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xvn Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 20. Mai 1882

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrte« SonutagSblatt durch die Expedition <Ko ch sch Buchdruckerei) bezogen 8*/t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl- Bestellgebühr-) JnsertronSgebuhr für die gespaltene Zerle 10 Pfg- Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Südpolar »Expedition an Bord zu nehmen und nach einer Insel Süd-Georgiens, welche zur Beobachtung am geeig­netsten erscheint, zu bringen. Nach Ablauf eines Jahres soll die Korvette die Mitglieder der Expedition, an deren Spitze der Astronom Dr. Schrader steht und zu der u. a. noch Dr. Vogel unv Dr. v. Steiner gehören, wieder ab­holen und nach einem Hafen in Amerika wieder zurück­bringen, von wo aus sie die Rückreise nach Deutschland am bequemsten antreten können.

Berlin, 17. Mai. Die Reichstags - Kommission zur Beratung der Gewerbeordnungs-Novelle hat $ 33a, nach welchem zu gewerbsmäßigen Musikaufführungen, zu Schau­stellungen und theatralischen Vorstellungen rc. ohne höheres Kunst- und wissenschaftliche Interesse die polizeiliche Er­laubnis erforderlich ist, ohne Rücksicht auf die bereits er­teilte Schauspielunternehmungs - Erlaubnis mit 12 gegen 8 Stimmen mit einigen Abänderungen angenommen. In der heutigen Sitzung der Kommifsion für die Beratung der Tabaksmonopol - Vorlage hat der Staatssekretär im Reichsschatzamte Scholz erklärt, in der Frage der Entschä­digung ließe sich auch noch etwas weitergehen. Die Kom­mission beendete dann heute die Generaldebatte und lehnte den Antrag auf Diskussion der finanziellen Erträgnisse ab, desgleichen den Antrag, vor dem § 1 die Vorlage im De­tail zu beraten. Nach Ablehnung des § 1 mit allen gegen 4 Stimmen wird der von den Mitgliedern der Fortschritts­partei in der Kommission eingebrachte Antrag, die weitere Beratung der Vorlage einzustellen, mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt. Der Vorschlag des Vorsitzenden auf gruppen­weise Beratung der Vorlage wird angenommen. Hieraus werden § 2 zusammen mit den 8S 7 bis 25 (Tabakbau), 8 3 zusammen mit § 26 (Tabakhandel), § 4 zusammen mit den §8 27 bis 32 (Tabakfabrikation) beraten und sämtlich mit allen gegen 4 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten die Abgg. Hammerftein, v. Maffow, Reiniger und Uhden; gefehlt haben die Abgg. Göber, Lender, von Soden und von Tcpper-LaSki.

Zur !Monopoldebatte" schreibt dieProv.- Corresp." folgendes: Der Reichstag hat die erste Be­ratung über daS Tabaksmonopol beendigt und den Ent­wurf einer besonderen Kommission zur weiteren Prüfung übergeben. Hiermit wäre wenigstens das Eine verhindert, daß der Reichstag den Wünschen der Fortschrittspartei entsprechend mit dem Monopolentwurf ebenso kurzen Pro­zeß machte, wie das preußische Abgeordnetenhaus mit dem Verwendungsgefetz. Indem der Reichstag sich mit großer Mehrheit für die Kommissionsberatung entschloß, hat er gezeigt, daß er auch nicht willens ist, sich die Motive an­zueignen, welche der Führer der Fortschrittspartei in der Schlußrede feinem Anträge hinzufügte, Motive, welche deutlich genug aussprechen, daß die fortschrittliche Oppo­sition sich in ihren Entschlüssen vor Allem von der Feind-

