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« tueifltn nimmt entgegen. Äpebitiou b.Blatte«, tämied.Ännoncen-Bureaux l ib- Dietrich u. Co. in La,i und Hannover; Th. Wch m Frankfurt a.M.; »ein ruVo^r in trantfurt a. SW., Berlin, G, Köln Rudolf M in Berlin, Frank- furt a. M- ic.
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Marburg, Sonntag, 21. Mai 1882
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ObnWsche 3ritimii.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L. Daube u. C». in Frankfurt a. M.; Jligersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene« in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 2% Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl- Bestellgebühr.) — Insertionsgeblihr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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Deutsches Reich.
Berlin, 19. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht ein Gesetz, betr. die Anlage des neuen Berliner Packhofes, ferner eine Bekanntmachung de» ReichSkommif- targ der australischen Weltausstellung, in welcher Geh. Rat Reuleaux sich erbietet, von den Behörden Australiens Duplikate der beim Brande der Hyzieine-AuSstellung vernichteten Diplome zu beschaffen. — Der Vortragende Rat im Kultusministerium, Decernent für die UntenichtS-An- gelegenheiten, Geh. Ober-RegierungSrat Dr. juris Heinrich Goeppert, ist gestein an den Folgen einer Lungenentzündung im Alter von 44 Jahren hier gestorben. — Die Kommission zur Beratung der TabakSmonopol-Vorlage beendete ihre Arbeiten, lehnte die Vorlage ab und nahm, nachdem der Antrag des Abg. Ausfeld vor der Abstimmung zurückgezogen war, einen Antrag deS Abg. Lingens mit 21 gegen 3 Stimmen an. Derselbe lautet: Der Reichstag beschließt, zu erklären, daß nach der erst durch das Gesetz vom 16. Juli 1879 erfolgten Erhöhung der Tabakssteuer eine weiiere Belastung und Beunruhigung der Tabakindustrie umsomehr unstatthaft erscheint, als die vorhandenen und in Zunahme begriffenen Einnahmen sowohl im Reiche, wie in den Einzelstaaten bei angemeffener Sparsamkeit die Mittel bieten, die öffentlichen Bedürfnisse zu befriedigen und die bestehenden Mängel in der ©teuer« und Zollgesetzgebung auszugleichen. — Betreffs der Taufe des Urenkels Kaiser Wilhelm« geht in Hofkreisen daö Gerücht, daß dieselbe an einem Tage, der seit langer Zeit schon zu den Festtagen der preußischen Königsfamilie zählt, gefeiert werden soll. Dieser Tag ist der Hochzeitstag der Kaiserlichen Majestäten, der 11. Juni. Ferner verlautet, daß der jüngste Sproffe des Hohenzollernhauses denselben Namen führen wird, wie sein Vater, also auf den Namen Friedrich Wilhelm und dazu Christian nach dem Großoheim mütterlicherseits getauft unv den Rufnamen Wilhelm erhallen wird. — An den Kosten zur Deckung deS durch den Ausstellungsbrand verursachten Schadens sind mit Einschluß der RückversicherungS - Gesellschaften, wie die „Voss. Ztg." auf gründ zuverlässiger Angaben mitteilen kann, über 50 Assekuranzanstalten beteiligt. Der durch den Brand entstandene Schaden au den Ausstellungsobjekten dürfte nach den bisherigen Ermittelungen eine Million Mark kaum übersteigen. Für die direkt an dem Brande beteiligten Feuer-VerstcherungS-Gesellschasten, welche sich nunmehr zur Entschädigung entschloffen haben, soweit die Wertdeklaration die zerstörten Objekte zur Zeit deS Brandes enthalten hatte, bleiben etwa 750000 M. zu entschädigen. Rechnet man nun die auf dem Wege derRück- affekuranz gedeckten Summen ab, so reduziert sich für jede der beteiligten Gesellschaften der Schaden sehr erheblich. Der verhältnismäßig geringe Gesamtentschädigungsbetrag
von 750000 M. erklärt sich daraus, daß, wenn auch die größte Hälfte der Ausstellung ein Raub der Flammen geworden, die Ministerien und staatlichen Institutionen eine Entschädigung ihrer sehr wertvollen Ausstellungsgegensiände nicht beanspruchen, der Schaden aber an jenen Objekten, welche noch unausgepackt in den auf den Strängen der Eisenbahn befindlichen und mitvernichteten Waggons lagerten, von den Versicherungs-Gesellschaften nicht ersetzt wird. Für die Entschädigung der letztgenannten Objekte hat die Bahn aufzukommen. Der Schaden an der Bauerschen Restau- rationS-Einrichtung, die mit 300000 Mark bei der Westdeutschen Feuer-Verstcherungs-Aktien-Bank in Essen und der „Union" versichert war, ist kein so bedeutender, als im ersten Augenblick angenommen wurde. Weder waren die RestaurationSmobilien bereits völlig Plaziert, noch alle Vorräte in den betreffenden Räumen untergebracht. Den größten Schaden trägt die Transatlantische Feuer-Ver- sicherungs-Gesellschaft in Hamburg, da sie neben dem ihr von der Entschädigung der Ausstellungsobjekte zufallenden Teil auch noch den Verlust an den Baulichkeiten zu ersetzen hat.
