Teilnahme an ihrem Unglück bei ihm hätten aufkommen lassen. Auf diesen Brief erhielt dann Seyfried die Antwort, daß er zu einer Besprechung mit Baroneß Gisela vorgelaffen werden sollte.
ES war ein schwerer Gang für Seyfried und er blieb mehr als einmal auf den Treppenstufen stehen, um seine geistigen Kräfte zu sammeln, so daß der ihn führende Gutsadministrator verwundert sein ergrautes Haupt schüttelte und ganz absonderliche Gedanken über Seyfried erhielt.
Aber war es für Seyfried auch nicht ein schwerer Gang, eine heikle Mission, die er bei Baroneß Gisela hatte? Dieses weibliche Wesen, welches er über alles liebte, sollte er jetzt so tief unglücklich sehen und zwar infolge einer Thal, deren Gegenteil für seine Person das größte Glück repräsentiert haben würde. Und wie sollte er, der jahrelange stille Verehrer der Baroneß, als sie noch Fräulein Gisela Nepomuck hieß, nun die Mittel und Wege finden, um die junge, verlassene Frau zu trösten. Seine überschäumende Leidenschaft gab ihm den Gedanken ein, jetzt alles zu wagen, Gisela seine Liebe zu bekennen und den Baron Curt, wenn derselbe überhaupt noch in Giselas Herzen Raum hatte, aus diesem Herzen zu reißen. Aber seine Vernunft, sein klarer Geist ließen ihn bei diesem Plane zurückschaudern, denn war e» nicht wieder Anstand
M betrübenden Thatsachc geworden ist, so ist doch Gottes herrliche Natur oder ein weihevolles Wort aus begeistertem v. AuK Munde noch oft im Stande gewesen, verirrte Herzen anderen Sinnes zu machen. Mag daher auch das diesjährige Pfingstfest neben feiner Lust und Freude für Alt Und Jung ein wahrer Segenspender für die menschlichen