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes,, sowie d.Annoncen-Bureaux von G. L. Daube u. Go. in Frankfurt a. M.; Jägersche Buchhandlung daselbst; Hermansche Buchhandlung daselbst; Jnvalidendank in Berlin; D. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

schäft gegen den Kanzler leiten läßt und nur darauf aus­geht, den ganzen Reichstag zu einer gleichen Gesinnung und Handlungsweife zu verleiten. Die Verhandlungen über das Monopol haben ergeben, daß das Projekt eine große Reihe unbedingter Gegner hat, daß Andere demselben vor­läufig neutral gegenüberstehen und weiter Andere demselben im Interesse der damit verbundenen finanziellen Zwecke und Erfolge zustimmen. Die Einwendungen, welche gegen daS Monopol als Besteuerungsform erhoben worden sind, stützen sich namentlich auf Erwägungen finanzieller, wirt­schaftlicher und politischer Natur, und waren bereits in den Zeitungen zur Genüge ausgesprochen, von anderer Seite aber auch als unbegründet widerlegt worden. So geschah es auch im Reichstage, und man wird nicht sagen können, daß die Meinungsverschiedenheit zu gunsten der Gegner des Monopols entschieden worden ist. Alles was von den Gegnern vorgebracht wurde, hat auch nicht eine. einzige Unterstützung in der geschichtlichen Erfahrung für sich, vielmehr ist das Alles nur leere Kombination und Ge­dankenkonstruktion, die sich auf bestimmten Theorieen oder auch auf politischer Abneigung aufbaut, während die Freunde des Monopols sich mit vollem Recht darauf berufen können, daß in anderen Ländern die besten Erfolge mit dem Mono­pol erzielt worden sind, und daß dort thatfächlich als Folge des Monopols auch kein einziger der Uebelstände sich er­geben hat, welche für Deutschland daraus prophezeit werden. Gegenüber den doch im ganzen sehr anfechtbaren Einwen­dungen, welche zur Verurteilung der Monvpolform vor­gebracht worden sind, ist jedenfalls die Frage berechtigt, ob dieselben nicht alle zurücktreten können und müssen gegenüber der Erwägung, daß die endliche Durchführung der Finanzreform im Interesse des Reichs, der Einzel- staaten und Gemeinden notwendig ist, und daß keine andere Besteuerungsform die Mittel hierzu in so leichter Weise und in solchem Umfange aufzubringen im Stande ist, wie das Tabaksmonopol. Auch unter den Gegnern des Tabaks­monopols sind Parteien, welche der Finanzreform und der damit verbundenen Erweiterung des indirekten Steuer­systems nicht abgeneigt sind. Sowohl das Zentrum wie die Nationalliberalen und auch die liberale Vereinigung sind, wie aus den Verhandlungen hervorgeht, keine prin­zipiellen Gegner der Finanzref:rm. Der Redner des Zentrums ist mit den Zielen der Finanzreform einver­standen, erachtet aber den Tabak nicht als ein Objekt, welches einer weiteren Besteuerung fähig sei, während die Nationalliberalen auch hierfür eintreten würden. Auch die Parteien der Rechten in ihrer Gesamtheit erkennen das Bedürfnis der Finanzreform an. Es besteht also eine voll­ständige Uebereinstimmung bezüglich des Zieles, aber der von der Regierung jetzt vorgeschlagene Weg stößt bei der Mehrzahl der Parteien auf Widerspruch. Nur eine ver­hältnismäßig geringe Zahl empfindet die Notwendigkeit

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runter. Der Herr wird sich gewiß freuen, von der adelig gewordenen Tochter und ihrem Glück mit dem Schwieger­söhne etwas zu hören."

Hellberg beachtete zunächst diese Aeußerungen des schwatz­haften Menschen nicht, als dieser jedoch daS Zimmer ver­lassen hatte, sagte der Disponent zu Seyfried, daß der Comptoirdiener die Ankunft eines Briefes von Gisela an ihren Vater soeben verplaudert hätte. Seyfried errötete bei dieser Mitteilung ein wenig, antwortete aber mit keiner Silbe und schien sich ganz und gar in seine Arbeit vertieft zu haben. Im Herzen des jungen Mannes regte es sich indessen wie in einem Vulkane. Seyfried gemachte der von ihm so wert gehaltenen Gisela, die an der Seite eines An­deren die Flitterwochen verlebte. Er zitterte mehrmals innerlich und fühlte im Stillen heraus, daß er versucht habe, sich selbst zu überlisten, als er Hellberg erklärte, feine Neigung zu Gisela sei nichts als Freundschaft gewesen. Voll und ganz fühlte Seyfried heraus, daß er Gisela liebte, überhaupt schon seit langer Zeit geliebt hatte, wie ein Jüngling dasjenige Mädchen liebt, welches er dereinst als Gattin heimzuführen gedenkt und der sehnsüchtige Herzens­wunsch rang sich aus seiner Brust: Ach, wenn nur Gisela weniger reich, ach wenn sie doch arm gewesen wäre, dann hätte sie dein Weib werden können!