Stettin, 18. Mai. Se. Majestät der Kaiser und König trifft, wie nunmehr bestimmt, mit Sr. kaiserl. und königl. Hoheit dem Kronprinzen und Sr. königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm mittelst Extrazuges, von Berlin kommend, morgen Mittag 12 Uhr auf dem hiesigen Bahnhofe ein. Auf dem festlich mit Guirlanden, hohen Topfgewächsen, Flaggen, Bannern u. s. w. geschmückten Bahnhofe werden zum Empfange der kommandierende General deS 2. Armeekorps Generallieutenant von Dannenberg, der Stadtkommandant Generallieutenant von Fehrentheil und Gruppenberg, der Oberpräsident Frhr. v. Münchhausen, der Polizeipräsident Graf Hue de Grais, der Ober-Bürger- meister Haler und der Landrat Frhr. v. Manteuffel anwesend fein. Die 1. Kompagnie des Grenadierregiments König Friedrich Wilhelm IV. (1. Pomm.) Nr. 1 unter Hauptmann v. Frankenberg im Paradeanzuge mit Parabe- gepäck und in weißen Beinkleidern, mit enthüllter Fahne, dem Tambourkorps und der Regimentsmusik am rechten Flügel, stellt auf dem Perron die Ehrenwache, Unteroffiziere mit Gewehr bei Fuß, Doppelposten vor dem Eingänge zu den KönigSzimmern. Sämtliche auf dem Strome liegenden großen Handelsschiffe legen mit Sonnenaufgang reichen Flaggenschmuck an. Da unsere atte pommersche Hauptstadt al« Festung aufgegeben ist, so wird beim Einlaufen deS kaiserlichen Extrazugeö kein Salut gefeuert werden. In einer offenen, mit vier Trakehner Rapp- hengsten bespannten Hofequipage, die heute Nachmittag aus dem könialichen Marstall zu Berlin unter Führung des Wagenmeisters Bretting hier eingetroffen und im Schlosse eingestellt worden ist, wird der Kaiser die Fahrt durch Die Stadt nach dem Infanterie Exerzierplatz bei Kreckow zurück-
legen, um dort das 802 Köpfe starke Reserve - Landwehr- Bataillon (Stettin) Nr. 34, welche« bereits seit dem 9. d. M. in dem großen Artillerie - Barackenlager daselbst zur Uebung zusammengezogen ist, zu besichtigen. Das Bataillon wird kommandiert von dem Major v. Nostiz- Drzewiecki und Jänkendorf, außer diesem sind noch der Adjutant und zwei Hauptleute vom Füsilierregiment zu dem Bataillon kommandiert, während alle übrigen Offiziersstellen durch Landwehr-Hauptleute, Lieutenants und Vize- »elbtoebel besetzt sind. Die Landwehrleutc sind fast sämtlich Pommern und aus Stettin, dem Randauer Kreise, Usedom und Wollin eingezogen; es sind lauter wettergebräunte Hünengestalten, tragen aber noch das Käppi, während ihre Offiziere bereits den Helm angelegt haben. Der Kaiser wird vom Bahnhofe am Bollwerk und durch die grüne Schanze, wo die Gymnasiasten mit ihren Lehrern Aufstellung nehmen, dann durch das Berliner Thor link« am Arndtplatz vorüber — hier stehen die Kriegervereine mit ihren Fahnen — und durch die Falkenwalderstraße nach Kreckow fahren. Den Zug