Wenige Minuten nach der Zeit, In welcher Seyfried sich diesen Empfindungen und Betrachtungen hinge geben hatte, wurde plötzlich die Thür des Zimmers, in welchem sich der Disponent und der Kassierer des Hauses Nepomuck befanden, heftig aufgerissen und der Comptoirdiener Anton, welcher vorher die Briefschaften dem Disponenten über­geben hatte, stürzte, einem Jammerbilde gleich, herein und wimmerte:£) mein Kopf, mein Kopf l" (gottf. folgt.)

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Deutsches Reich.

Berlin, 17. Mai. Heber den Empfang einer Depu­tation hiesiger Studenten durch den Kaiser wird mitgeteilt: Die Deputation bestand aus den Herren F. Schönermark, stud. jur., G. Louis, stud. phil., Hering, stud. phil., (j. Ribbeck, stud, theol. Auf dir von Herrn Schönermark gehaltene Ansprache erwiderte der Kaiser, el habe ihn mit inniger Freude erfüllt, die allgemeine freudige Teilnahme -u bemerken, mit der die Geburt seines Urenkels ausge­nommen worden sei und er erblicke in derselben ein neues Zeichen der in seinem Volke tief wurzelnden Anhänglichkeit an das Hohenzollernsche Herrscherhaus. Darauf befragte der Kaiser die einzelnen Mitglieder der Deputation in der huldvollsten Weise über ihre persönlichen Verhältnisse und entließ dieselbe endlich mit dem Auftrage, der Studenten­schaft für die in ihrem Namen dargebrachten Glückwünsche seinen Dank zu überbringen. Au» ärztlichen Kreisen hört man, daß der berühmte Chirurg, Dr. Langend eck, seine Entlassung aus dem Profefioren-Kollegium der medi­zinischen Fakultät der hiesigen Universität erbeten hat. Geheimrat Langenbeck motiviert daS Gesuch mit feinem hohen Alter, welches ihm nicht mehr ermögliche, Vorlesungen zu halten. Der Rücktritt desselben ist jedoch noch nicht entschieden, da der Kaiser den berühmten Arzt persönlich ersucht hat, noch im Amt zu verharren. Langenbeck hat sich die Entscheidung hierauf noch Vorbehalten. Für den Fall, daß Professor Langenbeck bei seinem bedauerlichen Entschluß, sich in das Privatleben nach Wiesbaden zurück- zuziehen, beharren sollte, bezeichnet man als eventuellen Nachfolger des berühmten Chirurgen Profeflor König in Göttingen oder Profesfor Volckmann in Halle. Der Bundesrat dürfte in nächster Zeit in die Beratung zur Beschlußfassung über die revidierte ärztliche Prüfungs- Ordnung eintreten. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt dazu:Es dürfte vielleicht gelingen, dgS schwierige und weitschichtige Material so weit zu sichten und zu ordnen, daß es noch im Verlaufe diese» Jahres zur Entscheidung des Bundesrates unterbreitet werden könnte, falls diesen wie daS Reichskanzler-Amt nicht dringendere und größere Sorgen und Arbeiten in Anspruch nehmen." Wie wir hören, werden sich zu den Gotthardbahn - Feierlichkeiten die SlaatSminister v. Bötticher und Bitter nach der Schweiz begeben. Auch nehmen seitens de- Reichstags außer den 3 Präsidenten, den 8 Schriftführern- und den 2 Quästoren, welche sämtlich der Einladung folgen, noch teil die Abtei­lungs-Vorsitzenden resp. deren Stellvertreter: Dr. LaSker, Ausfeldt, Römer, Löwe, v. Bodmann und Fihr. v. Unruh- Bomst, für Herrn v. Schorlemer-Alst wird noch ein Stell­vertreter gestellt werden. Der Kaiser hat genehmigt, daß sich die VolldeckS-KorvetteMoltke" im Juli nach Monte­video begiebt, um daselbst die Mitglieder der deutschen

Die» sagend blickte Hellberg dem etwas verlegenen Kasstrer scharf in die Augen, doch dieser antwortete kurz:

So ist es, ich brauche Ihnen dies nicht weiter zu be­teuern, wir stehen so zu einander, daß auch hier das ein­fache Wort gilt."