eröffnet eine Abteilung berittener Gendarmerie, bann folgen in einer viersitzigen Equipage der Oberpräsident, Stadtkommandant, Polizeipräsident und Landrat, hinter diesen kommt der kaiserliche Viererzug ä. la Daumont mit Spitzreiter, eine Equipage mit dem Statthalter von Pommern, dem Kronprinzen und seinem Sohne, dem Prinzen Wilhelm. Den Schluß bilden Extraposten mit den Herren des militärischen Gefolges. Auf dem Kreckower Platze hat das Landwehrbataillon mittags 12% Uhr in Linie zur Besichtigung durch Se. Majestät den Kaiser bereit zu stehen, und zwar im Wachtanzug ohne Gepäck, aber mit Platzpatronen. Es führt seine alte historische Fahne, und das Füstlierregiment Nr. 34 stellt das Musikkorps. Der Kaiser wird auf dem Exerzierplätze seine Equipage verlassen und die Besichtigung des Bataillons zu Fuß abnehmen. Die Mannschaften der gesamten Stettiner Garnison, Infanterie, Artillerie und Pioniere, bilden Spalier vom Bahnhofe bis nach Kreckow, auch ist ihnen gestattet, mit dem Publikum Hurrah zu rufen, sobald der Kaiser bei ihnen vorüberfährl; lediglich um den Soldaten es zu ermöglichen, ihren Allerhöchsten Kriegsherrn zu sehen, ist die Bildung einer militärischen Chaine angeorbnet worden. Nach Der Besichtigung erfolgt bie Rückfahrt über bie Falkeuwalber-, Deutsche-, Völitzer-, Moltke - Straße unb ben Königsplatz nach bem Gneral- Kommando, woselbst der Kaiser mit dem Kronprinzen, Prinz Wilhelm und b?n Spitzen ber Behörden ein Gabelfrühstück einnehmen wirb. Während dieser Zeit konzertiert die Janitscharenmusik bes Grenadierregiments Nr. 2 vor bem im reichsten Blumenschmuck prangenden Denkmal Friebrickö bes Großen auf dem Königsplatz. Das Denkmal König Friedrich Wilhelms III. vor bem Theater ist I gleichfalls prächtig mit blühenden Blumen dekoriert. Um
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Novelle von A. Horst.
(Fortsetzung)
„Nun, was fällt Ihnen denn ein, Anton," herrschte Hellberg den Comptorrbiener an, „wenn Sie sich dort draußen vor den Kopf gestoßen haben, so ist eS Ihnen doch nicht etwa gestattet, unS hier Ihre Jammerarien vorzutragen. Oder sollen wir vielleicht die Wundärzte und Lazarethgehilfen spielen und Ihnen einen Verband anlegen 1"
„Verzeihung!, Herr Hellberg, Verzeihung, ich bitte tausendmal um Entschuldigung", stotterte jetzt Anton hervor. „Ach, ich bin nicht wegen meine« Kopfe« herein zu Ihnen gekommen, aber der Herr Nepomuck, ach der arme Herr Nepomuck, ist — verrückt, ist — wahnsinnig geworden 1"
„WaS führen Sie hier für niederträchtige Reden," schrie jetzt auch Seyfried dem halb zitternden Anton zu. »Womit wollen Sie dann diese albernen Behauptungen beweisen l Erklären Sie sich deutlicher und streng der Wahrheit gemäß, sonst sind sie am längsten in diesem Hause in Lohn und Brod gewesen!"