Nun, dann fällt mir auch ein Stein vom Herzen," fügte Hellberg treuherzig hinzu.Ich glaubte fast, unser ehrgeiziger Herr Prinzipal hätte beim Abschluß dieser Ehe zwischen der Gisela und dem Baron auch noch zwei Herzen auseinander gerisien, ohne die Bürgschaft zu haben, daß in dem jungen Ehepaare sich zwei Herzen gefunden hätten oder vielmehr finden würden. Nun, da die Sachen anders liegen, als ich wähnte, hoffe ich, daß sich das junge Paar dort drüben in Neudegg schon zurecht finden wird. Die Gisela hat, wie Sie mir selbst gesagt haben, Herz und Verstand auf der richtigen Stelle und wenn auch der liebe Gott diese Herzen nicht zusammengefügt hatte, so ist er doch bei der Trauung in der Kirche um seinen Segen angefleht worden und kann dort Liebe sähen, wo bisher nur ein kälteres Ge­fühl vorhanden war."

Bei diesen letzten Worten hatte die Stimme des sonst in der Regel etwas moquanten Disponenten Hellberg einen weicheren Klang angenommen und man merkte, daß sie au« dem Herzen gekommen waren.

In das Zimmer, wo Hellberg und Seyfried beschäftigt waren, trat jetzt ein älterer Comptoirdiener und legte dem Disponenten einige angekommene Briefe auf den Tisch, während er noch eine Anzahl anderer Briefe, die für den Bankier Nepomuk bestimmt waren, weiter nach dessen Zimmer trug, beim Weggehen aber dem Disponenten in« Ohr flüsterte:

ES ist auch ein Brief von der Baroneß Giselch da­

meiflen nimmt entgegen

Expedition d. Blattes. kömied.Annoncen-Bureanx »Th- Dietrich u. Go. in «affel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; fiaafenftein u. Vogler m Frankfurt a. M-, Berlin, Bg, Mn rc.; Rudolf Me in Berlin, Frank- s " furt a. M. rc.

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Gisela.

Novelle von A. Horst.

(Fortsetzung)

Seyfried, Sie werden ja ganz elegisch," witzelte jetzt der Disponent.Vor vielen Jahren hatte ich auch einen solchen Traum, als ich bei einem Großkaufmann erster Commis war, da betete ich auch einen solchen Engel an in der Gestalt einer der Töchter meine« Prinzipals. Aber als ich glaubte, mir die väterliche Einwilligung zu unserem Herzensbunde erbitten zu dürfen, da hat man mich mit einer fo frostigen Höfligkeit zur Thür hinauskomplimentiert, daß e« mich jetzt noch beim Gedanken daran eiskalt über­läuft, und ehe ich noch am darauf folgenden Montage im Comptoir erschienen war, hatte mir der allzu gütige Prin­zipal das laufende VierteljahrSgehalt in meine Wohnung gesandt und mir in zuvorkommendster Weise angedeutet, daß ich in seinem Geschäfte überflüssig geworden wäre. Seit dieser Zeit weiß ich erst, was die Ehen in der vor­nehmen Welt sind und bedeuten."

Aber mein lieber Hellberg, waS wollen sie nur mit Ihrer unglücklichen Jugendliebe mir andeuten, daS ist ja nicht mein Fall," entgegnete wieder Seyfried.Ich habe nicht unglücklich geliebt, ich habe Gisela nur im Ver- bvrgeneu geliebt und wie ... . wie .... nun wie ein Bruder, ein Freund geliebt und wünsche vom Herzen, daß es ihr an der Seite des Herrn Barons v. Swoboda recht wohl ergehen möge."

Damit wollen Sie also sagen, Seyfried, daß zwischen Ihnen und Gisela sich gar keine zärtliche Neigung ent­wickelt und kein, gar kein Verhältnis liebender Herzen be­standen hat."

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