, Der erregte Comptoirdiener hatte sich nunmehr wieder einigermaßen gefaßt und noch immer eine Hand an eine verletzt scheinende Stelle seine« Kopfe« preffend, entgegnete et in ruhigem Tone:
„Herr Nepomuck befindet sich in einem Zustande, wie ;ch ihn noch nie gesehen habe und ich bin schon vier Jahre w diesem Hause. Al« ich bald nach der Uebergabe der Briefe an Herrn Nepomuck wieder in dessen Zimmer, wie gewöhnlich, unaufgefordert trat, um weitere Aufträge, die
in der Regel mehrere der Briefe betreffen, in Empfang zu nehmen, hieb und schlug Herr Nepomuck wie ein Wütender um sich herum, stieß gräßliche Verwünschungen aus und stürzte bald nach der einen bald nach der anderen Seite des Zimmer«. Ick hatte zunächst GeisteSgege nwart genug, um mit einigen Blicken danach zu schauen, ob Jemand bei Herrn Nepomuck im Zimmer wäre, doch da ick davon nichts bemerken konnte, näherte ich mich Herrn Nepomuck mit ber teilnehmenben Frage, ob ihm ein Unglück zugestoßen wäre. Doch da hätten Sie Herrn Nepomuck sehen sollen! Wie ein wildes Tier, verzeihen Sie den Ausdruck, stürzte er auf mich los, nannte mich mit einer verzweiflungsvollen Stimme, ohne jeden Grund, einen elenden Schurken, packte mich, bevor ich entwischen konnte, bei den Haaren und schleuderte mich wie ein Stück Holz an die Wand, so daß ich glaubte, mein Kopf zerbreche in Stücke. Diese furchtbare Beule am Hinterkopf habe ich von dem gräßlichen Stoße davon getragen und kaum blieb mir so viel Besinnung, daß ich zur Thüre hinaus vor dem wütenden Herrn Nepomuck fliehen mußte. Ist bas nicht eine unerhörte Erscheinung bei unserem verehrten Chef, ben doch sonst, wie Sie bester als ich wissen, meine Herren, die Seelenruhe und Selbstbeherrschung niemals verließ?"
Auf die Rede des als glaubwürdig bekannten Kornp- tolrblener« Anton schüttelten Hellberg und Seyfried bedenklich die Köpfe und ein schmerzlicher Zug spielte um ihren Mund. Hellberg erwiderte auch alsbald:
„Das ist nicht Herrn Nepomuckö Art, seinen Unwillen zu zeigen, unb es liegt da sicherlich etwas Besonderes vor, wenn Sie sich nicht, Anton, was ja möglich ist, einer SiiiueStäuschung hingegeben haben und infolge besten Alle« übertreiben.*
„Nein, nein, das ist ganz unmöglich!" protestierte Anton.
„Nun, dann müssen wir der Sache auf die richtige Spur zu kommen suchen", entgegnete S'yfried. „Wir werben uns sofort nach bem Zimmer bes Herrn Nepomuck begeben unb werben bg ja sehen, was sich mit Herrn Nepomuck zugetragen hat. Ich hoffe, eö ist nicht so schlimm, wie eS scheint."
Die drei Männer, Hellberg, Seyfried unb Anton, verließen bas Zimmer unb schlichen sich förmlich auf ben Zehen in ber Richtung beS KorriborS entlang, wo blefer nach dem Arbeitszimmer des BanquierS Nepomuck führte. Allen drei Männern war eS doch Angst geworden, benn sie fckoben lauschend die Köpfe vorwärts, um sich von einer nahenden Gefahr, die ihnen von einem angeblich wahnsinnig Gewordenen drohen konnte, in rechtzeitige Kenntnis zu fetzen. Auf wenige Schritte hatten sie sich schon der EingangSthüre zu NepomuckS Zimmer genähert, doch immer blieb noch Alles ruhig/ es schien sich Niemand im Zimmer NepomuckS zu rühren, geschweige, daß man einen ähnlichen Lärm von dort heraus vernommen hätte, wie ihn der Komptoirdiener Anton soeben geschildert hatte.
„Nun", begann Seyfried mit leiser Stimme, „wo ist denn das zu hören, was Sie noch vor drei Minuten gehört haben wollen? Wenn jetzt Herr Nepomuck plötzlich die Thür aufreißt unb sieht uns hier wie die Diebe herumhorchen und herumschleichen, da wird es eine schone Scene geben."
„Ich habe Sie ganz gewiß nicht belogen, meine Herren", beteuerte Anton, „ich litt auch bisher niemals an fixen Ideen ober unnatürlichen Erscheinungen."
(Fortsetzung folgt.)